In der novellistischen Studie „Bahnwärter Thiel“ von Gerhardt Hauptmann lassen sich einige Machtverhältnisse aufzeigen, von denen im Folgenden besonders die Macht der Triebkräfte eingehender beschrieben werden sollen. Da es mir nicht möglich ist, den Machtbegriff vollständig durch eine einzige Definition einzugrenzen um ihn zu beschreiben, wird eine vorläufige Aussage über den Gegenstandsbereich dem Hauptteil der Arbeit vorangestellt. Dieser soll dann im Verlauf der Arbeit konkretisiert und weiterentwickelt werden. Da eine erneute Literaturrecherche, bezogen auf die Machtverhältnisse im Bahnwärter Thiel (besonders die Macht der Triebe), leider nicht den gewünschten Erfolg hatte, werde ich Werke zum Stand der Forschung heranziehen, um die dort vorherrschenden Ideen zur Macht im „Bahnwärter Thiel“ als Forschungsstand anzuführen, welche dann eventuell auch Einfluss auf die Weiterentwicklung des Machtbegriffes nehmen können. Zentrum dieser Arbeit soll jedoch sein, die verschiedenen Machtverhältnisse mit dem Fokus der Macht der Triebe (ausgehend von Freuds Definition der Macht der Triebe1 bzw. der Psychoanalyse) sein. Um weitere Formen der Macht beispielhaft am „Bahnwärter Thiel“ aufzuzeigen, ist nicht der Raum gegeben, sondern würde den Rahmen der Arbeit sprengen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Der Machtbegriff
3. Der Stand der Forschung
4. Die Macht der Triebe an ausgesuchten Beispielen im „Bahnwärter Thiel“
5. Resümee
6. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Machtverhältnisse in Gerhart Hauptmanns novellistischer Studie „Bahnwärter Thiel“, mit einem besonderen Fokus auf den Einfluss psychologischer Triebkräfte auf das Handeln der Hauptfigur. Es soll analysiert werden, inwieweit diese Triebkräfte und die daraus resultierende psychische Ohnmacht die unausweichliche Katastrophe am Ende der Erzählung begründen.
- Analyse des Machtbegriffs im interaktionalen Kontext
- Psychoanalytische Betrachtung der Triebsteuerung nach Sigmund Freud
- Untersuchung der Machtdynamik zwischen Thiel und Lene
- Bewertung des Einflusses von Lene als autoritär-dominante Stiefmutter
- Reflektion über die Unausweichlichkeit des tragischen Ausgangs
Auszug aus dem Buch
4) Die Macht der Triebe an ausgesuchten Beispielen im „Bahnwärter Thiel“
Als besonders markant und in diesem Zusammenhang auch schon in der Literatur mehrfach näher betrachtet ist die Szene, in welcher Thiel, da er sein Butterbrot vergessen hat nach Hause kommt, bevor er den Dienst antritt. Thiel betritt die häusliche Szene, in der Lene seinen Sohn Tobias misshandelt. Tobias ist unfähig sich gegen die starke und brutale Stiefmutter Lene zu wehren; Thiel der hinzukommt, beginnt nicht, Tobias zu schützen, sondern er rechtfertigt bzw. erklärt seine ungeplante Heimkehr.
„Sekundenlang spielte sein Blick über den starken Gliedmaßen seines Weibes, das, mit abgewandtem Gesicht herumhantierend, noch immer nach Fassung suchte. Ihre vollen, halbnackten Brüste blähten sich vor Erregung und drohten das Mieder zu sprengen, und ihre aufgerafften Röcke ließen die breiten Hüften noch breiter erscheinen. Eine Kraft schien von dem Weibe auszugehen, unbezwingbar, unentrinnbar, der Thiel sich nicht gewachsen fühlte.“
Lene wird hier als eine auf Thiel äußerlich sehr attraktiv wirkende Frau beschrieben, jedoch mit stark animalischen Zügen. Die „starken Gliedmaße“, die „vollen, halbnackten Brüste“, das Mieder welches durch ihre Erregung fast gesprengt wird, „ihre aufgerafften Röcke ließen die breiten Hüften noch breiter erscheinen“; Thiel kann sich diesen sexuellen Reizen nicht widersetzen. Er denkt nur einen flüchtigen Moment darüber nach, hier gewaltsam einzuschreiten und Tobias so zu schützen, dann nehmen die Triebe wieder überhand und er ist ihrer Macht ausgeliefert und unterlegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung der Machtverhältnisse bei Hauptmann ein und skizziert den Fokus auf die psychoanalytisch begründete Macht der Triebe.
2. Der Machtbegriff: Dieses Kapitel definiert Macht als Konstrukt zwischen zwei Parteien und führt den ergänzenden Gegenpol der Ohnmacht ein.
3. Der Stand der Forschung: Hier werden bestehende Forschungsmeinungen zur Novelle dargelegt, insbesondere zu Thiels Triebhaftigkeit und dem daraus resultierenden Handlungszwang.
4. Die Macht der Triebe an ausgesuchten Beispielen im „Bahnwärter Thiel“: Der Hauptteil analysiert konkret die Szenen, in denen die Macht Lenes und der Triebe Thiel kontrollieren und zu seinem Untergang führen.
5. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die Katastrophe aus dem Zusammenspiel von Thiels Charakter und seiner Unfähigkeit zur Kontrolle der Triebkräfte resultiert.
6. Bibliografie: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Bahnwärter Thiel, Gerhart Hauptmann, Machtverhältnisse, Triebe, Psychoanalyse, Ohnmacht, Lene, Triebkraft, Literaturanalyse, Determinismus, Abhängigkeit, Autorität, Novelle, Unbewusstes, Destruktionstrieb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Machtverhältnissen in Gerhart Hauptmanns „Bahnwärter Thiel“ unter besonderer Berücksichtigung der psychologischen Triebkräfte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Psychoanalyse der Triebe, Machtstrukturen in Beziehungen, die Rollenverteilung zwischen Thiel und Lene sowie die Frage nach der Willensfreiheit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu erörtern, ob die Macht der Triebe als ursächlicher Grund für die unausweichliche Katastrophe am Ende der Novelle angesehen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die ergänzend freudsche psychoanalytische Konzepte sowie machttheoretische Ansätze (u.a. von Erich Fromm) heranzieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Szenen der Novelle, in denen Thiel durch die Reize seiner Frau Lene in Situationen extremer Ohnmacht und triebhafter Gefangenschaft gerät.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Macht, Triebe, Ohnmacht, Psychoanalyse, Abhängigkeit und Triebhaftigkeit charakterisiert.
In welchem Verhältnis stehen Lene und Thiel?
Die Beziehung ist durch eine starke, von Lene ausgeübte Dominanz und eine entsprechende sexuelle Abhängigkeit sowie psychische Ohnmacht Thiels geprägt.
Welche Rolle spielt die „vergeistigte Liebe“ zu Minna im Vergleich zu Lene?
Die Liebe zu seiner verstorbenen ersten Frau Minna bildet einen Gegenpol zur sinnlichen Triebhaftigkeit der Beziehung zu Lene, erweist sich jedoch letztlich als ähnlich stark im unbewussten Triebspektrum verankert.
Warum kommt es am Ende zur Katastrophe?
Die Katastrophe resultiert aus der Unfähigkeit Thiels, sein Handeln gegen den Einfluss der Triebkräfte und die erlebte Hilflosigkeit zu behaupten, was in blinde Wut und Rache mündet.
- Citation du texte
- Stephanie Plenge (Auteur), 2006, Die Macht der Triebkräfte im Bahnwärter Thiel , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/67999