Kinder leiden unter Spannungen in der Familie. Sie merken schon im Kleinkindsalter, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Besonders bei kleineren Kindern gerät das Weltbild bei Konflikten der Eltern ins Wanken. Wenn Eltern sich sogar trennen bzw. scheiden lassen, stellt dies für die betroffenen Kinder eine schwere Krise dar, denn das Kind fühlt sich hin und her gerissen. Mit der kontinuierlichen Steigung der Scheidungsrate hat der Gesetzgeber daher bei der Einführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes ein Angebot auf Beratung in allen Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung verankert. Ziel dieses Gesetzes ist, unter anderem, die aus einer Trennung/Scheidung resultierenden Risikofaktoren in der kindlichen Entwicklung zu minimieren. Den Eltern soll durch die Beratung geholfen werden, dass sie „ihre eigenen Probleme oder ihren Streit auf der Partnerebene von ihrer Verantwortung auf der Elternebene trennen und dabei vorrangig das Kindeswohl wahren“ (Fieseler/Schleicher/Busch 2005, SGB VIII § 17 Rz. 12).
Längsschnittuntersuchungen haben gezeigt, dass langfristig die Vorgehensweise bei einer Trennung/ Scheidung für die Entwicklung des Kindes nachhaltig von Bedeutung ist und nicht die Trennung/ Scheidung als solche (vgl. Suess 1995, S. 59).
Die Mediation ist eine an der Lebenswelt der Klienten orientierte Einzelfallhilfe. Eine Beratung nach § 17 SBG VIII kann nach dieser Methode durchgeführt werden. Sie zielt daraufhin ab, eine einvernehmliche Lösung für strittige Fragen (z.B. Umgangsrecht) zu finden und im Endeffekt eine win-win–Situation zu schaffen. Win-win–Situation heißt hier, eine für alle Parteien annehmbare/tragbare Lösung gemeinsam zu finden, sodass sich alle nach der Mediation als Gewinner fühlen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Rechtliche Grundlage
Geschichte
Empirische Untersuchungen zu den Reaktionen des Kindes auf Trennung/Scheidung
Die Mediation
Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Mediation eine geeignete sozialpädagogische Methode der Beratung nach § 17 SGB VIII darstellt, um bei Trennungs- und Scheidungsprozessen das Kindeswohl nachhaltig zu schützen und zu fördern.
- Rechtlicher Rahmen der Elternberatung gemäß SGB VIII
- Historische Entwicklung und fachliche Grundlagen der Mediation
- Psychologische Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf Kinder
- Methodische Struktur und Stufenmodell des Mediationsprozesses
- Vorteile und Grenzen der Mediation aus Sicht des Kindeswohls
Auszug aus dem Buch
Die Mediation
In einer Trennung/Scheidungssituation gibt es vier Möglichkeiten zur Regelung von auftretenden Konflikten.
1. Verhandlung der Betroffenen alleine
2. Verhandlung unter Hinzuziehung eines außenstehenden Dritten (Mediation)
3. Streit/Kampf
4. Entscheidung durch Schlichter oder Richterspruch
(vgl. Bastine 1995, S. 15 f).
Die erste Möglichkeit ist gut, wenn die Betroffenen es wirklich alleine schaffen, den Konflikt zum Wohl des Kindes beizulegen. Die dritte und vierte Möglichkeit haben eindeutig einen negativen Beigeschmack, denn ein Streit kostet nur Energie, die besser zum Kindeswohl genutzt werden könnte, und wenn eine dritte Person die Entscheidung fällt, so fühlt sich meist die eine Partei als Sieger und die andere als der Verlierer.
Im Folgenden werde ich die zweite Möglichkeit einmal genauer betrachten.
Die Mediation ist ein Angebot der Jugendhilfe zur Unterstützung der Familie, die Trennung/Scheidung zu meistern.
