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Ganztagsschule. Ein Beitrag zur Bewältigung sozialer Ungleichheit?!

Title: Ganztagsschule. Ein Beitrag zur Bewältigung sozialer Ungleichheit?!

Intermediate Diploma Thesis , 2006 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christine Tausch (Author)

Pedagogy - School System, Educational and School Politics
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Summary Excerpt Details

Die Veröffentlichung der ersten PISA-Studie im Jahr 2001 eröffnete eine intensive Debatte über das deutsche Bildungswesen. In der kontroversen Diskussion über Lösungsmöglichkeiten der deutschen „Bildungsmisere“ geriet insbesondere das Thema Ganztagsschule in den Fokus. Vorangetrieben wurde die Diskussion auch durch ein Investitionsprogramm der Bundesregierung zur Förderung von Ganztagsschulen. Dass die Errichtung von Ganztagsschulen eine so zentrale Rolle im öffentlichen Diskurs und im schulpolitischen Handeln einnimmt, liegt daran, dass sich in ihr ganz unterschiedliche Argumentationslinien und Erwartungen verschiedener politischer und gesellschaftlicher Akteure bündeln: Zentral ist die Hoffnung, damit ein besseres Leistungsniveau der Schüler zu erreichen und Schüler stärker individuell zu fördern. Weiter werden mit der Ganztagsschule familienpolitische, sozialpädagogische und didaktische Zielsetzungen verfolgt.
Von den vielen Hoffnungen, die sich an Ganztagsschulen richten, interessiert in dieser Arbeit die, dass Ganztagsschulen Nachteile von Kindern aus sozial schwachen Familien ausgleichen und damit helfen, Chancengleichheit in der Bildungsbeteiligung zu verwirklichen. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, ist die zentrale Frage dieser Arbeit. Ihr wird in zwei Schritten nachgegangen.

Zuerst steht der Zusammenhang von Bildung und sozialer Ungleichheit im Fokus. Nach Klärung zentraler Begriffe soll darauf eingegangen werden, wie stark Bildungschancen in Deutschland von der sozialen Herkunft abhängen und wodurch dies verursacht ist. Hier werden empirische Befunde sowie Erklärungsansätze im Anschluss an die bildungssoziologischen Theorien von Boudon und Bourdieu rezipiert. Deutlich wird, dass soziale Herkunft in Deutschland eine wichtige Determinante von Bildungserfolg ist. Bildungsungleichheiten werden von einer Reihe von Mechanismen hervorgebracht und reproduziert, deren genaue Funktion und Gewichtung noch nicht ausreichend erforscht ist.
Danach wendet sich die Arbeit der Ganztagsschule in Deutschland zu. Hier werden die zentralen Merkmale unterschiedlicher Konzeptionen von Ganztagsschule herausgearbeitet und daraufhin untersucht, ob sie dazu geeignet sind, Bildungsdisparitäten abzubauen. Aus Basis der zuvor gewonnenen Kriterien kommt die Arbeit hier für den größeren Teil der Ganztagsschulmodelle in Deutschland zu eher skeptisch stimmenden Befunden.

(Studienabschließende Hausarbeit zum Vordiplom Erziehungswissenschaft, Universität Marburg, 2006.)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG UND FRAGESTELLUNG

