Multidisziplinäre Einführung in Human- und Gesellschaftswissenschaften


Hausarbeit, 2006

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Gedanken

2. Aspekte der Erwerbstätigkeit
2.1. Verbindungen zwischen Religion und Erwerbstätigkeit nach Max Weber
2.2. Arbeitszeiterhöhung ohne Lohnausgleich – Pro und Contra
2.3. Aussichten einer Rückkehr zur Vollbeschäftigung
2.4. Verbindung von Berufsarbeit mit der persönlichen Identität

3. Persönliche Abschlussgedanken

4. Quellenverzeichnis

1. Einleitende Gedanken

Den Beruf als Berufung, einen gesicherten Arbeitsplatz, Vollbeschäftigung, bezahlten Urlaub, tariflich gesicherte Lohnerhöhungen, Kündigungsschutz, geregelte Arbeitszeiten, eine Arbeitgeber und Arbeitnehmer zufrieden stellende Bezahlung, eine gesicherte Rente und noch einiges mehr sind Vorstellungen für einen angestrebten Erwerbsverlauf, wie er als Idealfall oft favorisiert wird. Die Frage stellt sich, ob dies in der heutigen Zeit überhaupt noch realisierbar ist oder gewollt wird. Ist es objektiv machbar, oder müssen diese Vorstellungen als überholt angesehen werden und nach neuen, flexibleren Modellen gesucht und diese angewendet werden? In der vorliegenden Arbeit wird versucht, darauf eine Antwort zu finden.

2. Aspekte der Erwerbstätigkeit

2.1. Verbindungen zwischen Religion und Erwerbstätigkeit nach Max Weber

Max Weber (1864-1920) gehört zu den großen Gelehrten der Wendezeit vom 19. zum 20. Jahrhundert, mit denen noch heute das internationale Ansehen der deutschen Wissenschaft verbunden ist. Webers Arbeiten prägten die Sozial- und Kulturwissenschaften zu Beginn des 20. Jahrhunderts und sind bis heute aktuell. Weber wird als Begründer der Herrschaftssoziologie und Mitbegründer der Religionssoziologie betrachtet. Auch auf vielen anderen Soziologiegebieten publizierte Weber grundlegend.[1]

Eines der bedeutendsten Werke der Soziologie ist zweifellos Max Webers „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. In dieser Arbeit geht Weber von einem grundlegenden Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein einer bestimmten religiösen Ethik und der Entwicklung eines kapitalistischen Geistes aus, welcher wiederum eine entscheidende Voraussetzung für das Entstehen des modernen Kapitalismus bildet.

Max Weber sucht in seiner Arbeit nach Bedingungen, die den „Geist des Kapitalismus“ zu dem gemacht haben, was er zu Beginn des 19. Jahrhunderts war. Er definierte zuerst, was er unter dem „Geist“ des Kapitalismus verstand. Für ihn war es zunächst ein historischer Begriff, „ein Komplex von Zusammenhängen in der geschichtlichen Wirklichkeit, die wir unter dem Gesichtspunkt ihrer Kulturbedeutung zu einem Ganzen zusammenschließen“.[2] Um dem „Geist des Kapitalismus“ näher zu kommen, vergleicht Weber Aussagen von Benjamin Franklin und Jakob Fugger. Franklin betont in seinen Ausführungen die immense Bedeutung von Geld für den Menschen und gibt gleichzeitig Verhaltensanweisungen (u. a. Fleiß, Mäßigkeit, Ehrlichkeit), die helfen sollen, das Geld zu behalten und zu vermehren.[3]

Max Weber wollte die Ursachen für die Entstehung der typischen Verhaltensmuster moderner Unternehmer in der protestantischen Religion suchen. Deren historische Bedeutung ergab sich für Weber nicht, wie es die liberalistische Tradition der Geschichtsschreibung wollte, aus einer weitgehenden Freisetzung des bürgerlichen Lebens aus kirchlicher Observanz, sondern vielmehr aus einer Reglementierung der ganzen Lebensführung.[4] Diese Reglementierung durch allgemeine Gebote der religiösen und außerreligiösen Sittlichkeit stellt eine weitgehende Parallele zur methodischen Lebensführung des modernen Unternehmertums dar. Er versucht in den praktisch relevanten, „seelsorgerischen“ Lehren der reformierten Religion Elemente auszumachen, die eine konkrete, objektiv mögliche, kausale Zuordnung zum neuzeitlichen Unternehmerethos erlauben. Es sind vor allen Dingen drei Elemente der reformierten Religion, deren Bedeutung Weber in seiner Studie immer wieder herausstreicht:

