Die Webseitengestaltung als Baustein beim Einsatz neuer Medien im Schulalltag


Studienarbeit, 2007

85 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Neue Medien und ihr Einsatz im Unterricht
2.1. Medienkompetenz
2.2. Mediengestaltung und Medienbewertung
2.3. Veränderung des Lernens durch die Nutzung des Internets
2.3.1. Unbeschränkter Informationszugriff
2.3.2. Uneingeschränkte Kommunikation und Kooperation
2.3.3. Authentische Problemsituation
2.3.4. Medien als kognitive Prozesse
2.4. Veränderung der Lehrerrolle und Schülerrolle?
2.5. Neue Medien in der Arbeitslehre
2.6. Chancen und Risiken beim Einsatz des Internets/ Zusammenfassung

3. Webseitengestaltung
3.1. Voraussetzungen
3.1.1. Domain
3.1.2. Webspace
3.1.3. Womit werden Webseiten erstellt
3.1.4. Weitere Aspekte
3.2. Layout
3.2.1. Allgemeines
3.2.2. Textliche Gestaltung
3.2.3. Grafikformate
3.2.4. Frame
3.3. Design
3.3.1. Farbentheorie
3.3.2. Farbgestaltung
3.3.3. Wirkung von Farben
3.3.4. Teilzusammenfassung

4. Exkurs Barrierefreiheit
4.1. Bedeutung von Barrierefreiheit
4.2. Technik

5. Ausblick und Resümee

6. Anhang
6.1. Literatur
6.2. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die Zukunft des Menschen liegt in der Digitalisierung seiner Umwelt mit und durch das Internet. Kühlschränke, die eigenständig Einkaufszettel schreiben und abgelaufene Lebensmittel deklarieren; Einkaufswagen, die Rezepte zu den eingekauften Lebensmittel ausdrucken oder auch intelligente Heizsysteme, die sich automatisch anschalten sind schon lange keine Zukunftsvisionen mehr. Das Internet als Universalmedium entwickelt sich mehr und mehr zum Lebensmittelpunkt vieler Menschen. Es stellt nicht nur Informationen und Wissen zu allen Bereichen bereit, die vorstellbar sind, sondern bietet u.a. die Möglichkeit an über z.B. Plattformen zu kommunizieren und sich und sein Anliegen auf Webseiten/Blogs darzustellen.

Die Entwicklungen im Internet gehen rasend schnell von statten. So dauert ein Internetjahr etwa drei Monate. Wie schnell der Fortschritt geht, zeigt dass das herkömm-liche Internet, als Web 1.0, vom Web 2.0 abgelöst wurde. Dabei handelt es sich um einen Oberbegriff mit dem zahlreiche neue interaktive Techniken und Dienste des Internets beschrieben werden und der als Synonym für eine veränderte Wahrnehmung bezüglich des Internets gebraucht wird.

Nun ist seit jeher bekannt, dass sich jüngere Menschen vom Fortschritt eher leiten lassen und offener in Bezug auf Veränderungen sind. Dies spiegelt sich auch in der Nutzung des Internets wieder. Nutzen in der Altersgruppe von 10- bis 24-Jährigen 97% den Computer, so sind es in der Altersgruppe der Personen über 65 Jahren lediglich 20%[1].

Es stellt sich daher die Frage, wie reagiert die Schule als Lernort, den alle 6- bis 16-Jährigen besuchen auf solche Veränderungen? Will sie zukunftsfähig bleiben bzw. werden, muss das Internet als neues Medium in den Schulalltag integriert werden und sie muss aus alten Traditionen ausbrechen.

Eine besonders wichtige Rolle im Lernen besteht in der Beschaffung, Verarbeitung und Präsentation von Informationen, denn nur durch die Verarbeitung von Informationen entsteht Wissen.

Die Präsentation von Wissen stellt meinem Erachten nach eine besondere Herausforderung für die Schüler[2] dar und sollte im Unterricht einen wesentlichen Bestandteil einnehmen. Eine Möglichkeit um Informationen vorzustellen ist das Erstellen und Gestalten einer Webseite. Hierbei sind die Anforderungen an die Schüler vielfältig. Sie müssen neben Kenntnissen über den Aufbau des Internets und Strategien zur Informationssuche auch planerische und gestalterische Fähigkeiten in Wort und Bild lernen und anwenden können.

