Der lang angedrohte Krieg der USA, Großbritanniens, Spaniens und Polens, sowie anderer Länder in der „Koalition der Willigen“, beginnt am Morgen des 20. März 2003. Zeitgleich sind fast alle privaten TV-Stationen rund um den Globus live dabei, von CNN, über Fox News bis zu Al-Jazeera oder N-TV, um nur einige zu nennen. Die öffentlichrechtlichen Fernsehstationen oder staatlichen TV-Sender aus Europa und aus anderen Teilen der Welt sind, um ihrem Informationsauftrag nachzukommen und aus Wettbewerbsgründen auf dem Nachrichtenmarkt, ebenso auf Sendung. An unterschiedlichen Orten fest installierte Kameras zeigen Bagdad bei Nacht. Plötzlich wird die Stille durch Einschläge von Bomben unterbrochen, abgeworfen von hochfliegenden amerikanischen Kampfflugzeugen. Gelb-orange-farbene Pilze von Detonationen, dunkler Qualm und Leuchtspuren von Flakfeuer signalisieren den Beginn des Krieges. Nach Beginn der Kampfhandlungen werden die gewohnten oder angekündigten Programme komplett geändert, Sondersendungen werden eingespielt, Expertengespräche und Interviews geführt, Schaltungen zu Korrespondenten hergestellt und die Info-Laufbänder am unteren Bildschirmrand bringen die neuesten Entwicklungen. In den folgenden Tagen herrscht Ausnahmezustand im Fernsehen, die Berichterstattung wird ausgedehnt und die Einschaltquoten schnellen in die Höhe. Einige Nachrichtensender wie N-TV und N24 können nachts ihre Zuschauerzahlen sogar verdoppeln.
Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, welchen Rahmenbedingungen Kriegsberichterstattung unterliegt, was ihren Wandel beeinflusst und welche charakteristischen Merkmale die Berichterstattung über den Krieg im Irak 2003 aufweist.
Zum Einstieg in das Thema wird in Kapitel 2 zunächst der historische und politische Hintergrund des Irak-Krieges 2003 dargestellt. Anschließend soll in einem kurzen Exkurs erläutert werden welche Methoden und Mittel westliche Demokratien anwenden, um Zustimmung für ein militärisches Vorgehen zu erhalten und was für eine Rolle die Medien in dem Legitimierungsprozess von Kriegen übernehmen. Daraufhin wird gezeigt mit welcher Argumentationsstrategie es der US-Administration gelang eine Mehrheit der Amerikaner von der propagierten Notwendigkeit des Krieges gegen den Irak zu überzeugen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtlicher Hintergrund und Rechtfertigung des Krieges
2.1 Saddam Husseins Machtübernahme und 1. Golfkrieg
2.2 Die Zeit vom 11. September 2001 bis zum 20. März 2003
2.3 Öffentliche Stimmung vor dem Krieg
2.4 Legitimation von Kriegen in Demokratien
2.5 Feindbildaufbau in den Medien
2.6 Die Rechtfertigungsstrategie der Bush Administration
3. Geschichte der Kriegsberichterstattung
3.1 Die Anfänge
3.2 Frühes 19. Jahrhundert
3.3 Erster Weltkrieg
3.4 Zweiter Weltkrieg
3.5 Vietnam-Krieg
3.6 Golf-Krieg 1991
3.7 Kosovo-Krieg
3.9 Afghanistan-Krieg
3.9 Strukturelle Militarisierbarkeit der Medien
4. Von der Propaganda zum Infowar
4.1 Geschichte und Begriff der Propaganda
4.2 Zensur
4.3 Maßnahmen und Instrumente der militärischen Öffentlichkeitsarbeit
4.4. Information Warfare und Information Operations
4.5 Kommunikationsstrategie der US-Regierung während des Irak-Krieges
5. Das Konzept der „embedded journalists“
5.1 Konzept und Plan des Pentagons
5.2 Kritik an dem Konzept
6. Kriegsberichterstattung im Fernsehen
6.1 Nachrichtenwert eines Krieges
6.2 Die Pluralisierung der int. Fernsehberichterstattung am Beispiel Al-Jazeeras
6.3 Fiktionalisierung und Entertainisierung der Berichterstattung
6.4 Die Berichterstattung der deutschen Sender
6.5 Kritische Reflexion
6.6 Patriotismus im Journalismus
7. Kriegberichterstattung und Internet
7.1 Nutzung des Internets während des Krieges
7.2 Warblogs
7.3 Internet als Plattform für eine Gegenöffentlichkeit
8. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rahmenbedingungen der Kriegsberichterstattung zu Beginn des 21. Jahrhunderts und analysiert, welchen Wandel diese durch medientechnologische und strategische Faktoren erfahren hat, am konkreten Beispiel des Irak-Krieges 2003.
