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Delinquenz und Sanktion am Beispiel des Raubkopierens von Musik und Filmen

Title: Delinquenz und Sanktion am Beispiel des Raubkopierens von Musik und Filmen

Seminar Paper , 2007 , 27 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Eric Placzeck (Author)

Sociology - Law and Delinquency
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Ein Sohn möchte seinen Eltern zu Weihnachten eine besondere Freude machen und stellt eine Audio-CD mit deren Lieblingsliedern zusammen. Die Lieder sammelt er teilweise von CDs, die er sich von den Eltern seiner Freunde ausgeliehen hat, und manche Songs lädt er sich aus dem Internet herunter – kostenlos natürlich. Bei der Bescherung freuen sich die Eltern über die CD, ob seiner Punktlandung auf ihrem Musikgeschmack.
Diese fiktive Geschichte schildert die kriminelle Tat einer Person, die sich der juristischen Tragweite ihres Handelns womöglich gar nicht bewusst ist. Der Sohn hat sich rechtlich des Herunterladens illegaler Musik aus dem Internet schuldig gemacht, weil er statt eines kostenpflichtigen ein kostenloses Downloadportal genutzt hat. Des weiteren könnten die geliehenen Tonträger bereits kopierte Exemplare sein zu deren Erstellung der Kopierschutz der Original-CDs umgangen wurde. Oder er selbst hat den Kopierschutz von geliehenen Originalen geknackt. Für die Qualität der Lieder ist die Anzahl der Vervielfältigungen ohnehin unerheblich. Werden ihm derartige Handlungen gerichtlich nachgewiesen hat er eine Strafe zu befürchten. Die statistische Dimension derartigen Verhaltens in Deutschland wird im ersten Abschnitt dargestellt.
Hinter dem geschilderten hypothetischen Beispiel steht eine internationale Diskussion um die urheberrechtliche Einordnung geistigen Eigentums. Die grundlegenden Weichen des World Intellectual Property-Vertrags mussten den Spagat zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Künstler und der Privatkopierfreiheit der Konsumenten schaffen. Diese hat im deutschen Urheberrechtsgesetz immer noch Bestand. Wie dieser schmale Grat in der Änderung des deutschen Urheberrechts 2003 beschritten wurde, ist Inhalt des zweiten Kapitels.
Ab dem dritten Teil wird aus soziologischem Blickwinkel auf das Thema „Raubkopie“ eingegangen. Zunächst wird an R. Mertons innovativem Anpassungstyp der gewerbliche Handel mit Raubkopien dargestellt. Anschließend wird eine Unterscheidung zwischen abweichendem und delinquentem Verhalten jenes Anpassungstyps vorgenommen. Gegenläufig zu dazu wird mittels des Rational-Choice-Ansatzes das mögliche Entscheidungsverhalten eines privaten Raubkopierers nachvollzogen.
Im letzten Teil wird die Wirkung verschiedener Sanktionsformen erörtert, mit denen seitens des Staates und seitens der Musikindustrie illegales Raubkopieren bestraft wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Dimension der Verbreitung digitaler Medien in Deutschland

1.1Straftat „Raubkopie“

2. Geistiges Eigentum und das Urheberrecht

2.1 Die Reformen des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft

2.1.1 Der „Erste Korb“

2.1.2 Der „Zweite Korb“

2.1.3 Das Strafmaß

3. Delinquentes Verhalten am Beispiel des Raubkopierens

3.1 Die soziale Struktur bei Merton

3.1.1 Raubkopienhandel als delinquentes Verhalten des Innovationstypus’

3.1.2 Unterscheidung zwischen abweichendem und delinquenten Verhalten

3.2 Rational-Choice-Ansatz nach Gary S. Becker

3.2.1 Bewertung des Rational-Choice-Ansatzes für kriminelles Verhalten

4. Definition von Sanktion

4.1 Juristische Sanktionierung des Raubkopierens

4.1.1 Präventivwirkung der Sanktionen

4.2 Sanktionierungsformen der Musikindustrie

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen der digitalen Raubkopien aus soziologischer Perspektive. Dabei wird analysiert, wie sich das delinquente Verhalten von Akteuren sowohl auf privater als auch auf gewerblicher Ebene darstellt und welche Auswirkungen staatliche sowie industrielle Sanktionen auf dieses Verhalten haben.

