Gliederung der dänischen Dialekte


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

32 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1. Die dialektalen Großräume

2. Das Standarddänisch

3. Die Unterscheidungskriterien
3.1 Schwachtonige Endsilben
3.2 Die Aussprache des Personalpronomens “Jeg”
3.3 Die Stellung des bestimmten Artikels
3.4 Die Anzahl der grammatischen Geschlechter Nordjütland
3.5 Der Stoßton
3.6 Klusilschwächung

4. Ausgewählte Dialekte
4.1 Jütisch
4.1.1 Westjütisch
4.1.2 Sønderjysk
4.1.3 Ostjütisch
4.1.4 Vendelbomål
4.2 Inseldänisch
4.2.1 Fünisch
4.2.2 Seeländisch
4.3 Ostdänisch auf Bornholm
4.4 Die Sprachen Kopenhagens
4.4.1 Lavkøbenhavnsk
4.4.2 Højkøbenhavnsk

5. Die Popularität der Dialekte

6. Dialekte gestern, heute - und morgen?

7. Literaturverzeichnis

0 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit werde ich mich mit den Dialekten Dänemarks beschäftigen. Einleitend wird eine grobe geographische Einteilung der Dialekte aufgeführt. Danach erfolgt ein kurzer Überblick über die wichtigsten sprachlichen Kriterien, mithilfe derer man weitere Einteilungen vornehmen kann. In den darauffolgenden Kapiteln werden einige Dialekte präsentiert und analysiert. Danach werden die Dialekte chronologisch betrachtet - Wie groß waren die regionalen Unterschiede im Dänischen früher? Wie groß sind sie heute? Welche Stellung nehmen bzw. nahmen Soziolekte ein? Gibt es Dialekte oder Soziolekte, die besonderes Ansehen genießen? Zum Schluss soll der Frage nachgegangen werden, welche Entwicklung die dänische Sprache in Zukunft möglicherweise nehmen wird und welchen Einfluss das fortschreitende Medienzeitalter auf die Dialekte ausübt.

1. Die dialektalen Großräume

Es gibt 3 dialektale Großräume in Dänemark. Das Westdänische wird auf dem gesamten Festland gesprochen und gliedert sich in der ersten Stufe weiter in Ost-, Süd- und Westjütisch. Das Inseldänische wird auf allen großen Inseln gesprochen, jedoch nicht auf Samsø, Læsø und Anholt. Fünen war im Mittelalter rechtlich an Jütland gebunden. Dieser Umstand wirkte sich auch auf die Sprache aus. Daher nimmt das Fünische heute eine Art Zwischenstellung zwischen dem Jütischen und dem Seeländischen ein.[1] Das Ostdänische existiert im heutigen Dänemark nur noch auf Bornholm.[2] Aus Perspektive der dänischen Linguisten werden aber auch die südschwedischen Dialekte der Gebiete, die vor 1658 zum dänischen Staatsgebiet gehörten, zum Ostdänischen hinzugezählt. Insgesamt bildet das Ostdänische gewissermaßen die Übergangszone zwischen mitteldänischen und mittelschwedischen Dialekten.[3]

Es folgt eine etwas detailliertere Auflistung der Dialekte und deren Verbreitungsgebiete:[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Abbildung 1 sind die drei dialektalen Großräume Dänemarks durch unterschiedliche farbliche Markierung vereinfacht dargestellt. Im gelben Bereich wird Westdänisch, im grünen Inseldänisch und im roten Ostdänisch gesprochen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die dialektalen Großräume

Diese Gliederung der Dialekte, die man auch noch weiter unterteilen könnte, richtet sich nach den geographischen Grenzen der Gebiete, in denen sie gesprochen werden.[6]

