Da ich auch in meinem Berufsfeld auch mit Spiritualität in Berührung komme (in Form von Phantasiereisen, Meditation, Mandalas oder Glaubensfragen während meiner beiden praktischen Studiensemester) und diese Thematik während meines Studiums nur wenig behandelt wurde entstand die Idee zu dieser Diplomarbeit. Ich möchte in dieser Arbeit versuchen zu erforschen, was Spiritualität überhaupt ist, ob sie in direktem Bezug zur Sozialen Arbeit steht und schließlich ob sie überhaupt ihren Platz in dieser Semiprofession haben darf. Gerade im Bereich der Lebenshilfe nehmen unzählige irrationale, alternative und transzendentale Trends eines rapide wachsenden Marktes so evident Einfluss auf den Menschen - das implizit auch die Soziale Arbeit betroffen ist. Sie dient für jegliche Lebensproblemlagen als gesellschaftlicher „Katalysator“ und muss sich besonders auch auf den Wandel innerhalb einer Gesellschaft einstellen um professionell intervenieren zu können. Gerade bei der Arbeit mit psychisch kranken Jugendlichen wurde ich des Öfteren mit Glaubensfragen der Klientel konfrontiert. Damals war ich dankbar, auf mein selbst angeeignetes Wissen und eigene Erfahrungen in diesem Bereich zurückgreifen zu können. Nicht zuletzt habe ich es einer speziellen Erfahrung während meines Studiums selbst zu verdanken, meinen persönlichen Glauben gefestigt haben zu können. Diese Intention und die Tatsache, dass unzählige spirituell interessierte Menschen in sozialen Berufen tätig sind und sie somit ihren Einfluss direkt im Feld der Sozialen Arbeit wirken lassen, waren für mich außerdem Ansporn zu dieser Diplomarbeit. Leider konnte ich trotz der wahrnehmbaren gesellschaftlichen Entwicklungen während meiner Literatursuche nur relativ wenige Quellen ausfindig machen, die einen direkten Bezug zwischen Sozialer Arbeit und Spiritualität darstellen. Diesen Aspekt sah ich als Herausforderung an, da ich mich nicht auf „Altbewährtes“ berufen konnte. Mein Hauptanliegen ist also, den schwammigen Begriff der Spiritualität in einen verständlichen Rahmen einzufügen und schließlich die Chancen und Grenzen einer spirituell-inspirierten Sozialen Arbeit aufzeigen. Es soll geklärt werden, ob der Einfluss von Spiritualität in die Soziale Arbeit überhaupt sinnvoll ist und wo sie evtl. ihren Platz in dieser Profession festlegen sollte. Beginnen möchte ich unter Punkt 3 mit dem Versuch einer Definition und Begriffsbestimmung sowie dem aktuellen Stand in der Sozialen Arbeit. [...]
Inhaltsverzeichnis
2 Einführung
3 DIE MODERNE SOZIAE ARBEIT
3.1 Definition und Begriff der Sozialen Arbeit
3.2 Zum aktuellen Stand der Sozialen Arbeit
3.3 Zeitgemäße Arbeitsethik
4 ANTHROPOLOGISCHE KOMPONENTEN
4.1 Das Mensch-Maschine-Bildnis
4.2 Ein transzendierendes Wesen - der Mensch
5 DIE CHANCE SPIRITUELLER EINFLÜSSE
5.1 Spiritualität - Versuch einer Definition
5.2 Der Mensch - von Natur aus religiös
5.3 Neue Religiosität
5.4 Wunsch nach alternativem Gedankengut wächst
5.5 Gefahren und Grenzen von Spiritualität
5.5.1 Therapie und Beratung bei spirituellen Krisen
5.6 Soziale Arbeit und Spiritualität
6 WISSENSCHAFTLICH ANERKANNTE TECHNIKEN
6.1 Die Meditation
6.1.1 Wissenschaftliche Forschung zur Wirkungsweise der Meditation
6.2 Die Gestalttherapie
6.2.1 Methoden der Gestalttherapie
6.2.2 Forschungsergebnisse zur Wirkungsweise der Gestalttherapie
6.3 Die transpersonale Psychologie
6.4 Ken Wilbers „Integraler Ansatz“
7 HEILUNG DURCH GLAUBEN
7.1 Soziale Arbeit und Gesundheit
7.2 Kritik an Schulmedizin wächst
7.3 Fakten, Fakten, Fakten
7.4 Die Dimension des Glaubens im Heilungsprozess
7.5 Der Placebo Effekt
7.5.1 Erklärungsversuch für den Placebo-Effekt
7.5.2 Historische Dimension zur Macht der Imagination
7.5.3 Imaginationsarbeit heute
7.5.3.1 Psychodynamische Imaginationstherapien
