Im Gegensatz zur Weimarer Republik stand das Schulwesen während der NS-Diktatur nicht im Zeichen humanistischer und geistiger Bildung. Stattdessen missbrauchte die NSDAP unter Führung von Adolf Hitler die Schule als Anstalt zur Körpererziehung und Propagierung nationalsozialistischen Gedankengutes.
Zunächst verbessert sich auch der grundlegende gesellschaftliche Status des Lehrers durch eine enorme Aufwertung der Lehrerausbildung. Wurden bereits 1933 aus den „Pädagogischen Akademien“ der Weimarer Republik „Hochschulen für Lehrerbildung“, führte man 1937 für die Lehrerbildung gar eine hochschulmäßige Ausbildung auf universitärem Niveau ein. Der offensichtliche Widerspruch zum Bildungsverständnis der Nationalsozialisten wurde jedoch relativiert durch eine 1939 eingeführte so genannte „Sonderreifeprüfung“ für Volks- und Mittelschulabsolventen, mit der die Voraussetzungen für den Erwerb des Abiturs zur Farce und das Niveau der Lehrerbildung wieder deutlich abgesenkt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Schulwesen während des Nationalsozialismus
1.1 Schulsystem und Bildungsziele
1.2 Lehrerbildung
2. Zwei (Schul-)Systeme
2.1 Die Einheitsschule der Deutschen Demokratischen Republik
2.1.1 Idee und Ziel
2.1.2 Struktur des Bildungssystems
2.1.3 Lehrerbildung
2.2 Dreistufiges Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland
2.2.1 Idee und Ziel
2.2.2 Struktur des Bildungssystems
2.2.3 Lehrerbildung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des deutschen Schulwesens, beginnend mit der Zeit des Nationalsozialismus bis hin zur Differenzierung in zwei grundlegend verschiedene Bildungssysteme in Ost- und Westdeutschland nach 1945.
- Die ideologische Instrumentalisierung der Schule im Nationalsozialismus.
- Strukturelle Veränderungen der Lehrerbildung in verschiedenen Epochen.
- Die Prinzipien der DDR-Einheitsschule und deren sozialistischer Bildungsauftrag.
- Der Aufbau und die Differenzierung des dreistufigen Schulsystems der Bundesrepublik Deutschland.
- Vergleichende Analyse der bildungspolitischen Ansätze in der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Auszug aus dem Buch
1.1 Schulsystem und Bildungsziele
Im Gegensatz zur Weimarer Republik stand das Schulwesen während der NS-Diktatur nicht im Zeichen humanistischer und geistiger Bildung. Stattdessen missbrauchte die NSDAP unter Führung von Adolf Hitler die Schule als Anstalt zur Körpererziehung und Propagierung nationalsozialistischen Gedankengutes. Zwar übernahm die NSDAP die Schulstruktur der Weimarer Republik, jedoch machte Hitler bereits 1926 seine Vorstellung von „Bildung“ in seinem Buch „Mein Kampf“ deutlich:
"Die Schule als solche muss in einem völkischen Staat unendlich mehr Zeit freimachen für die körperliche Ertüchtigung. Es geht nicht an, die jungen Gehirne mit einem Ballast zu beladen, den sie erfahrungsgemäß nur zu einem Bruchteil behalten, wobei zudem meist anstatt des Wesentlichen die unnötigen Nebensächlichkeiten hängen bleiben, da das junge Menschenkind eine vernünftige Siebung des ihm eingetrichterten Stoffes gar nicht vorzunehmen vermag. Wenn heute, selbst im Lehrplan der Mittelschulen, Turnen in einer Woche mit knappen zwei Stunden bedacht und die Teilnahme daran sogar als nicht obligat dem einzelnen freigegeben wird, so ist dies, verglichen zur rein geistigen Ausbildung, ein krasses Missverhältnis...
Doch hat der völkische Staat eben nicht die Aufgabe, eine Kolonie friedsamer Ästheten und körperlicher Degeneraten aufzuzüchten... Treue, Opferwilligkeit, Verschwiegenheit sind Tugenden, die ein großes Volk nötig braucht, und deren Anerziehung und Ausbildung in der Schule wichtiger sind als manches von dem, was zur Zeit unsere Lehrpläne ausfüllt. Auch das Aberziehen von weinerlichen Klagen, von wehleidigem Heulen usw. gehört in dieses Gebiet. Wenn eine Erziehung vergisst, schon beim Kinde darauf hinzuwirken, dass auch Leiden und Unbill einmal schweigend ertragen werden müssen, darf sie sich nicht wundern, wenn später in kritischer Stunde, z.B. wenn einst der Mann an der Front steht, der ganze Postverkehr einzig der Beförderung von gegenseitigen Jammer- und Winselbriefen dient. Wenn unsere Jugend in den Volksschulen etwas weniger Wissen eingetrichtert worden wäre und dafür Selbstbeherrschung, so hätte sich dies in den Jahren 1915/18 reichlich gelohnt."