  • Soziologische Analyse von Raubkopien als delinquentes Verhalten
  • Anwendung der Theorie sozialer Struktur von Robert K. Merton auf den Raubkopienhandel
  • Erklärung des individuellen Entscheidungsverhaltens durch den Rational-Choice-Ansatz von Gary S. Becker
  • Untersuchung der Wirkungsweise von juristischen und informellen Sanktionsformen
  • Diskussion über das Spannungsfeld zwischen geistigem Eigentum und Informationsfreiheit

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Raubkopienhandel als delinquentes Verhalten des Innovationstypus’

Der Vertrieb illegaler Musik- und Filmträger ist eine Form des Betrugs, der für den Händler finanziellen Erfolg in Aussicht stellt. Das Streben nach Erfolg kann als ein kulturelles Ziel der Gesellschaft ausgegeben werden, um über einen gewissen Grad an Wohlstand gesellschaftliche Anerkennung zu empfangen. Der zu untersuchende Personenkreis hält am Ziel des hohen Wohlstands fest, trotz seiner fehlenden Möglichkeiten das Ziel durch legale Arbeit zu erreichen.

Der Handel mit verboten hergestellten Unterhaltungsmedien scheint aus dem Grund lukrativ sein, da sich für die Filme und Musik ein breiter gesellschaftlicher Markt findet, der sich in spezielle Interessensgruppen nach dem individuellen Film- und Musikgeschmack der Kunden zergliedert. Hinzu kommt, dass die digitale Kopie eines Datenträgers trotz massenhafter Reproduktion keinerlei Qualitätsverlust erleidet und somit ein Exemplar eine unbegrenzte Vervielfältigungskapazität besitzt.

Die Innovation der Raubkopierer besteht in der technischen Aufrüstung, um die Datenträger im großen Stil herzustellen bzw. im Internet zugänglich zu machen. Ein Ermittlungserfolg der GVU zeigt, welches Ausmaß die innovativen Produktionsstrukturen nehmen können, um finanziellen Erfolg zu erlangen. Am 01.12.2005 wurden in „...Coburg fünf illegale Internet-Download-Server vom Netz genommen, auf denen insgesamt mehr als 6 Terabyte...[(TB)]...Filme und Computerspiele zur Verfügung standen (6 TB entsprechen abhängig vom Format ca. 3500 – 7000 Filmen).“ Die Inhalte konnten von einem Kundenstamm von über 1000 Personen gegen eine monatliche Bezahlung von 30 – 140€ heruntergeladen werden.

Dieses Beispiel veranschaulicht Mertons Theorie des innovativen Typus, dass die Täter mit ihrem Handeln vorrangig finanziellen Gewinn verfolgt haben, was sich an der Einforderung von Geld für ihre Dienste ablesen lässt. Dabei verhielten sie sich auf Grund ihrer professionellen Vorgehensweise deutlich abweichend von gesellschaftlichen Moralvorstellungen. Wegen der zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht erfolgten, aber zu in Aussicht stehenden rechtlichen Sanktionen für die Straftäter kann dieses abweichende Verhalten zweifellos als delinquent bezeichnet werden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung stellt die Problematik der digitalen Raubkopien anhand eines fiktiven Beispiels dar und skizziert den Aufbau der soziologischen Untersuchung.

1. Dimension der Verbreitung digitaler Medien in Deutschland: Dieses Kapitel liefert statistische Daten zur Verbreitung von Brennern und Rohlingen sowie zum Downloadverhalten in Deutschland.