- der calvinistische Prädestinationsglaube
- der protestantische Berufsbegriff
- der Sektencharakter der reformierten religiösen Organisationen

Diese drei Elemente finden sich zusammen nur in den radikaleren Strömungen der Reformation wieder. Dazu zählen die angloamerikanischen Puritanern bzw. die kontinentaleuropäischen Calvinisten und die verschiedenen protestantischen Sekten wie Quäker, Baptisten, Mennoniten, Methodisten. Diese fasste Weber mit einem Kunstbegriff als „asketischen Protestantismus“ zusammen.

Bisher galt der Beruf lediglich als Zwang der Lebensfristung, der notwendig war. Im Zuge der Reformation wurde Arbeit nun zum sittlichen Verdienst. Martin Luther sah in den weltlichen Berufen eine dem Individuum von Gott zugeteilte Verpflichtung zum sittlichen Wirken in der Welt. Der Beruf wurde zur Berufung. Die Berufsarbeit wird zum Ausdruck der Nächstenliebe. Die Arbeitsteilung zwingt jeden, nicht nur für sich zu arbeiten, sondern auch für andere. Nach dem Willen der Reformatoren ist die innerweltliche Pflicht zur Arbeit der einzige Weg, ein gottgefälliges Leben zu führen. Dabei gilt jeder Beruf als Gottes Wille und ist deshalb, sofern er die Grenzen der Legalität nicht überschreitet, als gleichwertig zu betrachten.[5]

Luther allerdings vertrat die Ansicht, jeder solle in dem ihm von Gott zugewiesenen Stand bleiben, was eine stark traditionalistische Anschauung widerspiegelt. Der Beruf ist eine Fügung, nach der man sich zu richten hat. Der Versuch, selbst durch harte Arbeit, diesen zugewiesenen Platz auch nur ansatzweise zu verlassen, wird vom Luthertum als gottloses Verhalten gewertet.[6]

Eine solche Auffassung vom Beruf ist für die Entwicklung eines modernen Kapitalismus wenig nützlich. Reformierte Kirchen wie der Calvinismus und die puritanischen Sekten wurden zur entscheidenden Triebkraft. Weber findet in der Lehre von Calvin die Bestätigung dafür, dass der Kapitalismus protestantisch geprägt ist. Calvin sah die Welt nicht mehr als gottgewollte vorgegebene Ordnung, sondern als Ansammlung von Werkzeugen und Materialien, die erst noch zur Errichtung von Gottes Reich auf Erden dienen sollten.[7] Es galt, den Beruf zu nutzen, um durch seine pflichtgemäße und möglichst erfolgreiche Ausübung die eigene Erwähltheit durch Gott zu beweisen. Der Sinn der Arbeit bestand für den Menschen darin, den Ruhm Gottes zu fördern und somit die Arbeit als gottgewollt anzusehen. Somit entstand der Gedanke, dass Arbeit an sich etwas Gutes sein und dass der Verdienst aus harter Arbeit, das Streben nach beruflichem und wirtschaftlichem Erfolg, nicht hoch genug zu schätzen sei.[8] Ein weiterer wichtiger Punkt des Calvinismus ist der Gedanke, dass „Gott dem hilft, der sich selber hilft“[9]. Erfolg von menschlichen Bestrebungen wurde nicht nur als eine Ehrerbietung Gottes angesehen, sondern auch als Beweis der eigenen Berufung. Aus dem Erfolg eines Menschen konnte man seine Erwählung ableiten. Das Leben wurde so zu einem rastlosen Streben nach mehr Rechtfertigung vor Gott und somit nach mehr wirtschaftlichem Erfolg. Ein Merkmal des modernen Lebens hat seinen Ursprung in der „rationalen Lebensführung auf Grundlage der Berufsidee, …geboren aus dem Geist der christlichen Askese“[10] Dieser Lebensstil, geboren aus der Askese, welche aus den Mönchszellen heraus in das Berufsleben übertragen wurde, war durch den überwältigenden Zwang geprägt, dass der Mensch ein Berufsmensch sein muss.[11] Die asketische Lebenseinstellung konnte dazu führen, dass im Leben der Menschen Arbeit und Leistung alles andere überdeckte. Praktisch mündet diese protestantische Ethik, also die innerweltliche Askese in einer rationalen und ökonomischen Lebensführung, die dem bis dahin vorherrschenden Traditionalismus diametral entgegenstand. Sie bildet die Grundlage für die Herausbildung eines „kapitalistischen Geistes“, der dann zur Entfaltung des modernen Kapitalismus und zur industriellen Revolution führte.