Im Internet präsentieren sich mittlerweile nicht nur große Firmen und Unternehmen, die so eine Plattform zur Kommunikation, Präsentation und Information bieten. In den letzten Jahren machen auch immer mehr Privatpersonen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Das Internet avanciert so zum Mitmachweb und wird zur Bühne, Begegnungsstätte und zur Bastelbude. Durch neue Technologien wird dieser Trend weiter gefördert. Die Zeit sich anonym im Netz zu präsentieren und möglichst wenig von sich preis zu geben ist vorbei. Wer seine eigene Identität zeigt, gewinnt Aufmerksamkeit, Vertrauen und kann so leichter Kontakte knüpfen.

Demzufolge zeichnet sich das Internet und auch das Erstellen von Webseiten durch hohe Aktualität aus. Was besonders für die Jugend als hoher Motivationsfaktor einzuschätzen ist.

Ziel der Arbeit ist es zu verdeutlichen warum die Webseitengestaltung ein wichtiger Bestandteil im schulischen Unterricht sein sollte.

Im zweiten Kapitel wird der Begriff der Medien, speziell neuer Medien und ihre Stellung im Unterricht näher erläutert. Spezielle Aspekte, wie Medienkompetenz und Mediengestaltung finden Beachtung. Weiterhin wird auf die Veränderung des Lernens durch die Nutzung des Internets und die damit einhergehende Veränderung der Lehrer- und Schülerrolle eingegangen.

Als Konsequenz daraus ergibt sich die Notwendigkeit im dritten Kapitel Anforderungen an und die Gestaltung von Webseiten zu betrachten. Zentrale Punkte hierbei sind wichtige Voraussetzungen, die vor dem Erstellen einer Webseite zu beachten sind, aber auch grundlegende Aussagen zu Layout und Design.

Im nachfolgendem Exkurs, dem vierten Kapitel, wird die Bedeutung der Barrierefreiheit näher beschrieben, die in Zukunft mehr und mehr an Bedeutung gewinnen wird.

Das abschließende fünfte Kapitel gibt neben einer Zusammenfassung der Arbeit einen Ausblick für den weiteren Einsatz neuer Medien in der Schule.

2. Neue Medien und ihr Einsatz im Unterricht

In den letzten Jahrzehnten schreitet die Entwicklung in den Informations- und Kommunikationstechnologien weiter voran. Der Mensch sieht sich mit neuen Technologien konfrontiert und muss lernen, mit ihnen umzugehen und sie zu handhaben. Dies erfordert neue bzw. andere Kompetenzen.

Informationen sind die Basis für einen erfolgreichen Wissenserwerb und die Entwicklung von Kompetenzen. Die Schule schafft mit ihrer Ausbildung eine feste Wissengrundlage für das gesamte berufliche Leben. Aufgrund der fortschreitenden Verbreitung des Internets tritt eine erhebliche Veränderung ein. Die Informationsflut, mit der die Nutzer nahezu überschwemmt werden, steigt aufgrund der enormen Wachstumsgeschwindigkeit rasant an. Vielfach wird das in der Fachliteratur als dritte industrielle Revolution bezeichnet.[3]

Der Computer hat sich mittlerweile zum Universalmedium entwickelt und wird nicht nur zu Kommunikations- und Kooperationszwecken benutzt. Vielmehr bietet diese Technologie eine computergesteuerte integrierte Verarbeitung und dient der Speicherung, Darstellung und Verarbeitung von Texten, Grafiken, Symbolen oder auch Tabellen. Computergestützte Arbeit wird auch als vernetzte Zusammenarbeit verstanden. Sie bildet in einer modernen Gesellschaft die Basis für fortschrittliche Produktionsweisen, indem Wissen bereitgestellt und verteilt wird.[4]

In Wissensgesellschaften wird unter Lernen ein lebenslanger Prozess verstanden, bei dem sich verändernde Wissensbestände angeeignet werden. Die dabei vorherrschenden Leitlinien wie Selbststeuerung, Selbstkontrolle und Selbstverantwortung, Wissensmanagement sowie globale Kommunikation und Zusammenarbeit erfordern neue Kompetenzen. Diese und weitere werden als Medienkompetenz - auch neue Schlüsselkompetenz - bezeichnet[5].

