"Der Zweck von Ethik ist, Gegenabsichten aus der Umwelt zu entfernen. Nachdem das erreicht wurde, hat sie zum Zweck, Fremdabsichten aus der Umwelt zu entfernen."
Dieses Zitat stammt von Lafayette Ronald Hubbard. Wie bekannt sein dürfte, handelt es sich hierbei um den Gründer der heute als Sekte definierten Vereinigung Scientology / Scientologie.
Aber ist dem wirklich so? Ist Scientologie wirklich eine Sekte? Oder handelt es sich hierbei mehr um eine Religionsgemeinschaft, um eine Selbsthilfegruppe oder gar um einen Wirtschaftskonzern?
Diese und weitere Fragen werde ich versuchen, in dieser Studienarbeit zumindest grundlegend zu beantworten. Dazu werde ich im ersten Teil einen Überblick über Scientologie, über ihren Aufbau, ihre Vorgehensweisen und ihrer Präsenz geben und werde mich danach Rawls Theorie der Gerechtigkeit und deren möglichen Bezug zu Scientologie annehmen, bevor ich zum Schluss die bis dahin gewonnenen Erkenntnisse zusammenfasse und auswerte.
Nun kann man sich die Frage stellen, wie ich überhaupt dazu komme, die Ethiken eines solch großen Denkers wie Rawls mit den "Phrasen" und Gedanken eines Ronald Hubbard zu vergleichen. Aber wir werden sehen, dass durchaus Parallelen und Gemeinsamkeiten zwischen den Ideen und Leitsätzen dieser beiden Männer bestehen. Und diese lassen sich nicht leugnen oder einfach so vom Tisch weisen. Und sie sind meiner Meinung nach eine etwas genauere Betrachtung wert.
Ich möchte zu Beginn jetzt jedoch gleich anmerken, dass ich weder ein Anhänger, noch ein Verfechter der scientologischen Denkweise bin. Allerdings halte ich eine etwas genauere Untersuchung und eine Bewertung und Vergleich mit den Theorien Rawls für durchaus sinnvoll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ethik von Scientologie
3. Ideologie und Ziele von Scientologie
4. Methoden und Praxis von Scientologie
5. John Rawls – Theorie der Gerechtigkeit
6. Rawls vs. Scientologie?
7. Fazit und Kritik
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Lehren und Methoden von Scientologie und setzt diese in einen theoretischen Vergleich mit John Rawls' „Theorie der Gerechtigkeit“. Ziel ist es zu analysieren, ob die als Ziele von Scientologie postulierten Zustände, trotz der massiven Kritik an den Methoden der Organisation, theoretische Anknüpfungspunkte an Rawls' Gerechtigkeitsprinzipien bieten könnten.
- Kritische Analyse der Ethik und Ideologie von L. Ron Hubbard
- Untersuchung der Rekrutierungs- und Bindungsmethoden der Sekte
- Darstellung der Kernelemente von John Rawls' Gerechtigkeitstheorie
- Vergleichende Analyse einer hypothetischen „scientologischen Welt“ mit dem Urzustand nach Rawls
- Bewertung der ethischen Vertretbarkeit und gesellschaftlichen Implikationen
Auszug aus dem Buch
4. Methoden und Praxis von Scientologie
Scientologie wendet unterschiedlichste Methoden an, um Menschen an die Sekte zu binden. Diese sind alle mit erheblicher Kritik versehen, da sie als menschenverachtend und zerstörend für Gesundheit und Persönlichkeit gelten. Sie sind im höchsten Maße manipulierend und auf Gewinnsteigerung und Expansion der Sekte ausgelegt.
In ihrem Repertoire befinden sich eine große Anzahl von Techniken, um Menschen zu beeinflussen und für ihre Sache gewinnen zu können. Auf ein paar der wichtigsten möchte ich jetzt etwas genauer eingehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor stellt die Forschungsfrage, ob Scientologie eine Sekte oder eine Religionsgemeinschaft ist, und führt in den geplanten Vergleich mit John Rawls ein.
2. Die Ethik von Scientologie: Dieses Kapitel erläutert Hubbards Ethikverständnis, das primär auf der Beseitigung von Widerständen gegen die Sekte basiert und durch ein drakonisches Sanktionssystem durchgesetzt wird.
3. Ideologie und Ziele von Scientologie: Hier werden die Grundlagen der Dianetik und die Lehre des Wissens sowie das Ziel einer „Zivilisation ohne Geisteskrankheit“ beschrieben.
4. Methoden und Praxis von Scientologie: Das Kapitel analysiert die Praktiken der Sekte, insbesondere Public Relations, Rekrutierung, Persönlichkeitstests und das Auditing als Mittel zur psychischen Bindung.
5. John Rawls – Theorie der Gerechtigkeit: Einführung in die zentrale Vertragstheorie von Rawls, insbesondere die Konzepte des „Urzustandes“, des „Schleiers der Unwissenheit“ und die beiden Gerechtigkeitsprinzipien.
6. Rawls vs. Scientologie?: Der Autor wagt ein theoretisches Gedankenexperiment, in dem er die scientologischen Endziele in das System von Rawls einbettet, um mögliche Parallelen zu prüfen.
7. Fazit und Kritik: Abschließende Einordnung von Scientologie als Sekte und kritische Reflexion über die theoretische Brauchbarkeit ihrer Ziele im Kontext einer humanistischen Gerechtigkeitstheorie.
Schlüsselwörter
Scientologie, Scientology, L. Ron Hubbard, Ethik, Dianetik, John Rawls, Theorie der Gerechtigkeit, Urzustand, Sekte, Auditing, Gehirnwäsche, Menschenrechte, Gesellschaftsvertrag, Moral, Persönlichkeitstest
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch die Vereinigung Scientologie, ihre Lehren und Methoden sowie deren ethische Vertretbarkeit im Vergleich zu philosophischen Konzepten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die ideologische Ausrichtung von Scientologie nach Hubbard, die Manipulationsmethoden der Organisation und die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu hinterfragen, ob die von Scientologie propagierten Ziele – wie die Heilung von psychischen Leiden – bei einer philosophischen Betrachtung nach Rawls theoretische Gemeinsamkeiten aufweisen könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse der Primärquellen von Hubbard und Rawls sowie eine vergleichende, kritische Auseinandersetzung (Gedankenexperiment).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Methoden der Sekte (z.B. Auditing, Persönlichkeitstests), die Theorie von Rawls (Urzustand, Schleier der Unwissenheit) und führt einen theoretischen Abgleich durch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Scientologie, Ethik, Hubbard, Gerechtigkeitstheorie, Urzustand und Menschenrechte.
Wie bewertet der Autor die Methoden von Scientologie?
Der Autor stuft die Methoden als manipulierend, menschenverachtend und zerstörend ein, da sie auf die psychische und finanzielle Ausbeutung der Mitglieder zielen.
Welche Rolle spielt der „Schleier der Unwissenheit“ im Vergleich?
Im Gedankenexperiment wird der Zustand, in den Sektenmitglieder durch die „Gehirnwäsche“ versetzt werden, metaphorisch mit dem „Schleier der Unwissenheit“ von Rawls in Beziehung gesetzt.
- Arbeit zitieren
- Daniel Hahn (Autor:in), 2002, Scientology - Aufrechterhaltung der alten ethischen Normen oder doch Ausbeutung und Verletzung der Menschenrechte?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6888