Systematisierung der Umweltmanagementsysteme und ihrer Einsatzbedingungen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)


Diplomarbeit, 2006
100 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anlagenverzeichnis

1 Einleitung - Problemstellung und Ziel der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Umweltmanagement und Umweltmanagementsysteme
2.2 Kleine und mittlere Unternehmen
2.3 DIN EN ISO 14000ff. und EMAS
2.3.1 DIN EN ISO 14000ff.
2.3.2 EMAS

3 Stand der Einordnung von Umweltmanagementsystemen
3.1 DIN EN ISO 14001
3.1.1 Kernnormen und Struktur der DIN EN ISO 14000ff.:2004
3.1.2 Modell des Umweltmanagementsystems nach DIN EN ISO 14001
3.1.3 Neue Aspekte der DIN EN ISO 14001
3.1.4 Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem nach DIN EN ISO 14001
3.1.5 Zertifizierung nach DIN EN ISO 14001
3.2 EMAS
3.2.1 Neue Aspekte der EMAS II
3.2.2 Validierung und Registrierung nach EMAS II
3.2.3 EMAS II im Vergleich zu DIN EN ISO 14001
3.3 Sonderformen

4 Analyse der Einsatzbedingungen der Umweltmanagementsysteme in kleinen und mittleren Unternehmen
4.1 Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung
4.2 Gestaltungsfelder für Umweltmanagementsysteme
4.3 Entwicklungsstand der Realisierung von Umweltmanagementsystemen

5 Vorschlag zur Systematisierung von Umweltmanagementsystemen in kleinen und mittleren Unternehmen auf modularer Basis
5.1 Problemlösungsverfahren zur Nachhaltigkeitsentwicklung
5.2 Vorschlag für ein modulares System zur Klassifizierung und Systemati- sierung von Umweltmanagementsystemen
5.2.1 Grundsätze zur Klassifizierung und Systematisierung
5.2.2 Darstellung einer modularen Systematik
5.3 Empfehlungen für die weitere Entwicklung

6 Schlussbemerkung und Fazit

Literaturverzeichnis
Anlage 1 Literatur zur ISO-Norm 14000ff
Anlage 2 Bewertung von Unternehmen mit eingeführten Umweltmanagement- systemen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Haupt- und Teilziele

Abb. 2: Die Normenserie DIN EN ISO 14000ff

Abb. 3: Modell des Umweltmanagementsystems nach DIN EN ISO 14001

Abb. 4: Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem nach

DIN EN ISO 14001

Abb. 5: Ablauf einer Zertifizierung

Abb. 6: Ablaufdiagramm Beteiligung an EMAS

Abb. 7: Forderungen an Umweltmanagementsysteme

Abb. 8: Umweltmanagementsystemsonderformen

Abb. 9: Die vier Nachhaltigkeitsherausforderungen an Unternehmen

Abb. 10: Motive für die Einführung von Umweltmanagementsystemen

Abb. 11: Erwarteter und realisierter Nutzen

Abb. 12: Chancen der Unternehmen durch die Teilnahme an Umwelt- managementsystemen

Abb. 13: Risiken der Unternehmen durch die Teilnahme an Umwelt- managementsystemen

Abb. 14: Das betriebliche Vorschlagswesen (3i-Programm)

Abb. 15: Darstellung der inhaltlichen Systematisierung eines modularen Systems

Abb. 16: Das modulare System

Abb. 17: Innere Modulstruktur

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Autorenmeinungen Umweltmanagement/Umweltmanagement- systeme

Tab. 2: Quantitative Definitionskriterien für Kleinst-, Klein- und mittlere Unternehmen

Tab. 3: Qualitative Definitionskriterien für Kleinst-, Klein- und mittlere Unternehmen

