,,Es ist in der Tat eine der größten Errungenschaften des Sozialismus, die Gleichberechtigung der Frau in unserem Staat sowohl gesetzlich, als auch im Leben weitgehend verwirklicht zu haben" bemerkte Erich Honecker 1971 auf dem VIII. Parteitag der SED. Nach den 1960ern in der DDR waren demnach große Fortschritte auf dem Weg zur gelebten Gleichberechtigung zu verzeichnen. Aber die Realität am Ende der Ära Ulbricht sah anders aus: Die ernstgemeinten Versuche, den Frauen das Nutzen ihrer Gleichberechtigung zu ermöglichen, waren zu einem großen Teil an der strikten ökonomischen Orientierung der SED-Frauenpolitik gescheitert und trugen zudem zur Festigung alter Rollenklischees bei.
Im Folgenden gilt es, zu klären inwiefern die frauenpolitischen Maßnahmen der 1960er den Frauen der DDR wirklich mehr Gleichberechtigung einbrachten und welche Aspekte der Gleichberechtigung noch nicht verwirklicht waren.
Um Antworten auf diese Fragen zu finden, werde ich mich mit den wichtigsten Bereichen und Maßnahmen der SED-Frauenpolitik in den 1960er Jahren beschäftigen. Hierbei soll zunächst als Basis der Betrachtungen geklärt werden, welchen Inhalt der Begriff Gleichberechtigung hat bzw. hatte. Im Anschluss werde ich einen Einblick in den ideologischen und historischen Hintergrund der SED-Politik dieser Zeit geben. Dadurch wird die im darauf folgenden Abschnitt behandelte SED-Frauenpolitik der 1960er verständlicher sein. Es werden in diesem Abschnitt nur einige richtungsweisende Maßnahmen der SED-Frauenpolitik beleuchtet, da die Masse an neuen Verordnungen zur Gleichberechtigung in diesem Rahmen nicht vollständig dargestellt werden kann. Nach der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Maßnahmen der Frauenpolitik in den 1960ern werde ich mich den erwünschten und unerwünschten Folgen dieser Politik widmen. In den Schlussbetrachtungen wird dann der Bogen zwischen der Fragestellung, den Hintergründen und den Zielen und Folgen der SED-Frauenpolitik geschlossen. Ein Urteil über das tatsächliche Ausmaß an Gleichberechtigung zum Zeitpunkt der Feststellung Honeckers wird die Arbeit abschließen.
Als Basisliteratur dieser Arbeit sind vor allem die Auseinandersetzungen zum Thema von Hildebrandt und Kreutzer hervorzuheben.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Vorbetrachtungen
- Definitionen
- Ideologischer und historischer Hintergrund
- Maßnahmen und Gesetze zur Gleichstellung
- Kommunique „Die Frauen - der Frieden und der Sozialismus“
- Gesetzbuch der Arbeit
- Familiengesetzbuch
- bildungspolitische Maßnahmen
- Folgen
- Wirtschaft
- Frauenleitbild
- Demografie
- Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Frauenpolitik der SED in den 1960er Jahren in der DDR, wobei der Fokus auf dem tatsächlichen Ausmaß an Gleichberechtigung liegt, das den Frauen durch die getroffenen Maßnahmen zuteil wurde. Die Arbeit beleuchtet, welche Bereiche und Maßnahmen der SED-Frauenpolitik in den 1960er Jahren relevant waren und welche Folgen diese Politik für die Frauen der DDR hatte.
- Die Definition von Gleichberechtigung in der DDR im Vergleich zur BRD.
- Der ideologischer und historischer Hintergrund der SED-Frauenpolitik in den 1960er Jahren.
- Die wichtigsten Maßnahmen und Gesetze zur Gleichstellung der Frauen.
- Die Auswirkungen der SED-Frauenpolitik auf die Wirtschaft, das Frauenleitbild und die Demografie der DDR.
- Die Beurteilung des tatsächlichen Ausmaßes an Gleichberechtigung in der DDR in den 1960er Jahren.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik ein und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit dar: Inwiefern führten die frauenpolitischen Maßnahmen der 1960er Jahre zu einer wirklichen Gleichberechtigung der Frauen in der DDR? Der Abschnitt „Vorbetrachtungen“ definiert den Begriff der Gleichberechtigung in der DDR und stellt den ideologischen und historischen Hintergrund der SED-Frauenpolitik in den 1960er Jahren dar. Im Anschluss werden die wichtigsten Maßnahmen und Gesetze zur Gleichstellung der Frauen, wie das Kommunique „Die Frauen - der Frieden und der Sozialismus“ und das Gesetzbuch der Arbeit, analysiert. Das Kapitel „Folgen“ untersucht die Auswirkungen der SED-Frauenpolitik auf die Wirtschaft, das Frauenleitbild und die Demografie der DDR.
Schlüsselwörter
Gleichberechtigung, SED-Frauenpolitik, DDR, 1960er Jahre, Kommunique „Die Frauen - der Frieden und der Sozialismus“, Gesetzbuch der Arbeit, Familiengesetzbuch, bildungspolitische Maßnahmen, Wirtschaft, Frauenleitbild, Demografie.
Häufig gestellte Fragen
War die Gleichberechtigung in der DDR in den 1960ern real?
Obwohl die SED große Fortschritte propagierte, war die Frauenpolitik oft ökonomisch motiviert (Arbeitskräftemangel), was zur Verfestigung von Doppelbelastungen und Rollenklischees führte.
Was war das Ziel des Familiengesetzbuches der DDR?
Es sollte die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe verankern und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern, wobei der Staat ein spezifisches sozialistisches Familienbild verfolgte.
Welche Rolle spielten Frauen in der Wirtschaft der DDR?
Frauen waren eine essenzielle Arbeitskraftreserve. Die Frauenpolitik zielte darauf ab, möglichst viele Frauen in den Arbeitsprozess zu integrieren, oft in Verbindung mit Qualifizierungsmaßnahmen.
Was bedeutete das Kommuniqué „Die Frauen - der Frieden und der Sozialismus“?
Es war ein wichtiges politisches Dokument der SED, das die ideologische Ausrichtung der Frauenpolitik festlegte und die Gleichberechtigung als Erfolg des Sozialismus darstellte.
Wie unterschied sich die Gleichberechtigung in Ost- und Westdeutschland?
In der DDR wurde die Erwerbstätigkeit der Frau staatlich forciert und durch Kinderbetreuung unterstützt, während in der BRD der 1960er Jahre noch länger das traditionelle Hausfrauenmodell vorherrschte.
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- Stefanie Treutler (Autor), 2002, Die Frauenpolitik der SED in den 1960ern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6869