„Vermittlung ist eine strukturierte Kurzzeitintervention. Sie ist streitbezogen, entscheidungsbezogen, zukunftsbezogen und kindbezogen. Sie ist streitbezogen, weil Vermittlung vorrangig auf die Einvernehmliche Regelung konkreter Streitpunkte konzentriert ist. Sie ist entscheidungsbezogen, weil Vermittlung die Eltern zur Entscheidung über ihre Streitpunkte befähigen will. Sie ist zukunfts- und kindbezogen, weil es um die Gestaltung der Bedingungen für die zukünftige Entwicklung der Kinder geht und nicht um die vergangenen und gegenwärtigen Konflikte der Eltern untereinander“ (Proksch 1993, S. 197).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Belastungssituation von Kindern bei Trennung und Scheidung und hinterfragt, ob Mediation als sozialpädagogische Methode das Kindeswohl effektiv unterstützt.
Rechtliche Grundlage: Es werden die gesetzlichen Ansprüche auf Beratung nach § 17 SGB VIII erläutert, wobei der Fokus auf der Förderung der elterlichen Verantwortung zum Wohle des Kindes liegt.
Geschichte: Dieses Kapitel zeichnet die Ursprünge der Mediation nach und beschreibt, wie sich die Methode in Deutschland als Reaktion auf veränderte gesellschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen etablierte.
Empirische Untersuchungen zu den Reaktionen des Kindes auf Trennung/Scheidung: Hier werden wissenschaftliche Erkenntnisse zu den emotionalen und psychischen Folgen einer Trennung für Kinder dargelegt, wobei betont wird, dass nicht die Trennung selbst, sondern die Art der Auseinandersetzung entscheidend ist.
Die Mediation: Es wird das Stufenmodell und der methodische Ablauf der Mediation vorgestellt, sowie deren Rolle als Kommunikationshilfe zur eigenverantwortlichen Konfliktlösung durch die Eltern.
Resümee: Die Autorin schließt mit der Einschätzung, dass Mediation eine große Chance bietet, da sie Eltern befähigt, die Paarbeziehung von der Elternverantwortung zu trennen und den Fokus auf das Kindeswohl zurückzugewinnen.
Schlüsselwörter
Mediation, SGB VIII, Trennung, Scheidung, Kindeswohl, Elternverantwortung, Beratung, Konfliktregelung, Soziale Arbeit, Jugendhilfe, Kommunikation, Konfliktbewältigung, Einzelfallhilfe, Familienrecht, Umgangsrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der Mediation als sozialpädagogische Beratungsmethode für Eltern in Trennungs- und Scheidungssituationen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den rechtlichen Grundlagen des SGB VIII, der historischen Entwicklung der Mediation, den Auswirkungen der Trennung auf Kinder und der methodischen Durchführung von Mediationsprozessen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob die Mediation eine geeignete Methode der sozialen Arbeit ist, um das Kindeswohl bei einer Trennung oder Scheidung effektiv zu wahren.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Hausarbeit, die auf einer Auswertung von Fachliteratur, empirischen Studien und rechtlichen Kommentierungen basiert.
Was wird im Hauptteil detailliert erörtert?
Der Hauptteil widmet sich dem Stufenmodell der Mediation, den notwendigen Voraussetzungen und Ausschlusskriterien für dieses Verfahren sowie der Abgrenzung zu therapeutischen Interventionen.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk?
Zentrale Begriffe sind Mediation, Kindeswohl, Elternverantwortung, SGB VIII und Konfliktregelung.
Wie unterscheidet sich die Mediation von einer gerichtlichen Entscheidung?
Im Gegensatz zu einer richterlichen Entscheidung fördert die Mediation die Eigenverantwortung der Eltern, sodass diese selbstbestimmt Lösungen finden, anstatt eine Entscheidung von außen auferlegt zu bekommen.
Warum ist die Trennung von Paarebene und Elternebene so wichtig?
Die Autorin betont, dass Eltern oft durch den Trennungsschmerz in ihrer elterlichen Kompetenz eingeschränkt sind; die Mediation soll helfen, die elterliche Beziehung zum Wohle des Kindes zu erhalten, auch wenn die Paarbeziehung endet.
- Quote paper
- Claudia Giehl (Author), 2006, Mediation - eine sozialpädagogische Methode der Beratung nach § 17 SGB VIII, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67963