2. BEGRIFFSKLÄRUNG: SOZIALE UNGLEICHHEIT UND BILDUNG

2.1 Zum Begriff „soziale Ungleichheit“

2.2 Bildung als zentrale Dimension sozialer Ungleichheit

3. UNGLEICHHEIT DER BILDUNGSCHANCEN IN DEUTSCHLAND

3.1 Ausmaß der Ungleichheit

3.2 Erklärungsansätze

3.2.1 Boudon

3.2.2 Bourdieu

3.3 Zentrale Ursachenkomplexe

3.3.1 Familienspezifische Sozialisation

3.3.2 Institutionelle Ursachen

4. ANNÄHERUNG DER BILDUNGSCHANCEN DURCH DIE GANZTAGSSCHULE?

4.1 Entwicklung von Ganztagsschulen in Deutschland

4.2 Was ist Ganztagsschule?

4.3 Teilnahme an Ganztagsschulen in Deutschland

4.4 Chancen und Probleme der Ganztagsschule in Bezug auf die Verringerung der soziale Bildungsungleichheiten

4.4.1 Entlastung der Eltern

4.4.2 Ganztagsschule als Ort vielseitigen Lernens

4.4.3 Individuelle Förderung und Reform des Unterrichts

4.4.4 Institutionelle Aspekte

4.4.5 Ganztagsschule – Stigmatisierung oder Nachteilsausgleich?

5. FAZIT: ANFORDERUNGEN AN DIE GANZTAGSSCHULE

6. LITERATUR

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob Ganztagsschulen einen wirksamen Beitrag zur Verringerung sozial bedingter Bildungsungleichheiten in Deutschland leisten können und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

  • Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen
  • Theoretische Erklärungsansätze (Boudon und Bourdieu)
  • Sozialisationsbedingte und institutionelle Ursachen von Bildungsdisparitäten
  • Konzeptionen, Entwicklung und aktuelle Verbreitung der Ganztagsschule
  • Chancen und Grenzen von Ganztagsschulen zur Kompensation sozialer Nachteile

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Familienspezifische Sozialisation

Lernen findet nicht allein in der Schule statt. Besonders wichtig sind vielmehr auch die Familie sowie Freundschaften und Peergruppen, da Kinder dort wichtige Fähigkeiten und Kenntnisse erwerben, die sie für das alltägliche Leben benötigen (vgl. Grundmann u.a. 2004: 43). Im Rahmen der familialen Sozialisation ist besonders wichtig, wie stark Kinder auf kulturelles Kapital zugreifen können. Damit sind etwa Besitz und Nutzung kultureller Güter sowie der Besuch kultureller Veranstaltung angesprochen. Kulturelle Anregungen fördern die sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten von Kindern (vgl. Geißler 1994: 137f.). Auch das Bildungsniveau der Eltern kann als kulturelles Kapital angesehen werden, das unter anderem auch darüber entscheidet, ob und wie sehr Eltern ihren Kindern Hilfestellung, etwa bei Hausaufgaben, geben können. Empirisch zeigt sich ein deutlicher Einfluss von kulturellem Kapital und Bildungsniveau der Eltern auf die Leistung von Kindern.

Dabei erweist sich die Bildung der Mütter als bedeutsamer als die Bildung von Vätern, was dafür spricht, dass für die intergenerationale Vererbung sozialer Ungleichheit die Rolle von Müttern als primären Bezugspersonen in schulischen Belangen besonders wichtig ist (vgl. Hinz/Groß 2005: 210 u. 216). Weiter beeinflussen auch die finanziellen Ressourcen von Familien die Bildungschancen, indem sie die Ausstattung mit kulturellen Gütern, den Zugang zu vielfältigen, anregenden Freizeitaktivitäten oder die Inanspruchnahme von Nachhilfe ermöglichen.

Bedeutsam sind ferner die Interaktions- und Kommunikationsprozesse in der Familie, die zum Beispiel soziale Umgangsformen, Konfliktaustragungsformen und Diskussionsfähigkeit prägen. Schichtspezifische Unterschiede der familialen Sozialisationsprozesse sind dabei bereits für Kinder im Vorschulalter nachgewiesen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG UND FRAGESTELLUNG: Die Einleitung beleuchtet die bildungspolitische Debatte nach der ersten PISA-Studie und definiert das Ziel der Arbeit, den Beitrag der Ganztagsschule zur Chancengleichheit zu hinterfragen.

2. BEGRIFFSKLÄRUNG: SOZIALE UNGLEICHHEIT UND BILDUNG: Dieses Kapitel definiert soziale Ungleichheit als ungleiche Verteilung wertvoller Güter und ordnet Bildung als eine zentrale Dimension ein, die Lebenschancen maßgeblich bestimmt.

3. UNGLEICHHEIT DER BILDUNGSCHANCEN IN DEUTSCHLAND: Hier wird das Ausmaß der bildungsbezogenen Ungleichheit analysiert, theoretische Erklärungsansätze von Boudon und Bourdieu werden erläutert und die Ursachen in familiärer Sozialisation sowie institutionellen Rahmenbedingungen verortet.

