László Darvasis 'Die Hundejäger von Loyang' unter Einbeziehung der postkolonialen Theorie 'Verortungen der Kultur' von Homi K. Bhabha


Hausarbeit, 2006

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Hundejäger von Loyang
2.1. Erster Teil
2.1.1. Das Imaginäre
2.1.2. Die Pointenlosigkeit
2.2. Zweiter Teil - Die Tsin-Akademie

3. Verortungen der Kultur

4. Verortungen der Kultur in Die Hundejäger von Loyang
4.1. Werkimmanente Betrachtung
4.1.1. Herrscher und Untertanen
4.1.2. Der "Dritte Ort" bei Darvasi
4.1.3. Die prozessuale Gegenwart

5. Ergebnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wenn Grausamkeit sich mit Erfindungsreichtum paart, sind wir dem Wesen

der Kunst nahe.“[1]

Diese Einstellung Darvasis spiegelt sich in seinem Werk Die Hundejäger von Loyang deutlich wieder. Seine chinesischen Kurzgeschichten sind grausam, dennoch aber voller künstlerischer Raffinesse. Dieser Gegensatz ist einer von vielen, von denen seine Erzählungen leben. Sie erscheinen phantasievoll, aber gleichzeitig rätselhaft und irritierend. Darauf soll in dieser Arbeit genauer eingegangen werden, indem die befremdlich wirkenden Elemente des Buches, wie die Pointenlosigkeit und das Metaphysische, genauer betrachtet werden.

Während des Lesens fällt jedoch auf, dass sich einiges mit der Theorie des postkolonialen Theoretikers Homi K. Bhabha erklären lässt, der sich in seinem Werk Verortungen der Kultur Gedanken über die Hybridität von Kulturen macht. Es ist nahe liegend, diesen Text auf Darvasis Buch anzuwenden, da dessen Geschichten im alten China spielen, während er selbst ein moderner, ungarischer Autor ist, den die Probleme seiner Zeit und Kultur interessieren.

Somit soll zunächst Bhabhas Theorie kurz erläutert und anschließend geprüft werden, inwiefern diese in Die Hundejäger von Loyang zum Tragen kommen könnte. Dabei fallen als Schnittstellen zwischen den beiden Werken besonders das Verhältnis zwischen Herrschern und Untertanen und zwischen Gegenwart und Vergangenheit auf, sowie der „Dritte Ort“, der ein gedankliches Konstrukt Bhabhas ist und als Zwischenraum konstituiert wird.

Die Arbeit soll also Verbindungen zwischen einem theoretischen und einem literarischen Text herstellen.

2. Die Hundejäger von Loyang

2.1. Erster Teil

Die Geschichten in László Darvasis „Die Hundejäger von Loyang“ spielen alle im alten China, in dem zwar reale Herrscher an realen Orten auftauchen, ansonsten aber alles sehr frei erfunden und der großen Imaginationskraft Darvasis entsprungen ist. Dabei ahmt er die traditionellen chinesischen Erzählungen nicht nach, sondern imitiert sie auf eine interessante Weise. Er übernimmt Figuren, Elemente, Motive und bestimmte Anschauungsweisen, gibt ihnen jedoch einen ganz persönlichen Charakter und verfremdet sie[2].

Seine Geschichten sind geheimnisvoll, rätselhaft und voller dunkler Andeutungen. Die Herrscher im fiktiven China zur Kaiserzeit sind grausam und die Untertanen passiv. Überall herrscht Gewalt und Tod und die Menschen werden willkürlich umgebracht, je nach Stimmung der launenhaften Kaiser und Fürsten, die gekennzeichnet sind vom Streben nach totalitärer Macht. Sie wollen Zeit und Raum ganz und gar ihren Wünschen gefügig machen. Dazu stellen sie ihre Untertanen vor unlösbare Aufgaben. Sie sollen die ganze Welt auf ein Blatt Papier bringen[3], ein gigantisches Bauwerk bauen[4] oder das Elixier des ewigen Lebens herstellen[5]. Trotz des vorprogrammierten Scheiterns unterwerfen sich die Menschen und versuchen die gestellten Aufgaben zu lösen. Anschließend müssen sie für ihr Versagen büßen.

