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Das bedingungslose Grundeinkommen. Eine notwendige sozialpolitische Forderung?

Title: Das bedingungslose Grundeinkommen. Eine notwendige sozialpolitische Forderung?

Diploma Thesis , 2007 , 100 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Monika Ickler (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Soziale Arbeit ist immer auch politische Arbeit.
Für mich, die ich unter anderem als Praktikantin in einer Sozialberatungsstelle des Trägers „Beratung und Lebenshilfe e.V.“ gearbeitet habe, bedeutet dies, dass ich mir einerseits über angemessene Hilfeleistungen für Menschen in Notlagen Gedanken mache und deren Bereitstellung auch weiter einfordern werde. Andererseits umfasst politische Arbeit auch den Blick auf und das Wissen um gesellschaftliche Hintergründe Sozialer Arbeit und wirft die Frage auf, wo Sozialarbeiter individuell und strukturell eingreifen können und welche Alternativen sich für die bestehenden Hilfesysteme ergeben könnten, deren Teil wir sind.
Daher verstehe ich meine Diplomarbeit als den Versuch, meinen eigenen Blick auf einige der größten aktuellen sozialpolitischen Probleme - die der Armut, der Arbeitslosigkeit und der Ausgrenzung - zu richten, mich mit ihnen auseinanderzusetzen und den alternativen Entwurf eines bedingungslosen Grundeinkommens(im Folgenden BGE genannt) zu diskutieren. Ich möchte herausfinden, wo sich dies als sozialpolitisches Instrument in der Gegenwart verorten lässt, wie radikal diese Forderung wirklich ist, an welchen Traditionen sie anknüpft und ob sie sich als reale Alternative einer zukunftsorientierten sowie nachhaltigen sozialstaatlichen Politik erweisen könnte. Diese Arbeit wird sich wie folgt untergliedern:
Als Hinführung zum Gegenstand des bedingungslosen Grundeinkommens bzw. der Frage nach der Notwendigkeit einer solchen sozialpolitischen Forderung, wird der erste Teil mit einer, meiner Wahrnehmung entspringenden Momentaufnahme beginnen, die als Krisenbeschreibung gefasst ist. Diese folgt dabei natürlich subjektiven Kriterien und legt anhand einer bestimmten Auswahl von Zitaten bereits diverse Implikationen nahe. Nur in der Auseinandersetzung, in der Aufnahme widersprüchlicher Argumente, in der Abgrenzung und eigenen Wertung, komme ich hier einer Wirklichkeit näher. Es folgt anhand der in der Krisenbeschreibung dargestellten Themenkomplexe der Armut,der Arbeitslosigkeit und der Ausgrenzung eine Auseinandersetzung mit, auf diese Themen ausgerichteten, derzeitigen sozialpolitischen Ausrichtungen und Leitbildern. Hierfür dient exemplarisch der relativ aktuelle „2. Armuts- und Reichtumsbericht - ein Bericht über Lebenslagen in Deutschland“ der (damals noch rot-grünen) Bundesregierung. Im Hinblick auf den begrenzten Rahmen dieser Arbeit, wird sie sich dem Armutsbegriff nicht gebührend intensiv widmen können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Krisenbeschreibung

3. Armut

3.1. Der 2. Armuts- und Reichtumsbericht (2005)

3.2. Armut, Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung

3.3. Unterversorgung, Ausschluss und Repression

4. Sozialstaatskonzepte

4.1. Aktiver, liberaler und aktivierender Sozialstaat

4.2. Der ermutigende Sozialstaat – Auswertung eines aktuellen Alternativentwurfs

5. Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE)