Tab. 4: Darstellung der neuen Aspekte der DIN EN ISO 14001

Tab. 5: Darstellung der neuen Aspekte der EMAS II

Tab. 6: Gemeinsamkeiten und Unterschiede von DIN EN ISO 14001/ EMAS II

Tab. 7: Systematisierung der Probleme

Tab. 8: Auswertung nach Branchen

Tab. 9: Auswertung nach Kleinst-, Klein- und mittleren Unternehmen

Anlagenverzeichnis

Literatur zur ISO-Norm 14000ff

Bewertungstabellen der Unternehmen

1 Einleitung – Problemstellung und Ziel der Arbeit

Die Globalisierung der Märkte, der Wertewandel der Gesellschaft und die Entwicklung in der Informations- und Kommunikationstechnologie haben dazu geführt, dass der Wettbewerbsdruck auf die kleinen und mittleren Unternehmen zugenommen hat. Von einem erfolgreichen Unternehmen wird verlangt, dass es innovativ neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt und diese kostengünstig auf den Weltmärkten anbietet. Das veränderte Anspruchsdenken der Kunden und die verschärfte Gesetzeslage im Bereich der Produkt- und Umwelthaftung erhöhen den Innovations- und Kostendruck. Als Folge dieser fortschreitenden Entwicklung gewinnt das Umweltbewusstsein und damit die Entwicklung von Umweltmanagementsystemen immer mehr an Bedeutung. „Umweltmanagementsysteme sind auf eine kontinuierliche Verbesserung der umweltorientierten Leistung ausgerichtet. Dabei ist ein zentraler Punkt die Eigenverantwortung der Unternehmen für die Minimierung und Bewältigung der Umweltauswirkungen ihrer Tätigkeiten.“[1] Insbesondere geht es um die Vermeidung der Verwendung toxischer und schädlicher Stoffe. „Integrierter Umweltschutz, von der Technologie über das Managementsystem bis hin zum Mitarbeiter, wird für die Unternehmen zunehmend zu einem betriebswirtschaftlichen Erfolgsfaktor.“[2] Ein Umweltmanagementsystem hilft, die Kundenbindung zu erhöhen, die internationale Marktposition sowie das Unternehmensimage in der Öffentlichkeit zu verbessern. In vielen Bereichen wird ein dokumentiertes Umweltmanagementsystem eine Voraussetzung für die Auftragsvergabe. Die Betriebsabläufe können durch konsequente Fehlervermeidung und Systematisierung bestehender Umweltmaßnahmen ständig verbessert werden. Treten dennoch Fehlerquellen auf, müssen diese ermittelt und beseitigt werden, so dass die Umweltkosten des unterlassenen Umweltschutzes minimiert werden. Betriebsabläufe müssen beschrieben, Verantwortlichkeiten festgelegt und delegiert werden, denn auch Mitarbeiter wollen in die Regelung von Abläufen einbezogen sein. Daraus leitet sich ab, dass Umweltmanagementsysteme ein breites Umfeld und somit ein kompliziertes Handling haben. Das ist ein entscheidender Ansatzpunkt zur Entwicklung neuer bzw. zur Erweiterung bestehender Umweltmanagementsysteme. Diese sollen sich durch eine klare verständliche Sprache und leichte Anwendbarkeit auszeichnen. Durch Prozessorientierung, Berücksichtigung des Konzeptes der ständigen Verbesserung sowie der Integration und ganzheitlichen Betrachtung mit anderen Managementsystemen werden die Umweltnormen für alle Branchen immer mehr nutzbar. Viele kleine und mittlere Unternehmen verfügen bereits über ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001ff. Sie haben den verständlichen Wunsch, dass die Managementsysteme für Qualität und Umwelt nicht unabhängig voneinander, sondern mit möglichst vielen Gemeinsamkeiten aufgebaut und implementiert werden.[3] Die Erwartungen der kleinen und mittleren Unternehmen richten sich auf den steigenden wirtschaftlichen Nutzen gut funktionierender Managementsysteme, die Verbesserung der Marktposition sowie die Gewinnung von Neukunden und Aufträgen. In produzierenden Unternehmen wird es auch immer wichtiger, die eigenen Wettbewerbsbedingungen zu verbessern und sich von der Konkurrenz abzuheben, um auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, bessere Konditionen bei den Banken zu erlangen und die Innovationsfähigkeit zu stärken.

