Die Termini „Postmoderne“ und „Kurzgeschichte“ sind seit jeher vielfach diskutiert und kontrovers definiert worden. Nichts desto trotz erhalten sie Beachtung und Verwendung von literarisch, gesellschaftlich und Kunst-Interessierten – ergo muss es bestimmte Strukturen geben, die sich wiederholen und aus der Retrospektive in ein bestimmtes Schema eingeordnet werden können.
Vor diesem Hintergrund werden in dieser Arbeit drei englische Kurzgeschichten analysiert und interpretiert, so dass der Leser einen Eindruck der literarischen Strömung bzw. Ideologie „Postmoderne“ einerseits und des Genres „Kurzgeschichte“ andererseits erhält.
Bevor es zu den detaillierten Textanalysen kommt, werden die komplexen Termini „Postmoderne“ und „Kurzgeschichte“ skizziert, besonders in Hinblick auf typische Techniken.
Im Resumé wird beleuchtet, inwiefern die drei Kurzgeschichten Gemeinsamkeiten haben und entsprechend der literarischen Epoche zuzuordnen sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Begriffsklärung
1.1 Postmoderne (postmodernism)
1.2 Die Kurzgeschichte (short story)
1.3 Die postmoderne short story
1.4 Zu den Stilmitteln
1.4.1 Intertextualität
1.4.2 Metalepse / Mise en abyme
1.4.3 Metafiktion
1.4.4. Trompe-l’œil
1.4.5 Intermedialität
2. Die Textbeispiele
2.1 Samuel Beckett: Ping (1966)
2.1.1. Zum Inhalt
2.1.2 Analyse und Interpretation
2.2 Gabriel Josipovici: Mobius the Stripper (1974)
2.2.1 Zum Inhalt
2.2.1.1 Mobius the Stripper
2.2.1.2 Der junge Dichter
2.2.2 Analyse und Interpretation
2.2.2.1 Das Möbiusband
2.2.2.2 Mobius
2.2.2.3 Der junge Autor
2.2.2.4 Die Interaktion beider Geschichten
2.3 Russell Hoban: The Man with the Dagger (1990)
2.3.1 Zum Inhalt
2.3.2 Analyse und Interpretation
3. Resumé
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Genre der postmodernen Kurzgeschichte, indem sie drei exemplarische Texte auf ihre strukturellen und inhaltlichen Charakteristika hin analysiert. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie typische postmoderne Techniken in englischsprachigen Short Stories angewandt werden und inwiefern diese Texte zur Epoche der Postmoderne in Bezug gesetzt werden können.
- Grundlagen der Postmoderne und des Genres Kurzgeschichte
- Anwendung postmoderner Erzähltechniken wie Metafiktion, Intertextualität und Metalepse
- Einfluss von Intermedialität, insbesondere Bezüge zur Filmkunst
- Konstruktcharakter von Wirklichkeit und Fiktion in literarischen Texten
- Reflexion über die Rolle der Leserin bei der Dekodierung experimenteller Texte
Auszug aus dem Buch
2.2.2.2 Mobius
Der Stripteasetänzer Mobius reflektiert sein Leben wie eine Geschichte (Metafiktion). Dies wird bereits zu Beginn der short story deutlich: „’You see. What I do. My motive. Is not seshual. Is metaphysical. A metaphysical motive, see?“ Er hebt zudem hervor, dass sein Beruf ein metaphysisches Bedürfnis ist, um sich von dem, was ihm die Gesellschaft auferlegt hat, zu befreien. Sein Beruf ist eine metaphorische Allegorie, ebenso wie das Abschälen der unzähligen Bananenschalen; nur dadurch besteht die Möglichkeit, die Seele, den inneren Wesenskern zu erreichen. Er unterliegt dem ständigen Versuch, sich selber zu finden. Darin manifestiert sich die Metapher des Lebens.