5.1. Theoretische Argumentationslinien

5.2. Historische Bezüge

5.2.1. Neoliberale Konzeptionen des Grundeinkommens

5.2.2. Egalitäre Konzeptionen des Grundeinkommens

5.3. BGE aus armutspolitischer Perspektive

6. Arbeit im Wandel der Zeiten

6.1. Was ist Arbeit?

6.1.1. Etymologie des Begriffs

6.1.2. Zur Bedeutungsgeschichte des Arbeitsbegriffs

6.2. Historischer Abriss (Antike-Neuzeit)

6.2.1. Antike

6.2.2. Biblischer Sprachgebrauch

6.2.3. Reformation

6.2.4. Neuzeitliche Einflüsse

6.3. Zur vorindustriellen Arbeitsauffassung

6.3.1. Lohnarbeit, Geld und Markt im vorindustriellen Europa

7. Zur Genese der Arbeitszeit

7.1. Natürliche und abstrakte Zeit

7.1.1. Zeit, Zweck und Geld

7.2. Betriebszeit

7.3. Betriebszeit vs. Freizeit

7.4. Arbeitszeitverkürzung

7.4.1. Die Gewerkschaften

7.5. Grenzen des industriellen Zeitarrangements

7.5.1. Was ist schon „normal“?

7.5.2. Kollektive Illusionen

8. Arbeit und Revolution

8.1. Emanzipation/Befreiung der Arbeit

8.1.1. Mensch und Maschine

8.1.2. Perspektiven der zweiten Moderne

8.1.3. Maschinen und Arbeitslosigkeit

8.1.4. „Kopfarbeit“

8.2. Befreiung der Arbeit = Befreiung von Arbeit?

9. Dimensionen der Arbeitsgesellschaft

9.1. Ende der Arbeitsgesellschaft?

9.2. Zwischenauswertung

10. Das BGE in der Nach-Arbeitsgesellschaft

10.1. Der Arbeitsbegriff bei André GORZ

10.2. Was für ein BGE ? Oder: Wer bietet mehr?

10.3. Mit oder ohne Bedingungen?

10.4. André – wozu BGE?

10.4.1. Vom BGE zum Existenzgeld/-einkommen

10.4.2. ‚Entlohnung’ von Eigenarbeit?

10.5. Diskussion zur GORZ’schen Utopie

11. Zusammenfassende Schlussdiskussion

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht die Notwendigkeit des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) als sozialpolitische Forderung vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Krisen wie Armut, Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, zu ergründen, ob das BGE als Instrument der Gegenwarts-Sozialpolitik dienen kann und wie es sich historisch sowie theoretisch in den Wandel der Arbeitsgesellschaft einordnen lässt.

  • Analyse sozialpolitischer Probleme und aktueller Sozialstaatskonzepte
  • Historische und etymologische Untersuchung des modernen Arbeitsbegriffs
  • Kritische Diskussion der Konzepte von Autoren wie André Gorz und Georg Vobruba
  • Untersuchung des Wandels von der industriellen zur Nach-Arbeitsgesellschaft
  • Bewertung des BGE als Instrument zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Soziale Arbeit ist immer auch politische Arbeit.

Für mich, die ich unter anderem als Praktikantin in einer Sozialberatungsstelle des Trägers „Beratung und Lebenshilfe e.V.“ gearbeitet habe, bedeutet dies, dass ich mir einerseits über angemessene Hilfeleistungen für Menschen in Notlagen Gedanken mache und deren Bereitstellung auch weiter einfordern werde. Andererseits umfasst politische Arbeit auch den Blick auf und das Wissen um gesellschaftliche Hintergründe Sozialer Arbeit und wirft die Frage auf, wo Sozialarbeiter individuell und strukturell eingreifen können und welche Alternativen sich für die bestehenden Hilfesysteme ergeben könnten, deren Teil wir sind.

Daher verstehe ich meine Diplomarbeit als den Versuch, meinen eigenen Blick auf einige der größten aktuellen sozialpolitischen Probleme – die der Armut, der Arbeitslosigkeit und der Ausgrenzung - zu richten, mich mit ihnen auseinanderzusetzen und den alternativen Entwurf eines bedingungslosen Grundeinkommens (im Folgenden BGE genannt) zu diskutieren. Ich möchte herausfinden, wo sich dies als sozialpolitisches Instrument in der Gegenwart verorten lässt, wie radikal diese Forderung wirklich ist, an welchen Traditionen sie anknüpft und ob sie sich als reale Alternative einer zukunftsorientierten sowie nachhaltigen sozialstaatlichen Politik erweisen könnte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Autorin legt ihre Motivation dar, das BGE im Kontext ihrer Erfahrungen in der Sozialarbeit und der aktuellen sozialpolitischen Krise zu untersuchen.

2. Krisenbeschreibung: Beschreibt die gegenwärtige politische Situation, geprägt von Sozialabbau, Agenda 2010 und dem Leitbild des aktivierenden Staates.