Die Schule wird aufgrund veränderter soziologischer Bedingungen mit neuen Handlungsfeldern konfrontiert. Die kindliche Lebenswelt und Jugendkultur hat sich aufgrund äußerer Lebensbedingungen gewandelt. Sie eignen sich Kultur nicht mehr primär durch leibhaftiges Erleben von Wirklichkeit, sondern sekundär über eine oftmals nur interpretierte, aufbereitete Wirklichkeit durch beispielsweise das Fernsehen an. Eine mögliche Antwort darauf ist den Unterricht handlungsorientiert und gegenwartsnäher zu gestalten. Auch so können Schüler motiviert werden, da sie den Sinn der vermittelten Unterrichtsinhalte eher erkennen und verstehen können, aber auch ihre aktuellen Vorlieben und Interessen wahrgenommen werden.[6]

Die Aufgabe der Schule ist es nicht nur, die Schüler auf ihr zukünftiges Arbeitsleben, die Bewältigung des Alltags und die Teilhabe als Bürger am öffentlichen Leben vorzubereiten, sondern sie zu befähigen, lebenslang lernfähig zu sein. Dazu gehört auch, die Medienkompetenz zu fördern und so Methoden des Wissensmanagements zu vermitteln. Dadurch werden Fähigkeiten zu einem eigenen aktiven und selbst organisierten, aber auch kooperativen Lernen unter Verwendung der Informationstechnologien herausgebildet.[7]

2.1. Medienkompetenz

Die schnelle Entwicklung bezüglich neuer Medien hat große Auswirkungen auf die Ausbildung der Schüler. Im Vordergrund steht nun der Erwerb von Schlüsselkompetenzen. Dazu gehören Kompetenzen zur Aufgaben- und Problemlösung im Team, aber auch die, die selbständiges Lernen ermöglichen.

Medienkompetenz ist der Schlüssel zum sinnvollen Gebrauch der Informations- und Kommunikationstechnologien für die Zukunft. Sie besteht aus zahlreichen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Diese gehen von der technischen Handhabung neuer Medientechnologien über die Fähigkeit zur Informationssuche, -selektion und –bewertung bis hin zu persönlichem Wissensmanagement, von der Informationsnutzung bis zur eigenen
Gestaltung von Medien und Medieninhalten, wie z.B. einem Videofilm oder einer Webseite.

Die Medienkompetenz kann in vier unterschiedliche Bereiche unterteilt werden.[8]

- technische bzw. formale Medienkompetenz mit Bezug auf die Bedienung und Nutzung einzelner Medien (z.B. Fernseh-, Computer-, Internet-Kompetenz)
- mediensprachliche Kompetenz, das heißt der Fähigkeit zur medienspezifischen Dekodierung und aktiven Kodierung von Inhalten
- Informationskompetenz, das heißt der Fähigkeit zur gezielten Suche, Auswahl, Beurteilung und kritischen, reflektierten Nutzung von Informationen
- kommunikative Medienkompetenz, das heißt der Fähigkeit zur aktiven Nutzung von Medien in sozialen Interaktions- und Kommunikationszusammenhängen

Es werden dazu Anwendungen benötigt, die den didaktischen Mehrwert eines neuen Mediums verdeutlichen. Beispiele hierfür sind Programm bzw. Lernumgebungen, die nicht nur auf den Wissenserwerb, sondern auch auf das Probleme lösen abzielen. Dazu gehören multimediale Visualisierungen und Animationen, authentische Problemstellungen, Simulationen und Virtual-Reality-Angebote durch die das Lernen interessanter gestaltet wird.

Zur Medienkompetenz gehört die Nutzung, Analyse, Bewertung und die Gestaltung neuer Medien. Sie strebt neue Kulturtechniken und den Umgang mit sich veränderbaren Kommunikationskulturen an. Dabei besteht keine Beschränkung auf instrumentelle und technische Fähigkeiten.

Beim Umgang mit neuen Medien werden andere, neue Lese- und Schreibfähigkeiten benötigt. Diese gehen mit erweiterten analytischen, interpretativen, bewertenden und gestalterischen Fähigkeiten einher.

Um Informationen auszuwählen, sind verschiedene Methoden des Wissensmanagements erforderlich. Daher müssen die Schüler passende Strategien erwerben. Das stellt zunächst große Anforderungen, da klar sein muss, was gesucht wird. Bei einer Google-Suche nach einem eher allgemeinen Thema entstehen viele „Treffer“. Somit sollten genaue Überlegungen zum Suchthema und exakte Formulierungen gefunden werden, um eine zu große Anzahl an Informationen zu vermeiden. Auch wird eine erweiterte Lesefähigkeit benötigt, um diese Informationen zu filtern, die nicht allein auf Sprachkompetenz beruht. Im zweiten Schritt müssen die vorhandenen Daten strukturiert und analysiert werden. Erst dann kann die Interpretation der Informationen erfolgen. Demzufolge ist der Umgang mit Komplexitäten zu erlernen, um so geeignete Suchmaschinen und Werkzeuge anzuwenden. Voraussetzungen dafür sind systematische Kenntnisse, zu denen auch Orientierungsfähigkeit, strategisches Wissen und Entscheidungsfähigkeit gehört.[9]