2. Das Standarddänisch

Die Standardsprache im Dänischen ähnelt stark der Sprache die in Kopenhagen gesprochen wird. Demzufolge handelt es sich hierbei auch um einen Dialekt, der jedoch im Laufe der Zeit als “der richtige” anerkannt wurde[7]. Diese Aufwertung begann bereits ab 1529, als Christian Pedersen, der u.a. als Bibelübersetzer berühmt wurde, die schriftsprachliche Normierung einleitete. Er ordnete und systematisierte die große Anzahl der verschiedenen Schrifttraditionen, die zum damaligen Zeitpunkt herrschten und bezog sich dabei hauptsächlich auf die Schrifttradition der Hauptstadt.[8] Als Kopenhagen unter Christian IV. Anfang des 17. Jahrhunderts förmlich aufblühte, wurde es endgültig zum landesweiten Vorbild guten Geschmacks und der Bildung. Auch die dort gesprochene Sprache gewann an zusätzlicher Beliebtheit und bei der Oberschicht der Hauptstadt war bereits eine einheitliche Sprache nachzuweisen. 1678 gab der dänische Grammatiker Gerner allen Dänen den Rat "von denen zu lernen, die in der Hauptstadt von wirklichen dänischen Eltern geboren wurden oder in der Hauptstadt und an der Universität ausgebildet wurden".[9] Auf diese Weise wurde das Kopenhagener Dänisch zur überregionalen Norm und gleichzeitig wurden auch die Weichen für den gehobenen Soziolekt "Højkøbenhavnsk" gelegt. Die Aufrecht- erhaltung des hohen Status, den die Kopenhagener Sprache genießt, ist heute v.a. dem Umstand zu verdanken, dass Kopenhagen als Hauptstadt gleichzeitig die Rolle des überregionalen Medienzentrums einnimmt.

3. Die Unterscheidungskriterien

Um einen Überblick über die Dialektlandschaften zu erhalten, wurden die Dialekte zunächst nach offensichtlichen, geographischen Gesichtspunkten voneinander ab- gegrenzt. Im Folgenden werden die Dialekte aus linguistischer Perspektive beleuchtet. Anhand von Faktoren wie schwachtonige Endsilbe, Anzahl der grammatischen Geschlechter oder Stoßton können weitere Spezifizierungen vorgenommen werden.

3.1 Schwachtonige Endsilben

Im Dänischen gibt es 3 Möglichkeiten die auslautende Silbe zu realisieren: Als Vollvokal im Ostdänischen, wie auch im Schwedischen und Norwegischen; als Schwa im Inseldänischen oder als Apokope fakultativ im Inseldänischen und obligatorisch im Westdänischen.[10]

Beispiele für das Verb “at sætte”:

Westdänisch: [s a:d] oder [ ~s a d] , Inseldänisch: [s a d«] , Ostdänisch: [s a ta]

Die Apokopierung der schwachtonigen Endsilbe im Jütischen existiert bereits seit dem 12. Jahrhundert. Im Vergleich zu anderen dänischen und skandinavischen Dialekten hatte das Jütische in dieser Zeit bereits eine Stellung, die der heutigen durchaus gleichkommt. Das Jütische ist auch der Dialekt, in dem sich die Aussprache am weitesten von der Form im Ur-Nordischen (200-800) entfernt hat. Das hängt v.a. mit dem Vokalwegfall in der zweiten Silbe von zweisilbigen Wörtern zusammen.[11] Die Abschwächung der Endsilbe vollzog sich, indem sich der Druck in den entsprechenden Wörtern so auf die erste Silbe verlagert hat, dass die zweite Silbe nach und nach schwächer und schließlich gar nicht mehr realisiert wurde.[12] Die Apokopierung bewirkte somit, dass aus alten Zweisilbern neue Einsilber wurden. Diese Reduktion führte zu unterschiedlichen Resultaten: Im östlichen Teil Zentraljütlands (Midtøstjylland) und in Sønderjylland kam es zu Homophonien vieler alter und neuer Einsilber. In der gesprochenen Sprache konnte mit [hb] sowohl das Substantiv et hop als auch das Verb at hoppe gemeint sein. Genauso verhielt es sich mit [jQŽb], womit entweder das Substantiv en hjælp oder das Verb at hjælpe gemeint sein konnte. Heute wird dieser signifikante Unterschied in unterschiedlicher Form markiert: Im äußersten Osten Sønderjyllands bekommen alte Zweisilber bei drohender Homophonie mit alten Einsilbern den Circumflex, der in phonetischer Hinsicht dem Akzent 2 im Norwegischen und im Schwedischen ähnelt. In Nordjütland wird die Homophonie durch eine Längung des vorangehenden Vokals umgangen: en hat [had], hatte [ha:d]; oder et slurk [slå¨g], at slurke [slå:¨g].[13]

