Mit Ende des Ost-West-Konfliktes, der über Jahre das prägende Element der internationalen Beziehungen war, entstand die Hoffnung auf eine zukünftige friedliche Welt. Bald schon stellte sich aber heraus, dass es keine friedliche Entwicklung geben werde. Stattdessen sind seit dem Auseinanderbrechen der relativ großen Stabilität durch die „Pattsituation“ der beiden Großmächte, verschärft Konflikte aufgetreten. Auffällig ist dabei, dass sich die Art der Konflikte geändert zu haben scheint. Oft handelt es sich nicht mehr um Auseinandersetzungen zwischen Staaten, sondern um Konflikte innerhalb einer Gesellschaft. 1 Die Zunahme neuer Kriege und ihre lange Dauer führte dazu, dass es immer mehr „Konfliktherde“ auf der Welt gibt. 2 Einher damit ging die Notwendigkeit neuer Überlegungen zur Konfliktbearbeitung. Darunter versteht man Methoden, mit denen versucht wird, die Beziehungen von gegensätzlichen Gruppen zu verändern, die Gesellschaft umzustrukturieren und die Beilegung des Konfliktes möglich zu machen. Heute wird dafür oft der Begriff „Konflikttransformation“ benutzt. 3 Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges entstanden, schienen die traditionellen Methoden für die Neuartigkeit der aktuellen Konflikte nicht mehr ausreichend geeignet zu sein. Darum wurden seit Anfang der 90er Jahre immer mehr neue Theorien entwickelt. Unumstritten ist dabei nicht einmal der grundsätzliche Sinn der Zivilen Konfliktbearbeitung. So sagen beispielsweise radikale Stimmen, die Konfliktbearbeitung versöhne Interessen, die nicht versöhnt werden sollen. Auch der Vorwurf, Zivile Konfliktbearbeitung sei zu weich und unwirksam, wird immer wieder laut. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Wesen neuer Konflikte
2.1. Partikularistische Politik der Identität
2.2. Kriegsführung und Wirtschaft
2.3. Schwierigkeiten bei der Lösung Neuer Konflikte
3 Methoden der Zivilen Konfliktbearbeitung
3.1. Methoden auf der staatlichen Ebene
3.1.1. Klassische Vermittlungsdiplomatie
3.1.2. Staaten und Internationale Organisationen als Vermittler
3.1.3. Bedingungen für den Erfolg der Mediation
3.1.4. Nutzen der klassischen Vermittlungsdiplomatie für die Lösung neuer Konflikte
3.2. Zivile Konfliktbearbeitung auf gesellschaftlicher Ebene
3.2.1. Track-Two-Diplomacy
3.2.2. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und ihr Beitrag zur Konfliktbearbeitung
3.2.3. Problemlösungs-Workshops
3.2.4. Nutzen für die Lösung neuer Konflikte
4 Integrative Ansätze
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Formen der Zivilen Konfliktbearbeitung im Kontext sogenannter „neuer Konflikte“. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern klassische und gesellschaftliche Methoden geeignet sind, diese komplexen, oft innerhalb von Gesellschaften stattfindenden Auseinandersetzungen zu lösen, und welche integrativen Ansätze dabei eine tragfähige Perspektive bieten.
- Merkmale und Eigendynamik neuer Konflikte
- Klassische Vermittlungsdiplomatie auf staatlicher Ebene
- Gesellschaftliche Konfliktbearbeitung durch NGOs und Track-Two-Diplomacy
- Methoden und Grenzen von Problemlösungs-Workshops
- Integrative Konzepte zur Konflikttransformation
Auszug aus dem Buch
3.2.3. Problemlösungs-Workshops
Teilnehmer dieser Workshops sind Vertreter der Konfliktparteien. Dies können Personen aus dem Umfeld der politischen Führung sein, aber auch Nachwuchskräfte oder populäre Personen, die später in der Lage sind, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Sie treffen sich in neutraler Umgebung unter Ausschluss der Öffentlichkeit für zwei bis drei Tage und versuchen mit Hilfe eines Expertenteams „kreative Entscheidungen zu erreichen und eine produktive Konfliktlösung in Gang zu setzen“. Im ersten Stadium wird dabei ein gemeinsames Verständnis des Konflikts erarbeitet und im zweiten eine neue Sichtweise und Definition der Auseinandersetzung gesucht. Es werden Prozesse und Institutionen identifiziert, die der Konfliktlösung im Wege stehen. Oftmals wird viel Zeit benötigt, bis sich die Gegnerparteien überhaupt auf eine Definition des Kernproblems einigen können.