Die Zielstellung dieser Arbeit ist, eine Systematik zur Einheit von Umwelt, Produktion und Mensch zu entwickeln, die die Realisierung der Produktion in kleinen und mittleren Unternehmen bei gleichzeitiger Vermeidung der Umweltverschmutzung gewährleistet. Diese soll in einem modularen System sowohl allgemeine für alle Unternehmen geltenden Kriterien enthalten als auch branchenspezifische und individuelle Lösungsmöglichkeiten zulassen. Das System muss flexibel und erweiterungsfähig sein. Die Systematisierung von Umweltmanagementsystemen und ihre Einsatzbedingungen in kleinen und mittleren Unternehmen bilden dabei das Hauptziel dieser Arbeit. Inhalt ist es auch, Nutzen und Probleme, Chancen und Risiken in kleinen und mittleren Unternehmen beim Einsatz von Umweltmanagementsystemen darzustellen.

Bei der Literaturrecherche zum Thema Umweltmanagementsysteme und ihre Einsatzbedingungen in kleinen und mittleren Unternehmen wird deutlich, dass aktuelle Bezüge vorrangig in Fachzeitschriften, Pressemitteilungen, Broschüren und im Internet zu finden sind. Wissenschaftliche Literatur ist durch Revisionen und Novellen der Umweltmanagementsysteme zumeist überholt oder neue Auflagen sind noch nicht entstanden. Dennoch werden sie für theoretische Aspekte genutzt und bilden die Grundlage dieser Arbeit. Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, durch eine Systematisierung von Umweltmanagementsystemen die Voraussetzungen und Grundlagen zur weiteren Vervollkommnung von Umweltmanagementsystemen sowie deren immer umfassenderen Nutzung in kleinen und mittleren Unternehmen zu schaffen. Dazu sind zu folgenden objektiven inhaltlichen Entwicklungstendenzen und Problemstellungen Lösungsansätze zu finden.