Das Problem sind nicht nur die zahlreichen Informationen, sondern auch die Frage nach ihrer Echtheit, denn jeder kann seine Daten, ohne Rücksicht auf Wirklichkeit und Wahrheit, veröffentlichen. Erstaunlich dabei ist, dass Bildern eher als authentisch verifiziert werden, obwohl gerade aus den Medien Bildmanipulationen bekannt sind. Für die Schüler stellt sich nun die Aufgabe, wie damit umzugehen ist und wie sie diesbezüglich eine kritische Grundhaltung entwickeln können. Ein weiteres Problem ist, dass nicht bei jeder Aussage/Information der soziokulturelle Hintergrund ersichtlich ist.
Gleiche Aussagen, die in verschiedenen Kulturen getroffen werden, implizieren nicht immer dasselbe. Sprechen z.B. Deutschtürken von ‚nervös’, meinen sie gereizt sein im Sinne von Nerven verlieren, aufgeregt und wütend sein. Laut Duden wird dieses Wort im Deutschen als Synonym für nervenschwach oder unruhig verwendet[10]. An diesem kleinen Beispiel wird deutlich, dass in unterschiedlichen Kulturen verschiedene Assoziationen zu gleichen Begriffen, Situationen und anderen Komplexitäten vorherrschen. Aufgrund dessen sollten Aussagen rekontextualisiert werden, also in den richtigen Sinnzusammenhang gebracht werden bzw. sollten sich die Schüler über diesen Aspekt bewusst sein. Auch deshalb sind besondere interpretative Fähigkeiten vonnöten.

Kompetenzen zur Entschlüsselung von Botschaften und ihre Bewertung erhalten noch stärkere Bedeutung aufgrund des fehlenden gemeinsamen Wahrnehmungsraum und dem Fehlen von gemeinsamen nonverbalen Zeichen.[11]

Anforderungen an die Schulen gehen über die Förderung von Medienkompetenz hinaus. Grundvoraussetzung ist die Bereitstellung von funktionsfähigen Computern mit Internetzugang und Fachkräften, die diese auch bedienen können. Darüber hinaus tragen Informationstechnologien deutlich zur Verbesserung des Lernens und der Schülerleistung bei und reformieren das Schulsystem. Auch dadurch und durch den Einsatz neuer Medien entwickelt sich eine neue Lernkultur.

2.2. Mediengestaltung und Medienbewertung

Das Internet basiert auf einem Informations- und Kommunikationsaustausch. Dazu gehört nicht nur das Suchen und Finden von Informationen, sondern auch deren Bereitstellung. Um Medien zu gestalten und Informationen zu veröffentlichen sind bestimmte Fertigkeiten zu erlernen. Der Umgang mit verschiedenen Zeichensystemen, den Gestaltungsmöglichkeiten, den Möglichkeiten des Mediums selbst und die Auseinandersetzung mit den denkbaren Nutzern sind dabei nur einige Beispiele.

Ein immer beliebteres Medium wird die Schülerzeitung. Unter dem Motto „Medienkompetenz erfahren – Schülerzeitung machen“ startete im Frühjahr 2006 die erste Mobile Akademie, die direkt an die Schulen kommt und Workshops anbietet. Das besondere dabei ist, dass Schüler von Schülern lernen. Es werden zwei verschiedene Module angeboten, Modul 1 Medienkompetenz erfahren und Modul 2 Gründung einer Schülerzeitung, wobei eines von beiden gemeinsam bearbeitet wird. Angeboten wird dieser Workshop von der Jugendpresse Deutschland in Zusammenarbeit mit der Servicestelle Jugendbeteiligung. Bisher war die Resonanz auf dieses Projekt durchaus positiv und wurde von zahlreichen Schulen genutzt.[12]

Eine wichtige Rolle spielt die Erfahrung, dass Informationen gewissen Einschränkungen und Begrenzungen unterliegen, aber auch dass sie durch das Medium Internet manipuliert werden können. Deshalb sollte immer gegenwärtig sein, dass Medien beeinflussbare Gebilde sind und auf signifikanten, soziokulturellen Hintergründen basieren.

Für Schüler stellt eine besondere Schwierigkeit dar, die gesellschaftliche Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien zu erkennen und daraufhin die jeweiligen Interessen auch in Bezug auf ihre gesellschaftliche Stellung hin zu analysieren, zu bewerten und in verschiedenen Gestaltungsvarianten anzuwenden und so zu reflektieren.

