„Erst wenn es [den Menschen] sehr schlecht geht, wenn Stresskrankheiten und psychosomatische Beschwerden zunehmen, wenn sie aus vielfältigen Gründen mit ihrem Leben nicht mehr klar kommen und vor allem, wenn ihre Beziehung wieder und wieder zerbrechen, wenden sie sich an eine Therapeutin oder an einen Berater.“ Meiner Meinung nach sagt dieses Zitat vor allem aus, dass die Familien meist viel zu spät erst erkennen, dass sie Probleme haben. Diese These möchte ich als Leitfaden für meine Hausarbeit nehmen. Der Leser wird am Ende des Textes sicherlich verstanden haben, was ich jetzt zu Beginn, damit aussagen wollte.
Zunächst möchte ich dem Leser grundlegende Informationen zu der Genogrammarbeit, als wichtiges Instrument, in der Familienberatung geben. Ich möchte darauf eingehen, was Genogramme überhaupt sind, wo sie eingesetzt werden und welche Möglichkeiten und Fallen in der Genogrammarbeit liegen können.
Im Anschluss werde ich das Thema „Familienstruktur Stieffamilie“ näher beleuchten. Der Abschluss meiner Hausarbeit bildet das Thema: „Alkohol in Ehe und Familie“, welchem ich mich zentrales Familienproblem näher zuwenden werde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Genogrammarbeit in der Familienberatung
2.1 Was sind Genogramme?
2.2 Der Nutzen der Genogramme
2.3 Der Zusammenhang mit der systemischen Familientheorie
2.4 Die Erstellung von Genogrammen
2.5 Weitere Einsatzmöglichkeiten
2.6 Fallen des Genogramms
3. Typische Familienstruktur: Stieffamilie
4. Zentrales Familienproblem: Alkohol in Ehe und Familie, Psychosomatische Störungen
5. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, grundlegende Instrumente der Familienberatung, wie die Genogrammarbeit, darzustellen und diese auf spezifische familiäre Herausforderungen anzuwenden. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich komplexe Familiensysteme, insbesondere Stieffamilien und Familien mit einer Alkoholerkrankung, strukturieren und welche Bewältigungsstrategien betroffene Mitglieder entwickeln.
- Grundlagen und Nutzen der Genogrammarbeit in der systemischen Familientherapie
- Strukturelle Besonderheiten und Krisen von Stieffamilien
- Dynamiken von Alkoholismus als Familienkrankheit
- Rollenmuster und Bewältigungsstrategien von Kindern in belasteten Familiensystemen
- Reflexion der eigenen Familiensituation als Kind süchtiger Eltern
Auszug aus dem Buch
Typische Familienstruktur: Stieffamilie
Die Stieffamilie ist eine spezielle Familienform. Sie ist in jedem Falle von Kernfamilien zu unterscheiden. Die Paar- und Elternebene bezieht sich nicht mehr auf dieselben Personen, da durch die Heirat der Partner der Stiefelternteil nicht zum Elternteil wird. „Die Rolle des Stiefvaters bzw. der Stiefmutter ist im Unterschied zu der des Vaters und der Mutter nicht vorgegeben; sie muss vielmehr erworben werden. Während jemand Vater oder Mutter durch Zeugung und Geburt wird, wird die Stiefelternrolle in wechselseitiger Zuschreibung erworben.“12 So wird die Rolle des Stiefvaters oder Stiefmutter nicht vorgegeben.
