„Gewalthandlungen gibt es auch in den Zeichentrickserien, und das nicht zu knapp. Das Spektrum reicht von den Überzeichnungen im Klassiker ‚Tom und Jerry’, über die ‚harmlosen’ Aktionen der ‚Schlümpfe’ […] bis hin zu drastischen Gewalthandlungen mit phantastischen Kampfmitteln […]“ (Best 1993, S. 113). Das Zitat von Best verdeutlicht, in Zeichentrickfilmen existiert eine Bandbreite von Gewaltdarstellungen, die zu zahlreichen Diskussionen anregen. Aufgrund der Gewaltdarstellungen geraten Cartoons immer wieder in Kritik, weil sie insbesondere bei Kindern auf große Begeisterung stoßen. Die oftmals kontroversen Meinungen von Wissenschaftlern wirken verunsichernd und erschweren einen eindeutigen Standpunkt hinsichtlich dem für oder wider von Zeichentrickfilmen. Die Fragestellungen unter den Wissenschaftlern sind: Übernehmen Kinder das Denkschema durch Gewalt Konflikte lösen zu können und imitieren infolgedessen ihre Helden? Oder steht den Zeichentrickfilmen aufgrund ihrer irrealen Darstellungsweise ein Sonderstatus zu? Erkennen Rezipienten den fiktiven Charakter und ziehen eine Trennlinie zwischen Fiktion und Realität? In Diskussionen um Gewalt in Zeichentrickfilmen werden derartige Fragen immer wieder aufgeworfen. Mit diesen kontroversen Positionen möchte ich mich in meiner Arbeit befassen. Zunächst stelle ich das Genre Zeichentrick vor, indem ich die Zielgruppe und unterschiedliche Serientypen festlege. Um einen Überblick hinsichtlich der präsentierten Gewalt in Zeichentrickfilmen gewinnen zu können, habe ich eine Programmanalyse von Groebel und Gleich herangezogen. In einem weiteren Schritt untersuche ich Serien hinsichtlich ihres Gewaltinhalts, um die Art der Gewaltpräsentation in Cartoons bestimmen zu können. In dem Hauptteil meiner Arbeit analysiere ich kontroverse Positionen der Wissenschaftler Theunert, Glogauer, Rathmann und Kunczik. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Genre Zeichentrickfilm
2.1 Zielgruppe
2.2 Fünf Serientypen nach Theunert
3. Gewalt in Zeichentrickfilmen
4. Eigene Analyse der präsentierten Gewalt
4.1 „Tom und Jerry“
4.1.1 Gewaltdarstellung in „Ritter Tom“
4.2 „Teenage Mutant Ninja Turtles“
4.2.1 Gewaltdarstellung in „Shredders Rache – Teil II“
4.3 „Die Simpsons”
4.3.1 Gewaltdarstellung in „Die Geburtstagsüberraschung“
4.4 Kennzeichen der Zeichentrickgewalt
5. Analyse wissenschaftlicher Positionen
5.1 Theunert über Wahrnehmung und Wirkung von Cartoongewalt
5.1.1 Wahrnehmung der Kinder von Zeichentrickgewalt
5.1.2 Theunerts Beurteilung der Cartoongewalt
5.2 Glogauer über Gewalt in Action-Cartoons
5.3 Rathmann über „lustige Zeichentrickgewalt“
5.3.1 Methodisches Vorgehen
5.3.2 Ergebnisse der Produktanalyse
5.3.3 Ergebnisse der Rezeptionsanalyse
5.4 Kunczik über die Wirkung von Zeichentrickgewalt
6. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die kontroversen wissenschaftlichen Positionen zur Wirkung von Gewalt in Zeichentrickfilmen auf Kinder. Ziel ist es, durch eine Analyse verschiedener Serientypen und der Auswertung wissenschaftlicher Studien zu klären, ob Cartoongewalt aufgrund ihrer irrealen Darstellungsweise als unbedenklich eingestuft werden kann oder ob sie bei jungen Rezipienten zu einer Imitation aggressiver Verhaltensweisen führen könnte.
- Analyse der verschiedenen Serientypen nach Theunert
- Eigene Programmanalyse ausgewählter Zeichentrickserien (Tom und Jerry, Ninja Turtles, Die Simpsons)
- Gegenüberstellung wissenschaftlicher Positionen (Theunert, Glogauer, Rathmann, Kunczik)
- Untersuchung der Wahrnehmung von Cartoongewalt durch Kinder
- Diskussion über die Relevanz der Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Gewaltdarstellung in „Ritter Tom“
In dieser Folge befinden sich Tom und Jerry in der Ritterzeit. Der König Arthur bittet Tom um Hilfe, den gefürchteten Ritter zu erledigen. Gelingt Tom dies, so verspricht König Arthur ihm sein Königreich und die Hand seiner Tochter. Der gefürchtete Ritter kommt auf einem Pferd angeritten. Nun erkennt Tom, wer der gefürchtete Ritter ist: Es ist sein Erzfeind Jerry. Die Verfolgungsjagd zwischen Katze und Maus beginnt. Jerry flieht vor Tom in eine Ritterburg. Bevor Tom dort ankommt, zieht Jerry die Zugbrücke hoch. Tom sieht dies zu spät, rennt gegen die hochgezogene Zugbrücke und reißt ein Loch in sie hinein. Kurzeitig beeinträchtigt durch den Aufprall, steht Tom unbeschädigt wieder auf.
