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Eine Glaubensfrage: Die Entscheidung zwischen Rationalismus und Irrationalismus

Title: Eine Glaubensfrage: Die Entscheidung zwischen Rationalismus und Irrationalismus

Term Paper , 2001 , 19 Pages , Grade: 2,5

Autor:in: Agnes Uken (Author)

Philosophy - General Essays, Eras
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Karl Popper geht im Kapitel 24 seines Buches „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ davon aus, dass der traditionelle Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion überwunden sei. Die Frage der Wahl zwischen Wissen und Glauben stelle sich somit nicht mehr, sondern es gäbe lediglich noch eine Wahl zwischen zwei Glaubensarten. Zum einen den kritischen Rationalismus mit dem Glauben an die Vernunft und zum anderen den Irrationalismus mit dem Glauben an mystische, d.h. rational nicht erklärbare Fähigkeiten und an Gefühle. Warum es sich bei der Wahl zwischen diesen beiden Glaubensarten für Popper um eine moralische Frage handelt, soll im ersten Teil der Arbeit verdeutlicht werden.
Die Frage der Möglichkeit der Synthese von Vernunft und Glaube in einer von wissenschaftlichen Erkenntnissen geprägten Welt ist für Popper in der bisherigen Weise nicht mehr relevant, da für ihn auch der Entscheidung für Vernunft und Wissenschaft ein Glaube zu Grunde liegt. Um den Glauben kommen wir nach Popper nicht herum, so dass sich nun die Frage erhebt, welche Art von Glaube der moralisch richtige ist. Popper bekennt sich zu einem Glauben an die menschliche Vernunft als Grundlage für die Einheit der Menschheit und als Garant für Frieden und Gleichheit aller Menschen. Diesen Glauben an die Vernunft sieht Popper durch historische Prophezeiungen und irrationalistische Auffassungen angegriffen. Daraus entwickelt Popper die These, der Konflikt zwischen dem Rationalismus und dem Irrationalismus sei der wichtigste intellektuelle und moralische Konflikt unserer Zeit.
Der Position Poppers wird im zweiten Teil der Arbeit die Auffassung Papst Johannes Pauls II gegenüber gestellt, der nach Popper als ein typischer Vertreter des Irrationalismus angesehen werden kann. Eine Zwischenposition wird William James mit seinem Essay „The will to believe“ einnehmen, da er sich zwar wie Papst Johannes Paul II auf andere Erkenntnisformen neben der Vernunft beruft, aber eine Wahrheitsauffassung vertritt, die der Poppers vergleichbar ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Irrationalismus versus Rationalismus

Konsequenzen der Wahl der Glaubensart

Zwei Erkenntnisvermögen: Glaube und Vernunft

Die Suche nach der Wahrheit – ein unlösbares Rätsel?

Eine Rechtfertigung des Glaubens

Der Glaube – eine echte Option

Empiristischer und absolutistischer Wahrheitsbegriff

Die religiöse Hypothese

Existentielle Entscheidungen

Religion als Kontingenzbewältigung

Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Vernunft und Glaube, indem sie die Positionen von Karl Popper, Papst Johannes Paul II. und William James kritisch gegenüberstellt. Ziel ist es, die moralische und existentielle Bedeutung der Entscheidung zwischen rationalistischen und irrationalistischen Glaubensarten zu ergründen und zu hinterfragen, ob Glaube und Vernunft in der modernen Welt vereinbar sind.

  • Gegenüberstellung von kritischem Rationalismus und Irrationalismus.
  • Analyse der Folgen für das soziale Miteinander und die politische Freiheit.
  • Untersuchung der Wahrheitsbegriffe in Wissenschaft und Religion.
  • Reflexion über die existentielle Relevanz von Glaubensentscheidungen.
  • Pragmatische Einordnung des Glaubens als notwendiges Element menschlichen Handelns.