Zusammenfassung der Kapitel
1. Schulwesen während des Nationalsozialismus: Dieses Kapitel beschreibt die Umgestaltung der Schulen zu Instrumenten der NS-Ideologie, die körperliche Ertüchtigung und Rassenlehre in den Vordergrund stellten.
1.1 Schulsystem und Bildungsziele: Es wird dargelegt, wie die Nationalsozialisten das Schulwesen ideologisch instrumentalisierten und die Schulinhalte zugunsten nationalsozialistischer Ziele veränderten.
1.2 Lehrerbildung: Dieser Abschnitt beleuchtet die Aufwertung der Lehrerbildung, die jedoch durch politische Indoktrination und die „Sonderreifeprüfung“ an inhaltlicher Qualität verlor.
2. Zwei (Schul-)Systeme: Hier werden die Versuche der Siegermächte zur Demokratisierung nach 1945 und die anschließende Entstehung der gegensätzlichen Schulsysteme in Ost und West analysiert.
2.1 Die Einheitsschule der Deutschen Demokratischen Republik: Untersuchung der Struktur, Ziele und des sozialistischen Erziehungsauftrags im DDR-Schulwesen.
2.1.1 Idee und Ziel: Erläuterung der Intention, durch die Einheitsschule eine harmonische sozialistische Persönlichkeit ohne Selektion zu formen.
2.1.2 Struktur des Bildungssystems: Darstellung der administrativen Entwicklung vom Kindergarten bis zur Polytechnischen Oberschule und der EOS.
2.1.3 Lehrerbildung: Analyse der Lehrerbildung in der DDR, die einerseits professionalisiert wurde, andererseits der politischen Disziplinierung diente.
2.2 Dreistufiges Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland: Erörterung der Wiederherstellung eines gegliederten Schulsystems nach ökonomischen und begabungstheoretischen Gesichtspunkten.
2.2.1 Idee und Ziel: Darlegung der Begründungen für ein mehrgliedriges System im Hinblick auf unterschiedliche Bildungsanforderungen der Gesellschaft.
2.2.2 Struktur des Bildungssystems: Überblick über die Gliederung in Primar-, Sekundarstufe I und II sowie die Rollen von Hauptschule, Realschule und Gymnasium.
2.2.3 Lehrerbildung: Beschreibung der akademischen Lehrerausbildung in der Bundesrepublik und deren Entwicklung bis hin zu modernen Bachelor-Master-Strukturen.
Schlüsselwörter
Deutsche Schulgeschichte, Nationalsozialismus, Bildungssystem, DDR, Einheitsschule, Bundesrepublik Deutschland, Dreistufiges Schulsystem, Lehrerbildung, Ideologie, Schulpflicht, Polytechnische Oberschule, Gymnasium, Demokratisierung, Erziehung, Bildungsziele.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Transformation des deutschen Schulwesens von der nationalsozialistischen Diktatur über die Spaltung in zwei getrennte Systeme in der DDR und der Bundesrepublik bis zur Gegenwart.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die ideologische Ausrichtung von Bildung, der strukturelle Aufbau der Schulsysteme, die Entwicklung der Lehrerbildung sowie die bildungspolitischen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen politischer Ideologien auf die Schulstruktur und die Erziehungsziele in Deutschland historisch nachzuzeichnen und gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die offizielle Gesetzestexte, bildungspolitische Rahmenpläne und historische Dokumente miteinander verknüpft.
Was bildet den Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der NS-Schulzeit sowie den detaillierten Vergleich der DDR-Einheitsschule mit dem dreigliedrigen Schulsystem der Bundesrepublik.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören "Einheitsschule", "Polytechnische Oberschule", "dreigliedriges System", "NS-Indoktrination" und "Lehrerbildung".
Wie wurde die Bildungshoheit in der DDR im Vergleich zur Bundesrepublik wahrgenommen?
In der DDR lag die Bildungshoheit vollständig beim Staat ohne Privatschulen, während in der Bundesrepublik die Länder die Bildungshoheit ausüben und private Schulen unter strengen Auflagen zulässig sind.
Welche Rolle spielte die Begabtenförderung im DDR-Schulsystem?
Die DDR entwickelte ein starkes System der Begabtenförderung durch sogenannte Spezialklassen und Spezialschulen (z.B. für Mathematik oder Russisch), die oft direkt an Universitäten angegliedert waren.
- Quote paper
- Fred Pollex (Author), 2006, Deutsche Schulgeschichte vom Nationalsozialismus bis zur Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68734