Die Initiativen zu solchen Veranstaltungen beruhen auf der Annahme, dass alle Menschen fähig sind, Verhandlungstechniken zur friedlichen Einigung zu lernen und anzuwenden, wenn sie den Streit nicht mehr als Nullsummenspiel wahrnehmen. Die Workshopleiter versuchen darum, die Kommunikation zwischen den beiden Parteien zu verbessern und so den Konflikt einzugrenzen. Sie können Vorschläge zur Lösung machen, halten sich jedoch weitgehend heraus. Da die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist, können sich die Teilnehmer eher auf die Diskussion einlassen, ohne ihr Gesicht zu verlieren und dadurch, dass nicht der Druck besteht, zu einer Lösung kommen zu müssen, können durch Brainstorming und offener Aussprache eher kreative Lösungsmöglichkeiten in Erwägung gezogen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Veränderung internationaler Konflikte nach dem Ende des Ost-West-Konflikts und führt in die Notwendigkeit neuer Ansätze der zivilen Konfliktbearbeitung ein.
2 Das Wesen neuer Konflikte: Dieses Kapitel analysiert die Charakteristika neuer Konflikte, insbesondere Identitätspolitik und die Veränderung der Kriegsführung sowie der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
3 Methoden der Zivilen Konfliktbearbeitung: Hier werden verschiedene Interventionsmethoden auf staatlicher sowie gesellschaftlicher Ebene detailliert untersucht und hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit bewertet.
4 Integrative Ansätze: Das Kapitel erläutert prozessorientierte Konzepte, die staatliche und gesellschaftliche Ebenen verbinden, um eine langfristige Friedenslösung zu erreichen.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass kein Patentrezept existiert und eine mehrdimensionale, langfristige Strategie unter Einbeziehung aller gesellschaftlichen Ebenen notwendig ist.
Schlüsselwörter
Zivile Konfliktbearbeitung, Neue Kriege, Konflikttransformation, Mediation, Track-Two-Diplomacy, NGO, Problemlösungs-Workshops, Identitätspolitik, Human Needs Theory, integrative Ansätze, Friedensentwicklung, innerstaatliche Konflikte, asymmetrische Konflikte, gewaltfreie Konfliktlösung, ethnopolitische Konflikte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den veränderten Charakteristika zeitgenössischer Konflikte und der Frage, wie zivile Methoden der Konfliktbearbeitung effektiv zur Friedenssicherung eingesetzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Identitätspolitik, die Ökonomie neuer Kriege, staatliche Diplomatie, die Rolle von Nichtregierungsorganisationen und integrative prozessorientierte Ansätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Eignung verschiedener Konfliktbearbeitungsmethoden für die komplexe Realität neuer, oft innerstaatlicher Konflikte kritisch zu hinterfragen und sinnvolle Ansätze für eine nachhaltige Lösung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse auf Basis vorhandener theoretischer Konzepte und Literatur zur Friedens- und Konfliktforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erst das Wesen neuer Konflikte, dann staatliche Vermittlungsansätze sowie gesellschaftliche Methoden (wie Track-Two-Diplomacy und Problemlösungs-Workshops) und endet bei integrativen, mehrdimensionalen Modellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Zivile Konfliktbearbeitung, Konflikttransformation, integrative Ansätze und neue Kriege beschreiben.
Was unterscheidet neue Konflikte von klassischen zwischenstaatlichen Kriegen?
Neue Konflikte finden oft innerhalb von Gesellschaften statt, sind asymmetrisch, weniger durch militärische Schlachten als durch Gewalt gegen Zivilisten gekennzeichnet und haben häufig identitätspolitische Wurzeln.
Warum sind Problemlösungs-Workshops für die Konfliktlösung wichtig?
Sie bieten einen geschützten, informellen Raum, in dem auch emotionale Bedürfnisse bearbeitet werden können, was langfristig zur Änderung von Feindbildern und Einstellungen beiträgt.
Welche Rolle spielt die Zivilbevölkerung bei Lederachs integrativem Ansatz?
Sie bildet die „Grassroot-Ebene“, deren Einbeziehung essenziell ist, da ein Friedensprozess nur dann stabil sein kann, wenn er von der breiten Bevölkerung akzeptiert und mitgetragen wird.
- Quote paper
- Magister Artium Julia Schneider (Author), 2002, Neue Konflikte - neue Methoden der Zivilen Konfliktbearbeitung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68459