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Südkorea – eine defekte Demokratie?

Title: Südkorea – eine defekte Demokratie?

Essay , 2006 , 3 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Kevin Francke (Author)

Politics - Region: South Asia
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Um ein autokratisches System zur Demokratie zu führen, können verschiedene
Wege beschritten werden. Eine Möglichkeit besteht darin, durch Institutionalisierung, in diesem Fall durch Schaffung von rechtsstaatlichen Einrichtungen, demokratische Strukturen auszubilden. Um dies beispielhaft darzustellen, wählen Gunter Schubert und Mark Thompson das anschauliche Beispiel Südkorea, das sich seit 1948 mehreren Verfassungsänderungen unterworfen hat und sich seit 1987 auf dem Weg der Re-Demokratisierung befindet.
Das Regierungssystem von Südkorea – der Republik Korea – erinnert sehr stark an das französische System. An der Spitze steht der Präsident, direkt vom Volk auf fünf Jahre ohne Wiederwahlmöglichkeit gewählt und von der Verfassung mit einer Reihe von fast autoritär anmutenden Kompetenzen ausgestattet. So hat er u.a. Vetomacht bei allen zu verabschiedenden Gesetzen, Legislativfunktion durch die Möglichkeit, Verordnungen zu erlassen, und er ernennt und entlässt die Regierung, wobei das Parlament – vom Volk auf vier Jahre gewählt – der Neuernennung zwar zustimmen muss, aber bei der Entlassung kein Mitspracherecht hat. Zudem ernennt er drei von neun Richtern des höchsten Gerichts des Landes, des Verfassungsgerichts; drei weitere werden von der Nationalversammlung mit Zustimmung des Präsidenten und drei vom Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofes ernannt.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Regierungssystem der Republik Korea

2.1 Formale Kompetenzen des Präsidenten

2.2 Die Verfassungswirklichkeit und die Rolle des Parlaments

2.3 Die Schwäche der Gewaltenteilung

3. Politische Parteien und gesellschaftliche Rahmenbedingungen

3.1 Parteienstruktur und Klientelismus

3.2 Einfluss der Großunternehmen und Korruption

3.3 Die Rolle des Bertelsmann Transformations-Index (BTI)

4. Transformationsprozesse und aktuelle Entwicklungen

4.1 Ansätze der Demokratisierung seit 1987

4.2 Zivilgesellschaft und wirtschaftliche Legitimation

4.3 Externe Akteure und internationale Einflüsse

5. Herausforderungen und Ausblick

5.1 Probleme der Rechtsstaatlichkeit und der National Security Act

5.2 Perspektiven der Demokratisierung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Transformationsprozess Südkoreas von einem autokratisch geprägten System hin zu einer funktionierenden Demokratie, wobei der Schwerpunkt auf der Rolle der politischen Institutionalisierung und den verbliebenen Defiziten im politischen System liegt.

  • Analyse der präsidentiellen Machtbefugnisse und ihrer Auswirkungen auf das parlamentarische Gleichgewicht.
  • Untersuchung der Struktur der politischen Parteien und deren Abhängigkeit von klientelistischen Netzwerken.
  • Bewertung der Rolle des Verfassungsgerichts als Kontrollinstanz in der südkoreanischen Rechtswirklichkeit.
  • Erörterung der Bedeutung der Zivilgesellschaft für die Festigung demokratischer Standards.
  • Diskussion der Auswirkungen sicherheitspolitischer Gesetze, wie des National Security Act, auf die Grundrechte.

Auszug aus dem Buch

Südkorea – eine defekte Demokratie?

Das Regierungssystem von Südkorea – der Republik Korea – erinnert sehr stark an das französische System. An der Spitze steht der Präsident, direkt vom Volk auf fünf Jahre ohne Wiederwahlmöglichkeit gewählt und von der Verfassung mit einer Reihe von fast autoritär anmutenden Kompetenzen ausgestattet. So hat er u.a. Vetomacht bei allen zu verabschiedenden Gesetzen, Legislativfunktion durch die Möglichkeit, Verordnungen zu erlassen, und er ernennt und entlässt die Regierung, wobei das Parlament – vom Volk auf vier Jahre gewählt – der Neuernennung zwar zustimmen muss, aber bei der Entlassung kein Mitspracherecht hat.

