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Nationalsozialismus im Unterricht der Sekundarstufe I

Title: Nationalsozialismus im Unterricht der Sekundarstufe I

Examination Thesis , 2006 , 34 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Dr. Dieter Nelles (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Das Thema der Arbeit ist die Frage, wie auf dem Hintergrund der veränderten Erinnerung an den Nationalsozialismus mit dem demographischen Wandel (Generationenfolge und Einwanderung) im historisch-politischen Unterricht in der Schule über Nationalsozialismus umzugehen ist. Die Diskussion über diese Frage steckt noch in den Anfängen und wird bislang eher von Wissenschaftlern (Erziehungs- und Sozialwissenschaftlern, Geschichts- und Politikdidaktikern) und Mitarbeitern außerschulischer Bildungseinrichtungen denn von schulischen Praktikern geführt.
In der vorliegenden Arbeit wird die Fragestellung auf drei Ebenen thematisiert:
1. Aus welcher bildungstheoretischen Perspektive soll der Nationalsozialismus vermittelt werden? Was bedeutet dies für die methodisch-didaktische Umsetzung im Unterricht?
2. Wie soll der Nationalsozialismus pädagogisch bearbeitet werden? Was sollen die Schüler aus der Geschichte lernen? Was sind die moralischen Lernziele?
3. Welche fachlichen Anforderungen verlangt dies von den Lehrenden?
Ausgangspunkt meiner Überlegungen bilden meine Erfahrungen aus einer Unterrichtsreihe – Gewalt im 20. Jahrhundert am Beispiel des Ersten und Zweiten Weltkrieges -, die ich in einer Klasse 9 der Gesamtschule Else-Lasker-Schüler (GELS) in Wuppertal im Fach Gesellschaftslehre (GL) durchgeführt habe.
Ausgehend von diesen Erfahrungen betrachte ich zunächst in Kapitel 2 die Bedingungen, die für heutige Jugendliche in Deutschland bei der schulischen Vermittlung des Themas Nationalsozialismus und Holocaust bestehen. Und fasse dann in einem zweiten Schritt wesentliche Aspekte der Diskussionen der letzten Jahre zu diesem Thema zusammen.
Auf dieser Basis entwickele ich in Kapitel 3 Vorschläge, wie eine „Erziehung nach Auschwitz“ umgesetzt werden könnte, auf der Ebene der Lerninhalte und des unterrichtlichen Zugangs, auf der pädagogischen Ebene und auf der Ebene der Lehrenden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterrichtsreihe „Gewalt im 20. Jahrhundert“

3.1. Lerngruppe und Unterrichtsverlauf

3.2. Reflexion

3. Schule und Nationalsozialismus

3. 1. Bedingungen

3.1.1. Nationalsozialismus und Familiengedächtnis

3.1.2. Geschichtsbilder junger Migranten in Deutschland

3.1.3. Nationalsozialismus im Unterricht

3. 2. Schulischer Unterricht und Nationalsozialismus

3.2.1. Perspektiven zum Unterricht über Nationalsozialismus

3.2.2. Didaktische Zugriffe

4. Vorschläge für die Praxis

4. 1. Unterricht

4. 2. Pädagogische Bearbeitung

4. 3. Lehrende

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht, wie eine zeitgemäße „Erziehung nach Auschwitz“ im historisch-politischen Unterricht an Schulen gestaltet werden kann, insbesondere unter Berücksichtigung des demographischen Wandels, der Generationenfolge und der zunehmenden kulturellen Heterogenität der Schülerschaft. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, wie eine Vermittlung des Nationalsozialismus und des Holocaust gelingen kann, die über rein kognitives Wissen hinausgeht und die Lernenden in der Einwanderungsgesellschaft erreicht.

  • Bildungstheoretische Perspektiven zur Vermittlung des Nationalsozialismus.
  • Pädagogische Ansätze zur moralischen Bearbeitung historischer Verbrechen.
  • Umgang mit unterschiedlichen Geschichtsbezügen und Migrationshintergründen der Schüler.
  • Anforderungen an die fachliche und methodische Kompetenz von Lehrenden.
  • Möglichkeiten der Historisierung und universellen Einordnung des Nationalsozialismus.

Auszug aus dem Buch

3.1. Lerngruppe und Unterrichtsverlauf

Außer wenigen Hospitationsstunden waren mir die Schüler der Klasse 9b nicht bekannt. Die Klasse besuchen 30 Schüler, von denen 16 migrantischer Herkunft sind: Türkei 6, Ukraine 3, Russland 2, Eritrea 1, Marokko 1, Serbien 1, Sri Lanka 1, Tunesien 1. Die Schüler hatten mit Ausnahme einer Doppelstunde anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht das Thema Nationalsozialismus im schulischen Unterricht noch nicht behandelt.

Als Einstieg in die Unterrichtsreihe wählte ich Bilder des durch Bombenangriffe zerstörten Elberfelder Rathauses und des Hauptbahnhofs und verband dies mit der Frage, was die Schüler über diese Bilder wissen und was sie beim Anblick solcher Bilder denken und fühlen. Die Beantwortung dieser und der Frage, was sie sonst noch über die Zeit von 1914-1945 wissen, zeigte, dass fast alle Schüler, wenn auch nicht detailliert, etwas über den Zweiten Weltkrieg wussten. In Absprache mit den Schüler, die Fragen zur Unterrichtsreihe aufschreiben sollten, wurden folgende Leitfragen für die Unterrichtsreihe formuliert: In welchem Land lebten unsere Vorfahren vor dem Ersten Weltkrieg? Warum brach der Erste Weltkrieg aus? Wer kämpfte gegen wen? Wie wurde gekämpft? Wie ging die Kaiserzeit zu Ende? Wie entstand die NSDAP? Warum hassten die Nazis die Juden? Wie kam es zum Rassismus? Wie kam Hitler zur Macht? Wie kam es zum Zweiten Weltkrieg?

