Analyse des Magazinbeitrages "Ich möchte berühmt sein" aus der Magazinreihe "Forum der Europäer"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

33 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Protokollierung
2.1. Strukturprotokoll der Sendung
2.2. Feinprotokoll
2.3. Sequenzprotokoll

3. Analyse des Visuellen
3.1. Die Bildsprache
3.2. Filmsprache
3.3. Ton, Sprache und Verständlichkeit
3.4. Bild- Tonverhältnis

4. Inhaltsanalyse
4.1. Journalistische Idee
4.2. Dramaturgie
4.3. Umsetzung

5. Fazit

1. Einleitung

Thema dieser Hausarbeit ist die qualitative und quantitative Analyse eines Magazinbeitrages. Ich habe mich primär für diese Analysevariante entschieden, da eine hermeneutische Betrachtung immer zeitgebunden sowie von den Erfahrungen und dem Wissenstand des Analysten abhängig ist. Natürlich soll dieser Untersuchungsstandpunkt nicht völlig außen vor gelassen werden, aber meinen Schwerpunkt lege ich mehr auf den wissenschaftlichen Bereich.

Meinen ausgewählten Beitrag „Ich möchte berühmt sein“ habe ich aus der Magazinreihe Forum der Europäer. Diese Sendereihe wird auf dem Programm Arte ausgestrahlt. Was mich an diesem Beitrag sehr angesprochen hat, war die internationale Betrachtung der gleichen gesellschaftlichen Phänomene. Insbesondere die Diskussionsrunden, in denen die Beiträge eingebettet wurden, waren sehr aufschlussreich in Bezug auf die philosophische und ethische Sicht in der Frage nach dem Wunsch der Berühmtheit.

Der Beitrag wirkt auf den ersten Blick relativ einfach strukturiert und im Gegensatz zu der Rahmendiskussion nicht sehr aussagekräftig. Ziel des Beitrages, so scheint es, soll die Sensibilisierung des Zuschauers sein, was das Geschäft mit dem Wunsch nach Berühmtheit betrifft. Dieses Ziel scheint mir jedoch nicht erreicht.

Um diesen Beitrag aber genauer beurteilen zu können, muss man seine Sprache kennen. Bilder, Ton, Kameraführung, Montage sowie die geschichtliche Dramaturgie sind entscheidend für den Gesamteindruck. Erst durch eine differenzierte Betrachtungsweise der Einzelteile wird eine Bewertung des Gesamten überhaupt erst möglich, sowie die Lokalisierung von Schwachstellen und Fehlern.

Beim Ansehen reflektieren wir oft nicht, sondern wir erleben das Gezeigte als eine einheitliche Ganzheit und tauchen dabei in die Welt der bewegten Bilder und Sounds ein. Auf dieser Ebene erleben wir den Film ganz subjektiv und unserem Erfahrungshorizont entsprechend. Sobald wir anfangen uns Fragen zu stellen, zerbricht diese Ganzheit. Entscheidend ist nun, dass gefragt wird, was die Inhalte bedeuten und worin der Sinn dieser Bedeutung zu suchen ist.

Stimmt der Ton mit dem gezeigten Bild überein? Wie sind die einzelnen Szenen zusammen geschnitten und wie effektiv ist die Kameraführung in Bezug auf die Dramaturgie?

Ziel dieser Hausarbeit ist es zuerst einen allgemeinen Überblick über den Magazinbeitrag zu bekommen. Dies geschieht in Form des Struktur-, Fein- und Sequenzprotokolls. Aus ihnen erschließt sich eine Übersicht über den Ablauf, die Struktur und den Inhalt. Auf der nächsten Ebene werde ich die Bildsprache in Bezug auf die Einstellungsgrößen und die Bildkomposition untersuchen, denn die Bildsprache ist ein grundlegender Faktor für die Wirkung des Beitrages.

Anschließend folgt eine Analyse der Sprache und Verständlichkeit, um Aussagen über das Bild-/ Tonverhältnis machen zu können.

Schließlich soll durch eine Inhaltsanalyse die Untersuchung der Filmischen Idee und ihrer Verwirklichung untersucht werden, um festzustellen, ob sich ein roter Faden erkennen lässt und ob die gewählte Umsetzung im Magazinbeitrag sinnvoll war.

Abschließend soll im Resümee eine Beurteilung der benannten Untersuchungspunkte erfolgen, sowie eine Erklärung warum der Eindruck entsteht, dass die Kernaussage eher latent und weniger präzise wirkt.

