Aufsuchende (bzw. „mobile“) Sozialarbeit wird häufig noch mit „Streetwork“ gleichgesetzt. Dabei wird übersehen, dass dieser Arbeitsbereich in den letzten 20 Jahren eine Entwicklung durchgemacht hat, und zwar weg von der reinen „Schlepperfunktion“ für Einrichtungen hin zu einem durchdachten, eigenständigen Konzept.
Das Leistungsspektrum aufsuchender Sozialarbeit beinhaltet inzwischen nicht mehr nur Streetwork, sondern die meisten Konzepte setzen sich noch aus drei weiteren Bausteinen zusammen: einem offenen Bereich (mit Aufenthaltsräumen, evtl. Dusch- und Kochmöglichkeiten, Waschmaschine etc.) einem Beratungsangebot und Mitwirkung in verschiedenen Gremien.
Der Begriff „Streetwork“ wird in dieser Arbeit nur im engeren Sinn verwendet, bezeichnet also nur die Kontaktform, d.h. die Arbeit „auf der Straße“.
Doch was ist nötig, um qualitativ gute Arbeit zu leisten? Zunächst ist es wichtig, sich näher mit der Zielgruppe zu befassen: In welcher Situation befinden sie sich, welche Ansprüche und Wünsche haben sie?
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DIE „STRAßENKINDER“ - PROBLEMATIK
2.1 VERSCHIEDENE DEFINITIONEN
2.2 ALTERSSTRUKTUR
2.3 UMFANG
2.4 WARUM SIND SIE AUF DER STRAßE?
2.5 LEBENSSITUATION
2.6 PSYCHISCHER ZUSTAND
2.7 WAS HINDERT SIE DARAN, VON DER STRAßE WEG ZU KOMMEN?
3 ZIELSETZUNG
4 ARBEITSWEISEN
4.1 GRUNDHALTUNG GEGENÜBER DER ZIELGRUPPE
4.2 ARBEITSPRINZIPIEN
5 METHODEN UND HANDLUNGSEBENEN
5.1 STREETWORK / STRAßENSOZIALARBEIT
5.1.1 Aufgaben
5.1.2 Interaktionsablauf
5.1.3 Besonderheiten
5.1.4 Organisatorisches
5.2 DER OFFENE BEREICH IN DER ANLAUFSTELLE
5.3 BERATUNG UND KRISENINTERVENTION
5.4 GREMIENARBEIT
6 SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Arbeitsweisen, Methoden und Ziele der aufsuchenden Sozialarbeit am Beispiel sogenannter „Straßenkinder“. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für diese Lebenswelt zu entwickeln, um daraus professionelle Handlungsansätze abzuleiten, die über eine reine „Schlepperfunktion“ hinausgehen und eine ganzheitliche Unterstützung ermöglichen.
- Soziale Definitionen und Problemlagen von Straßenkindern
- Push- und Pull-Faktoren des Lebens auf der Straße
- Anforderungen an die professionelle Haltung in der Streetwork
- Leistungsbausteine: Streetwork, Anlaufstellen und Beratung
- Die Rolle der Gremienarbeit und Vernetzung in der Jugendhilfe
Auszug aus dem Buch
2.1 Verschiedene Definitionen
Der Begriff „Straßenkinder“ wird in der Literatur unterschiedlich definiert und größtenteils als Synonym für „TrebegängerInnen“ oder „AusreißerInnen“ verwendet.
Zunächst lässt sich sagen, dass es „die Straßenkinder“ als homogene Gruppe nicht gibt. Es gibt allerdings einige Gemeinsamkeiten. (Mit „Straße“ sind im folgenden immer öffentliche Plätze, Bahnhöfe, auch Abbruchhäuser etc. gemeint.)
In der neueren Literatur werden meist zwei Gruppen unterschieden, und zwar Kinder und Jugendliche
• auf der Straße: sie haben noch Verbindung zu ihren Familien, schlafen und essen noch öfter zu Hause, verbringen aber die meiste Zeit auf der Straße
• der Straße: sie sind vollständig auf sich selbst gestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung definiert das Spektrum der aufsuchenden Sozialarbeit als eigenständiges Konzept, das weit über die reine Streetwork-Kontaktfunktion hinausgeht.
2 DIE „STRAßENKINDER“ - PROBLEMATIK: Dieses Kapitel analysiert die Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen auf der Straße, inklusive Definitionen, Ursachen und psychischer Belastungen.
3 ZIELSETZUNG: Hier werden die Ziele der mobilen Jugendarbeit dargelegt, die von der Krisenintervention bis zur langfristigen Reintegration in die Gesellschaft reichen.
4 ARBEITSWEISEN: Das Kapitel erläutert die notwendige Grundhaltung der Sozialpädagogen sowie zentrale Arbeitsprinzipien wie Freiwilligkeit, Parteilichkeit und Niedrigschwelligkeit.
5 METHODEN UND HANDLUNGSEBENEN: Dieser Teil beschreibt die vier Leistungsbausteine der aufsuchenden Sozialarbeit: Streetwork, offener Bereich, Beratung und Gremienarbeit.
6 SCHLUSSBEMERKUNG: Ein persönliches Fazit, das den Nutzen der theoretischen Auseinandersetzung für die tägliche Praxis reflektiert.
Schlüsselwörter
Aufsuchende Sozialarbeit, Straßenkinder, Streetwork, Lebensweltorientierung, Niedrigschwelligkeit, Krisenintervention, Jugendhilfe, Psychosoziale Beratung, Gremienarbeit, Reintegration, Sozialpädagogik, Straßensozialarbeit, Lebensbewältigung, Partizipation, Beziehungsarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die professionellen Arbeitsweisen und Methoden, die in der aufsuchenden Sozialarbeit mit Straßenkindern angewandt werden, um diese Zielgruppe zu erreichen und zu unterstützen.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Definition der Problemlage, die psychischen und sozialen Lebensbedingungen der Jugendlichen, die professionelle Haltung der Sozialarbeiter sowie konkrete Methoden wie Streetwork und Arbeit in Anlaufstellen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die theoretische Fundierung der aufsuchenden Sozialarbeit, um Jugendlichen Wege aus der Straßenszene zu ermöglichen und ihre Lebenssituation nachhaltig zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung fachlicher Konzepte zur mobilen Jugendarbeit und Straßensozialarbeit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Problemanalyse der Zielgruppe, die Zielsetzung der Arbeit, die notwendige professionelle Grundhaltung sowie die detaillierte Vorstellung der Handlungsfelder (Streetwork, offene Anlaufstellen, Beratung, Gremienarbeit).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Niedrigschwelligkeit, Lebensweltorientierung, Freiwilligkeit und die kritische Sympathie gegenüber der Zielgruppe.
Warum spielt die Unterscheidung von "auf der Straße" und "der Straße" eine Rolle?
Diese Differenzierung ist für die Sozialarbeit essenziell, da die Gruppen unterschiedliche Bindungen an ihre Herkunftsfamilien haben und somit auch differenzierte Interventionsstrategien erfordern.
Was bedeutet das "Leidensprinzip" im Kontext dieser Arbeit?
Das Leidensprinzip ist eine oft gesellschaftlich geforderte, aber fachlich abgelehnte Haltung, wonach Jugendliche erst die negativen Konsequenzen des Straßenlebens voll auskosten müssen, bevor sie Hilfen annehmen können.
- Citar trabajo
- Sandra Beckh (Autor), 2003, Arbeitsweisen, Methoden und Ziele der aufsuchenden Sozialarbeit dargestellt an sogenannten 'Straßenkindern', Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68764