Der Begriff der Betriebsstätte ist für die nationale, sowohl für die internationale Besteuerung von zentraler Bedeutung. Der technische Fortschritt ist ein wesentlicher Anlass der vorangetriebenen Diskussionen, da beispielsweise die Anzahl virtueller Unternehmen steigt. Die Gewinne und Steuern der Betriebsstätte werden von dem jeweiligen Fiskus des Landes besteuert, in dem die Betriebsstätte liegt. Ziel dieser Studienarbeit ist es eine begriffliche Abgrenzung der nationalen Betriebsstätte zu finden und sehr bedeutende branchenspezifische Beispiele heraus zu arbeiten. Es ist zu erwähnen, dass auf Grund der besonderen Wichtigkeit speziell auf die Branche der Energieversorgung (Pipelineurteil) und auf das E-Commerce, aufgrund des rasanten technischen Fortschritts, eingegangen wird. Auf weitere Branchen, wie beispielsweise die Seeschifffahrt oder die Telekommunikation werden außer acht gelassen. Durch eine Besteuerungsbelastungsanalyse soll aufgezeigt werden, welche Form der Auslandsaktivität steuergünstiger ist, bei diesem Vergleich ist die Alternative zu der Betriebsstätte die Tochterkapitalgesellschaft, wobei nur der Nicht-DBA-Fall betrachtet wird. Es soll also verdeutlicht werden, was eine Betriebsstätte ist und in welchen Fällen die Begründung einer Betriebsstätte bei Investitionen in Deutschland von Vorteil sein kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemorientierte Einführung
2. Betriebsstättenbegriff
2.1 Begriff der Inländischen Betriebsstätte nach § 12 AO
2.1.1 Feste Geschäftseinrichtung
2.1.2 Konkretisierte Beispiele
2.1.3 Ständiger Vertreter nach § 13 AO
2.2 Betriebsstätte nach Artikel 5 OECD
2.2.1 Begriffsbestimmung
2.2.2 Unterschiede zum nationalen Recht
3. Branchenspezifische Beispiele
3.1 Electronic Commerce
3.1.1 Überblick
3.1.2 Betriebsstätte nach nationalem Recht
3.2 Energieversorgungen
3.2.1 Überblick
4. Besteuerung inländischer Betriebsstätten
4.1 Einkommensteuer/Körperschaftsteuer
4.1.1 Die Besteuerung im Gewinnfall
4.1.2 Besteuerung im Verlustfall
4.2 Gewerbesteuer
4.2.1 Besteuerung im Gewinnfall
5. Belastungsvergleich
5.1. Ausgangsdaten
5.2 Gewinnfall
5.2.1. Rechtsform des Personenunternehmens
5.2.2. Rechtsform einer Kapitalgesellschaft
5.3 Verlustfall
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Studienarbeit untersucht den steuerrechtlichen Betriebsstättenbegriff in Deutschland und analysiert dessen Auswirkungen auf die steuerliche Belastung bei Auslandsinvestitionen, um zu klären, unter welchen Bedingungen die Wahl einer Betriebsstätte gegenüber einer Tochterkapitalgesellschaft vorteilhaft ist.
- Definition und Abgrenzung des nationalen Betriebsstättenbegriffs gemäß § 12 AO und Art. 5 OECD-MA.
- Analyse branchenspezifischer Herausforderungen, insbesondere im Bereich E-Commerce und Energieversorgung.
- Untersuchung der steuerlichen Behandlung von inländischen Betriebsstätten (Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer).
- Durchführung eines steuerlichen Belastungsvergleichs zwischen Betriebsstätte und Tochterkapitalgesellschaft.
- Bewertung der steuerlichen Auswirkungen bei Gewinn- und Verlustsituationen.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Feste Geschäftseinrichtung
Bei einer festen Geschäftseinrichtung handelt es sich um körperliche Gegenstände und um Sachgesamtheiten, die die Grundlage der Unternehmenstätigkeit bilden können. Eine Anlage ist eine Unterart der Geschäftseinrichtung, wie zum Beispiel Fabriken, Werkstätten, Bergwerke oder Transportleitungen. Im Betriebsstättenerlass wird eine örtliche Fixierung der Anlage als erforderlich betrachtet, eine feste Verbindung mit der Oberfläche ist jedoch nicht notwendig. Die Einrichtung muss sich für eine gewisse Zeit an derselben Stelle befindet.
