Mit dieser Arbeit möchte ich das Phänomen „Spiel“ näher betrachten. Der Ausgangspunkt dafür sind theoretische Grundlagen des „Spiels“. Ausgehend von einem Definitionsversuch „Spiel“, werde ich die Merkmale und die Spieltheorien näher erläutern.
Auf der Grundlage der theoretischen Ansätze, versuche ich pädagogische Ziele abzuleiten, die durch das Spiel gefördert werden.
Später nehme ich Bezug zu meiner Praktikumstelle, dem Kinderhort, und leiten aus persönlichen Beobachtungen, Wirkungen und Einflüsse des Phänomens „Spiel“ ab. Die Hortgruppe und Hortsituation wird genau beschrieben. Einen besonderen Bezug nehme ich zu den einzelnen Spielen, die von den Kindern bevorzugt wurden, und versuche dies auch zu erklären und begründen.
Eine weiterer wichtiger Punkt ist die Geschlechtsspezifität. Das Phänomen der traditionellen Mädchen– und Jungenspiele wird erklärt. Anhand von Beobachtungen während meines Praktikums werde ich die Theorie bestätigen oder widerlegen.
Meine persönliche Schlußbemerkungen widerspiegelt meine Erfahrungen, die ich während des Hortpraktikums gesammelt habe und schließt meine persönliche Meinung zum „Kind–Spiel–Verhältnis“ ein. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Theorie des Spiels
1.1. Was ist Spiel?
1.2. Merkmale eines Spiels
1.2.1. Das Moment der Freiheit
1.2.2. Das Moment der inneren Unendlichkeit
1.2.3. Das Moment der Scheinhaftigkeit
1.2.4. Das Moment der Ambivalenz
1.2.5. Das Moment der Geschlossenheit
1.2.6. Das Moment der Gegenwärtigkeit
1.2. Spieltheorien
2. Formen und Arten des Spiels (nach Piaget)
2.1. Übungsspiel
2.2. Symbolspiel
2.3. Regelspiel
3. Welche pädagogischen Ziele können mit dem Spiel gefördert werden?
3.1. Spielen und Lernen
3.2. Lernbereiche die durch das Spiel gefördert werden
4. Die Bedeutung des Spiels für das kindliche Verhalten am Beispiel des Kinderhortes
4.1. Die erzieherische Wirkung des Spiels
4.2. Entwicklung von Teamfähigkeit durch das Spiel
4.3. Das Spiel als Hilfe zur Weiterentwicklung von Persönlichkeitsqualitäten
5.Beschreibungen und Beobachtungen Hortpraktikum
5.1. Beschreibung der Hortgruppe
5.2. Welche Spiele wurden gespielt – Mädchenspiele und Jungenspiele
6.Schlußbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen „Spiel“ in seinen theoretischen Grundlagen und analysiert dessen pädagogische Bedeutung sowie Wirkungsweisen auf die kindliche Entwicklung, insbesondere im Kontext eines Hortpraktikums.
- Theoretische Fundierung des Spielbegriffs und der Spielmerkmale nach Hans Scheuerl.
- Differenzierung der Spielformen nach Piaget (Übungs-, Symbol- und Regelspiel).
- Analyse der pädagogischen Ziele und Lernbereiche, die durch spielerische Aktivitäten gefördert werden.
- Empirische Einblicke in das Spielverhalten von Grundschulkindern im Hortalltag.
- Untersuchung von geschlechtsspezifischen Unterschieden und Rollenverteilungen im Spiel.
Auszug aus dem Buch
1.1. Was ist Spiel ?
In der Umgangssprache finden sich eine Unzahl von Verwendungen des Wortes Spiel , von „wie das Leben so spielt“ über „verspielte“ Kinder , „spielend gemeistert“ , von „spielerische Leichtigkeit“ bis zum „Katz und Maus Spielen“. In allen Redewendungen dieser kleinen Auswahl - sie ließe sich noch sehr lang fortführen - kommt zwar der Wortstamm „spiel“ vor, jedoch immer in einer anderen semantischen Bedeutung . So steht „spielend“ in „spielend gemeistert“ für leicht, mühe - und problemlos, das Leben spielt dagegen eher willkürlich. Der Versuch, sich dem Spielphänomen durch den sprachlichen Gebrauch zu nähern, ist somit zum Scheitern verurteilt. Allerdings wird deutlich, welche Komplexität besagtes Phänomen auszeichnet. Diese Komplexität wird auch deutlich , wenn man sich klar macht , in welchen Entwicklungsphasen gespielt wird und in welch unterschiedlichen Kontexten gespielt wird : Die Katze spielt anders mit der Maus als ein Kleinkind mit Bauklötzen, Skatspiel ist etwas deutlich anderes als Verstecken. Und dann gibt es noch Glücksspiele, Geschicklichkeitsspiele , Rollenspiele... Die scheinbar einfache Frage „Was ist Spiel?“ scheitert schon an grundsätzlichen Merkmalen : ist spielen ein Zustand oder eine Tätigkeit , ist es ein psychischer, physischer oder geistiger Prozeß ? Die Tendenz Spielforschung geht laut Scheuerl in die Richtung „psychische Funktion“. Beim Versuch eine griffige und dennoch umfassende Definition zu erstellen, sind die Spieltheoretiker meines Wissens bisher gescheitert. Allerdings konnten einige Charakteristika herausgearbeitet werden, die das Spiel kennzeichnen : „Spiel ist eine Form spontanen Handelns, bei dem Kinder aufgrund eines aktuellen Bedürfnisses einer Beschäftigung nachgehen , weil es ihnen Freude macht , diese Tätigkeit auszuführen“ „Entfernt von den Schranken des Zwanges und den Selbstverständlichkeiten des Alltags erfährt es ( das Kind ) im Dialog mit seinem Selbst sich selbst unbewußt (funktional) sich mit Inhalten und Sachverhalten auseinanderzusetzen“. Das Spiel als „lustvolle Tätigkeit um ihrer selbst willen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theorie des Spiels: Dieses Kapitel erläutert den komplexen Spielbegriff und definiert anhand von Hans Scheuerl die wesentlichen Merkmale eines Spiels.