2. Geistiges Eigentum und das Urheberrecht: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und das "Balancemodell" zwischen Urheberinteressen und Informationsfreiheit erläutert.

3. Delinquentes Verhalten am Beispiel des Raubkopierens: Das Kapitel wendet soziologische Theorien von Merton und Becker an, um die Motivation hinter privatem und gewerblichem Raubkopieren zu erklären.

4. Definition von Sanktion: Es wird definiert, was Sanktionen soziologisch bedeuten und wie formelle sowie informelle Sanktionen im Bereich der Raubkopien eingesetzt werden.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ein idealer Ausgleich zwischen Produzenten und Konsumenten schwer erreichbar ist, da technologische Innovationen stets neue Umgehungsmöglichkeiten schaffen.

Schlüsselwörter

Raubkopie, Urheberrecht, Delinquenz, soziale Struktur, Innovationstypus, Rational-Choice-Ansatz, Sanktion, digitale Medien, Informationsgesellschaft, Privatkopie, Musikindustrie, Kriminalität, Normabweichung, Internet-Downloads.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Soziologie des Raubkopierens und untersucht, warum Menschen digitale Medien illegal vervielfältigen und wie Akteure (Staat/Industrie) darauf reagieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Urheberrecht, die soziale Struktur bei deviantem Verhalten, ökonomische Entscheidungsmodelle bei Straftaten sowie die Wirkweise von Sanktionen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das Phänomen Raubkopieren als delinquentes Verhalten zu analysieren und zu erklären, warum rechtliche Verbote oft nur eine begrenzte präventive Wirkung zeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein theoretisch-soziologischer Ansatz verfolgt, der primär auf Mertons Theorie der sozialen Struktur und Beckers Rational-Choice-Theorie basiert, untermauert durch Statistiken und Fallbeispiele.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die deskriptive Darstellung der Mediennutzung, eine theoretische Analyse kriminellen Handelns und eine Erörterung der Sanktionsformen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Raubkopie, Urheberrecht, Delinquenz, soziale Struktur, Rational-Choice-Ansatz und Sanktion.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen abweichendem und delinquentem Verhalten?

Abweichendes Verhalten beschreibt die Abkehr von Normen, während delinquentes Verhalten nach der Arbeit explizit einen Verstoß gegen geltendes Gesetz darstellt.

Welche Rolle spielt die Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“?

Die Kampagne dient als Beispiel für formelle Sanktionsandrohung, mit der versucht wird, durch mediale Präsenz eine neue soziale Norm zum Schutz des geistigen Eigentums zu etablieren.

Wie bewertet der Autor den Rational-Choice-Ansatz?

Der Autor sieht ihn als nützliches, idealtypisches Modell, weist jedoch darauf hin, dass Straftäter nicht immer bewusst ökonomisch abwägen, sondern auch soziale Faktoren eine Rolle spielen.

Was ist die Schlussfolgerung bezüglich des Urheberrechts?

Das Fazit betont, dass Gesetze und technische Schutzmaßnahmen zwar eine Steuerung beabsichtigen, aber angesichts technologischer Dynamiken und des Charakters der Raubkopie als Massendelikt eine ideale Lösung schwer erreichbar bleibt.

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Details

Title
Delinquenz und Sanktion am Beispiel des Raubkopierens von Musik und Filmen
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt  (Lehrstuhl für Soziologie II)
Grade
1,5
Author
Eric Placzeck (Author)
Publication Year
2007
Pages
27
Catalog Number
V69382
ISBN (eBook)
9783638618670
ISBN (Book)
9783638673433
Language
German
Tags
Delinquenz Sanktion Beispiel Raubkopierens Musik Filmen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eric Placzeck (Author), 2007, Delinquenz und Sanktion am Beispiel des Raubkopierens von Musik und Filmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69382
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