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Der Begriff der Freiheit bei Jean-Paul Sartre

Title: Der Begriff der Freiheit bei Jean-Paul Sartre

Examination Thesis , 2003 , 75 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Agnes Uken (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Summary Excerpt Details

Sartres Leben und Werk sind vor allem durch sein immer währendes Engagement für die Freiheit geprägt. Ob als Philosoph, Staatsbürger, Dramaturg oder Schriftsteller stets galt das Hauptinteresse Sartres dem Thema der Freiheit.

Da der Mensch die Erfahrung der Freiheit macht, d.h. sich als selbstbestimmt handelnd und denkend versteht, erhebt sich die Frage einer philosophischen Begründung der Freiheit. Sartre fasst die Freiheit nun aber nicht wie zum Teil in der Tradition vor ihm als eine Eigenschaft des Menschen auf, sondern als eine Grundbestimmung des menschlichen Seins, die von seiner Existenz nicht zu trennen ist.

Zunächst versteht Sartre wie auch Kant Freiheit als Freiheit von Kausalität. Eine freie Tat ist als eine absolut neue Schöpfung zu verstehen, deren Keim nicht in einem früheren Zustand der Welt enthalten ist, denn dann wäre sie ja nicht frei, sondern kausal bestimmt. Infolgedessen sind Freiheit und Schöpfung eins. Während Kant die Frage der Vereinbarkeit von Naturkausalität und Freiheit löst, indem er eine Trennung von Ding-an-sich und Erscheinung vornimmt, versucht Sartre ohne eine solche Trennung auszukommen, indem er Freiheit vor aller Bestimmung im Sein des Menschen verankert.

Die vorliegende Arbeit zeichnet diese ontologische Begründung der Freiheit nach, stellt die zentrale Bedeutung der Intentionalität und Negativität heraus und zeigt, inwiefern dem Bewusstsein eine Schlüsselstelle in der Sartreschen Philosophie zukommt.

Ausgangspunkt ist die Auseinandersetzung Sartres mit der Phänomenologie Husserls auf deren Basis Sartre seine eigene Philosophie weiterentwickelt und schließlich zur phänomenologischen Ontologie gelangt, wie sie sich in "Das Sein und das Nichts" findet.

Verdeutlicht werden der besondere Stellenwert des präreflexiven Bewusstsein und die sich daraus ergebenden weit reichenden Konsequenzen für den ontologischen Freiheitsbegriff Sartres, sowie die darauf aufbauende Grundunterscheidung des Seienden in ein solides nicht bewusstes An-sich und in ein Negation schaffendes bewusstes Für-sich.

Schließlich wird das Handeln des Menschen im Zusammenhang von Freiheit und Faktizität betrachtet. Dabei zeigt sich, dass dem Faktum der Existenz des Anderen eine besondere Bedeutung unter dem Gegebenen zukommt.

Die Frage nach dem Anderen leitet über zur Frage nach der Vereinbarkeit von Moralphilosophie und Ontologie. Abschließend wird ein Ausblick über die moralphilosophische Entwicklung Sartres gegeben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. EINLEITUNG

