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Zum Unendlichkeitsbegriff in Hegels "Wissenschaft der Logik"

Einheit als Idealität, Werden als Realität

Title: Zum Unendlichkeitsbegriff in Hegels "Wissenschaft der Logik"

Term Paper , 2003 , 30 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Bert Grashoff (Author)

Philosophy - Philosophy of the 19th Century
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Summary Excerpt Details

Georg Wilhelm Friedrich Hegel überarbeitete seine Logik immer wieder. Der erste Teil des dreiteiligen Werks der Wissenschaft der Logik, die objektive Logik oder Seinslogik erfuhr 1832 seine letzte Form. Hegel kam nicht mehr dazu, auch die 1807 zuletzt veröffentlichte subjektive Logik, bestehend aus der Wesenslogik und der Begriffslogik, erneut zu bearbeiten.
Der dunkle Monolog der Wissenschaft der Logik stellt Hegels Hauptwerk und eines der wichtigsten Werke des deutschen Idealismus dar. Noch heute ist die Interpretation des Textes mühsam und umstritten. Kennzeichnend für den tief in die sprachliche Konstitution unseres Weltwissens eindringenden Textes ist die dialektische Auffassung jedes Gedankens und jeder Stilllegung eines Gedankens in einem Begriff. Alle Begriffe sind bei Hegel schillernd, dynamisch im Spannungsfeld ihrer Bedeutungen. Diese innere Dynamik der Begriffe lässt sie aus sich heraus und in andere Begriffe übergehen, wobei diese Übergänge im Hegelschen Verständnis strikt logisch sind. Hegel entwickelt so ein präzises und dichtes Netzwerk der philosophischen Begriffe. Doch seine Definitionen und inhaltlichen Verknüpfungen prägen noch heute weitgehend unbewusst auch die Alltagssprache.

Die 2003 von Bert Grashoff verfasste Hausarbeit stellt eine detaillierte Interpretation eines begrifflichen Übergangs innerhalb der Seinslogik dar, nämlich der vom Sein zum Fürsichsein. Sie setzt bei dem vielfältig schillernden Begriff der Grenze an und folgt der Entwicklung des Begriffspaars der Endlichkeit und Unendlichkeit. Hegel diskutiert dabei eingehend den Begriff der schlechten Unendlichkeit, den er überwindet. Inhaltlich kann diese schlechte Unendlichkeit vielfältig gedeutet werden, vom Zenon von Elea zugeschriebenen Paradoxons des Wettrennens zwischen Achill und der Schildkröte, das erst mit den modernen Grenzwerttheorien eine Auflösung fand, bis zu der aus Hegels Perspektive scheinbaren Unlösbarkeit der Theodizeefrage. Die letzte Station, die von der Hausarbeit verfolgt wird, ist die Entwicklung der Begriffe von Realität und Idealität. Das unendliche Dasein ist in seiner Unendlichkeit konkret geworden und damit zur Realität. Die schon im Begriff der Grenze angelegte Einheit von Etwas und Anderem im Denken erscheint nun als Einheit von Endlichem und Unendlichem wieder. Diese Einheit ist Idealität.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einführung

Selbstbewegung des Begriffs

Reflexivität der Logik

Einheit von Subjekt und Objekt

Anfang und Resultat

Kritik an Totalität

I. Zum Begriff des Absoluten und seinem Verhältnis zur Unendlichkeit

a) Die Eine Substanz bei Spinoza

b) Konkrete Individualität muss mit dem Absoluten vermittelt sein

c) Einheit stellt sich überhaupt erst durch die Reflexion auf Differenz her

d) Substanz ist Subjekt

II. Die Argumentation im Unendlichkeitskapitel der „Wissenschaft der Logik“

a) Endliches treibt zum Unendlichen

b) Widersprüche in der Trennung des Endlichen vom Unendlichen: das Schlecht-Unendliche

c) Die wahrhafte Unendlichkeit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Unendlichkeitsbegriff in G.W.F. Hegels „Wissenschaft der Logik“. Das primäre Ziel ist es, den Argumentationsgang Hegels nachzuvollziehen, durch welchen das Verhältnis von Endlichem und Unendlichem als eine in sich vermittelte Einheit erwiesen wird, um so die Dialektik von Substanz und Subjekt zu verdeutlichen.

  • Die Problematisierung des endlichen Selbstbewusstseins im Verhältnis zum Absoluten.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit Spinozas Substanzbegriff.
  • Die Darstellung des Unendlichkeitskapitels in der „Wissenschaft der Logik“.
  • Die Unterscheidung zwischen dem „schlecht-unendlichen“ Progress und der „wahrhaften Unendlichkeit“.
  • Die methodische Bedeutung der Reflexion auf Differenz für die Systemphilosophie Hegels.

Auszug aus dem Buch

b) Widersprüche in der Trennung des Endlichen vom Unendlichen: das Schlecht-Unendliche

„So das Unendliche gegen das Endliche in qualitativer Beziehung von Andern zu einander gesetzt, ist es das Schlecht-Unendliche, das Unendliche des Verstandes zu nennen, dem es für die höchste, für die absolute Wahrheit gilt; ihn zum Bewußtseyn darüber zu bringen, daß, indem er seine Befriedigung in der Versöhnung der Wahrheit erreicht zu haben meynt, er in dem unversöhnten, unaufgelößten, absoluten Widerspruche sich befindet, müßten die Widersprüche bewirken, in die er nach allen Seiten verfällt, so wie er sich auf die Anwendung und Explication dieser seiner Kategorien einläßt.“ (GW 21, 127/1-8)