1. Gegenwärtig werden weltweit im Rahmen der Globalisierung und des immer schneller fortschreitenden Prozesses des Strukturwandels in der Wirtschaft eine Vielzahl von Initiativen und Regelungen zur bewussten Gestaltung dieser Prozesse erarbeitet und in unterschiedlichen Bereichen eingeführt. Das betrifft vor allem Managementsysteme. Im Bereich der Wirtschaft sind das Systeme, die der Globalisierung und dem Strukturwandel unterliegen, wie z.B. das Produktionsmanagement, das Management der Forschung und Entwicklung, das Marketingmanagement und andere. Wesentliche Faktoren der vielen Managementsysteme tangieren und beeinflussen die Umweltmanagementsysteme. Es wird vermutet, dass die gegenwärtig vorhandene Anzahl von Umweltmanagementsystemen in unterschiedlichen Bereichen der Wirtschaft und deren ständige quantitative Erweiterung eine Vereinheitlichung und Vereinfachung auf einem neuen qualitativen Niveau erfordern.
2. Die vorhandenen Umweltmanagementsysteme haben auf der Grundlage einheitlicher Grundzielstellungen unterschiedliche Wirkungsgrade und Wirkungsbereiche. So gibt es Systeme, die weltweiten Geltungscharakter haben, wie z.B. DIN EN ISO 14000ff., die für Ländergruppen Gültigkeit besitzen, wie EMAS II oder die lediglich in einzelnen Ländern und regionalen Bereichen gelten, wie z.B. in Bayern der Bayernpakt. Des Weiteren gibt es auch branchenspezifische Besonderheiten wie z.B. in der holzverarbeitenden Industrie (Anforderungen von Rosenheim) oder auch konzernbezogene Spezifika (IKEA). Es wird angenommen, dass diese unterschiedlichen hoheitlich regionalen, branchen- bzw. konzernbezogenen sich ständig erweiternden Umweltmanagementsysteme es notwendig machen, diese zu systematisieren und damit die Voraussetzungen für eine höhere Effizienz und Verringerung der Redundanz sowie die Erhöhung der Praktikabilität bei der Anwendung zu erreichen.
3. Durch die Vielzahl von Einzellösungen werden in den unterschiedlichen Umweltmanagementsystemen eine große Anzahl von neuen Ideen, Vorschlägen, Methoden und Teilsystemen entwickelt, die bei einer koordinierten Bewertung die qualitative Entwicklung der Umweltmanagementsysteme weiter beschleunigen und dadurch auch im Rahmen der Verallgemeinerung zu einer Vereinheitlichung führen. Dementsprechend wird vermutet, dass der hoheitlichen Koordinierung weltweit, in Wirtschaftszonen wie der EU und anderen Ländern eine immer größere Bedeutung beigemessen werden muss. Zur Sicherung der umfassenden und kaufmännisch für Unternehmen interessanten Nutzung von Umweltmanagementsystemen sind für die Betriebe Anreize zu schaffen, die deren Einführung unterstützen und für die Unternehmen im Laufe ihrer Entwicklung interessant machen. Das kann durch Veränderungen in den Vergabebedingungen für Aufträge, die Einbeziehung von Mitteln und Methoden zur rationellen Verwendung von Ressourcen und umweltverträglichen Stoffen (Kosteneinsparung) umgesetzt werden.
4. Durch das Vorhandensein einer Vielzahl unterschiedlicher Einzelsysteme wird angenommen, dass die Unternehmen - insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen - bei der Auswahl und Anwendung von Umweltmanagementsystemen verunsichert sind. Dementsprechend wird es immer mehr notwendig, Grundlagen durch koordinierte, klare und einfache Regelungen für die Anwendung zu schaffen. Dazu sind konkrete und hoheitlich unterstützte Richtlinien und auch gesetzliche Regelungen zu definieren. Diese müssen aber auch den Spielraum für Änderungen im Rahmen des sich in immer höherem Tempo vollziehenden Wirtschaftsstrukturwandels zulassen.
5. Die in den Teilzielen aufgestellten Hypothesen werden auf ihr Eintreten bzw. Nichteintreten überprüft. Vermutungen und Annahmen werden bestätigt bzw. widerlegt und es wird ein Ausblick in die Zukunft gegeben.

Daraus ergeben sich dann die Ziele und der Inhalt dieser Arbeit, die in Abb. 1 zusammengefasst sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Haupt- und Teilziele

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Umweltmanagement und Umweltmanagementsysteme

Zum Begriff Umweltmanagement existiert in der Literatur kein einheitlicher Vorstellungsinhalt. Vielmehr stellt das Umweltmanagement die Erweiterung bestehender Ansätze um die ökologische Dimension dar. Die Autoren definieren das Umweltmanagement bzw. das Umweltmanagementsystem auf unterschiedliche Art und Weise. Im Folgenden werden 5 verschiedene Meinungen aufgezeigt.

„Das Umweltmanagement integriert in alle Managementfunktionen und Unternehmensbereiche die Ökologie als wesentliche Komponente des betrieblichen Entscheidungsprozesses. Dabei geht es darum, über die gesamte Wertschöpfungskette und alle daran beteiligten Funktionalbereiche bei gleichzeitiger Verfolgung ökonomischer Ziele eine Reduktion unerwünschter Umweltwirkungen zu realisieren.“[4]