Demzufolge ist ein Ziel, Schüler so zu befähigen, dass sie Veränderungen in der Arbeitswelt, der Umwelt, der Politik, der Freizeit, aber auch in sozialen und kulturellen Bereichen durch die Nutzung neuer Technologien reflektieren und einordnen, um so Gestaltungsräume erkennen zu können.[13]

Um Medien in Bezug auf ihren realen Informationsgehalt zu analysieren und zu bewerten, sollten Schüler Informations- und Kommunikationsinhalte und –prozesse verstehen und reflektieren. Von Vorteil ist es weiterhin, wenn sie diese mit persönlichen Erfahrungen außerhalb der virtuellen Welt des Internets in Beziehung setzen. Ein Ziel ist es, in vernetzten Systemen und Medienwelten eine Balance zwischen verschiedenen Formen der unmittelbaren und medial aufbereiteten Erfahrungen zu finden und die Beziehungen und Übergänge zwischen den Wirklichkeitsebenen praktisch zu meistern. Erforderlich dabei ist es, sich die Kommunikationsprozesse sinnlich erfahrbar zu machen um so Unterschiede in der direkten und virtuellen Kommunikation bewusst wahrzunehmen und zu bewerten.

Untersuchungen zeigten, dass soziale Werte und Normen, wie bei der Kommunikation und Kooperation im Internet eher vernachlässigt werden. Ein möglicher Grund dafür wäre die Unpersönlichkeit, da die Personen, die hinter den Informationen stehen, nicht sichtbar sind und so keine persönlichen Gefühle entstehen. Deutlich wird das weniger an den persönlichen Motiven. Vielmehr erlebt der Nutzer eine größere persönliche Distanz und eine geringere Normenbindung. Offensichtlich wird das am Beispiel von Chatrooms, in denen viele User miteinander kommunizieren, aber häufig falsche Informationen preisgeben. Auch deshalb nimmt die Forderung nach ethischer Kompetenz zu und die Anforderung an soziales Lernen und soziale Kompetenz steigt.[14]

So wird in einer Wissensgesellschaft erwartet, dass die Persönlichkeit und Rechte anderer geachtet und Informationen sozial verantwortlich mitgestaltet werden.

2.3. Veränderung des Lernens durch die Nutzung des Internets

Im traditionellen Unterricht sind meist klassische Lernsituationen zu finden, in denen häufig in so genannten Lerninseln unterrichtet wird. Es wird wenig mit externen Personen kommuniziert oder kooperiert, und die Arbeit findet in abgeschlossenen Gruppen statt. Allein die Lehrperson ist für die Wissensvermittlung und die Organisation des Unterrichts zuständig. Das Lernen ist meist auf die 45 Minuten Unterricht und auf den Klassenraum beschränkt. Die Pädagogen allein wählen Unterrichtsmaterialien aus.

Viele Lehrer stehen einem Einsatz neuer Medien – und dabei besonders dem Internet - skeptisch gegenüber. Einige Gründe dafür sind:[15]

- Chaos Internet, CD-ROM, Multimedia mit nicht übersehbarer Hyperlinkstruktur
- Kaum beherrschbare Informationsflut
- Frustration aufgrund Informationsschrotts
- Datenfriedhöfe erster Sammelwut können kaum bearbeitet werden
- Rasche Bewertung von Informationen überfordert
- Begriffsprobleme erschweren Zugang
- Sprachprobleme behindern Wahrnehmung von Inhalten
- Finanzierungsprobleme verhindern Internetzugang
- Juristische Komplikationen führen zur Unsicherheit
- Neue Freiheit kann zur Überforderung führen

Tatsächlich erfordert der Einsatz des Internets als neues Medium viele Vorausset-zungen, z.B. eine spezifische Technik, besonderes Know-how, Geld und Zeit. Dies scheinen eher Belastungen und Kosten für die Schule zu sein. Bei genauerem Analysieren ist der Mehrwert für die Schule und besonders für die Schüler deutlich erkennbar. Multimedia ist auch nicht als Allheilmittel zu verstehen, sondern sollte als Ergänzung und zusätzliche Bereicherung zum ausschließlich konventionellen Unterricht verstanden werden. Der Einsatz des Internets als Medium stellt vielfältige Anforderungen, z.B:[16]

- Handwerkliche Kenntnisse und Fertigkeiten im Umgang mit Multimedia
- Fachunterricht vertiefen und neue Perspektiven eröffnen
- Möglichkeit fachübergreifender Ansätze
- Beteiligung der Schüler an aktiver und verantwortungsbewusster Gestaltung und Durchführung des Unterrichts
- Teamfähiges und projektorientiertes Arbeiten