7.5.3.2 Kognitiv-behaviorale Imaginationstherapien
7.5.3.3 Empirische Effizienzkontrolle der Imaginationstherapien
7.6 Vorschläge für eine spirituellere medizinische Praxis
7.7 Spirituell-inspirierte Soziale Arbeit mit alten Menschen
7.8 Spirituell-inspirierte Soziale Arbeit mit kranken Menschen
8 FRAGEBOGENERHEBUNG
8.1 Forschungsfragen
8.2 Aufbau des Fragebogens
8.3 Auswertung und Ergebnisse
8.4 Fazit
9 SCHLUSSBETRACHTUNG
10 QUELLENVERZEICHNIS
10.1 Literatur
10.2 Artikel
10.3 Internetquellen
10.4 Internetquellen ohne spezifischen Autor
11 ANHANG
a) NIEDERBERGER
b) HARDY
c) Fragebogen
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das Verständnis von Spiritualität im Kontext der Sozialen Arbeit zu schärfen und zu klären, inwieweit spirituelle Aspekte sinnvoll und professionell in diese Profession integriert werden können, insbesondere bei der Arbeit mit alten, kranken und behinderten Menschen. Die Forschungsarbeit geht der Frage nach, ob Spiritualität eine Ressource für Klienten und Professionelle darstellen kann und wie eine spirituell-inspirierte Praxis ethisch vertretbar gestaltet werden kann.
- Definition und Rahmenbestimmung von Spiritualität
- Analyse anthropologischer Grundlagen und der Leib-Seele-Problematik
- Untersuchung wissenschaftlich anerkannter Techniken (z.B. Meditation, Gestalttherapie)
- Kritische Auseinandersetzung mit dem medizinischen System
- Empirische Untersuchung mittels Fragebogenerhebung in der Praxis
- Entwicklung von Vorschlägen für eine spirituell-orientierte Soziale Arbeit
Auszug aus dem Buch
Die Dimension des Glaubens im Heilungsprozess
Wie man schon feststellen konnte, ist das Interesse an Spiritualität in den letzten Jahren wieder vermehrt gewachsen (Vgl. 5.2). Langsam entdeckt auch die Medizin, dass sie sich früher oder später diesem Trend wird anpassen müssen. Denn wie eine repräsentative Emnid-Umfrage herausfand, sinkt das Vertrauen der Menschen in die Schulmedizin zunehmend. Demnach bevorzugten 80 Prozent der Deutschen Naturheilmittel vor chemischen Medikamenten. Weiter heißt es, immer mehr Menschen sprechen der spirituellen Dimension bei einer Krankheit größere Bedeutung zu als noch vor Jahrzehnten.
„Die Menschen haben genug davon, als mechanisches Zufallsprodukt der Evolution behandelt zu werden, wenn sie sich ihres fühlenden und verstehenden Wesens innewerden.“ 199
Dies bestätigen auch neueste Studien. Arndt BÜSSING (Lehrstuhl an der Universität Witten/Herdecke) und seine Kollegen Thomas OSTERMANN und Peter F. MATTHIESEN befragten 112 Krebs- sowie 57 MS-Patienten, welche Rolle Spiritualität und Religion bei ihrer persönlichen Krankheitsbewältigung einnahmen. Das eindeutige Ergebnis lautete: 70% der Befragten schenkten sowohl einer Höheren Macht als auch ihrer inneren Stärke Vertrauen und erlebten die Krankheit als Hinweis bzw. Anstoß, sich mit sich selbst auseinander zu setzen und ihr Leben zu verändern. Ganze 65% sahen in der Krankheit eine Chance zur eignen Weiterentwicklung. Noch immerhin 40% waren davon überzeugt, mithilfe spiritueller Quellen ihre Krankheit begünstigend beeinflussen zu können. Soziodemographisch stellte man fest, dass je höher die Schulbildung der Teilnehmer war, desto größer auch die Bereitschaft, für die Krankheitsbewältigung spirituelle Quellen zu nutzen.200
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Autorin begründet ihre Arbeit mit der persönlichen Erfahrung der Relevanz spiritueller Themen in sozialen Berufsfeldern und dem Ziel, diesen schwammigen Begriff für die Soziale Arbeit zu strukturieren.
DIE MODERNE SOZIAE ARBEIT: Dieses Kapitel erörtert Begriffsdefinitionen und den aktuellen Stand der Sozialen Arbeit, wobei das Empowerment-Konzept als Basis für ein ganzheitliches Verständnis hervorgehoben wird.