„Zur Erreichung der Umweltziele nimmt das Umweltmanagement Einfluss auf die Gestaltung, Lenkung und Entwicklung der Unternehmenstätigkeit, so dass eine Verminderung oder Vermeidung der Umweltbelastung durch das Unternehmen sowie eine langfristige Sicherung des Unternehmenserfolges möglich wird. Bereits an dieser Stelle wird deutlich, dass das Umweltmanagement im Unternehmen eine Querschnittsaufgabe darstellt. Sie erfordert Anpassungsmaßnahmen in allen Unternehmensfunktionen und Unternehmensbereichen wie Forschung und Entwicklung, Beschaffung, Produktion, Lagerhaltung, Absatz bzw. Redistribution und Logistik sowie Planung, Finanzierung, Information, Organisation und Führung. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, das Umweltmanagement als Führungsaufgabe zu begreifen und aus einer konzeptionellen Gesamtsicht heraus umzusetzen. Das Umweltmanagement erhält damit unternehmensstrategische Relevanz.“[5]

Unter dem Umweltmanagement versteht man den Teil des Managements, der die Organisation und Koordination der betrieblichen Umweltschutzaktivitäten unter Beteiligung aller Funktionsbereiche sicherstellt und dabei den Umweltschutz als übergreifendes, wesentliches Unternehmensziel einbezieht.[6]

Das Umweltmanagementsystem ist der Teil des gesamten übergreifenden Managementsystems, der die Organisationsstruktur, Planungstätigkeiten, Verantwortlichkeiten, Verhaltensweisen, Vorgehensweisen, Verfahren und Mittel für die Festlegung, Durchführung, Verwirklichung, Überprüfung und Fortführung der Umweltpolitik betrifft.[7]

„Das Umweltmanagementsystem (UMS) ist der Teil eines Managementsystems einer Organisation (Unternehmen, Behörde, e.t.c.), in dem die Zuständigkeiten, Verhaltensweisen, Abläufe und Vorgaben zur Umsetzung der betrieblichen Umweltpolitik der Organisation strukturiert festgelegt sind.“[8]

Die unterschiedlichen Autorenmeinungen zum Begriff Umweltmanagement/Umwelt-managementsystem werden in Tab. 1 dargestellt.

Die inhaltliche Fortführung der Arbeit erfolgt in Anlehnung an die Definition des Umweltmanagements nach T. Nebl mit besonderem Vermerk darauf, dass Mitarbeiter und beteiligte Personen in die kombinierte ökologisch-ökonomische Zielverfolgung qualifiziert integriert sind. Dazu zählen die ökologieorientierte Auswahl und Bildung der Mitarbeiter, ökologieorientierte Personalentwicklung, Mitarbeiterinformationen zu ökologischen Aspekten der Leistungserstellung und -verwertung sowie die ökologieorientierten Anreizsysteme.[9]

Tab. 1: Autorenmeinungen Umweltmanagement/Umweltmanagementsysteme

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Kleine und mittlere Unternehmen

Kleine und mittlere Unternehmen lassen sich nach quantitativen sowie qualitativen Kriterien definieren.

Die Europäische Kommission erarbeitete im Jahre 2003 eine neue Definition für Kleinstunternehmen sowie für kleine und mittlere Unternehmen. Seit dem 1. Januar 2005 trat diese neue Definition in Kraft. Gegenüber der Definition von 1996 haben sich die Schwellenwerte für die Umsatz- und Bilanzsummen verändert. Die Anzahl der Mitarbeiter bleibt unverändert. So ergeben sich folgende quantitative Definitionskriterien, die in Tab. 2 aufgeführt werden:

Tab.2: Quantitative Definitionskriterien für Kleinst-, Klein- und mittlere Unternehmen[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Schwellenwerte beziehen sich immer auf den letzten durchgeführten Jahresabschluss. Das Antrag stellende Unternehmen erwirbt bzw. verliert den Status eines kleinen und mittleren Unternehmens erst dann, wenn es auf zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren die genannten Schwellenwerte unter- bzw. überschreitet.[11]

Das Wesen und die Vielschichtigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen lässt sich durch qualitative Merkmale exakter bestimmen. Charakteristische qualitative Kriterien der Unternehmen mit dem Status eines Kleinst-, Klein- oder mittleren Unternehmens sind:

- Prägung des Betriebes durch die Persönlichkeit des Unternehmers,
- kurze informelle Kommunikationswege,
- multifunktionelles Arbeitsteam,
- Fähigkeit der schnellen Anpassung an Veränderungen,
- Unternehmer als Eigenkapitalgeber, oberste Führungskraft und Risikoträger,
- persönliche Kontakte zu den Mitarbeitern,
- Möglichkeit der Ausbildung am Arbeitsplatz,
- Fähigkeit zur Erstellung von Leistungen nach Maß,
- strategische Erfolgsfaktoren in der gelebten Dienstleistungskompetenz aller Beschäftigten,
- Integration der Familie des Unternehmers in die Unternehmen,
- flache Linien-Organisation mit wenigen Hierarchiestufen und
- begrenzter Formalisierungsgrad.[12]

Die qualitativen Kriterien für Unternehmen mit dem Status eines Kleinst-, Klein- oder mittleren Unternehmens werden in Tab. 3 nach ihrer Ausprägung bewertet.

Die Einbindung und die Aufgaben des Unternehmers ändern sich deutlich mit steigender bzw. sinkender Betriebsgrößenklasse. Je kleiner das Unternehmen, desto direkter ist der Unternehmer unter persönlicher Mitarbeit in das Tagesgeschäft eingebunden. Bei einer Zahl von etwa 10 Beschäftigten reduziert sich die direkte Mitarbeit durch den Unternehmer - indirekte Führung und Aufgabendelegation nehmen zu. Die Führungskompetenz bleibt jedoch erhalten. Kann ein Unternehmen mit wachsender Mitarbeiterzahl nicht mehr allein geführt werden und muss die Führung an Manager abgegeben werden, wird der Bereich kleine und mittlere Unternehmen verlassen.[13]

Tab. 3: Qualitative Definitionskriterien für Kleinst-, Klein- und mittlere Unternehmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 DIN EN ISO 14000ff. und EMAS

2.3.1 DIN EN ISO 14000ff

Folgende Bedeutungen der verwendeten Abkürzungen sind in der Norm DIN EN ISO 14000ff. enthalten. DIN ist eine Bezeichnung für das Deutsche Institut für Normierung. EN stellt die europäische Norm und ISO die Internationale Organisation für Standardisierung dar. Die Normenreihe wird durch die Zahl 14000ff. gekennzeichnet.

Die Norm ISO 14001 „Umweltmanagementsysteme“ liegt seit September 1996 vor und ist durch das CEN (Comite Europeen de Normalisation) unverändert als europäische Norm übernommen und im Oktober 1996 als DIN ISO 14001 auch in deutscher Sprache veröffentlicht worden. Diese Norm zielt auf eine ständige Verbesserung der Umweltleistungen einer Organisation bezogen auf ihre Tätigkeiten, Produkte sowie Dienstleistungen ab. Grundsätzlich wendet sich die DIN EN ISO 14001 an alle Arten und Größen von Organisationen, Gemeinden, Schulen, gewinnorientierten Unternehmen, global orientierten Konzernen oder kleinen und mittleren Unternehmen. Die Teilnahme an diesem weltweit gültigen System ist freiwillig.

Die Revision der ISO 14001 für Umweltmanagementsysteme wurde im Jahr 2000 begonnen und im Herbst 2004 abgeschlossen. Am 15. November 2004 hat die internationale Organisation für Normierung die überarbeitete ISO 14001 veröffentlicht. Seit dem 15. Mai 2005 müssen die akkreditierten Zertifizierer die überarbeitete Version den Zertifikaten zu Grunde legen. Genau ein Jahr später verlieren die Zertifikate nach der alten Norm (DIN EN ISO 14001:1996) ihre Gültigkeit. Mit der Revision wurden die Anforderungen an Umweltmanagementsysteme klarer formuliert und an die Qualitätsnorm ISO 9001 angeglichen. Dadurch wird die Realisierung von integrierten Managementsystemen erleichtert. Bei der Überarbeitung wurde Augenmerk darauf gelegt, Anforderungen zu präzisieren, um die Lesbarkeit und somit die Akzeptanz für kleine und mittlere Unternehmen zu erhöhen. In der weiteren Darstellung der DIN EN ISO 14001 wird sich in dieser Arbeit auf die europäische Version DIN EN ISO:2004 bzw. die deutsche Fassung DIN EN ISO:2005 bezogen.