Die Auswertung von über 200 Unterrichtseinheiten zeigte nach KOCH/NECKEL, dass Faktoren wie Wirklichkeitsnähe, Aktualität und Vielfalt, Motivation, schülergerechte Lernformen und Handlungsorientierung, Sozialkompetenz und Teamfähigkeit den Unterricht reformieren und verbessern können.[17]

Besonders Fächer im gesellschaftskundlichen Bereich, wie Politische Weltkunde, Geographie oder Sozialkunde, aber auch die Arbeitslehre profitieren von Informationen aus dem Internet oder über Email, da diese viel aktueller sind als Informationen aus herkömmlichen Lehrbüchern, die oft einige Jahre alt sind.

Ein Mehrwert wird allein schon durch die Aktualität der relevanten Daten für den Unterricht erreicht.

2.3.1. Unbeschränkter Informationszugriff

Durch die Internetnutzung ist erstmals ein fast unbegrenzter Datenzugriff möglich, der viel einfacher und schneller funktioniert als eine Recherche in beispielsweise einer
Bibliothek, die zeitintensiver und nicht so ‚aktuell’ ist. Eine Konsequenz daraus ist, dass Informationen verfügbar sind, die der Lehrer nicht kennt. Ein Vorteil ist, dass Experten viel leichter und schneller befragt werden können, denn eine Email schreiben und somit Auskunft zu geben und Fragen zu beantworten, ist für einen vielbeschäftigten Menschen weniger ein Problem als ein Besuch in einer Schule.

Durch die Vielzahl an Informationen werden die Schüler mit unterschiedlichen Sichtweisen konfrontiert, die es abzuwägen gilt. Auf dieser Grundlage werden neue Fragen und Problemstellungen aufgeworfen, die ins Lehrgeschehen mit einzubringen sind. Auch aufgrund dessen wird die Grenze zwischen Schüler und Lehrer porös, da nicht mehr der Lehrer allein Hauptlieferant von Wissen und Informationen ist. Das führt zu einer neuen Situation für die Schule und zu einer starken Veränderung der Lehrerpersönlichkeit. Bei vielen Lehrern kann das zu einer starken Verunsicherung führen, da sie sich zu alt für zu viele „moderne“ Veränderungen fühlen.[18]

2.3.2. Uneingeschränkte Kommunikation und Kooperation

Durch Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten über den Lernort Schule hinaus entsteht eine zweite neue Form schulischen Lernens. Durch die lokale und globale Vernetzung entsteht ein virtueller Raum, in dem gemeinsam Ideen und Projekte ent-wickelt und bearbeitet werden können. Entfernungsbarrieren sind aufgehoben, und die Arbeit kann orts- und zeitunabhängig stattfinden.

In Deutschland nehmen 472 Schulen an dem ‚Globe’-Projekt www.globe.gov teil, weltweit sind es über 18.000 Schulen aus allen Kontinenten und Regionen.

In diesem Projekt vergleichen die Schüler die Wasserqualitäten verschiedener Gewässer. Voraussetzung dafür ist, dass vorherige Absprachen über verwendete Modelle, Methoden und Software eingehalten werden. Jede Projektgruppe veröffentlicht ihre Daten und Auswertungen, kann aber auch auf alle anderen Informationen zugreifen. Durch diese weltweite Zusammenarbeit ist die Auseinandersetzung mit komplexeren Problemen möglich, und die gemeinsame Arbeit trägt zur Ausdifferenzierung von Ideen bei. Das ‚Globe’-Projekt erhielt den Preis der Goldman-Sachs-Foundation für ausgezeichnete internationale Bildung und wird auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

2.3.3. Authentische Problemsituation

Durch die Nutzung des Internets entstehen neue Lernorte. Dadurch unterliegen alte Lernorte, wie die Schule, gewissen Veränderungen, weil eine Auseinandersetzung mit echten Problemen stattfindet und nicht nur abstrakte Themen Platz im Schulalltag einnehmen. Da es sich um etwas Reelles handelt, wird das natürliche Interesse der Schüler mehr geweckt. Andere Veränderungen sind beispielsweise, dass die Schüler ihren Wissenserwerb aktiver gestalten und selbst organisieren.