Stieffamilien sind keine generell „schwierige“ Familien, schon gar nicht Problemfamilien. Nach Krähenbrühl ist es ihre besondere Situation, die es schwierig macht. Stieffamilien haben bestimmte Krisensituationen zu bewältigen, die erhöhte Anforderungen an die Organisation ihres gemeinsamen Lebens stellen. Die Familienmitglieder haben sich mit Trennung und Verlust auseinanderzusetzen, da ein leiblicher Elternteil an einem anderen Ort lebt, so dass eine wichtige Bezugsperson des Kindes woanders wohnt. Die Krise wird dadurch ausgelöst, dass die neue Lebenssituation Herausforderungen stellt, die im Rahmen der bisherigen Spielbreite des Verhaltens nicht mehr zu bewältigen sind, die vielmehr ein grundsätzlich neues Verhalten erforderlich machen. Jede Krise fordert also heraus, nicht nur kreativ neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln, sondern auch eine neue Lebensorganisation zu bilden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Familien oft zu spät Hilfe suchen, und steckt den Rahmen der Hausarbeit ab, der von der Genogrammarbeit über Stieffamilien bis hin zum Thema Alkoholismus reicht.
2. Genogrammarbeit in der Familienberatung: Dieses Kapitel erläutert den Nutzen des Genogramms als Instrument zur Darstellung von Familienbeziehungen über Generationen hinweg und geht auf dessen Erstellung sowie Grenzen ein.
3. Typische Familienstruktur: Stieffamilie: Es wird die Komplexität und Variabilität von Stieffamilien analysiert, wobei auf die spezifischen Krisen, Rollenunsicherheiten und Anpassungsstrategien dieser Familienform eingegangen wird.
4. Zentrales Familienproblem: Alkohol in Ehe und Familie, Psychosomatische Störungen: Das Kapitel behandelt den Alkoholismus als Familienkrankheit, die Auswirkungen auf Ehepartner und Kinder sowie die Rollenmuster, die von betroffenen Kindern zur Bewältigung des Alltags übernommen werden.
5. Schlussbemerkungen: Die Autorin reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und zieht eine persönliche Bilanz über den Erkenntnisgewinn durch die Genogrammarbeit für die Aufarbeitung der eigenen Familiensituation.
Schlüsselwörter
Genogramm, Familienberatung, Familientherapie, Stieffamilie, Alkoholismus, Familienkrankheit, Systemische Familientheorie, Rollenmuster, Bewältigungsstrategien, Sucht, Co-Abhängigkeit, Familiendynamik, Psychosomatik, System, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht grundlegende Instrumente der Familienberatung und wendet diese auf spezifische, belastende Familienstrukturen wie Stieffamilien und von Alkoholismus betroffene Familien an.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die praktische Anwendung von Genogrammen, die strukturellen Herausforderungen in Stieffamilien sowie die tiefgreifenden Auswirkungen von Alkoholsucht auf die Dynamik und Gesundheit eines Familiensystems.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, durch theoretische Fundierung und praxisnahe Anwendung (Genogrammarbeit) ein Verständnis für komplexe Familiensysteme zu entwickeln und die eigenen Erfahrungen als betroffenes Kind reflektiert aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse der systemischen Familientheorie und Familientherapie sowie auf die Methode der Genogrammarbeit zur Exploration familiärer Hintergründe.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Einführung der Genogrammarbeit, die Analyse der Stieffamilien-Struktur und die detaillierte Betrachtung des Familienproblems Alkoholismus, inklusive der Auswirkungen auf Kinder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Genogramm, Stieffamilie, Alkoholismus, systemische Familientherapie, Rollenmuster und Bewältigungsstrategien.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Stiefeltern von leiblichen Eltern laut der Arbeit?
Im Gegensatz zur leiblichen Elternschaft, die durch Zeugung und Geburt biologisch gegeben ist, muss die Rolle des Stiefelternteils laut den zitierten Autoren erst durch wechselseitige Zuschreibung erworben werden.
Welche Rollenmuster nehmen Kinder in alkoholbelasteten Familien laut den Erkenntnissen ein?
Die Arbeit führt fünf Rollenmuster auf, darunter das Chamäleon, der Macher, das unsichtbare Kind, der Sündenbock und das Familienmaskottchen, die als Anpassungsstrategien zum Überleben im kranken System dienen.
- Quote paper
- Melanie Aschert (Author), 2006, Genogrammarbeit in der Familienberatung und -therapie - Zentrale Familienprobleme: Stieffamilie und Alkoholismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68146