2. Protokollierung

2.1. Strukturprotokoll der Sendung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Feinprotokoll

Sendung: Forum der Europäer

Titel: „Ich will berühmt sein“

Sender: Arte

Ausstrahlung: 07.01.2006

Länge: Das Geschäft mit der Traummaschine Berühmtheit

Bemerkung: Alle englisch sprechenden Personen werden übersetzt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abkürzungen:

D = Detail

G = Groß

N = Nah

A = Amerikanisch

HN = Halbnah

HT = Halbtotal

T = Total

Atmo = Atmosphäre

2.3. Sequenzprotokoll

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Analyse des Visuellen

3.1. Die Bildsprache

Durch das Bild nimmt der Zuschauer wahr, worum es in einem Fernsehbeitrag geht. Es liefert einen sofortigen Überblick über die dargestellte Situation. Die Bilder sprechen hierbei die emotionalen Bedürfnisse des Zuschauers eher an als der Text. Je stärker die Reize des Bildes sind, desto stärker wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers gefordert.

Zu dem Bereich der Bildsprache zählt man die Komponenten Einstellungsgröße, Kameraperspektive, Bildaufbau, Grafiken und Schrift im Bild.

Insgesamt besteht der vorliegende Beitrag aus 63 Einstellungen mit einer Gesamtlänge von 6’08 Minuten. Die kürzesten Einstellungen dauern 1 Sekunde und die längste erstreckt sich auf 31 Sekunden. Die am häufigsten auftretende Längeneinstellung liegt dagegen bei fünf Sekunden.

Bei den Einstellungsgrößen wird zwischen Weit (W), Totale (T), Halbtotale(HT), Halbnah (HN), Amerikanisch (A), Nah (N), Groß (G) und dem Detail (D) unterschieden.[1] Die Amerikanische Einstellung ist eher ein Sonderfall, der hierzulande nicht oft zum Tragen kommt. Jedoch habe ich mich bei meiner Analyse durchaus für diese Einstellungsgröße entschieden, da viele Szenen die Protagonisten vom Kopf bis hin zur Hüfte zeigen, so wie es für die Amerikanische Einstellung typisch ist.

Im vorliegenden Magazinbeitrag wurde nicht nur mit den Einstellungsgrößen gearbeitet, sondern ebenso viel mit Kamerabewegungen wie dem Schwenk, der Kamerafahrt sowie dem Zoom. Das wiederum hat die Zuordnung der Einstellungsgrößen erheblich erschwert. Die einzelnen Einstellungen waren oft in Bewegung und veränderten somit ständig die Ausgangseinstellungsgröße. Schließlich bin ich dazu übergegangen, die am längsten beibehaltende Einstellungsgröße in einer Einstellung als Merkmal zu definieren.

Die am meisten benutzte Einstellungsgröße ist die Halbnahe. Sie wird in 19 von den insgesamt 65 Einstellungen genutzt, dicht gefolgt von der Nahen in 13 Einstellungen und der Großen in 11 Einstellungen. Es fällt auf, dass die Weit - Ansicht überhaupt nicht in dem Beitrag zu finden ist. Dies könnte unter anderem daran liegen, dass das Thema Berühmtheit die Bewunderung der Masse beinhaltet und damit eine städtische Umgebung als Ballungszentrum aussagekräftiger ist, als eine ruhige und idyllische Landschaft. Denn in Metropolen wie London befinden sich die meisten Menschen und berühmt zu sein, heißt sich von der Masse abzuheben. Warum auch immer, Fakt bleibt, dass sich diese Einstellungsgröße nicht vorfinden lässt. Deshalb ist diese Ansicht für den Bericht weniger relevant.

Ebenso vernachlässigt wird die Halbtotale. Sie tritt in den 65 Einstellungen nur viermal auf und wird damit noch weniger benutzt als die Totale Einstellung mit sieben Einstellungen. Mit Sicherheit lässt sich bemerken, dass sich in den Einstellungswechseln kein Rhythmus finden lässt. Eine Einstellungssystematik müsste wohl eher in Verbindung mit dem Handlungsstrang und der Dramaturgie untersucht werden.

Die Funktion der verschiedenen Einstellungsgrößen ist in der Wirksamkeit von Nähe und Distanz zu suchen. Allerdings entsteht dieser Effekt erst durch den Wechsel der verschiedenen Einstellungsgrößen und dem damit hergestellten Kontrast innerhalb einer Einstellungsfolge.[2] Das Verständnisgefühl des Zuschauers wird also durch den Wechsel der Größeneinstellungen gelenkt und gerichtet.

Im vorliegenden Beitrag werden die einzelnen Sequenzeinstiege mit einer Totalen, Halbtotalen oder Halbnahen Kameraeinstellung begonnen (E1, E7, E16, E28, E38, E43, E61). Die darauf folgenden Zweiteinstellungen einer Sequenz beinhalten von der Totalen- bis hin zur Großeinstellung alles ( E2, E8, E17, E29, E39, E44, E61 ). Ebenso ist es bei den restlichen Sequenzeinstellungen, außer dass sich die Detaileinstellung noch zweimal antreffen lässt ( E21, E30 ).

Die Vermutung liegt nahe, dass das Einstiegsbild einer Sequenz dem Zuschauer die Orientierung sowie die Einreihung der nachfolgenden Aufnahmen in einen bestimmten Kontext ermöglicht.