2.2. Arbeitszeiterhöhung ohne Lohnausgleich – Pro und Contra

Seit Jahren ist die hohe Arbeitslosenzahl in Deutschland ein zentrales Thema. Allen ist klar, dass eine Senkung dieser Quote unabdingbar ist. Die immensen Kosten belasten den Staatshaushalt stark. Die Abgaben der arbeitenden Bevölkerung in die Sozialkassen haben einen Stand erreicht, den viele nicht mehr tolerieren wollen.

Um dieses Problem zu lösen, mangelt es nicht an Vorschlägen. Einige wirken anfangs sehr schlüssig, halten einer näheren Prüfung dann aber nicht stand. Dies soll an einigen aktuellen Beispielen im Folgenden näher belegt werden.

Ein viel diskutierter Lösungsvorschlag ist die Arbeitszeiterhöhung ohne Lohnausgleich. In einer Stellungnahme zur geplanten Arbeitszeiterhöhung heißt es „Da davon ausgegangen wird, dass sich die wöchentliche Arbeitszeit zukünftig in einer Bandbreite von 40 – 42 Stunden bewegen wird, ergibt sich … eine erhöhte Arbeitskapazität im Umfang von 60 bis 80 Stellen. Addiert man die vorgenannten Kontingente, stellt man fest, dass bis zum Jahre 2010 ca. 10 % der derzeitigen Planstellen nicht mehr besetzt werden. Der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der wie viele seiner Kollegen den öffentlichen Dienst in puncto Arbeitszeitverlängerung als Vorreiter für andere Wirtschaftsbereiche sieht, fordert gleichzeitig die Industrie auf, Arbeitsplätze zu sichern und erwartet von den Managern ein Eintreten dafür, so viele Arbeitsplätze wie möglich in Deutschland zu erhalten und aufzubauen. Was soll man über Politiker denken, die von anderen verlangen, Arbeitsplätze zu erhalten, im eigenen Bereich aber konsequenten Stellenabbau betreiben.“[12] Im gleichen Artikel heißt es weiter, dass die Senkung der Personalkosten der wahre Hintergrund für Konzepte, Reformen und neue Tarifverträge sind.

[...]


[1] Vgl: http://www.wikipedia.de

[2] Weber, Max, 1988: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I, Tübingen, S.30

[3] Vgl.: Weber, Max, 1988: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I, Tübingen, S.32

[4] Vgl.: Weber, Max, 1988: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I, Tübingen, S.20

[5] Vgl.: Weber, Max, 1988: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I, Tübingen, S.71

[6] Vgl.: Weber, Max, 1988: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I, Tübingen, S.76

[7] Vgl.: Weber, Max, 1988: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I, Tübingen, S.99

[8] Vgl.: Weber, Max, 1988: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I, Tübingen, S.101

[9] Weber, Max, 1988: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I, Tübingen, S.111

[10] Vgl.: Weber, Max, 1988: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I, Tübingen, S.202

[11] Vgl.: Weber, Max, 1988: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I, Tübingen, S.203

[12] http://www.ita.rwth-aachen.de/nwmfb4/Arbeitszeiterh%C3%B6hung.htm

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Multidisziplinäre Einführung in Human- und Gesellschaftswissenschaften
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V69605
ISBN (eBook)
9783638613644
ISBN (Buch)
9783638768788
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Multidisziplinäre, Einführung, Human-, Gesellschaftswissenschaften
Arbeit zitieren
Burkhard Schröter (Autor), 2006, Multidisziplinäre Einführung in Human- und Gesellschaftswissenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69605

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