- Historische Entwicklung der Kriegsberichterstattung und Propaganda
- Die Kommunikationsstrategien des US-Militärs und der Bush-Administration
- Das Konzept der "embedded journalists" und dessen Auswirkungen auf die Berichterstattung
- Rolle des Fernsehens, des Internets und von Warblogs in modernen Konflikten
Auszug aus dem Buch
2.5 Feindbildaufbau in den Medien
In Demokratien müssen die politischen Akteure die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit eines Krieges überzeugen und die Bevölkerung auf einen Krieg vorbereiten. Grundsätzlich tun sie dies, in dem sie dem jeweiligen Gegner einen massiven Verstoß gegen elementare und universelle Werte vorwerfen, ihm die konsequente Missachtung der Menschenrechte unterstellen oder des Völkermordes bezichtigen. Nur der Einsatz von militärischen Mitteln, so die Argumentation, könne Schlimmeres verhindern.
Es setzt ein politischer Moralismus ein, bei dem der Gegner dämonisiert, seine Integrität abgesprochen und seine Argumente angezweifelt werden. Dahinter steckt der Versuch über die Medien ein Feindbild aufzubauen, was schon immer ein beliebtes Verfahren war, um die öffentliche Meinung in Kriegszeiten zu stabilisieren bzw. auf einen Krieg einzustimmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Ausgangssituation des Irak-Krieges 2003 und Definition der zentralen Fragestellung dieser Arbeit.
2. Geschichtlicher Hintergrund und Rechtfertigung des Krieges: Untersuchung der historischen Ursachen sowie der Legitimierungsstrategien der US-Administration gegenüber der Bevölkerung.
3. Geschichte der Kriegsberichterstattung: Überblick über die historische Entwicklung der medialen Kriegsbegleitung von der Antike bis zum Afghanistan-Krieg.
4. Von der Propaganda zum Infowar: Analyse der Begriffe Propaganda, Zensur und Information Warfare im Kontext militärischer Öffentlichkeitsarbeit.
5. Das Konzept der „embedded journalists“: Detaillierte Analyse des vom Pentagon initiierten Konzepts der "embedded journalists" und der daran geäußerten Kritik.
6. Kriegsberichterstattung im Fernsehen: Untersuchung der Fernsehdarstellung des Irak-Krieges unter Aspekten wie Nachrichtenwert, Fiktionalisierung und Patriotismus.
7. Kriegberichterstattung und Internet: Diskussion über die wachsende Bedeutung des Internets als Informationsquelle und Plattform für Gegenöffentlichkeit.
8. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Rolle der Medien in bewaffneten Konflikten.
Schlüsselwörter
Kriegsberichterstattung, Irak-Krieg 2003, embedded journalists, Propaganda, Massenmedien, Fernsehen, Internet, Warblogs, Militär, Öffentlichkeitsarbeit, Feindbild, Legitimation, Zensur, Information Warfare, Informationsmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit analysiert die Bedingungen und Mechanismen der modernen Kriegsberichterstattung, fokussiert auf den Irak-Krieg 2003.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Kriegsberichterstattung, dem Einfluss von Propaganda und Öffentlichkeitsarbeit des Militärs sowie der Rolle von Fernsehen und Internet.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird aufgezeigt, welchen Rahmenbedingungen die Berichterstattung unterliegt und wie diese durch strategische Maßnahmen des Militärs sowie durch mediale Tendenzen wie Entertainisierung beeinflusst wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse historischer Phasen und aktueller Fallbeispiele, um Wechselwirkungen zwischen Militär, Politik und Medien zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Entwicklungen, die Analyse der US-Kommunikationsstrategie, das Konzept der "embedded journalists" und die Auswirkungen digitaler Medien auf die Kriegswahrnehmung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Kriegsberichterstattung, "embedded journalists", Propaganda, Informationsmanagement und die neue Rolle des Internets als alternative Informationsquelle.
Was unterscheidet die "embedded journalists" von freien Journalisten?
Eingebettete Journalisten sind direkt in militärische Einheiten integriert und erhalten privilegierte Zugänge, unterliegen jedoch strengen Kontrollen und einer emotionalen Bindung an die Soldaten.
Welche Rolle spielte das Internet bei diesem Konflikt?
Das Internet fungierte als alternative Informationsquelle, ermöglichte den Zugang zu Primärquellen und diente via Weblogs als Plattform für eine kritische Gegenöffentlichkeit.
- Citar trabajo
- Maximilian von Viereck (Autor), 2005, Kriegsberichterstattung zu Beginn des 21. Jahrhunderts - Dargestellt am Beispiel des Irak-Krieges 2003, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69131