Ein repräsentatives Beispiel hierfür ist in der Sequenz 6 zu finden. Die Halbnahe Einstiegsszene E 43 zeigt die Organisatorin im Veranstaltungsclub auf der Bühne an einem Keyboard. Der Zuschauer bekommt somit den Überblick über die Bühne des Geschehens und über den Clubraum in der das Casting stattfinden wird.

Die Einstiegseinstellung E7 der Sequenz 2 entspricht dem oben benannten Schema zwar, jedoch wird hier noch mit einem anderen Wirkungsfaktor gearbeitet. In ihr wird für eine Sekunde eine Limousine in der Totalen Einstellung gezeigt, die sich durch die nächtlichen Straßen ihren Weg bahnt. Sofort schwenkt die Szenerie um und anstatt dem pompösen Luxusgefährt erscheint, ebenso in der Totalen, ein Mittelklassewagen, der in die Straße von Deans Geschäftssitz einbiegt. Die Orientierung wird hier mehr durch die Einstellung E 8 und E 9 anstatt von E 7 gegeben. Denn E 8 und E 9 beschäftigen sich mit der örtlichen Umgebung des Londoner Vororts. Allerdings indiziert die Luxuslimousine einen nächtlichen Traum von Berühmtheit, der sich beim Mittelklassewagen der taghellen Realität aufzulösen beginnt. Damit ist ein sinnvoller und geglückter Übergang von Deans nächtlichen Streifzug und seinem täglichen Geschäft geschaffen worden.

Hier ist ganz klar erkennbar, dass die Selektion von dem was der Zuschauer sieht, oft nicht von ihm selber ausgeht, sondern primär vom Film vorgegeben wird. Durch die Darstellungsformen des Bildes können gezielt Dinge in den Mittelpunkt gerückt werden, während andere nur am Rande zur Geltung kommen oder überhaupt nicht sichtbar werden.[3] In diesem Fall hat der Rezipient gar keine andere Wahl als den beiden Autos in Deans Geschäftsstelle zu folgen.

Das Wechseln der Kameraperspektive kommt im Magazinbeitrag sehr selten zum Tragen. In den meisten Einstellungen wird eine Normalsicht verwendet. Ausnahme bilden hierbei die Szenen E 46, E 48, E 52, in denen die Sänger ihr Talent auf der Bühne unter Beweis stellen. Hierbei wird mit der Froschperspektive gearbeitet, um den Sänger und seinem Gesang mehr Achtung zukommen zu lassen. Schließlich zwingen höher gestellte Personen oder Gegenstände zum Aufsehen. Dagegen wird die Vogelperspektive in keiner Einstellung verwendet.[4]

Der Bildaufbau des Beitrages ist unterschiedlich gestaltet. Die meisten Einstelllungen sind so gegliedert, dass die wichtigsten Personen oder Gegenstände in der Bildmitte positioniert sind. Damit zwingen sie dem Zuschauer die volle Aufmerksamkeit ab.[5] Schließlich blickt der Betrachter automatisch zur Bildmitte als erstes, sofern er nicht von anderen gewichteten Dingen im Bild abgelenkt wird. Zurückzuführen ist dieses Phänomen auf die Fovea in unserem Auge, dem gelben Fleck.[6] In diesem kleinen, mittigen Bereich können wir am schärfsten, sehen. Um ein klares Bild zu erhalten, wandert dieser zentrale Sehpunkt umher um aus vielen Einzelteilen im Gehirn ein Gesamtbild zusammen zu setzen. Wird im Film eine Person oder ein Gegenstand in der Bildmitte zentralisiert, erspart es dem Zuschauer das Abscannen des Bildes mit dem Auge und verleiht dem Dargestellten automatisch eine zentrale Gewichtung.

[...]


[1] Vgl.: Knilli, Friedrich/ Reis, Erwin: Einführung in die Film- und Fernsehanalyse, S. 59 – 66.

[2] Vgl.: Hickethier, Knuth: Film- und Fernsehanalyse, S. 58

[3] ebd., S. 61

[4] Vgl.: ebd., S. 62

[5] Vgl.: ebd., S. 51

[6] Vgl.: Appeldorn, Werner von: Handbuch der Film- und Fernsehproduktion, S. 14-15

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Analyse des Magazinbeitrages "Ich möchte berühmt sein" aus der Magazinreihe "Forum der Europäer"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Publizistik und Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Medienseminar Fernsehen; Wintersemester 2005 / 2006
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
33
Katalognummer
V68545
ISBN (eBook)
9783638610827
ISBN (Buch)
9783638672832
Dateigröße
606 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Magazinbeitrages, Magazinreihe, Forum, Europäer, Medienseminar, Fernsehen, Wintersemester
Arbeit zitieren
Stephanie Kurmes (Autor), 2006, Analyse des Magazinbeitrages "Ich möchte berühmt sein" aus der Magazinreihe "Forum der Europäer", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68545

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