4. ANNÄHERUNG DER BILDUNGSCHANCEN DURCH DIE GANZTAGSSCHULE?: Dieses Kapitel beleuchtet die Entwicklung und Definition von Ganztagsschulen und diskutiert kritisch deren Potential zur Entlastung von Familien, Förderung und Rhythmisierung des Unterrichts.

5. FAZIT: ANFORDERUNGEN AN DIE GANZTAGSSCHULE: Das Fazit resümiert, dass Ganztagsschulen kein Allheilmittel sind, sondern institutionelle Reformen erfordern, um als Teil einer umfassenden "Ganztagsbildung" soziale Nachteile abzumildern.

6. LITERATUR: Zusammenstellung der in der Hausarbeit zitierten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Ganztagsschule, soziale Ungleichheit, Bildungschancen, PISA-Studie, Bildungsbenachteiligung, soziale Herkunft, familiale Sozialisation, kulturelles Kapital, Chancengleichheit, Bildungsreform, institutionelle Ursachen, Ganztagsbildung, Rhythmisierung, individuelle Förderung, Selektion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Frage, ob die Einführung von Ganztagsschulen in Deutschland dazu beitragen kann, den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu lockern und bestehende Bildungsungleichheiten zu verringern.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung sozialer Ungleichheit, die Ursachen für Bildungsdisparitäten im deutschen Schulsystem sowie die konzeptionellen Möglichkeiten und Grenzen der Ganztagsschule als pädagogisches Instrument.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob die Hoffnung berechtigt ist, dass Ganztagsschulen durch bessere Förderung und veränderte Lernumgebungen die bildungsbezogenen Nachteile von Kindern aus sozial schwachen Familien ausgleichen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender bildungssoziologischer Studien, PISA-Auswertungen und bildungspolitischer Fachliteratur zur Ganztagsschuldebatte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der bildungstheoretischen Grundlagen (Boudon/Bourdieu), die Untersuchung der Ursachenkomplexe (Sozialisation/Institutionen) sowie die kritische Prüfung der Chancen und Risiken ganztägiger Schulformen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Ganztagsschule, soziale Ungleichheit, kulturelles Kapital, Chancengleichheit, institutionelle Selektion und Ganztagsbildung.

Welche Rolle spielen Boudon und Bourdieu in der Arbeit?

Boudon und Bourdieu dienen als theoretisches Gerüst: Während Boudon auf rationale Bildungsentscheidungen und Herkunftseffekte fokussiert, erklärt Bourdieu die Reproduktion von Ungleichheit durch kulturelles Kapital und den schichtspezifischen Habitus.

Warum ist die "frühe Selektion" im deutschen Schulsystem problematisch?

Die Arbeit führt aus, dass die frühe Aufgliederung in verschiedene Schulformen die soziale Herkunft übermäßig stark gewichtet und als "Weichenstellung" den sozialen Aufstieg für Kinder aus benachteiligten Verhältnissen erschwert.

Gilt die Ganztagsschule als Allheilmittel für Bildungsgerechtigkeit?

Nein, die Autorin betont ausdrücklich, dass die Ganztagsschule kein Allheilmittel ist, sondern nur dann einen Beitrag leisten kann, wenn sie von institutionellen Reformen begleitet wird und über bloße Betreuungsangebote hinausgeht.

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Details

Title
Ganztagsschule. Ein Beitrag zur Bewältigung sozialer Ungleichheit?!
College
University of Marburg  (Fachbereich Erziehungswissenschaften)
Grade
1,0
Author
Christine Tausch (Author)
Publication Year
2006
Pages
29
Catalog Number
V67879
ISBN (eBook)
9783638605649
ISBN (Book)
9783638688802
Language
German
Tags
Ganztagsschule Beitrag Bewältigung Ungleichheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christine Tausch (Author), 2006, Ganztagsschule. Ein Beitrag zur Bewältigung sozialer Ungleichheit?!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67879
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