„Wo die Wünsche des Kaisers in den Himmel wachsen, gelten Körper als

lästiger irdischer Ballast…Die reichlich rollenden Köpfe in László Darvasis

faszinierendem Erzählungsband…liefern die knöcherne Begleitmusik zur

Maßlosigkeit der Wünsche.“[6]

Diese brutale und mitleidlose Welt ist jedoch gleichzeitig sehr künstlerisch und raffiniert. In den schönsten Worten berichtet Darvasi über die grausamsten Massaker.

„Die Schüler fanden die verstümmelte Leiche des Dichters Tan in seinem

Garten. Es war ein friedlicher Vormittag, die ersten Päonien blühten. Die

Augen des Dichters waren mit Salz herausgeätzt, seine Zunge abgeschnitten,

die Arme aus dem Leib gerissen.“[7]

Von diesen Gegensätzen leben seine Chinesischen Geschichten. Sie zeichnen seinen besonderen Stil aus und tragen zur Verfremdung bei. Oder wie Darvasi selbst sagt: „Das Elende gedeiht in der erlesensten Form.“[8]

2.1.1. Das Imaginäre

Die Herrscher wollen nicht wahrhaben, dass es Dinge gibt, die sich trotz der Unterwerfung der Menschen in ihrem Reich nicht von ihnen kontrollieren lassen. Sie versuchen, Höllenhunde zu zähmen[9], den Tod zu betrügen[10] und Blumen auf Befehl blühen zu lassen[11]. Doch sie alle müssen scheitern, nicht zuletzt, weil sich in die bekannte Realität immer wieder das Imaginäre drängt. Ständig tauchen phantastische Elemente in den Erzählungen auf, die nicht nur die Kaiser, sondern auch den Leser verwirren. Bekanntes aus traditionellen Geschichten wird verrätselt und verfremdet.

„Märchenhaftes und Konzeptuelles treffen sich zur Erkundung des

Verhältnisses von Realität und Imagination.“[12]

Die Wirklichkeit wird somit immer wieder in Frage gestellt. Darvasi gibt dem Leser Rätsel auf, die sich jeder rationalen Auflösung zu entziehen scheinen.

[...]


[1] Darvasi, László: F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main, auf http://www.buecher.de/verteiler.asp?site=artikel_faz.asp&wea=1100485&artikelnummer=000001300945

[2] vgl.: www.hungarianbookfoundation.hu/Html/pdf/2002IIGER.pdf

[3] Darvasi, László: Die Hundejäger von Loyang – Chinesische Geschichten, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2003, S.26-31 (Kaiser Schang und das Buch)

[4] ebd.: S.9-12 (Der Anfang des Bauens)

[5] ebd.: S.13-25 (Das Geheimnis des ewigen Lebens)

[6] Süddeutsche Zeitung vom 21.05.2003, München, www.diz-muenchen.de

[7] Darvasi, László: Die Hundejäger von Loyang, S. 35 (Der Drachenmörder)

[8] http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/165885/ , 16.07.2003

[9] Darvasi, László: Die Hundejäger von Loyang, S.116-123 (Kaiser Tschang, die Künstler und der Türsteher)

[10] ebd., S.51-54

[11] ebd.: S.13-25 (Das Geheimnis des ewigen Lebens)

[12] Süddeutsche Zeitung, 21.05.2003

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
László Darvasis 'Die Hundejäger von Loyang' unter Einbeziehung der postkolonialen Theorie 'Verortungen der Kultur' von Homi K. Bhabha
Hochschule
Universität Paderborn  (Germanistik)
Veranstaltung
Literatur Osteuropas
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V68120
ISBN (eBook)
9783638606530
ISBN (Buch)
9783638824484
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
László, Darvasis, Hundejäger, Loyang, Einbeziehung, Theorie, Verortungen, Kultur, Homi, Bhabha, Literatur, Osteuropas
Arbeit zitieren
Janina Richts (Autor), 2006, László Darvasis 'Die Hundejäger von Loyang' unter Einbeziehung der postkolonialen Theorie 'Verortungen der Kultur' von Homi K. Bhabha , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68120

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