Das Ostdänische hat mit dem Vollvokal in der Endsilbe noch die ursprünglichste Form der Aussprache des Dänischen bewahrt. Das lässt sich einerseits mit der geographischen Isolation wie andererseits auch mit der Nähe zu Schweden erklären.

Das Inseldänische nimmt mit der fakultativen Apokopierung der Endsilbe oder mit dem Erhalt des Schwa-Lautes eine Art Zwischenstellung zwischen dem West- und dem Ostdänischen ein.

3.2 Die Aussprache des Personalpronomens “Jeg”

Ein wichtiges Kriterium zur Unterscheidung der dänischen Dialekte ist die Aussprache des Personalpronomens "Jeg". Im Ostdänischen sagt man ähnlich wie im Schwedischen [ja] mit einem sehr offenen [a]. Im Inseldänischen hört man eher [j æ j] oder [j æ ]. Hier ist das [ æ ] wesentlicher flacher. Auf dem Festland sagt man typischerweise [a][14] oder in Thy sowie in Sønderjylland auch [ æ ]. Besonders auffällig waren diese phonetischen Unterschiede Ende des 19. Jahrhunderts.

3.3 Die Stellung des bestimmten Artikels

Der bestimmte Artikel ist im Standarddänischen, wie auch in anderen skandinavischen Sprachen, enklitisch. In bestimmten Dialekten Westjütlands kann man den Artikel aber auch vorangestellt vorfinden. Der Artikel æ wird genusunabhängig verwendet und tritt seit etwa dem 16. Jahrhundert auf. Im Westjütischen heißt es æ mand, æ kone und æ hus.[15] Im Standarddänischen sagt man manden, konen und huset. Da das Westjütische über Schleswig Verbindungen zum Deutschen hat, kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass sein Ursprung in diesem Sprachkontakt liegt.[16] Es gibt aber noch weitere Hypothesen darüber, wie es zu seiner Entstehung gekommen sein könnte. Drei davon lauten:

1. Der westjütische Artikel ist durch Sprachkontakt mit dem West- bzw. Nordseegermanischen entstanden.[17]
2. Der Sprachwissenschaftler Skautrup geht davon aus, dass der westjütische Artikel seinen Ursprung im nordgermanischen Demonstrativum "thæn" oder im Demonstrativum "inn" hat.[18]
3. Der westjütische Artikel ist eine logische Folge der Apokopierung. Dadurch, dass durch die Druckverlagerung die Endsilbe in alten Zweisilbern nicht mehr mitgesprochen wurde, entfielen auch die grammatischen Informationen, die in eben diesen Silben gespeichert waren. Informationen wie z.B. die Bestimmtheit mussten daraufhin an anderer Stelle im Satz angezeigt werden. Auf diese Weise fand der bestimmte Artikel seinen Platz vor dem zu bestimmenden Substantiv.

Da es den vorangestellten bestimmten Artikel in fast allen germanischen Sprachen gibt und die geographische Nähe Westjütlands einerseits über die Landverbindung zu Deutschland und andererseits auch durch die relativ geringe Distanz über den Seeweg zu Großbritannien gegeben ist, halte ich die erste der drei Theorien für besonders wahrscheinlich.