2.3.2 EMAS

Die Bezeichnung EMAS steht für Environmental-Management-Audit-Scheme. Dieses Umweltmanagementsystem gehört seit 1995 zum umweltpolitischen Instrumentarium der Bundesrepublik Deutschland. Die EG-Öko-Audit-VO wurde 1993 verabschiedet und vom Rat der Europäischen Union erlassen, aber erst 1995 waren in Deutschland alle Voraussetzungen zur Einrichtung eines Umweltmanagementsystems geschaffen. Die EG-Öko-Audit-VO (EMAS I) war vor allem für gewerbliche Unternehmen bei der Umsetzung des Umweltmanagements und der Umweltbetriebsprüfung von Interesse. Sie wurde im März 2001 durch Inkrafttreten der EMAS-VO Nr. 761/2001 (EMAS II) novelliert und ist nun für alle Organisationen, die Umweltschutz betreiben wollen, anwendbar. In Deutschland wurde die Neufassung der EMAS-VO im September 2002 bekannt gemacht und ist im deutschsprachigen Raum gleichbedeutend mit Öko- oder Umweltaudit. Da EMAS II schon im Jahre 2002 novelliert wurde und die Revision der ISO 14001 erst 2004 stattfand, basiert EMAS II auf der alten DIN EN ISO 14001:1996. Wegen der Integration der ISO 14001 in EMAS II bringt das Probleme mit sich. Auch hier ist die Teilnahme an der europaweit geltenden EMAS-VO freiwillig.

3 Stand der Einordnung von Umweltmanagementsystemen

„Managementsysteme müssen für mittelständische Unternehmen nicht zu einer bürokratischen Last werden. Sie können im betrieblichen Alltag durchaus effektiv und lebendig wirken, wenn sie das Ergebnis eines individuellen Entwicklungsprozesses sind. Mittelständische Unternehmen können trotz begrenzter finanzieller und personeller Ressourcen erfolgreich Umweltmanagement praktizieren, wenn sie es verstehen, eigenständige, auf den Betrieb angepasste Lösungen zu entwickeln, anstatt sich standardisierter Systemkonzepte zu bedienen.“[14]

Umweltmanagementsysteme nach der europaweit wirksamen EMAS-VO und der weltweit gültigen Norm ISO 14001 zielen auf eine Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes ab.[15] Revisionen und Novellen der Umweltmanagementsysteme weisen eine anwenderfreundlichere Gestaltung auf. Das drückt sich vor allem durch eine klare und verständliche Sprache, Prozessorientierung, eine bessere Anwendung für kleine und mittlere Unternehmen, die Berücksichtigung des Konzeptes der kontinuierlichen Verbesserung sowie eine bessere Kompatibilität mit den Qualitätsmanagementsystemnormen aus. Ein Umweltmanagementsystem kann den betrieblichen Umweltschutz und damit das Unternehmensimage verbessern, eine sinnvolle Nutzung von Ressourcen fördern, Kosten senken, die Rechtssicherheit beim Betrieb von Anlagen erhöhen, Leistungen im Umweltschutz transparent machen sowie Mitarbeiter für Umweltschutz sensibilisieren und motivieren.

Umweltmanagementsysteme lassen sich in eine 3-Elemente-Struktur gliedern:

1. Informationssystem

Alle relevanten Umweltaspekte eines Betriebes werden aufgenommen, gesammelt und berücksichtigt.

