1965 veröffentlichte der Professor für Ökonomik Mancur Olson sein Werk „Die Logik kollektiven Handelns“, welches auch heute noch als eines der einflussreichsten aber auch umstrittensten Werke in den Sozialwissenschaften gilt. 1 Olson befasst sich in seiner Studie u.a. mit dem zentralen Problem der Erstellung von Kollektivgütern. Die gängige (Klassische Theorie von Gruppen/Organisationen) Meinung der Wissenschaft war bis zu Olsons Ausführungen, dass einzelne Mitglieder einer Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel so handeln werden, wenn sie sich rational im Eigeninteresse verhalten, dass dieses gemeinsame Ziel verwirklicht wird. Olson hingegen zeigt in seiner empirischen Arbeit auf, dass Mitglieder einer Organisation/Gruppe keine oder einen zu kleinen Anteil der Kosten übernehmen wollen, welche für die Erreichung des Ziels notwendig sind. 2 Olsons Arbeit begründete somit einen Paradigmenwechsel in der empirischen Forschung zu Kollektivgütern bzw. zur Kollektivgutproblematik. 3 Auf Grund der Tatsache, dass Olson die Gegebenheiten untersucht, unter welchen Umständen und Bedingungen Individuen gemeinsame Interessen und Ziele verfolgen ohne dabei den Marktmechanismus anzuwenden, bot „Die Logik kollektiven Handelns“ eine Option zum interdisziplinären Dialog zwischen Ökonomen, Soziologen und Politologen. In dieser Arbeit werde ich die Frage behandeln, warum es für große Gruppen und Organisationen schwer ist ein Kollektivgut herzustellen und welche Maßnahmen es erleichtern können die Gruppeninteressen zu erreichen? Ich werde in Kapitel 2 zunächst den Begriff der Gruppe vorstellen und die traditionelle Gruppentheorie Olsons Gruppentheorie gegenüberstellen, da Olsons Unterscheidung zwischen großen und kleinen Gruppen zentral für die Diskussion der Kollektivgutproblematik ist. Im darauf folgenden Kapitel (Kapitel 3) wird die Kollektivgutproblematik nach Olson behandelt und aufgezeigt warum es problematisch für große Gruppen ist Kollektivgüter zu produzieren. Darauf folgt in Kapitel 4 Kritik und Erweiterungen bezüglich Olsons Ansetzen zu Kollektivgutproblematik. Kapitel 5 bildet den Schluss dieser Arbeit, es fasst die gewonnenen Erkenntnisse abschließend zusammen. [...]
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Mancur Olsons Theorie der Gruppen
- 2.1. Eine allgemeine Definition
- 2.2. Die traditionelle Theorie der Gruppen
- 2.3. Olsons Kritik an der traditionellen Theorie und die Aufstellung einer eigenen Theorie
- 3. Kollektivgüter
- 3.1. Eine allgemeine Definition
- 3.2. Die Kollektivgutproblematik
- 3.3. Kritik und Erweiterungen zu Olsons Kollektivgutproblematik
- 4. Fazit/Schlussbetrachtung
- 5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, warum es für große Gruppen und Organisationen schwierig ist, ein Kollektivgut zu schaffen und welche Maßnahmen die Erreichung von Gruppeninteressen erleichtern können. Die Arbeit untersucht die Theorie von Mancur Olson, die die traditionelle Gruppentheorie in Frage stellt und eine eigene Theorie der Gruppenbildung und -handlung entwickelt. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Kollektivgutproblematik, insbesondere in großen Gruppen, und den Herausforderungen, die mit der Bereitstellung von Kollektivgütern verbunden sind.
- Olsons Theorie der Gruppen und ihre Kritik an der traditionellen Theorie
- Die Definition und Problematik von Kollektivgütern
- Die Rolle von selektiven Anreizen bei der Erreichung von Gruppeninteressen
- Kritik und Erweiterungen zu Olsons Ansatz zur Kollektivgutproblematik
- Die Herausforderungen für die Bereitstellung von Kollektivgütern in großen Gruppen
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 stellt Olsons Theorie der Gruppen vor und unterscheidet zwischen der traditionellen Theorie und seiner eigenen Sichtweise. Es wird deutlich, dass Olson die Bedeutung von Gruppengröße und selektiven Anreizen für die Bereitstellung von Kollektivgütern hervorhebt.
Kapitel 3 definiert Kollektivgüter und erläutert die damit verbundene Problematik. Olson argumentiert, dass in großen Gruppen die Bereitstellung von Kollektivgütern durch rationales Eigeninteresse der Mitglieder erschwert wird.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Kollektivgutproblematik, Gruppentheorie, Mancur Olson, selektive Anreize, rationale Handlungstheorie und der Bereitstellung von Kollektivgütern in großen Gruppen.
Häufig gestellte Fragen zur Kollektivgutproblematik
Was ist Mancur Olsons zentrale These in "Die Logik kollektiven Handelns"?
Olson zeigt auf, dass rationale Individuen in großen Gruppen oft keinen Beitrag zur Erreichung gemeinsamer Ziele leisten, da sie hoffen, als "Trittbrettfahrer" vom Kollektivgut zu profitieren.
Warum haben große Gruppen größere Probleme als kleine?
In großen Gruppen ist der Beitrag des Einzelnen weniger sichtbar, die Kontrollmöglichkeiten sind geringer und der individuelle Nutzen aus dem Kollektivgut im Verhältnis zu den Kosten oft zu klein.
Was sind selektive Anreize?
Selektive Anreize sind Belohnungen oder Bestrafungen, die nur denjenigen zugutekommen (oder sie treffen), die sich aktiv an der Erstellung des Kollektivguts beteiligen oder dies verweigern.
Was ist ein Kollektivgut?
Ein Kollektivgut ist ein Gut, von dessen Nutzung niemand ausgeschlossen werden kann, sobald es bereitgestellt wurde (Nicht-Exkludierbarkeit), unabhängig davon, ob man zu seiner Entstehung beigetragen hat.
Wie unterscheidet sich Olsons Theorie von der klassischen Gruppentheorie?
Die klassische Theorie nahm an, dass Gruppen mit gemeinsamen Interessen automatisch im Sinne dieser Interessen handeln. Olson widerspricht dem durch die Analyse rationalen Eigeninteresses.
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- Sven Rohde (Autor), 2006, Die Kollektivgutproblematik in großen Gruppen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68779