Die vorliegende Projektarbeit befasst sich mit der Veränderung, welche die Musikindustrie in diesen Jahren erfährt. In einem so bedeutenden Bereich wie der Musik ist das Potential von Neuerungen stets groß, da viele Verknüpfungen innerhalb des Umfeldes der Musik sowie auch mit anderen Bereichen der Umwelt bestehen. Angefangen als Kunst ist die Musik längst zu einem eindeutigen Industriezweig geworden, was nicht zwingend bedeutet, dass es sich nicht mehr um Kunst handelt, jedoch unterliegt der kommerzielle Teil - genau wie alle anderen Wirtschaftszweige auch - den Gesetzen des Marktes. So kann es zu grundlegenden Veränderungen der Strukturen kommen, z.B. durch technischen Fortschritt oder durch gesellschaftlichen Wertewandel. Betrachtet man die Geschichte der Musikindustrie, so stellt man fest, dass es immer wieder Ereignisse gab, die Veränderungen hervorriefen. Vom Standpunkt der Anbieter in der Musikindustrie, deren Perspektive in dieser Arbeit hauptsächlich angenommen werden, soll war zum Beispiel die Einführung der Compact Disc (CD) ein rettendes Ereignis, ebenso gibt es aber auch unangenehme Veränderungen. Seit einiger Zeit fühlt sich die Musikwirtschaft sehr stark betroffen vom Fortschritt in der Internettechnologie und der Möglichkeit der Konsumenten, selbst CDs und DVDs zu brennen. Besonders der erste Punkt verdient besondere Beachtung, ihm zur Folge haben sich Musiktauschbörsen entwickelt und so ein weltweites Austauschen von Musikdateien möglich gemacht. Jedoch kann man den Fortschritt auch positiv bewerten, wenn man bedenkt, welche Chancen dadurch entstanden sind; ein neuer Vertriebsweg für die Tonträgersparte ist nur eine davon. Hier soll nun näher untersucht werden, welche Veränderungen durch das CD-Brennen und das sog. File sharing hervorgerufen wurden und welchen Handlungsspielraum die Musikindustrie hat, um dem zu begegnen. Dabei ist es notwendig zu beleuchten, um was es sich bei dem Produkt Musik eigentlich handelt. Das Besondere ist, dass es weiter gegeben werden kann, ohne direkt an Wert zu verlieren, dass es also (seit langem schon) von Konsumenten selbst vervielfältigt werden kann. Nach einem Rückblick über die historische Entwicklung der Musikindustrie soll hierauf näher eingegangen werden, bevor die Ursachen der derzeitigen Krise näher untersucht werden. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Zielsetzung
2. Entwicklung der Musikindustrie
2.1. Geschichte / wichtige Ereignisse
2.2. Umsatzentwicklung, Umsatzherkünfte
3. Das Geschäft Musik
3.1. Was wird verkauft?
3.2. Das Urheberrecht
3.3. Die GEMA
4. Ursachen und Auswirkungen der derzeitigen Entwicklung
4.1. Musiktauschbörsen und CD-Brennen
4.1.1. CD-Brennen
4.1.2. Tauschbörsen
4.2. Die Künstler
4.3. Die Anbieter
4.3.1. Struktur der Anbieter
4.3.2. Der Handel
4.3.3. Beispiel für Onlinemusik-Anbieter: musicload.de
4.3.4. Mobile Business
4.3.5. Ausblick
5. Handlungsspielraum der Musikindustrie
5.1. Szenarienmatrix
5.2. Marketing-Mix
5.2.1. Produktpolitik
5.2.2. Preispolitik
5.2.3. Distributionspolitik
5.2.4. Kommunikationspolitik
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Projektarbeit untersucht den tiefgreifenden Strukturwandel der Musikindustrie, der durch technologischen Fortschritt und verändertes Konsumentenverhalten hervorgerufen wurde. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie die Branche auf die Herausforderungen durch File-Sharing, CD-Brennen und digitale Distribution reagieren kann und welche Handlungsspielräume sich für die Akteure im Markt eröffnen.
- Historische Analyse der Entwicklung der Musikindustrie
- Untersuchung der Auswirkungen von Musiktauschbörsen und CD-Brennen auf den Markt
- Analyse der Anbieterstruktur und des Wandels im stationären Handel
- Erörterung von Lösungsansätzen für die digitale Verwertung von Musik (DRM)
- Diskussion von Marketingstrategien im Kontext der neuen digitalen Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
