Seit von einer europäischen Integration gesprochen wird, stellt sich die Frage nach den Gründen für ihr Voranschreiten, den maßgeblichen Akteuren und deren Motiven. Dabei geraten sowohl die beteiligten Nationen als Staaten, als auch nicht-staatliche - also gesellschaftliche oder wirtschaftliche - Akteure und Akteure, die oberhalb der Nationalstaaten angesiedelt sind, ins Blickfeld. Doch wer oder was ist nun aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet die treibende Kraft der europäischen Integration und warum verhält sich das so?
In der Politikwissenschaft existieren zwei wichtige, jedoch antagonistische Theorien zu dieser Fragestellung. Auf der einen Seite steht dabei der liberale Intergouvernementalismus und auf der anderen Seite der Neofunktionalismus. Diese Existenz zweier gegensätzlicher Theorien wirft die Frage auf, welche Grundannahmen hinter den jeweiligen Theorien stehen und wo die Vor- und Nachteile der beiden Ansätze liegen. Nur daraus lässt sich ableiten, welche Theorie zur Erklärung der europäischen Integration tauglicher erscheint.
Im Folgenden sollen die Theorie des liberalen Intergouvernementalismus und die des Neofunktionalismus zuerst anhand ihrer Grundannahmen erläutert und anschließend ausgehend davon die Vor- und Nachteile der beiden Theorien herausgearbeitet werden. Abschließend und resultierend aus den vorangegangenen Arbeitsschritten soll erörtert werden, welche der Theorien zur Beschreibung der europäischen Integration besser geeignet, also plausibler ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Theorien des liberalen Intergouvernementalismus und des Neofunktionalismus im Vergleich
2.1. Grundzüge der Theorien des liberalen Intergouvernementalismus und des Neofunktionalismus
2.1.1. Der liberale Intergouvernementalismus
2.1.2. Der Neofunktionalismus
2.2. Die Vor- und Nachteile der Theorien des liberalen Intergouvernementalismus und des Neofunktionalismus
2.3. Plausibilität der Theorien des liberalen Intergouvernementalismus und des Neofunktionalismus
3. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit vergleicht die zwei antagonistischen politikwissenschaftlichen Theorien, den liberalen Intergouvernementalismus und den Neofunktionalismus, um zu erörtern, welche von beiden besser geeignet ist, den Prozess der europäischen Integration zu beschreiben und zu erklären.
- Grundannahmen des liberalen Intergouvernementalismus
- Grundannahmen des Neofunktionalismus und das Spill-over-Konzept
- Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile beider Ansätze
- Bewertung der Plausibilität anhand der politischen Realität
- Analyse der Akteursrollen (Nationalstaaten vs. supranationale Institutionen)
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Der liberale Intergouvernementalismus
Nach der Theorie des liberalen Intergouvernementalismus sind die Regierungen der Einzelstaaten die Hauptakteure in der europäischen Integration. Die einzelnen nationalen Regierungen treten dabei miteinander in Verhandlungen und treffen in Gremien wie dem Ministerrat und dem europäischen Rat wichtige Entscheidungen. Die Präferenzen der einzelnen Regierungen sind dabei hauptsächlich von den spezifischen Interessen der Wirtschaft geprägt. Es handelt sich bei diesen spezifischen ökonomischen Präferenzen um innerstaatliche Faktoren. Die europäische Integration stellt also im Prinzip ein Mittel für die einzelnen Staaten dar, der eigenen Wirtschaft Vorteile zu verschaffen.
Das Streben nach Verwirklichung der eigenen spezifischen Interessen führt zu einem Verteilungskonflikt zwischen den Staaten, welcher die Ursache dafür ist, dass zwischenstaatliche Verteilungsverhandlungen um den Gewinn aus Kooperation die wichtigsten Verhandlungen innerhalb der EU sind. Ausschlaggebend für die Ergebnisse der Verhandlungen ist die relative Verhandlungsmacht der einzelnen Staaten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wer die treibende Kraft der europäischen Integration ist, und stellt die zwei gegensätzlichen Theorien zur Beantwortung dieser Frage vor.
2. Die Theorien des liberalen Intergouvernementalismus und des Neofunktionalismus im Vergleich: Dieses Kapitel erläutert die Grundzüge beider Theorien, arbeitet deren Vor- und Nachteile heraus und bewertet ihre Plausibilität anhand von Integrationsbeispielen.
3. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Theorien unterschiedliche, aber sich ergänzende Perspektiven bieten und keine der Theorien das komplexe Phänomen der europäischen Integration vollständig erklären kann.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, Liberaler Intergouvernementalismus, Neofunktionalismus, Nationalstaaten, Supranationale Institutionen, Kooperation, Spill-over, Wirtschaftsinteressen, Verhandlungsmacht, Politische Theorie, Europäische Union, Einheitsakte, Politische Integration, Integrationsforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem wissenschaftlichen Vergleich der zwei gegensätzlichen Integrationstheorien: dem liberalen Intergouvernementalismus und dem Neofunktionalismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Rollenverteilung zwischen Nationalstaaten und supranationalen Institutionen sowie die Motive hinter der europäischen Integration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Stärken und Schwächen beider Theorien zu analysieren und ihre jeweilige Plausibilität bei der Erklärung des europäischen Integrationsprozesses zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine vergleichende theoretische Analyse, bei der Grundannahmen gegenübergestellt und an konkreten Beispielen der Integrationsgeschichte diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Grundannahmen beider Theorien definiert, anschließend deren Vor- und Nachteile herausgearbeitet und schließlich die empirische Plausibilität hinterfragt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie europäische Integration, Spill-over, Akteursrolle, nationale Präferenzen und supranationale Organisationen geprägt.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise auf supranationale Organisationen?
Der liberale Intergouvernementalismus sieht sie als reines Instrument der Staaten zur Zielerreichung, während der Neofunktionalismus ihnen eine aktivere, den Integrationsprozess vorantreibende Rolle zuschreibt.
Welches konkrete Beispiel dient zur Veranschaulichung beider Theorien?
Beide Theorien werden exemplarisch auf die „Einheitliche Europäische Akte“ angewendet, um zu zeigen, dass sie unterschiedliche Aspekte desselben Ereignisses beleuchten können.
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- Manuel Feiler (Author), 2007, Der liberale Intergouvernementalismus und der Neofunktionalismus im Vergleich , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69632