Erstens tritt der Widerspruch von Diesseits und unerreichbarem Jenseits auf: „es sind damit zwey Bestimmtheiten; es gibt zwey Welten, eine unendliche und eine endliche, und in ihrer Beziehung ist das Unendliche nur Grenze des Endlichen und ist damit nur ein bestimmtes, selbst endliches Unendliches.“ (GW 21, 127/10-13)

Zweitens zeigt sich wieder die Dialektik des Grenzbegriffs: Endliches und Unendliches sind „jedes auch als sich auf sich affirmativ beziehend die Negation seiner Grenze; so stößt es sie als sein Nichtseyn unmittelbar von sich ab, und qualitativ davon getrennt, setzt es sie als ein anderes Seyn ausser ihm, das Endliche sein Nichtseyn als diß Unendliche, dieses ebenso das Endliche.“ (GW 21, 127/33-128/2) Sie bestimmen sich wechselseitig. Vom Endlichen wurde bereits ausführlich gezeigt, dass es das Unendliche bestimmt. Dem Ansichsein des Unendlichen, wie es sich als affirmative Bestimmung des Ansichseins des Endlichen hergestellt hat, widerspricht die Grenze und Bestimmtheit des Unendlichen. Sie werden deshalb von ihm aus sich „ausgeschlossen, [und] als nicht das Seinige, vielmehr seinem Ansichseyn entgegengesetzte, das Endliche, gesetzt“ (GW 21, 128/14-16). So stellt sich die Einheit von Endlichem und Unendlichem her: „Indem so jedes, an ihm selbst ... und aus seiner Bestimmung das Setzen seines Andern ist, sind sie untrennbar. Aber diese ihre Einheit ist in dem qualitativen Andersseyn derselben verborgen, sie ist die innerliche, die nur zu Grunde liegt.“ (GW 21, 128/16-19)

Zusammenfassung der Kapitel

Einführung: Die Einleitung verortet das Thema im Hegelschen System und erläutert die methodische Schwierigkeit, einzelne Begriffe aus dem Gesamtgewebe der Dialektik zu lösen.

I. Zum Begriff des Absoluten und seinem Verhältnis zur Unendlichkeit: Dieser Abschnitt analysiert das Verhältnis von Endlichkeit und Unendlichkeit vor dem Hintergrund der Spinozaschen Substanzlehre und deren Notwendigkeit der Subjektwerdung.

II. Die Argumentation im Unendlichkeitskapitel der „Wissenschaft der Logik“: Dieser Hauptteil vollzieht den dialektischen Prozess nach, in dem das endliche Bewusstsein zum Unendlichen treibt, die einseitige Trennung (das Schlecht-Unendliche) als widersprüchlich erkennt und zur wahrhaften Unendlichkeit gelangt.

Schlüsselwörter

G.W.F. Hegel, Wissenschaft der Logik, Unendlichkeit, Endlichkeit, Absolutes, Substanz, Subjekt, Dialektik, Reflexion, Schlecht-Unendliches, wahrhafte Unendlichkeit, Selbstbewegung des Begriffs, Identität, Differenz, Systemphilosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Hegel den Begriff des Unendlichen innerhalb seines logischen Systems entwickelt und wie er das Verhältnis von Endlichem und Unendlichem dialektisch als Einheit bestimmt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Substanz und Subjekt, die Kritik an einem rein verstandesmäßigen, dualistischen Weltbild und die logische Herleitung der Unendlichkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Argumentationsgang des Unendlichkeitskapitels in der „Wissenschaft der Logik“ nachzuvollziehen, um zu zeigen, wie das „wahrhaft Unendliche“ als Resultat aus der Reflexion von Gegensätzen hervorgeht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf die exegetische Analyse der Hegelschen Originaltexte und bezieht sich dabei kritisch auf die Forschungsliteratur, um die dialektische Methode Hegels abzubilden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie das endliche Denken unweigerlich zum Unendlichen fortschreitet, warum eine bloße Trennung (das Schlecht-Unendliche) in Widersprüche führt und wie die wahrhafte Unendlichkeit als Prozess begriffen werden muss.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind: Hegels Logik, Unendlichkeit, Subjekt-Objekt-Einheit, dialektischer Prozess, Substanz und die Kritik am Verstandesdenken.

Wie unterscheidet Hegel zwischen der „schlechten“ und der „wahrhaften“ Unendlichkeit?

Die „schlechte“ Unendlichkeit bleibt in einem unendlichen Progress („und so fort“) gefangen, während die „wahrhafte“ Unendlichkeit die Einheit des Endlichen und Unendlichen in einem sich selbst bestimmenden Prozess als geschlossenen Kreis begreift.

Warum ist laut Autor die Trennung von Endlichem und Unendlichem zum Scheitern verurteilt?

Weil das endliche Denken, sobald es das Unendliche als radikales Jenseits definiert, selbst wieder eine Grenze zieht und damit das Unendliche in den Bereich des Endlichen herabwürdigt, wodurch es sich in Widersprüche verstrickt.

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Details

Title
Zum Unendlichkeitsbegriff in Hegels "Wissenschaft der Logik"
Subtitle
Einheit als Idealität, Werden als Realität
College
University of Bremen
Course
G. W. F. Hegel: Wissenschaft der Logik. Die Lehre vom Wesen
Grade
2,0
Author
Bert Grashoff (Author)
Publication Year
2003
Pages
30
Catalog Number
V68661
ISBN (eBook)
9783638611084
ISBN (Book)
9783638672924
Language
German
Tags
Unendlichkeitsbegriff Hegels Wissenschaft Logik Hegel Wissenschaft Logik Lehre Wesen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bert Grashoff (Author), 2003, Zum Unendlichkeitsbegriff in Hegels "Wissenschaft der Logik", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68661
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