Die Verfolgungsjagd geht weiter. Wieder gelingt es Jerry, den Kater auszulisten. Erneut läuft Tom gegen die Zugbrücke, fällt zu Boden und wird von der Zugbrücke niedergeschlagen. Völlig platt gewalzt liegt er am Boden. Doch wie in der Szene davor, rafft er sich wieder auf und jagt Jerry erneut hinterher. Diesmal versucht es Tom mit einer List. Er verschwindet kurzzeitig und kommt mit einer selbst erfundenen Maschine zurück. Der Greifarm der Maschine schafft es, Jerry zu fangen und verformt ihn in einen Ball. Diesen Ball steckt Tom in eine Truhe.
Der König und die Dorfleute sind voller Freude, dass der gefürchtete Ritter gefangen wurde. Zur Belohnung für seinen Mut, will König Arthur ihn zum Ritter schlagen. Im gleichen Moment gelingt Jerry die Flucht durch ein Hintertürchen in der Truhe. Jerry ist die Flucht wieder gelungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Debatte um Gewaltdarstellungen in Zeichentrickfilmen und stellt die Forschungsfragen bezüglich der Wirkung auf Kinder sowie der Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität vor.
2. Genre Zeichentrickfilm: Dieses Kapitel definiert das Genre, beleuchtet die Zielgruppe der Kinder und kategorisiert Zeichentrickserien nach den fünf Serientypen von Theunert.
3. Gewalt in Zeichentrickfilmen: Hier werden Ergebnisse einer Programmanalyse von Groebel und Gleich vorgestellt, die den hohen Anteil an aggressiven Handlungen in Zeichentrickfilmen belegen.
4. Eigene Analyse der präsentierten Gewalt: Die Autorin analysiert exemplarisch drei verschiedene Zeichentrickserien hinsichtlich ihrer spezifischen Gewaltdarstellung und identifiziert Merkmale wie Folgenlosigkeit und Legitimation.
5. Analyse wissenschaftlicher Positionen: In diesem Hauptteil werden die unterschiedlichen Ansätze der Wissenschaftler Theunert, Glogauer, Rathmann und Kunczik detailliert gegenübergestellt und analysiert.
6. Resümee: Das Resümee fasst die wissenschaftlichen Diskurse zusammen und stellt fest, dass es kein einheitliches Urteil über die Wirkung von Cartoongewalt gibt, betont jedoch die Bedeutung der Medienkompetenz und des Alters der Kinder.
Schlüsselwörter
Zeichentrickfilm, Cartoons, Cartoongewalt, Gewaltwirkung, Medienpädagogik, Imitationsgefahr, Fiktion und Realität, Aggression, Kinderfernsehen, Medienkompetenz, Theunert, Glogauer, Rathmann, Kunczik, Folgenlose Gewalt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Vordiplomshausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kontroversen Diskussion über die Wirkung von Gewalt in Zeichentrickfilmen auf Kinder und analysiert verschiedene wissenschaftliche Perspektiven dazu.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Kategorisierung von Zeichentrickserien, die Art der Gewaltdarstellung (z. B. folgenlose Gewalt), die Wahrnehmung durch Kinder sowie die mögliche Gefahr der Imitation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen Überblick über den wissenschaftlichen Diskurs zu gewinnen und zu prüfen, ob Cartoongewalt als unbedenklich eingestuft werden kann oder eine Gefahr für junge Rezipienten darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse wissenschaftlicher Positionen sowie eine eigene Programmanalyse ausgewählter Serienbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Positionen der Wissenschaftler Theunert, Glogauer, Rathmann und Kunczik analysiert und gegenübergestellt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Cartoongewalt, mediale Gewalt, Folgenlosigkeit, Legitimation, Medienkompetenz und die Unterscheidung von Fiktion und Realität.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung von Fiktion und Realität für die Kinder?
Die Arbeit zeigt auf, dass Kinder, die zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können, Cartoongewalt oft als distanziertes, komisches Element wahrnehmen, während jüngere Kinder möglicherweise stärker gefährdet sind.
Warum unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Serientypen?
Da verschiedene Zeichentrickfilme (z.B. Slapstick vs. Action-Cartoons) sehr unterschiedliche Mengen und Formen von Gewalt enthalten, ist eine differenzierte Betrachtung für eine fundierte Wirkungseinschätzung notwendig.
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- Lena Giller (Author), 2006, Gewalt in Zeichentrickfilmen - Eine Analyse kontroverser Positionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69225