ANTHROPOLOGISCHE KOMPONENTEN: Es wird der Übergang vom Mensch-Maschine-Bildnis zur ganzheitlichen Sichtweise auf den Menschen sowie dessen Streben nach Transzendenz als anthropologische Grundlage untersucht.
DIE CHANCE SPIRITUELLER EINFLÜSSE: Hier wird Spiritualität definiert und der aktuelle gesellschaftliche Trend zur Sinnsuche aufgezeigt, wobei auch Gefahren und spirituelle Krisen kritisch betrachtet werden.
WISSENSCHAFTLICH ANERKANNTE TECHNIKEN: Die Arbeit stellt Methoden wie Meditation und Gestalttherapie vor, deren Wirksamkeit durch Forschungsergebnisse belegt wird, um sie für die Soziale Arbeit nutzbar zu machen.
HEILUNG DURCH GLAUBEN: Dieses Kapitel konzentriert sich auf den Bezug zur Arbeit mit kranken Menschen, kritisiert Defizite der Schulmedizin und betont die Bedeutung von Glauben und Imagination im Heilungsprozess.
FRAGEBOGENERHEBUNG: Die Autorin präsentiert die Ergebnisse einer eigenen Online-Umfrage unter Sozialarbeitern zur Integration spiritueller Aspekte in deren berufliche Praxis.
SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassend wird die Notwendigkeit unterstrichen, Spiritualität stärker in die Theorie und Ausbildung der Sozialen Arbeit zu integrieren, da die Praxis bereits einen Bedarf signalisiert.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Spiritualität, Sinnsuche, Ganzheitlichkeit, Meditation, Gestalttherapie, Krankheit, Heilungsprozess, Empowerment, Transzendenz, Religiosität, Leib-Seele-Einheit, Soziale Iatrogenesis, Psychoneuroimmunologie, Praxisrelevanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Rolle und Bedeutung von Spiritualität in der Sozialen Arbeit sowie deren Potenziale und Grenzen bei der Betreuung von alten, kranken und behinderten Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Spiritualität, anthropologische Grundlagen des Menschenbildes, wissenschaftlich anerkannte Techniken wie Meditation und Gestalttherapie, sowie eine kritische Analyse des heutigen medizinischen Systems und die Bedeutung von Glauben für Gesundheit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Begriff der Spiritualität für die Soziale Arbeit verständlich zu rahmen und zu klären, ob und wo spirituelle Aspekte sinnvoll ihren Platz in dieser Profession finden sollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer intensiven Literaturrecherche und theoretischen Aufarbeitung anthropologischer und psychologischer Ansätze nutzt die Autorin eine qualitative-quantitative Fragebogenerhebung unter Sozialarbeitern, um den aktuellen Stand der spirituellen Praxis in der Branche abzubilden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung (Anthropologie, Spiritualitätsbegriff), die Vorstellung wissenschaftlich fundierter Methoden (Meditation, Gestalttherapie) und die Anwendung auf den Studienschwerpunkt der Arbeit mit alten, kranken und behinderten Menschen, inklusive der Kritik am aktuellen Gesundheitssystem.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Soziale Arbeit, Spiritualität, Ganzheitlichkeit, Sinnsuche, Empowerment, Krankheit, Heilungsprozess und Transzendenz.
Was ist das „Drehtürprinzip“ nach Weizsäcker?
Es beschreibt das Wechselspiel zwischen seelischen und körperlichen Aspekten eines Patienten, bei dem der Arzt je nach Beobachtungsstandpunkt entweder das seelische oder das körperliche Befinden in den Vordergrund stellt, wobei beide Aspekte untrennbar zur Ganzheit des Menschen gehören.
Wie definiert die Autorin das Konzept der „Sozialen Iatrogenesis“?
In Anlehnung an Ivan Illich bezeichnet sie damit die Form der medizinischen Bürokratie, die Krankheit produziert, anstatt sie zu heilen, indem sie Stress verstärkt, Abhängigkeiten schafft und den Raum für individuelle Selbstheilung und Menschlichkeit durch Standardisierung einschränkt.
Was ergab die Fragebogenerhebung unter den Fachkräften?
Die Umfrage zeigte ein überdurchschnittlich positives Interesse an spirituellen Einflüssen in der Sozialen Arbeit. Die Mehrheit der Teilnehmer setzt bereits Methoden wie Entspannungstechniken oder Meditation ein, sieht jedoch auch die Notwendigkeit, Spiritualität begrenzt und professionell einzusetzen, um die Ernsthaftigkeit der Profession zu wahren.
- Quote paper
- Silke Schulz (Author), 2007, Spiritualität und Soziale Arbeit - Chancen und Grenzen einer spirituell-inspirierten Sozialen Arbeit mit alten, kranken und behinderten Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69117