Als Einstieg in das Thema Erster Weltkrieg sollten die Schüler, ihre Eltern fragen, wo ihre Groß- und Urgroßeltern von 1914-1945 gelebt hatten. Die Besprechung des Themas zeigte, dass der Erste Weltkrieg im familiären Gedächtnis kaum noch präsent ist, da nur ganz wenige Schüler wussten, in welcher Armee ihre männlichen Vorfahren gekämpft hatten. Auch die Staatenwelt vor 1914 war fast allen Schülern unbekannt. Zur Bearbeitung der Fragen hinsichtlich des Ersten Weltkrieges fertigten die Schüler in Gruppenarbeit politische Landkarten von Europa an, auf denen später die militärischen Bündnisse als auch der Frontverlauf eingetragen wurden. Diese Karten ermöglichten im Unterricht einerseits die Veranschaulichung der Kriegsziele der einzelnen Staaten als auch den Vergleich zur europäischen Staatenwelt in der Zwischenkriegszeit, der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und der Veränderung der politischen Geographie Europas nach dem Zusammenbruch der realsozialistischen Staaten 1989.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Herausforderungen einer „Erziehung nach Auschwitz“ im Kontext einer veränderten Erinnerungskultur, des demographischen Wandels und der Notwendigkeit, Schüler in einer multikulturellen Einwanderungsgesellschaft zu erreichen.

2. Unterrichtsreihe „Gewalt im 20. Jahrhundert“: Dieses Kapitel beschreibt den praktischen Ausgangspunkt der Arbeit: eine durchgeführte Unterrichtsreihe zum Ersten und Zweiten Weltkrieg in einer 9. Klasse, die unter dem Konzept der Allgemeinbildung an Schlüsselproblemen der Gegenwart ausgerichtet war.

3. Schule und Nationalsozialismus: Hier werden die theoretischen und empirischen Rahmenbedingungen beleuchtet, einschließlich der Diskrepanz zwischen Familien- und kulturellem Gedächtnis sowie der Geschichtsbilder junger Migranten.

4. Vorschläge für die Praxis: Das abschließende Kapitel entwickelt konkrete didaktische Vorschläge für den Unterricht, die pädagogische Bearbeitung und die Anforderungen an die Lehrenden, um eine zeitgemäße, historisch orientierte Menschenrechtsbildung zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Holocaust, Geschichtsunterricht, Erinnerungskultur, Erziehung nach Auschwitz, Migrationshintergrund, Menschenrechtsbildung, Geschichtsbewusstsein, Politische Bildung, Familiengedächtnis, Tätergesellschaft, Didaktik, Rassismus, Partizipation, Identitätsbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Vermittlung des Nationalsozialismus und des Holocaust in der heutigen Schule, unter besonderer Berücksichtigung der Herausforderungen durch eine zunehmend heterogene, von Einwanderung geprägte Schülerschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Erinnerungskultur, der Generationenwandel, die Rolle von Migrationsgeschichten bei der Aneignung der NS-Vergangenheit sowie Konzepte einer historisch orientierten Menschenrechtsbildung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie eine „Erziehung nach Auschwitz“ praktiziert werden kann, die historisches Wissen vermittelt und gleichzeitig die Schüler in ihrer heutigen Lebensrealität erreicht, ohne in „Ethnisierungsfallen“ zu tappen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Reflexion eigener Unterrichtserfahrungen, der Analyse aktueller geschichtsdidaktischer Diskurse und der Einbeziehung empirischer Studien zur politischen Sozialisation und zum Geschichtsbewusstsein.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert theoretische Hintergründe, wie den Unterschied zwischen kommunikativem und kulturellem Gedächtnis, erörtert didaktische Zugänge und entwickelt konkrete Praxisvorschläge, etwa zur Arbeit mit lokalen Biographien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nationalsozialismus, Holocaust, Erziehung nach Auschwitz, Geschichtsunterricht, Menschenrechtsbildung und Einwanderungsgesellschaft charakterisiert.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen „kulturellem“ und „kommunikativem“ Gedächtnis eine Rolle?

Die Arbeit nutzt diese Unterscheidung, um zu erklären, warum es eine Diskrepanz zwischen der offiziellen Erinnerungskultur und den in Familien tradierten Geschichten über die NS-Zeit gibt, was für das Geschichtslernen entscheidend ist.

Wie sollten Lehrende laut der Arbeit mit der multikulturellen Schülerschaft umgehen?

Die Arbeit plädiert für einen nicht-ethnisierenden Unterricht. Ethnische Herkunft sollte nicht deterministisch mit Geschichtsbildern verknüpft werden; stattdessen sollte der Fokus auf post-nationale oder universalistische Perspektiven gelegt werden.

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Details

Title
Nationalsozialismus im Unterricht der Sekundarstufe I
Grade
1,0
Author
Dr. Dieter Nelles (Author)
Publication Year
2006
Pages
34
Catalog Number
V69371
ISBN (eBook)
9783638602204
ISBN (Book)
9783638673402
Language
German
Tags
Nationalsozialismus Unterricht Sekundarstufe
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Dieter Nelles (Author), 2006, Nationalsozialismus im Unterricht der Sekundarstufe I, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69371
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