3.4 Die Anzahl der grammatischen Geschlechter

Das Standarddänische verfügt über zwei grammatische Geschlechter: Das Utrum und das Neutrum.[19] Das Standarddänische unterscheidet demzufolge nicht zwischen Maskulinum und Femininum, sondern fasst beide Geschlechter mit dem Utrum zusammen. Bis ins 18. Jahrhundert wurde aber, wie im Deutschen, in drei Geschlechter unterschieden: Maskulinum, Femininum und Neutrum. In verschiedenen Dialekten wird genau diese Unterscheidung auch heute noch vorgenommen: In großen Teilen des nordöstlichen Jütlands, wie z.B. in Vendsyssel, in einem Großteil von Djursland, auf den Inseln Læsø, Anholt und Samsø,[20] sowie im Ostdänischen auf Bornholm.

Neben den Möglichkeiten zwei oder drei Geschlechter gibt es noch die Einteilung in nur ein einziges Geschlecht, wie es in Westjütland der Fall ist. Das Geschlecht wird Fælleskøn genannt und der unbestimmte Artikel dafür lautet en. Es heißt sowohl en bzw. den mand als auch en bzw. den hus oder en bzw. den værelse.[21] Die Besonderheit ist, dass es hier zwar nur ein Geschlecht gibt, aber dass dafür mit den Demonstrativpronomen den und det in zählbar und nicht-zählbar unterschieden wird: Es heißt zählbar: den hus, aber nicht-zählbar: det mælk.[22]

[...]


[1] Nielsen, Brøndum Johs. : S. 93

[2] Braunmüller, Kurt: Die skandinavischen Sprachen im Überblick S. 83

[3] Haugen, Einar: S. 61

[4] http://www.geocities.com/henrik2405hsj/danskdialekt.html?20051

[5] Grafik aus: www.hum.ku.dk/dialekt/danmakrskort-a4.jpg

[6] Brøndum Nielsen, Johs.: S. 91

[7] http://www.gravengaard.dk/dialekt/om%20dialekter.htm

[8] Haugen, Einar: S. 412

[9] Haugen, Einar: S. 69

[10] Kristiansen, Tore: "Sproglig regionalisering i Danmark?" S. 117

[11] Nielsen, Niel Åge: S. 10

[12] Nielsen, Niel Åge: S. 39

[13] Nielsen, Niel Åge: S. 41

[14] Kristiansen, Tore: "Sproglig regionalisering i Danmark?" S. 117

[15] Nielsen, Niel Åge: S. 42

[16] Nielsen, Niel Åge: S. 43

[17] Braunmüller, Kurt: "Dialekt, Sprachverwandtschaft und 'Drift': Zur Stellung des Sønderjysk in der germanischen Sprachfamilie" S. 298

[18] Braunmüller, Kurt: "Dialekt, Sprachverwandtschaft und 'Drift': Zur Stellung des Sønderjysk in der germanischen Sprachfamilie" S. 298

[19] http://www.gravengaard.dk/dialekt/dialekter%20i%20DK.htm

[20] Nielsen, Niel Åge: S. 44

[21] Nielsen, Niel Åge: S. 45

[22] http://www.gravengaard.dk/dialekt/dialekt.htm

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Gliederung der dänischen Dialekte
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Ostskandinavisch: Dänisch, Ricksmål/ Bokmål, Schwedisch und ihre Dialekte
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
32
Katalognummer
V68476
ISBN (eBook)
9783638610421
ISBN (Buch)
9783640537860
Dateigröße
719 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gliederung, Dialekte, Ostskandinavisch, Dänisch, Ricksmål/, Bokmål, Schwedisch, Dialekte
Arbeit zitieren
Franziska Wenzel (Autor), 2006, Gliederung der dänischen Dialekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68476

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