Die Arbeit untersucht Witold Gombrowicz' verschiedene Versionen seines Dramas "Die Trauung" und dessen Musikdramatisierung durch den Komponisten Volker David Kirchner. Gombrowicz' diverse eigene Deutungsansätze der "Trauung" werden dabei ebenso herangezogen, wie seine eigene theatrale Versinnlichung des Traums. Das Abschlusskapitel der Arbeit gilt der Rezeption von Volker David Kirchners Oper, anlässlich einer ungewöhnlichen Realisierung in Hagen, gekoppelt mit Richard Wagners nullter Oper "Die Hochzeit", in einer Inszenierung des Autors im Jahre 1993.
Inhaltsverzeichnis
Albtraum-Wachtraum-Traumata – 'Die Trauung' in Schauspiel und Oper – Witold Gombrowicz und Volker David Kirchner
Zunächst aber zu Witold Gombrowicz und seiner Dramenvorlage.
Über sein Drama „Die Trauung“ schreibt Gombrowicz selbst:
ZUR REGIE DES DRAMAS
ZUR OPER VOLKER DAVID KIRCHNERS
Volker David Kirchner
DIE INNERE MUSIK DES TRAUMES
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Zusammenspiel von Witold Gombrowicz’ Schauspiel „Die Trauung“ und dessen Adaption als Oper durch Volker David Kirchner, wobei die psychologischen und strukturellen Mechanismen von Traum, Macht und Identitätsverlust im Kontext der Entstehung des modernen Menschen analysiert werden.
- Die Analyse der dramaturgischen Grundkonstellationen bei Gombrowicz
- Die Untersuchung der Deformation von Realität durch zwischenmenschliche Formbildung
- Die musikdramaturgische Umsetzung der Traumlogik in Kirchners Oper
- Der Vergleich von Gombrowicz’ Ästhetik mit Richard Wagners Opernkonzeption
- Die historische und existenzielle Dimension der „Trauung“ als Reflexion über den Zusammenbruch gesellschaftlicher Werte
Auszug aus dem Buch
Die Deformation auf Gegenseitigkeit
Einerseits deformiert Heinrichs Innenwelt die Außenwelt: ihm träumt dies alles ja, er ist „allein“, die Personen sind lediglich sein Traum und sprechen zuweilen unmittelbar seine eigenen Gefühlszustände aus. Wenn also die Szene plötzlich wollüstig, pathetisch oder geheimnisvoll wird, wenn eine Figur auf einmal bösartig oder traurig wird, dann kraft der angespannten Arbeit von Heinrichs Geistes.
Andererseits drängt sich die Außenwelt Heinrich auf. Manchmal geschieht es, wie gesagt, dass die Personen des Stücks plötzlich den Ton ändern und etwas Unerwartetes sagen, weil Heinrich es so von ihnen erwartet hat. Manchmal aber verhält sich Heinrich auf eine für ihn selbst unvorhergesehene und unverständliche Weise, weil er sich seinen Partnern anpassen muss; sie diktieren ihm den Stil.
Es ist also eine Deformation auf Gegenseitigkeit - das ständige Ringen zweier Kräfte, einer inneren und einer äußeren, die einander begrenzen. Solch doppelter Deformation ist jeglicher künstlerische Kreationsakt unterworfen, und deshalb gleicht Heinrich eher einem Künstler im Zustand der Inspiration als einer Person, die träumt. Alles ist hier ständig dabei, „sich zu erschaffen“: Heinrich erschafft den Traum, und der Traum erschafft Heinrich, auch die Handlung erschafft sich unablässig selbst, die Menschen erschaffen einander, und das Ganze stürmt voran zu unbekannten Lösungen.
Zusammenfassung der Kapitel
Albtraum-Wachtraum-Traumata – 'Die Trauung' in Schauspiel und Oper – Witold Gombrowicz und Volker David Kirchner: Einführung in die tragische Grundkonstellation von Gombrowicz' Werk und deren Adaption durch Volker David Kirchner.
Zunächst aber zu Witold Gombrowicz und seiner Dramenvorlage.: Biografischer Abriss zu Witold Gombrowicz und Übersicht über sein literarisches Schaffen sowie die zentralen Themen seiner Romane und Dramen.
Über sein Drama „Die Trauung“ schreibt Gombrowicz selbst:: Zusammenstellung von Gombrowicz' eigenen Aufzeichnungen und Überlegungen zum Entstehungsprozess und zur Konzeption seines Dramas.
ZUR REGIE DES DRAMAS: Analyse von Gombrowicz' Anforderungen an die Inszenierung und den Umgang mit der „Form“ als zentralem Element des Stücks.
ZUR OPER VOLKER DAVID KIRCHNERS: Darstellung der inhaltlichen Transformation des Stoffes in die Oper von Volker David Kirchner unter Einbeziehung musikdramaturgischer Gesichtspunkte.
Volker David Kirchner: Kurze Biografie des Komponisten, seine musikalischen Einflüsse und sein kompositorischer Werdegang.
DIE INNERE MUSIK DES TRAUMES: Detaillierte Untersuchung der musikalischen Struktur der Oper und deren Konvergenz mit der Dramaturgie des Traumspiels.
Schlüsselwörter
Witold Gombrowicz, Volker David Kirchner, Die Trauung, Traumspiel, Deformation, Zwischenmenschlichkeit, Musiktheater, Form, Identität, Richard Wagner, Dramaturgie, Moderne, Oper, Existenz, Heinrich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Analyse primär?
Die Arbeit analysiert die inhaltliche und ästhetische Beziehung zwischen Witold Gombrowicz’ Schauspiel „Die Trauung“ und der gleichnamigen Oper von Volker David Kirchner.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte der Formbildung, die Machtmechanismen zwischen Individuen, das Verhältnis von Traum und Wirklichkeit sowie die musikalische Gestaltung von existentiellen Grenzerfahrungen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit untersucht, wie die spezifische Ästhetik des „Zwischenmenschlichen“ und die „Deformation“ der Realität von der literarischen Vorlage in die musikdramaturgische Form der Oper übersetzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die biografische Kontexte, Werkbesprechungen des Autors sowie musikwissenschaftliche Partituranalyse miteinander verknüpft.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Gombrowicz' Dramentheorie, die Analyse der Regieanforderungen und eine eingehende musikdramaturgische Interpretation der Oper.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Deformation, Traumlogik, zwischenmenschliche Form, Musiktheater und die existenzielle Identitätssuche.
Inwiefern beeinflusste Gombrowicz' Wagner-Rezeption das Werk?
Gombrowicz teilt mit Wagner das Interesse an einer gesamtkunstwerkartigen Wirkung, betont jedoch in der Umsetzung eine Abgrenzung durch eine spezifische, oft ironisch gebrochene Harmonik.
Was bedeutet „Deformation auf Gegenseitigkeit“ in diesem Kontext?
Dies beschreibt das dynamische, wechselseitige Ringen zwischen innerer subjektiver Traumwelt und äußerem sozialen Zwang, bei dem sich beide Ebenen ständig gegenseitig verformen.
Warum wird die „Trauung“ als „unsichtbares Theater“ bezeichnet?
Der Begriff verweist auf die Tendenz, die äußere Handlung zugunsten einer inneren, musikalisch-psychologischen Entladung in den Hintergrund zu rücken.
- Quote paper
- Prof. Dr. Peter P. Pachl (Author), 2004, Albtraum-Wachtraum-Traumata, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/68930