Aus diesem Grund möchte er jeden Tag arbeiten, ohne Pause oder Urlaub: „But for me my work is my life. [...] ‚Is there a holiday from life?’“. Dieser Ansatz entspricht zum einen der romantischen Weltanschauung (in England um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts), in der von einem inneren Wesenskern (zu dem Mobius gelangen möchte) ausgegangen wurde. Zum anderen ist diese Einstellung eine Analogie zum marxistischen Gedanken, demnach sich der Mensch in der Arbeit findet.
Ferner taucht in seinen Äußerungen eine Anspielung auf Hegel auf, indem er kontinuierlich von Notwendigkeit spricht: „’Beyond a man’s chance is necessity. [...] Is a metaphysical something the truth. Is the necessity behind the chance.[...]’“ Nicht nur, dass er die Wahrheit an sich als etwas Metaphysisches bezeichnet, er unterstreicht zudem die Notwendigkeit, die jenseits des zufälligen Daseins des Menschen liegt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Darstellung der Zielsetzung und der Problemstellung hinsichtlich der Definition postmoderner Literatur und der Kurzgeschichte.
1. Begriffsklärung: Theoretische Herleitung der Postmoderne, der Gattungsmerkmale der Short Story sowie Erläuterung zentraler Stilmittel wie Intertextualität, Metafiktion und Intermedialität.
2. Die Textbeispiele: Detaillierte Analyse und Interpretation der drei ausgewählten Kurzgeschichten „Ping“, „Mobius the Stripper“ und „The Man with the Dagger“ unter Anwendung der zuvor definierten Theorien.
3. Resumé: Synthese der Analyseergebnisse und Bestätigung der postmoderner Merkmale in den untersuchten Texten als Beleg für die literarische Epoche.
Schlüsselwörter
Postmoderne, Kurzgeschichte, Short Story, Metafiktion, Intertextualität, Metalepse, Mise en abyme, Intermedialität, Dekonstruktion, Samuel Beckett, Gabriel Josipovici, Russell Hoban, Fiktion, Realität, Erzählstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die spezifischen Merkmale der postmodernen Short Story und analysiert, wie diese in drei ausgewählten englischsprachigen Werken umgesetzt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Dekonstruktion von Realität und Fiktion, der Konstruktcharakter von Literatur sowie das Zusammenspiel von Sprache, Identität und kulturellen Vorbildern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine strukturierte Analyse zu demonstrieren, dass die ausgewählten Geschichten trotz ihrer Experimentierfreude spezifische postmoderne Techniken teilen und somit einer gemeinsamen literarischen Epoche zugeordnet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse und Interpretation, basierend auf poststrukturalistischen Theorien, um die narrativen Strategien der Primärtexte zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der intensiven Untersuchung der Texte von Samuel Beckett, Gabriel Josipovici und Russell Hoban, wobei jeweils der Inhalt dargestellt und anschließend auf theoretische Aspekte wie Metafiktion und Intermedialität hin interpretiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Postmoderne, Metafiktion, Intertextualität, Intermedialität sowie der Konstruktcharakter von Text und Wirklichkeit.
Welche besondere Bedeutung hat das Möbiusband für die Analyse von Josipovicis Werk?
Das Möbiusband dient als zentrale Metapher für die nicht-lineare Erzählstruktur und die Ununterscheidbarkeit von Innen und Außen, wodurch die konventionelle narrative Auflösung in der Geschichte aufgehoben wird.
Warum spielt der Film eine so wichtige Rolle in der Analyse von „The Man with the Dagger“?
Der Text verwendet filmische Referenzen (Film noir, „film cuts“) und das Motiv des Flackerns, um die Textlichkeit sowie den Status des Erzählers als Teil einer fiktiven Konstruktion zu verdeutlichen.
- Quote paper
- Anne Kathrin Rachor (Author), 2007, Über die Short Stories "Ping, Mobius the Stripper" und "The Man with the Dagger" im Kontext postmoderner Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69597