2. Formen und Arten des Spiels (nach Piaget): Hier werden die drei Stufen der kindlichen Spielentwicklung nach Jean Piaget – Übungsspiel, Symbolspiel und Regelspiel – detailliert dargestellt.
3. Welche pädagogischen Ziele können mit dem Spiel gefördert werden?: Das Kapitel beleuchtet den Zusammenhang von Spiel und Lernen sowie spezifische Lernbereiche wie soziales Verhalten, Wahrnehmung und Kreativität, die durch Spiel gefördert werden.
4. Die Bedeutung des Spiels für das kindliche Verhalten am Beispiel des Kinderhortes: Es wird die pädagogische Rolle des Erziehers im Hort analysiert, insbesondere im Hinblick auf die Förderung von Teamfähigkeit und Persönlichkeitsmerkmalen durch Spielanreize.
5.Beschreibungen und Beobachtungen Hortpraktikum: Dieses Kapitel präsentiert praktische Beobachtungen aus dem Hortalltag, untersucht bevorzugte Spiele der Kinder und analysiert die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Spielwahl.
6.Schlußbemerkung: Der Autor resümiert die Bedeutung des Spiels als unverzichtbaren Bestandteil kindlicher Kultur und anthropologischer Grundausstattung.
Schlüsselwörter
Spiel, kindliche Entwicklung, Spieltheorie, Piaget, Scheuerl, Hortpädagogik, Symbolspiel, Regelspiel, Teamfähigkeit, Sozialverhalten, Geschlechtsspezifität, Spielpädagogik, Lernmethode, Persönlichkeitsentwicklung, Kindheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Phänomenologie des Spiels und untersucht, wie dieses die Entwicklung von Kindern beeinflusst und welche Bedeutung es im pädagogischen Kontext, insbesondere im Kinderhort, einnimmt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Bestimmung des Spielbegriffs, die Entwicklungsstufen des Spiels nach Piaget, die pädagogischen Ziele von Spielaktivitäten sowie eine praktische Beobachtung geschlechtsspezifischer Spielmuster in einem Hort.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Wirkungen des Spiels auf die kindliche Entwicklung zu hinterfragen und darzulegen, wie pädagogische Fachkräfte das Spiel als Methode zur Förderung von sozialen und persönlichen Kompetenzen einsetzen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf einen empirischen Teil, der auf persönlichen Beobachtungen während eines dreiwöchigen Hortpraktikums basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung der Spielformen nach Piaget, die Erörterung pädagogischer Förderziele sowie die Auswertung von Beobachtungsergebnissen zur Teamfähigkeit und Geschlechterrolle im Spiel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Spielpädagogik, kindliche Entwicklung, Sozialverhalten, Spieltheorien und Hortalltag charakterisieren.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „Spiel“ und „Arbeit“ laut Autor wichtig?
Der Autor betont, dass Spiel zweckfrei und lustvoll ist, während Lernen im schulischen Kontext oft als zwanghaft und zweckgebunden erlebt wird; er fordert, dass pädagogische Fachkräfte das Spiel als effektive Lernmethode begreifen.
Wie beeinflusst das Spiel laut Beobachtungen des Autors die Geschlechterrollen?
Der Autor stellte fest, dass es zwar traditionelle Rollenverteilungen gibt, Kinder jedoch zunehmend selbstbewusst über diese Grenzen hinwegspielen, wobei Mädchen vermehrt in traditionelle „Jungen-Domänen“ vordringen.
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- Romy Thiel (Author), 2001, Phänomenologie des Spiels. Welche Wirkung hat das Spiel auf die kindliche Entwicklung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6833