Nach PER DALIN bedeutet lernen zu lernen, dass über das Denken nachgedacht, der eigene Lernstil verstanden und dieser möglicherweise verändert wird[19]. Weiterhin können durch den Einsatz des Internet als neues Medium neue bzw. mehr Kommunikationsanlässe geschaffen werden, die die Ideenbildung und die Reflektion verschiedener Sichtweisen fördern, da durch die veränderte Lernsituation den Schülern mehr Verantwortung zugestanden wird.

Die Forderung nach fächerübergreifendem Lernen wird durch den Einsatz projektorientierten Unterrichts unterstützt. Einige Merkmale des Projektunterrichts sind, dass Schüler Selbstdisziplin entwickeln, sich Ziele setzen und sich selbst beurteilen sowie selbst organisierte Aufgaben und Probleme strukturieren, bearbeiten und lösen können.
Außerdem ist es nötig, sich die benötigten Informationen zu beschaffen, sie zu verstehen, zu interpretieren und zu bewerten. Das erfordert starke selbständige Arbeit und setzt große Selbstverantwortung voraus, die auch in anderen Bereichen, nicht nur in der Schule, von Vorteil ist.[20]

2.3.4. Medien als kognitive Prozesse

Im nordamerikanischen Raum vollzog sich ein Paradigmenwechsel. Es herrscht nun eine eher konstruktivistische Auffassung, bei der: „Lernen als Generierung individueller Wissensstrukturen durch aktive Auseinandersetzung im sozialen Austausch mit an-deren“ verstanden wird[21]. Unterschiedliche Sichtweisen auf den Gegenstandsbereich werden durch eine veränderte Kommunikation und Zusammenarbeit der Schüler erreicht. Wissen wird nun nicht mehr nur transportiert und angenommen, sondern selbst konstruiert. PELGRUM erkennt einen Paradigmenwechsel durch den Wandel von der Bildung in einer Industriegesellschaft zur Bildung in einer Informationsgesellschaft.[22]

In Bezug auf neue Medien im Unterricht werden zwei Ansätze unterschieden. Der Ansatz Lernen durch neue Medien begann Anfang der Siebzigerjahre und hat eine deutlich längere Tradition. Dazu gehören Drill-and-Practice-Programme, Tutorielle Systeme und Computer-Based-Training (CBT).

Ein Beispiel für ein Drill-and-Practice-Programm ist ein Vokabel-Trainigsprogramm. Diese Lernprogramme folgen einem Ablauf des Typs „Übungsaufgabe – Eingabe der Antwort – Rückmeldung“.

Tutorielle Systeme vermitteln vorrangig prozedurales Wissen, wie z.B. Regeln. Bei diesem Typ Software steht dem Lernenden ein virtueller Tutor zur Seite. Der Tutor lehrt den Lernenden neue Begriffe und Regeln anhand von Beispielen. Durch Fragen wird überprüft, inwiefern der Lehrstoff verstanden wurde.

Unter Computer-Based-Training werden Programme bzw. Lernsoftware verstanden, die der Nutzer auf seinem eigenen PC installiert und benutzt. Demzufolge wird im Ansatz Lernen durch neue Medien vorrangig geübt und trainiert.

Im Gegensatz dazu zielt der zweite Ansatz Lernen mit neuen Medien auf die Stärkung des kognitiven Leistungsvermögens des Menschen bei Denkvorgängen und beim Problemlösen ab. Grundlage dieses Ansatzes ist die konstruktivistische Lerntheorie, die Lernen als aktive Wissenskonstruktion sieht. Dabei nimmt das Vorwissen der Lernenden eine wichtige Rolle ein, auf dem das neue Wissen individuell aufbaut.

Der Lehrende übernimmt dabei die Rolle eines Betreuers, der durch Hilfestellung und Rückmeldung zur eigenständigen Wissenskonstruktion anleitet. Im Vordergrund steht die soziale Interaktion mit der Umwelt und anderen Lernenden. Maßgebliches Ziel ist nicht Wissen sondern Kompetenz.[23]

Zusätzlich wird auf den Einsatz instrumenteller Medien abgezielt. Damit die Lernenden ihr Wissen darstellen können, wird Software als kognitives Mittel zur Verfügung gestellt. Dadurch besteht die Möglichkeit, sich Wissen anzueignen, dieses zu deuten, persönliches Wissen zu ordnen und anderen in passender Form darzustellen. Dabei wird Wissen nicht nur durch den Einsatz kognitiver Mittel wiederhergestellt, sondern auch gestaltet, konstruiert und präsentiert. ‚Learning by doing’ wird durch ‚learning by constructing’ oder learning by designing’ erweitert[24].