Auszug aus dem Buch

Irrationalismus versus Rationalismus

Die Begriffe Vernunft und Rationalität werden von Popper synonym verwandt, sie schließen nicht nur rein intellektuelle Tätigkeiten ein, sondern auch Beobachtungen und Experimente, diese stehen damit also nicht im Gegensatz zum Empirismus sondern zum Irrationalismus. Rationalismus ist nach Popper eine Einstellung, „die bereit ist, kritische Argumente zur Kenntnis zu nehmen und von der Erfahrung zu lernen. Er ist im Grunde eine Einstellung, die zugibt, dass ich mich irren kann, dass du recht haben kannst und dass wir zusammen vielleicht der Wahrheit auf die Spur kommen werden.“ Die rationalistische Einstellung entspricht der Einstellung der Vernunft und ist damit der wissenschaftlichen Einstellung ähnlich. Denn auch im wissenschaftlichen Diskurs versucht man, sich durch Austausch von Argumenten und beobachtendes Experimentieren der Wirklichkeit anzunähern, wohlwissend, dass jedes folgende Experiment eine einmal gefundene Theorie sowohl bestätigen als auch widerlegen kann.

Einen unkritischen Rationalismus schließt Popper allerdings als logisch unhaltbar aus und tritt für einen selbstkritischen Rationalismus ein, da das Prinzip des Rationalismus, „jede Annahme zu verwerfen, die sich weder durch ein Argument noch durch die Erfahrung stützen lässt“ einen Widerspruch enthält: die damit gesetzte Prämisse ist selbst nicht mehr argumentativ zu begründen, dies wird aber in der Prämisse gefordert. Da wir mit unserer Sprache und unserem Denken immer schon dem Vernunftprinzip verpflichtet sind, also immer schon eine rationalistische Einstellung eingenommen haben, um überhaupt argumentieren zu können, ist eine Letztbegründung des Vernunftprinzips nicht möglich. Somit liegt der Entscheidung für das Vernunftprinzip und damit dem Rationalismus selbst weder ein rationales Argument noch eine begründbare Wahrheit zu Grunde, sondern diese ist nach Popper eine Annahme, ein Glaube an die Vernunft, analog dem Glaubensbekenntnis der Religionen. Mit der Entscheidung für den Rationalismus ist also zugleich ein Schritt in Richtung des Irrationalismus verbunden, da man statt auf die argumentierende Vernunft auf einen Glauben zurückgreifen muss, und genau dieser Tatsache ist sich der kritische Rationalismus im Unterschied zu einem umfassenden und unkritischen Rationalismus bewusst.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in Poppers These, dass der moderne Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion zu einem Konflikt zwischen zwei Glaubensarten – kritischer Rationalismus und Irrationalismus – geworden ist.

Irrationalismus versus Rationalismus: Differenzierung zwischen Poppers selbstkritischem Rationalismus, der auf Vermutungswissen basiert, und einem Irrationalismus, der absolute Wahrheitsansprüche vertritt.

Konsequenzen der Wahl der Glaubensart: Analyse der moralischen Auswirkungen der eigenen Glaubenswahl auf den sozialen Umgang und die Anerkennung der Gleichheit aller Menschen.

Zwei Erkenntnisvermögen: Glaube und Vernunft: Darstellung der Position von Papst Johannes Paul II., der Glaube und Vernunft als harmonische Wege zur göttlichen Wahrheit begreift.

Die Suche nach der Wahrheit – ein unlösbares Rätsel?: Diskussion über die metaphysischen Grundfragen der Existenz und die Gefahr einer rein instrumentellen Vernunft.

Eine Rechtfertigung des Glaubens: Einführung in William James’ Essay, der das Recht auf Glauben verteidigt, wenn der Verstand keine endgültigen Entscheidungen liefern kann.

Der Glaube – eine echte Option: Untersuchung, wann eine Hypothese für den Menschen lebendig und damit zu einer „echten Option“ wird.