1. AUSEINANDERSETZUNG MIT DER PHÄNOMENOLOGIE HUSSERLS

1.1 Intentionalität

1.2 Die Epoché

1.3 Das Ego als Objekt des Bewusstseins

1.4 Die Struktur des Bewusstseins

1.5 Bewusstsein als Schlüsselbegriff

1.6 Phänomenologische Ontologie

2. DAS SEIN UND DER URSPRUNG DES NICHTS

2.1 Das Sein des An-sich

2.2 Das Sein des Für-sich

2.3 Das Nichts

2.4 Das präreflexive Bewusstsein

2.5 Verbindung der beiden Seinsformen

3. SEIN UND HANDELN

3.1 Freiheit und Handlung

3.2 Existenzialismus versus Determinismus

3.3 Bedeutung des präreflexiven Bewusstseins für die Freiheit

3.4 Freiheit und Wille

3.5 Antrieb und Motiv

3.6 Entwurf oder In-der-Welt-sein

4. DIE „RÜCKSEITE“ DER FREIHEIT

4.1 Freiheit und Faktizität

4.2 Freiheit in Situation

4.3 Die Existenz des Anderen

4.4 Der Blick und das Phänomen der Scham

4.5 Das Für-Andere-Sein als Grenze meiner Freiheit

4.6 Realisierung der internen Negation in Freiheit

4.7 Kampf um die Freiheit - Konflikt als ursprünglicher Sinn des Für-Andere-Seins

4.8 Der Dualismus von Objekt- und Subjekt-Anderem

5. ETHIK UND ONTOLOGIE

5.1 Unbestimmtheit der Freiheit

5.2 Für-sich als Mangel an Sein

5.3 Das Sein des Wertes

5.4 Ontologie und Ethik – ein Widerspruch?

5.5 Moral der Freiheit − Freiheit als Wert

5.6 Die Freiheit des Anderen

5.7 Die moralphilosophische Entwicklung Sartres

6. SCHLUSSBETRACHTUNG

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Sartres ontologische Begründung der Freiheit nachzuzeichnen, indem sie die zentrale Bedeutung der Intentionalität und Negativität sowie die Schlüsselrolle des Bewusstseins in seiner Philosophie herausstellt und die daraus resultierenden Konsequenzen für das menschliche Handeln thematisiert.

  • Die phänomenologische Grundlage des Sartre'schen Freiheitsbegriffs
  • Die ontologische Differenz von „An-sich“ und „Für-sich“
  • Die Verknüpfung von Freiheit, Handlung, Motiv und Situation
  • Die Rolle des Anderen als Grenze und Bestimmung der menschlichen Existenz
  • Die Problematik einer ethischen Begründung innerhalb einer ontologischen Philosophie

Auszug aus dem Buch

1.2 Die Epoché

Bereits in einem seiner frühen philosophischen Werke, Die Transzendenz des Ego, setzt sich Sartre mit der Substanzlosigkeit des Bewusstseins auseinander. Er betont, dass das Bewusstsein durch vollkommene Transparenz und Leere gekennzeichnet sei. Demzufolge könne es dort also konsequenterweise auch keinen Ort für ein Ego geben. Anders als Husserl nimmt Sartre für sich in Anspruch, den weiteren fundamentalen Gedanken Husserls der phänomenologischen Reduktion oder Epoché auch auf das Ego anzuwenden. Unter Epoché versteht man den methodischen Schritt der phänomenologischen Reflexion, das was wir für die Wirklichkeit halten, zunächst außer Kraft zu setzen. Es bleibt dann als „Rest“ das reine Bewusstsein, welches ins Zentrum der Betrachtung rückt. Es handelt sich bei der Epoché also um die Einklammerung all dessen, was wir an Annahmen und Vorwissen an die Welt herantragen. Werden diese Annahmen zunächst eingeklammert, kommt die Welt als eine erst durch das Bewusstsein konstituierte in den Blick. Husserl schaltet somit die Frage nach dem bewusstseinsunabhängigen Sein der Dinge aus, das Phänomen wird nur als objektives Gegenüber betrachtet, auf welches sich das Bewusstsein richtet.

Die phänomenologische Methode bezieht also die Objekte der Welt, ihre Bedeutungen und Sinngebungen auf das Subjekt und fundiert sie in diesem, indem sie sie als subjektive Bewusstseinsleistungen ausweist. Grundlegend ist die Annahme, dass Erscheinungen nicht nur Erscheinungen von etwas sind, sondern darüber hinaus Erscheinungen für jemanden, nämlich für ein Subjekt. Somit können Welt und Bewusstsein nicht unabhängig voneinander betrachtet werden. Das Programm der Phänomenologie besteht folglich in der Thematisierung der Relation von Welt und Bewusstsein, wobei Aussagen über die Welt als abhängig von einem Bewusstseinsakt erscheinen. Die phänomenologische Einstellung Husserls macht das reine Bewusstsein zum Gegenstand der Betrachtung und versucht dabei jedes vorgängige empirische Wissen außer Kraft zu setzen, da dessen Geltung erst durch die phänomenologische Reflexion nachgewiesen werden soll. Das reine Bewusstsein verliert nun allerdings durch die Epoché nicht an Gegenstandsbezogenheit, so dass es eines Garanten der äußeren Welt bedürfe, sondern durch die Konzeption des Bewusstseins als Intentionales hat Husserl die Problematik zweier isolierter Seinsweisen, des Subjekts und des Objekts, überwunden. Dies soll im Folgenden noch verdeutlicht werden.

Zusammenfassung der Kapitel

0. EINLEITUNG: Darstellung von Sartres Engagement für die Freiheit und die Zielsetzung, seine ontologische Begründung der Freiheit nachzuzeichnen.