„Die konstruktivistische Lernphilosophie hat das Konzept der Lernumgebungen allgemein und schließlich der computergestützten Lernumgebungen beeinflusst“[25].

Den Lernenden wird viel Eigenverantwortung zugestanden und ein hohes Maß an Konstruktions- und Gestaltungsmöglichkeiten gewährt.

Das Konzept des Computer Supportes International Learning Environment (CSILE)[26] oder Computer Supported Cooperative Learning (CSCL) unterstützt gemeinsames computergestütztes Lernen und Arbeiten in Gruppen. Basis dieses Konzepts ist, dass Wissen gemeinsam geteilt und konstruiert wird. Somit kann gemeinsam auf Daten und Informationen zurückgegriffen werden, um gemeinschaftlich Ideen herzustellen, Resultate zu entwickeln und zu gestalten. Durch die Kommentierung unterschiedlicher Sichtweisen können alle Gruppenmitglieder aktiv am Entstehungsprozess teilhaben und zu Entwicklungen und Forschungen beitragen.

Somit basiert diese besondere Form des Lernens auf einer Verknüpfung von individuellem und kooperativem Arbeiten, die durch aktives Gestalten gekennzeichnet ist. Diese Lerngemeinschaften, die durch die Entstehung von Wissen erzeugt wurden, werden ‚knowledge building communities’ genannt.

2.4. Veränderung der Lehrerrolle und Schülerrolle?

Zwangläufig wird sich die Lehrer- und Schülerrolle ändern. Einige Schüler werden dem Lehrer bezüglich technisch-methodischer Seiten im Umgang mit dem Internet und Co. überlegen sein. Für den Lehrer kann das dann von Vorteil sein, wenn er den Informationsvorsprung dieser Schüler als Experten bzw. als Co-Lehrer nutzt und situativ ins Unterrichtsgeschehen einbezieht. Dabei übernimmt der Lehrer eher die Funktion eines Moderators oder Coach. Da jedoch Informationsvorsprung nicht gleich Wissensvorsprung ist, ist es weiterhin Aufgabe des Lehrers, den Schülern Orientierung und konkrete Unterstützung zu vermitteln, denn nur durch die Verarbeitung von Informationen kann Wissen erworben werden.[27]

[...]


[1] http://www.destatis.de/download/d/veroe/Pressebroschuere_IKT2005.pdf, Stand: 30.10.2006.

[2] im Folgendem wird aufgrund der Lesbarkeit die männliche Form verwendet.

[3] Vgl.: KOCH/NECKEL, 2001, S. 14f.

[4] Vgl.: APFLAUER. 2001, S. 105.

[5] Vgl.: APFLAUER. 2001.

[6] Vgl.: GUDJONS. 2001.

[7] Vgl.: APFLAUER. 2001, S. 106f.

[8] Vgl.: BERTELSMANN.

[9] Vgl.: APFLAUER. 2001, S. 106.

[10] Duden, 1991, S. 503.

[11] Vgl. APFLAUER. 2001, S. 107.

[12] http://www.schuelerzeitung.de/de/mobile-akademie/, Stand10.01.2007.

[13] Vgl.: APFLAUER. 2001.

[14] Vgl.: APFLAUER.2001, S.

[15] Vgl.: KOCH/NECKEL, 2001, S. 32.

[16] Vgl. KOCH/NECKEL, 2001, S. 32f.

[17] Vgl. ebd.

[18] Vgl.: APFLAUER: 2001, S.109,ff.

[19] Vgl.: DALIN, 1997.

[20] Vgl.: APFLAUER. 2001.

[21] Vgl.: APFLAUER. 2001,S. 109.

[22] Vgl.: APFLAUER. 2001, S. 109ff.

[23] Vgl. HOLZIGER. 2000, S. 145f.

[24] Vgl.: APFLAUER. 2001, S. 112.

[25] Vgl.: APFLAUER. 2001, S. 113f.

[26] http://csile.oise.utotonto.ca/:, Stand: 30.10.2006.

[27] Vgl.: APFLAUER, 2001.

Ende der Leseprobe aus 85 Seiten

Details

Titel
Die Webseitengestaltung als Baustein beim Einsatz neuer Medien im Schulalltag
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
85
Katalognummer
V69652
ISBN (eBook)
9783638613897
ISBN (Buch)
9783638694773
Dateigröße
1706 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Webseitengestaltung, Baustein, Einsatz, Medien, Schulalltag
Arbeit zitieren
Melanie Friedemann (Autor), 2007, Die Webseitengestaltung als Baustein beim Einsatz neuer Medien im Schulalltag , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69652

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