Empiristischer und absolutistischer Wahrheitsbegriff: Vergleich zwischen dem empiristischen Fortschrittsglauben und dem Festhalten an absolutistischen Dogmen.

Die religiöse Hypothese: Erläuterung der existentiellen Notwendigkeit des Glaubens aus pragmatischer Perspektive.

Existentielle Entscheidungen: Betrachtung des Glaubens an freien Willen und moralische Verpflichtung als existentielles Bedürfnis, das über rein rationale Argumente hinausgeht.

Religion als Kontingenzbewältigung: Einordnung der Religion durch Lübbe als funktionales Mittel zur Bewältigung der Unwägbarkeiten des Lebens.

Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Positionen von Popper, James und Johannes Paul II. hinsichtlich ihres Umgangs mit Wahrheit und Erkenntnis.

Schlüsselwörter

Rationalismus, Irrationalismus, Glaube, Vernunft, Karl Popper, William James, Johannes Paul II, Wahrheit, Fides et Ratio, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Pragmatismus, Erkenntnistheorie, Ethik, Existenz, Kontingenzbewältigung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die philosophische und moralische Auseinandersetzung mit der Entscheidung zwischen rationalen und irrationalen Weltanschauungen im Kontext des Verhältnisses von Glaube und Vernunft.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung des kritischen Rationalismus von dogmatischen Ideologien, der Wert religiöser Glaubensüberzeugungen sowie die Bedeutung der menschlichen Erkenntnisfähigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Wahl einer Glaubensart für das Individuum und die Gesellschaft nicht beliebig ist, sondern weitreichende moralische Konsequenzen für die Freiheit und Gleichheit der Menschen hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der komparativen Literaturanalyse, bei der philosophische Positionen (Popper, James) und theologische Dokumente (Enzyklika) gegenübergestellt und kritisch gewürdigt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Theorien von Karl Popper über die Vernunft, der Wahrheitsanspruch der katholischen Kirche nach Johannes Paul II. und die pragmatische Verteidigung des Glaubens durch William James detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie kritischer Rationalismus, Wahrheitssuche, existentielle Entscheidung, Dogmatismus und Pragmatismus beschreiben.

Inwiefern unterscheidet sich die Auffassung von Wahrheit bei Popper und Johannes Paul II.?

Während Popper Wahrheit als vorläufiges Hypothesenwissen betrachtet und Dogmen ablehnt, geht Papst Johannes Paul II. von der Existenz einer universellen, göttlichen Wahrheit aus, die durch Glaube und Vernunft erkannt werden kann.

Warum hält William James den Glauben für eine „echte Option“?

Für James ist der Glaube dann eine echte Option, wenn er für das Individuum lebendig, unumgänglich und bedeutungsvoll ist, besonders in Situationen, in denen die Vernunft allein keine Entscheidung treffen kann.

Welche Rolle spielt die „Kontingenzbewältigung“ in der Arbeit?

Die Kontingenzbewältigung beschreibt die funktionale Rolle der Religion, dem Menschen dabei zu helfen, mit den Bedingungen des Daseins und dem Zufall, auf die es keine rationalen Antworten gibt, umzugehen.

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Details

Title
Eine Glaubensfrage: Die Entscheidung zwischen Rationalismus und Irrationalismus
College
University of Hamburg
Grade
2,5
Author
Agnes Uken (Author)
Publication Year
2001
Pages
19
Catalog Number
V68272
ISBN (eBook)
9783638609258
ISBN (Book)
9783638754200
Language
German
Tags
Glaubensfrage Rationalismus Irrationalismus Popper Erkenntnistheorie Grenzen des Wissens Papst Johannes Paul II Die offene Gesellschaft und ihre Feinde Wissen und Glauben Vernunft und Glaube William James Religion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Agnes Uken (Author), 2001, Eine Glaubensfrage: Die Entscheidung zwischen Rationalismus und Irrationalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68272
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