Negativbeispiele für eine Betriebsstätte nach dem Betriebsstättenerlass sind Flugzeuge, Schiffe, Lastkraftwagen oder Messestände. Diese Beispiele erfüllen nicht die Voraussetzung der örtlichen Fixierung. Wiederum erfüllen Beispielsweise eine unterirdische verlaufende Rohrleitung (Pipelineurteil vom 30.10.1996) oder eine Satellitenempfangsanlage, die in fremden Gebäuden zur Versorgung von Privatpersonen installiert wurden, die Voraussetzungen für eine feste Geschäftseinrichtung.
Der Begriff fest beinhaltet auch, dass die Geschäftseinrichtung für eine gewisse Dauer vorhanden sein muss und nicht nur vorübergehend ist. Weiterhin muss das Unternehmen eine Verfügungsmacht über die Einrichtung oder Anlage haben, welche nicht nur temporär bestehen darf. Verfügungsmacht meint, dass der Steuerpflichtige eine Rechtsposition innehaben muss, die ihm bei seinem Nichtmitwirken nicht ohne weiteres entzogen werden darf. Neben dem Eigentum an einer Sache genügen auch schuldrechtliche Nutzungsrechte (Recht zum unmittelbaren Besitz), wie zum Beispiel das Mieten oder Pachten von Räumen oder auch Nießbrauch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemorientierte Einführung: Einleitung in die Bedeutung des Betriebsstättenbegriffs für die nationale und internationale Besteuerung sowie Vorstellung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Betriebsstättenbegriff: Eingehende Analyse der rechtlichen Grundlagen nach § 12 AO und Art. 5 OECD-MA sowie Erläuterung des Ständigen Vertreters.
3. Branchenspezifische Beispiele: Diskussion der Anwendung des Betriebsstättenbegriffs auf moderne Geschäftsfelder wie E-Commerce (Server) und Energieversorgung (Pipelines).
4. Besteuerung inländischer Betriebsstätten: Darstellung der steuerlichen Behandlung von Betriebsstätteneinkünften hinsichtlich Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer im Gewinn- und Verlustfall.
5. Belastungsvergleich: Quantitative Gegenüberstellung der steuerlichen Belastung von Betriebsstätten und Tochterkapitalgesellschaften unter Berücksichtigung verschiedener Rechtsformen.
6. Zusammenfassung: Abschließende Synthese der wesentlichen Ergebnisse zur Begründung und Besteuerung inländischer Betriebsstätten.
Schlüsselwörter
Betriebsstätte, AO, OECD-MA, Steuern, Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, E-Commerce, Pipeline, Tochterkapitalgesellschaft, Belastungsvergleich, Gewinnermittlung, Verlustverrechnung, Ständiger Vertreter, Steuerbelastung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die steuerrechtliche Definition und Besteuerung von inländischen Betriebsstätten sowie deren steuerliche Vorteilhaftigkeit für ausländische Investoren.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Kernbereichen zählen die Auslegung des Betriebsstättenbegriffs nach AO und OECD-MA, Spezialfälle wie E-Commerce und Energieleitungen sowie der steuerliche Belastungsvergleich.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine begriffliche Abgrenzung der Betriebsstätte zu finden und durch einen Belastungsvergleich zu prüfen, wann diese Rechtsform gegenüber einer Tochterkapitalgesellschaft steuerlich vorteilhaft ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kasuistische Veranlagungsmethode angewandt, um die steuerliche Belastung für verschiedene Szenarien (Gewinn/Verlust, Personenunternehmen/Kapitalgesellschaft) zu berechnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die rechtliche Definition nach nationalem und internationalem Recht, Anwendungsbeispiele, die steuerliche Belastung und einen direkten Vergleich zu Tochterkapitalgesellschaften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Betriebsstätte, Gewerbesteuer, Doppelbesteuerung, Rechtsformwahl und Steuerbelastung.
Warum wird im E-Commerce die Server-Problematik diskutiert?
Weil Server aufgrund des rasanten technischen Fortschritts als automatisierte Einrichtungen existieren und ihre Eigenschaft als feste Geschäftseinrichtung für die Begründung einer Betriebsstätte zentral ist.
Was besagt das "Pipelineurteil" im Kontext der Arbeit?
Das Urteil bestätigt, dass auch unterirdische Rohrleitungen als feste Geschäftseinrichtung und somit als Betriebsstätte gelten können, da sie eine dauerhafte Bindung zur Oberfläche aufweisen.
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- Patricia Esseln (Author), 2006, Begriff und Besteuerung inländischer Betriebsstätten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68160