2. Organisationsstruktur

Dieses Strukturelement dient der Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen.

3. Prüfsystem

Die Nutzung des Umweltmanagementsystems wird nach der Organisationsstruktur und dem Erfolg von Maßnahmen bewertet.[16]

3.1 DIN EN ISO 14001

3.1.1 Kernnormen und Struktur der DIN EN ISO 14000ff.:2004

Die Abb. 2 gibt einen Überblick über die gesamte Normenserie DIN EN ISO 14000ff., wobei die Normenserie 14001 speziell auf die Einführung, den Aufbau und die Zertifizierung von Umweltmanagementsystemen eingeht. Dazu zählt auch der allgemeine

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Die Normenserie DIN EN ISO 14000ff.[17]

Leitfaden über Grundsätze, Systeme und Hilfsinstrumente bei der Einführung von Um-

weltmanagementsystemen, welche in der DIN ISO 14004 beschrieben sind. In der folgenden Arbeit wird wegen des großen Umfangs lediglich die Normenserie DIN EN ISO 14001 betrachtet. Weitere detaillierte Literaturhinweise zur Normenserie DIN EN ISO 14000ff. sind in der Anlage 1 nachzulesen.

3.1.2 Modell des Umweltmanagementsystems nach DIN EN ISO 14001

Das Modell der internationalen Norm DIN EN ISO 14001 beruht auf der Plan-Do-Check-Act-Methode (PDCA), d.h. es geht um das Planen, Ausführen, Kontrollieren und Optimieren. Ziele und Prozesse müssen in Übereinstimmung mit der Umweltpolitik festgelegt und verwirklicht sowie ständig überwacht werden. Die Leistung des Umweltmanagementsystems wird durch das Konzept der ständigen Verbesserung optimiert, das in folgender Abb. 3 dargestellt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Modell des Umweltmanagementsystems nach DIN EN ISO 14001[18]

Das Versandunternehmen Otto wurde als weltweit erstes Handelsunternehmen nach ISO 14001 zertifiziert. Als Pionier dieser Entwicklung ließ Otto im Jahr 1997 sein Umweltmanagementsystem überprüfen und sagte dazu: „Es ist meine Überzeugung, dass sich wirtschaftliches Handeln zukünftig nicht mehr nur an dem ökonomischen Nutzen orientiert, sondern gleichermaßen ökologischen Schaden abwehren und sozialen Nutzen anstreben muss.“[19] Das gilt nicht nur für Großbetriebe, sondern auch für kleine und mittlere Unternehmen.

[...]


[1] [LAX1998] S.2

[2] [KRI1997] S. V

[3] [DOR1998] S. 11

[4] [NEB2004] S. 662

[5] [BLE1998] S. 196

[6] [ATA1998] S. 3 f.

[7] [UGA2004] S. 23

[8] [KAD2005] S.1

[9] [NEB2004] S.671

[10] nach [DOL2004] S. 1

[11] [EUR2003] S. 1

[12] [SCW2004] S. 1

[13] [BLE1998], S. 9

[14] [BRE1998] S.1

[15] [FRE1999] S. 80

[16] [PRÖ2004] S. 46

[17] [PRÖ2004] S. 9

[18] [DIN 2005] S. 7

[19] [DQS2003] S. 6

Ende der Leseprobe aus 100 Seiten

Details

Titel
Systematisierung der Umweltmanagementsysteme und ihrer Einsatzbedingungen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)
Hochschule
Universität Rostock
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
100
Katalognummer
V69257
ISBN (eBook)
9783638601184
ISBN (Buch)
9783638694698
Dateigröße
746 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Systematisierung, Umweltmanagementsysteme, Einsatzbedingungen, Unternehmen
Arbeit zitieren
Kristina Dirkner (Autor), 2006, Systematisierung der Umweltmanagementsysteme und ihrer Einsatzbedingungen in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69257

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