Die Verfassungswirklichkeit sieht nun weniger demokratisch aus, als dies die formalen Bestimmungen vorgeben. Um die Regierung nicht zu stark werden zu lassen, tauscht der Präsident in regelmäßigen Abständen die Regierung aus; das Parlament hat lediglich bei der Neueinsetzung des Kabinetts Bestätigungsrechte. Bei einer Mehrheit der Partei des Staatsoberhauptes im Parlament bringt der Präsident innerhalb kürzester Zeit Kraft seines Rechtes, Gesetze zu initiieren, die von ihm gewollten Gesetze in den Gesetzgebungsprozess ein und verabschiedet sie mit Hilfe der Parlamentsmehrheit. Oppositionsrechte und Minderheitenschutz, wie in Deutschland und anderen westlichen Demokratien üblich, fehlen dabei völlig.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Transformation autokratischer Systeme ein und stellt Südkorea als Fallbeispiel für Institutionalisierungsbemühungen seit 1987 vor.

2. Das Regierungssystem der Republik Korea: Dieses Kapitel erläutert die starke Stellung des Präsidenten und die Diskrepanz zwischen den formalen Verfassungsbestimmungen und der tatsächlichen politischen Praxis.

3. Politische Parteien und gesellschaftliche Rahmenbedingungen: Der Fokus liegt hier auf der schwachen Integrationskraft der Parteien, der Dominanz privater Netzwerke sowie der hohen Bedeutung ökonomischer Akteure.

4. Transformationsprozesse und aktuelle Entwicklungen: Hier werden die positiven Impulse für die Demokratisierung durch wirtschaftliche Entwicklung und eine erstarkende Zivilgesellschaft dargelegt.

5. Herausforderungen und Ausblick: Das abschließende Kapitel thematisiert die noch bestehenden strukturellen Mängel und die Notwendigkeit weiterer Reformen, um eine gefestigte Demokratie zu erreichen.

Schlüsselwörter

Südkorea, Demokratisierung, Transformation, Regierungssystem, Präsidentenamt, Gewaltenteilung, Verfassungsgericht, Parteiensystem, Zivilgesellschaft, Rechtsstaatlichkeit, Klientelismus, National Security Act, Demokratiedefizit, Politische Institutionen, Regierungsführung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert das politische System Südkoreas im Hinblick auf seinen demokratischen Charakter und untersucht, inwieweit die Institutionalisierung nach 1987 zu einer gefestigten Demokratie geführt hat.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Felder sind die präsidentielle Machtstruktur, die Funktionsweise der politischen Parteien, der Einfluss der Wirtschaft sowie die Bedeutung der Zivilgesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Transformationsprozess zu bewerten und aufzuzeigen, warum Südkorea trotz demokratischer Ansätze noch als defekte Demokratie eingestuft werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die den Vergleich des südkoreanischen Systems mit dem französischen Modell nutzt und Transformationsindikatoren wie den BTI heranzieht.

Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Regierungssystems, die Analyse der parteipolitischen Struktur sowie die Evaluierung aktueller gesellschaftlicher Wandlungsprozesse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Transformation, Institutionalisierung, Gewaltenteilung und präsidentielles System beschreiben.

Welche Rolle spielt der National Security Act in der Argumentation?

Der National Security Act dient als Beispiel für die Einschränkung von Grundrechten und zeigt auf, dass Sicherheitsbedenken gegenüber Nordkorea oft als Legitimation für die Beschränkung demokratischer Freiheiten dienen.

Inwieweit beeinflusst das Militär oder die Vergangenheit das heutige System?

Der Autor weist darauf hin, dass die historische Unterstützung des Präsidenten durch das Militär in den 1960er Jahren die heutige dominante Stellung des Amtes mitgeprägt hat, auch wenn die Strukturen 1987 formal erneuert wurden.

Warum wird das Verfassungsgericht als schwach bezeichnet?

Das Verfassungsgericht gilt als schwach, da es personell durch den Präsidenten beeinflusst wird und vorwiegend mit unerfahrenen Richtern besetzt ist, was eine effektive Kontrolle der Exekutive verhindert.

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Details

Title
Südkorea – eine defekte Demokratie?
College
University of Potsdam  (Institut für Vergleichende Politikforschung)
Course
Defekte Demokratien
Grade
1,7
Author
Kevin Francke (Author)
Publication Year
2006
Pages
3
Catalog Number
V68093
ISBN (eBook)
9783638796156
Language
German
Tags
Südkorea Demokratie Defekte Demokratien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kevin Francke (Author), 2006, Südkorea – eine defekte Demokratie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68093
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