1. AUSEINANDERSETZUNG MIT DER PHÄNOMENOLOGIE HUSSERLS: Analyse der frühen Bewusstseinskonzeption Sartres und seiner Abkehr von einem transzendentalen Ich zugunsten eines subjektlosen Bewusstseins.

2. DAS SEIN UND DER URSPRUNG DES NICHTS: Untersuchung der Seinsweisen des „An-sich“ und des „Für-sich“ sowie der Rolle des Nichts als ontologisches Kriterium menschlicher Freiheit.

3. SEIN UND HANDELN: Analyse des Handlungsbegriffs, der Bedeutung von Motiven und Antrieben und der Zurückweisung des Determinismus durch den freien Entwurf.

4. DIE „RÜCKSEITE“ DER FREIHEIT: Erörterung des Zusammenhangs von Freiheit und Faktizität sowie der Rolle der Existenz des Anderen für die menschliche Selbstkonstitution.

5. ETHIK UND ONTOLOGIE: Untersuchung der Vereinbarkeit von Sartres Ontologie mit der Möglichkeit einer normativen Ethik und der moralphilosophischen Entwicklung Sartres.

6. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Rückschau auf die zentrale Bedeutung des präreflexiven Bewusstseins für die Begründung der Freiheit bei Sartre.

Schlüsselwörter

Jean-Paul Sartre, Freiheit, Bewusstsein, Ontologie, Für-sich, An-sich, Phänomenologie, Intentionalität, Existenzialismus, Determinismus, Faktizität, Anderer, Ethik, Wert, Negation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt den Freiheitsbegriff bei Jean-Paul Sartre, insbesondere dessen ontologische Begründung in seinem Hauptwerk „Das Sein und das Nichts“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Struktur des Bewusstseins, das Verhältnis von Sein und Nichts, die Freiheit des Handelns, das Verhältnis zum Anderen und die ethischen Implikationen dieser Ontologie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, nachzuzeichnen, wie Sartre Freiheit nicht als Eigenschaft des Menschen, sondern als Grundbestimmung seines Seins ontologisch begründet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die phänomenologische Methode, um die Seinsweisen des Bewusstseins und seine Interaktion mit der Welt zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Auseinandersetzung mit Husserl, die Einteilung des Seienden in An-sich und Für-sich, die Bedeutung von Handlung und Faktizität sowie die Grenzen der Freiheit durch den Anderen diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Neben Sartre und Freiheit stehen Begriffe wie Intentionalität, präreflexives Bewusstsein, ontologische Negation, Faktizität, Situation und der Konflikt mit dem Anderen im Fokus.

Wie begründet Sartre die Freiheit trotz des Einflusses von äußeren Umständen?

Sartre argumentiert, dass der Mensch durch seine Fähigkeit zu „nichten“ einen Abstand zu den Gegebenheiten schafft, wodurch diese für ihn erst als Motive oder Hindernisse innerhalb eines Entwurfs Bedeutung gewinnen.

Ist nach Sartre eine Ethik auf Basis seiner Ontologie möglich?

Sartre lehnt eine allgemeingültige, inhaltlich festgelegte Ethik ab, da die Freiheit des Menschen absolut und unbestimmt ist; dennoch sieht er eine moralische Komponente in der aufrichtigen Übernahme der Verantwortung für die eigene Freiheit.

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Details

Title
Der Begriff der Freiheit bei Jean-Paul Sartre
College
University of Hamburg
Grade
1,0
Author
Agnes Uken (Author)
Publication Year
2003
Pages
75
Catalog Number
V68265
ISBN (eBook)
9783638594417
ISBN (Book)
9783638711715
Language
German
Tags
Freiheit Jean-Paul Sartre Jean-Paul Sartre Philosophie Existentialismus Existenzialismus Das Sein und das Nichts An-sich Für-sich ontologische Begründung der Freiheit Essenz Existenz Bewusstsein Intentionalität phänomenologische Ontologie Ontologie präreflexives Bewusstsein Negation Der Andere Moralphilosophie Der Existentialismus ist ein Humanismus Theorie der Freiheit Freiheitsbegriff Freiheitstheorie Freiheitstheoretiker
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Agnes Uken (Author), 2003, Der Begriff der Freiheit bei Jean-Paul Sartre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68265
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