3.1. Was wird wie verkauft?
Es ist interessant, sich einmal genau zu überlegen, um was es eigentlich geht, wenn man Musik kauft bzw. verkauft. Im konventionellen Sinne erhält man ein physisches Produkt, in Form eines sog. Tonträgers (MC, CD, LP, MD o. ä.), gepaart mit einem nicht physischen Inhalt. Hierbei handelt es sich um das, was auf dem Medium gespeichert ist. Bspw. sind auf der CD digitale Daten gespeichert, welche mithilfe eines geeigneten Abspielgerätes wiedergegeben werden können. Erst hier zeigt sich das Produkt Musik in seinem eigentlichen Kern. Man erwirbt das Produkt eines mehr oder weniger kreativen Prozesses. Vergleicht man dieses Gut mit einem „herkömmlichen“ Produkt, etwa einer Dose Bohnen oder einer Regenjacke, so fallen sofort grundlegende Unterschiede auf: Während die Bohnen als Verbrauchsgut nach Verzehr ihren Nutzenwert verlieren und die Regenjacke in Folge von Abnutzung ebenfalls kontinuierlich weniger wertvoll ist, so bleibt ein Leben lang die Möglichkeit, das erworbene Werk, die Musik abzuspielen. Die Musikindustrie lebt also von der Nutzungsüberlassung von Rechten: Leistungsschutz- und Urheberrecht.
Auf der anderen Seite muss man auch beachten, dass Musik ein hoch diversifizierbares Gut ist. Niemand würde dieselbe CD zweimal kaufen, aber dafür gibt es ja die unzähligen Künstler und Interpreten, gepaart mit Produzenten und Verlegern, die für ausreichende Vielfalt auf dem Tonträgermarkt sorgen. Es wird also ein Recht erworben, zusammen mit einem Medium, welches ermöglicht, dieses Recht zu nutzen. Mit Hilfe neuer Technologien wie der bespielbaren MC und in neuerer Zeit der CD und der MD bzw. DVD ist es möglich geworden, einmal erworbene Rechte selbständig zu vervielfältigen. Dabei hat sich die Qualität immer weiter verbessert. Der Anfang war die MC, die neuste Erscheinung ist das Mp3-Format, welches die Datenmenge bei nur geringem Qualitätsverlust auf ein Zwölftel komprimiert. Diese Errungenschaft, zusammen mit der zunehmenden Verbreitung und Verbesserung des Internets bilden das Fundament der Musik-Piraterie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Zielsetzung: Einleitung in die Thematik des Strukturwandels innerhalb der Musikindustrie durch technische Innovationen.
2. Entwicklung der Musikindustrie: Historische Betrachtung der Musik als Wirtschaftszweig, von mechanischen Aufnahmeverfahren bis hin zur Digitalisierung.
3. Das Geschäft Musik: Untersuchung der rechtlichen und ökonomischen Grundlagen, inklusive Urheberrecht, GEMA und der Funktion von Digital Rights Management.
4. Ursachen und Auswirkungen der derzeitigen Entwicklung: Analyse des Einflusses von Tauschbörsen und privatem CD-Brennen auf das Kaufverhalten und die Akteure im Markt.
5. Handlungsspielraum der Musikindustrie: Darstellung von Zukunftsszenarien und strategischen Marketingoptionen für Musiklabels im digitalen Zeitalter.
6. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Entwicklungen und Ausblick auf die notwendige strategische Neuausrichtung der Branche.
Schlüsselwörter
Musikindustrie, Strukturwandel, Digitalisierung, MP3, Tauschbörsen, CD-Brennen, Urheberrecht, GEMA, DRM, Marketing-Mix, E-Commerce, Mobile Business, Handel, Konsumentenverhalten, Musikvertrieb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Projektarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der Musikindustrie im Kontext des technischen Fortschritts, insbesondere durch das Internet und Möglichkeiten der digitalen Vervielfältigung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die ökonomischen Auswirkungen von Musikpiraterie, die rechtliche Situation beim Urheberrecht, der Wandel des stationären Handels und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für Online-Musik.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Strukturwandel in der Musikbranche zu durchleuchten und aufzuzeigen, wie Anbieter auf die Bedrohungen durch legale und illegale digitale Vertriebswege reagieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Projektarbeit, die Marktdaten, Szenario-Techniken und branchenspezifische Literatur zur Interpretation des Strukturwandels nutzt.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den Ursachen der Krise (Tauschbörsen, CD-Brennen), den Akteuren (Künstler, Anbieter), der GEMA, sowie den strategischen Handlungsoptionen im Marketing-Mix.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Musikindustrie, Digitalisierung, Musikpiraterie, Urheberrecht, Online-Vertrieb und Strukturwandel beschreiben.
Welche Rolle spielt das Digital Rights Management (DRM) in der Arbeit?
DRM wird als eine notwendige, wenn auch umstrittene technische Antwort auf den digitalen Datenaustausch dargestellt, um Urheberrechte auch im Internetzeitalter durchzusetzen.
Wie bewertet der Autor die Rolle des stationären Handels?
Der Autor prognostiziert, dass der klassische Tonträgerhandel aufgrund der Verschiebung zum digitalen Download und E-Commerce zunehmend an Bedeutung verliert, auch wenn er langfristig in Nischen bestehen bleibt.
- Quote paper
- Tim Rickers (Author), 2004, Strukturwandel in der Musikindustrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69215