3. Armut: Diskutiert den Armutsbegriff, die Problematik der Sozialstatistik und die Verknüpfung von Armut, Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung.

4. Sozialstaatskonzepte: Erläutert verschiedene Konzeptionen wie den aktiven, liberalen und aktivierenden Sozialstaat sowie den Entwurf des „ermutigenden Sozialstaats“.

5. Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE): Untersucht die theoretischen Argumentationslinien und die historischen Bezüge des BGE, differenziert nach neoliberalen und egalitären Modellen.

6. Arbeit im Wandel der Zeiten: Analysiert den historischen Wandel des Arbeitsbegriffs von der Antike bis zur Neuzeit sowie dessen vorindustrielle Auffassung.

7. Zur Genese der Arbeitszeit: Beleuchtet die Entwicklung von der natürlichen zur abstrakten Zeit und die Durchsetzung der Betriebszeit sowie der Arbeitszeitverkürzung.

8. Arbeit und Revolution: Befasst sich mit der Emanzipation der Arbeit, dem Technikoptimismus und der Kritik der Entfremdung durch Maschinen.

9. Dimensionen der Arbeitsgesellschaft: Reflektiert über das Konzept der Arbeitsgesellschaft und die These von deren Ende.

10. Das BGE in der Nach-Arbeitsgesellschaft: Setzt sich kritisch mit den Vorstellungen von André Gorz und der Idee einer Multiaktivitätsgesellschaft auseinander.

11. Zusammenfassende Schlussdiskussion: Zieht ein Fazit über die Tauglichkeit des BGE als sozialpolitisches Instrument und ordnet es als Fremdkörper in das sozialarbeiterische System ein.

Schlüsselwörter

Bedingungsloses Grundeinkommen, BGE, Soziale Arbeit, Armut, Arbeitslosigkeit, Sozialstaat, Arbeitsgesellschaft, Erwerbsarbeit, Historische Arbeitsauffassung, Sozialpolitik, Existenzsicherung, André Gorz, Nach-Arbeitsgesellschaft, Teilhabe, Gerechtigkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit befasst sich mit der sozialpolitischen Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) und dessen Eignung als Antwort auf die aktuelle Krise des Sozialstaats.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der Untersuchung von Armut, Arbeitslosigkeit, der historischen Entwicklung des Arbeitsbegriffs sowie der kritischen Analyse von Sozialstaatsmodellen und BGE-Konzepten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, herauszufinden, ob das BGE ein radikales, zukunftsorientiertes Instrument für eine nachhaltige Sozialpolitik darstellt und wie es sich zu bestehenden Strukturen der Sozialarbeit verhält.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit basiert primär auf einer Literatur- und Theorieanalyse sowie der Auswertung sozialpolitischer Berichte und alternativer Entwürfe führender Theoretiker wie André Gorz.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Krisenbeschreibung der aktuellen Sozialpolitik, eine tiefgehende historische Analyse des Arbeitsbegriffs und eine kritische Auseinandersetzung mit der Utopie einer Nach-Arbeitsgesellschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Bedingungsloses Grundeinkommen, Armut, Arbeitslosigkeit, Sozialstaatskonzepte, Arbeitsgesellschaft, Eigenarbeit und soziale Gerechtigkeit.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des BGE im Kontext der Sozialarbeit?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das BGE ein „außerpädagogisches Instrument“ ist und innerhalb des sozialarbeiterischen Leistungssystems eher als Fremdkörper wahrgenommen wird.

Wie steht die Autorin zum Ansatz von André Gorz?

Die Autorin setzt sich kritisch mit Gorz auseinander und bemängelt, dass seine strikte Trennung zwischen formeller und informeller Arbeit künstlich sei und die Realität der Verflechtung beider Sektoren im Kapitalismus verkenne.

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Details

Title
Das bedingungslose Grundeinkommen. Eine notwendige sozialpolitische Forderung?
College
Alice Salomon University of Applied Sciences Berlin AS
Grade
1,0
Author
Monika Ickler (Author)
Publication Year
2007
Pages
100
Catalog Number
V68648
ISBN (eBook)
9783638600361
Language
German
Tags
Grundeinkommen Forderung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Monika Ickler (Author), 2007, Das bedingungslose Grundeinkommen. Eine notwendige sozialpolitische Forderung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68648
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