Wörter wie „amico“ oder „essere a cavallo“ (Niceforo, Alfredo, 1972: Il gergo nei normali, nei degenerati e nei criminali, Bologna, forni editore, S.158) scheinen einfach ins Standarditalienische zu übersetzen zu sein. Jedoch mit dem Wissen, dass die sizilianische Mafia diese für ihren „gergo“ funktionalisiert hat, bekommen jene Wörter eine ganz andere Bedeutung, so dass sie anstelle von ‚Freund’ und ‚über den Berg sein’ die gergale Entsprechung ‚Mafioso’ und ‚bewaffnet sein’ erhalten.
Was macht einen „gergo“ aus und wer spricht ihn? In den folgenden Kapiteln möchte ich einen Überblick über die Merkmale der gerghi, ihre Geschichte und Entstehung geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Charakteristika
3. Historie
4. „parole gergali“
4.1 Wortbildung
4.1.1 semantische Deformation
4.1.2 Metathese
4.1.3 Suffigierung
4.1.4 Apokope
4.1.5 Metapher
4.1.6 Onomatopoetika
4.1.7 Italianisierung
4.1.8 Morphosyntax
4.2 Phonetische Besonderheiten
5. Textbeispiel
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die linguistischen und soziologischen Merkmale der italienischen Sondersprachen (gerghi). Das primäre Ziel ist es, den Aufbau, die historischen Hintergründe und die spezifischen Wortbildungsmethoden dieser Varietäten zu analysieren, um ihr Funktionsprinzip der Geheimhaltung und Gruppenidentität offenzulegen.
- Definition und soziolinguistische Einordnung des Begriffs "gergo"
- Historische Entwicklung und Verbreitung von Sondersprachen in Europa
- Analyse der Wortbildungsmethoden (z.B. Metaphern, Metathese, Suffigierung)
- Phonetische und morphosyntaktische Besonderheiten
- Die Rolle der Sondersprachen als Mittel zur sozialen Abgrenzung
Auszug aus dem Buch
4.1.1 semantische Deformation
Laut dem Strukturalismus besteht keine Beziehung zwischen signifié (‚Bedeutung’) und signifiant (‚Lautung’) eines Wortes; d.h. sie wurden einander willkürlich zugeordnet. Diese Tatsache machen sich die gerganti zu Nutze, indem sie bereits bestehenden Lautungen eine neue semantische Entsprechung geben und auf diese Weise die ursprüngliche Bedeutung eines Wortes aushebeln und diese durch eine neue ersetzen.
Mit Hilfe dieser semantischen Deformation schaffen sie Homophone - Wörter, die zwar dieselbe lautliche Realisation, aber eine andere Bedeutung und teilweise Orthographie aufweisen. Durch die scheinbare Verständlichkeit der Wörter werden Außenstehende folglich bewusst in die Irre geführt:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Bedeutung der gerghi am Beispiel von semantischen Umdeutungen und skizziert das Ziel der Arbeit, die Merkmale und Entstehung dieser Sondersprachen zu beleuchten.
2. Charakteristika: Hier werden verschiedene wissenschaftliche Definitionen des Begriffs „gergo“ vorgestellt und die Funktion als soziolektale Geheimsprache zur Identitätsstiftung sowie Verteidigung untersucht.
3. Historie: Dieser Abschnitt beschreibt die Ursprünge der gerghi im Vagabundentum des Mittelalters sowie ihre Hochphase in der Zeit der Handwerkerwanderungen und den Austausch zwischen europäischen Sondersprachen.
4. „parole gergali“: Dieses Kapitel bildet das Kernstück und analysiert detailliert die verschiedenen Wortbildungsmechanismen, phonetischen Abweichungen und morphosyntaktischen Besonderheiten, die gerghi von der Standardsprache abheben.
5. Textbeispiel: Anhand eines historischen Gedichts der Camorra wird verdeutlicht, wie durch den gezielten Einsatz von Metaphern und Wortneuschöpfungen eine für Außenstehende unverständliche Kommunikation entsteht.
7. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass klassische Geheimsprachen zwar an Bedeutung verloren haben, ihre Strukturen jedoch weiterhin in die Jugendsprache und das Alltagsitalienisch einfließen.
Schlüsselwörter
gerghi, Sondersprache, Soziolekt, Wortbildung, semantische Deformation, Geheimsprache, Camorra, Mafia, Linguistik, italienische Sprache, Sprachvarietät, Metapher, Morphosyntax, Gruppenidentität, Gerganti.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den italienischen Sondersprachen, den sogenannten „gerghi“, und deren linguistischer Beschaffenheit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die soziale Funktion dieser Sprachen, ihre historische Entwicklung, die Methoden der lexikalischen Veränderung und ihre heutige Bedeutung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum bestimmte soziale Gruppen (insbesondere im kriminellen Kontext) eine eigene Varietät entwickeln, um sich von der Außenwelt abzugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine strukturierte linguistische Analyse, die verschiedene Wortbildungsmethoden wie Metathese, Apokope und semantische Deformation systematisch klassifiziert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, eine detaillierte Aufschlüsselung der sprachlichen Mechanismen und eine praktische Anwendung an einem literarischen Textbeispiel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören „gerghi“, „Sondersprache“, „Soziolekt“, „Geheimhaltung“ und „semantische Deformation“.
Warum ist die Metapher für den „gergo“ so bedeutend?
Die Metapher wird im Text als das Herzstück bezeichnet, da sie durch die bildliche Umdeutung alltäglicher Begriffe die effektivste Form der Verschleierung von Inhalten bietet.
Wie unterscheiden sich die „gerghi“ der Kriminellen von denen der Handwerker?
Der Hauptunterschied liegt in der Komplexität des Vokabulars; kriminelle Organisationen nutzen wesentlich umfangreichere Wortschätze zur Absicherung gegen Enttarnung.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Schumann (Autor:in), 2006, "I gerghi" - Geschichte und Merkmale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69349