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Raymond Aron und die europäische Staatsbürgerschaft

Title: Raymond Aron und die europäische Staatsbürgerschaft

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 15 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Matthias Schönfeld (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Eine multinationale Staatsbürgerschaft kann es nicht geben, so die Meinung von Raymond Aron. Gleichzeitig erleben wir in Europa die Vereinigung einst erbitterter Kriegsgegner zu einem gemeinsamen politischen Verbund. Obwohl die europäische Staatsbürgerschaft mittlerweile zur Realität geworden ist und Raymond Aron Lügen straft, bleibt sein Einwand bestehen.
Doch es stellt sich die Frage, wieso er zu dem Schluss kam, dass es für eine europäische Staatsbürgerschaft keine Chance gibt. Es ergeben sich zwei Fragen, die eine Antwort auf die Eingangsfrage bieten könnten. Erstens sollte man fragen, ob der Unterschied zwischen Arons Meinung und der zur Realität gewordenen europäischen Staatsbürgerschaft in den veränderten Rahmenbedingungen in Europa zu suchen ist. Und zweitens kann man untersuchen, ob Aron dasselbe unter Staatsbürgerschaft versteht wie die Väter der europäischen Staatsbürgerschaft.
Ich werde in dieser Arbeit versuchen einige Antworten auf diese Fragen zu finden. Dazu beginne ich mit einer kurzen Einführung in den Verlauf der Entstehungsgeschichte der EU, wobei ich diesen Abschnitt zweiteilen werde. Da Raymond Aron zu Beginn der 80er Jahre verstarb (17. Oktober 1983), werde ich die Entwicklungen, die er miterlebte, von denen trennen, die nach ihm kamen. Als Zwischenschritt werde ich im Anschluss ein kurzes Resümee einschieben, um wieder eine Verbindung zur ersten Frage zu schaffen. Um eine Antwort auf die zweite Frage zu erhalten, werde ich das Verständnis der Staatsbürgerschaft hinterfragen. Auch hier werde ich wieder eine Zweiteilung vornehmen. Dazu werde ich auf der einen Seite die europäische Auffassung versuchen zu analysieren und auf der anderen Seite werde ich mich mit der Auffassung von Raymond Aron auseinandersetzen, wobei ich mich hierbei hauptsächlich auf seinen Aufsatz „Kann es eine multinationale Staatsbürgerschaft geben“ stütze, der im Jahre 1974 zum ersten Mal veröffentlicht wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

01 Einleitung:

02 Die Entwicklung der Europäischen Union

a. Bis 1980

b. Ab 1981

03 Zwischenresümee 1

04 Das Staatsbürgerschaftsbild

a. Arons Verständnis der Staatsbürgerschaft

b. Das europäische Staatsbürgerschaftsbild

05 Zwischenresümee 2

06 Zusammenfassung

07 Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen der pessimistischen Einschätzung Raymond Arons bezüglich der Unmöglichkeit einer multinationalen Staatsbürgerschaft und der realen Entwicklung der europäischen Unionsbürgerschaft, wobei sie analysiert, ob veränderte Rahmenbedingungen und unterschiedliche Staatsbürgerschaftsverständnisse diese Divergenz erklären können.

  • Historische Entwicklung der Europäischen Union von den Anfängen bis zur Gegenwart.
  • Analyse von Raymond Arons theoretischem Staatsbürgerschaftsverständnis.
  • Untersuchung des Konzepts der europäischen Unionsbürgerschaft gemäß dem Maastrichter Vertrag.
  • Vergleichende Gegenüberstellung von nationalem und supranationalem Staatsbürgerschaftsverständnis.
  • Diskussion der Auswirkungen von Souveränitätsfragen und ökonomischen Faktoren auf die europäische Einigung.

Auszug aus dem Buch

a. Arons Verständnis der Staatsbürgerschaft

Wie der Titel seines Aufsatzes verrät, geht es um eine multinationale Staatsbürgerschaft. Es geht hierbei weniger um die Europäische Union als um eine theoretische Betrachtung des Problems an sich. Arons Staatsbürgerschaftsverständnis ist stark durch die französische Geschichte geprägt. Ebenfalls ist dieses Denken immer strikt mit dem Staatsbegriff verknüpft. Wobei der Staat der Nation gleichgesetzt wird und damit eine Staatsbürgerschaft nur in Verbindung mit einem Nationalstaat zu verwirklichen ist.

Eine multinationale Staatsbürgerschaft soll in diesem Sinne als eine politische Beteiligung an mehreren politischen Einheiten verstanden werden.10 Aron benutzt die Begriffe transnational und multinational äquivalent, obwohl es eigentlich zwischen diesen einen nicht unerheblichen Unterschied gibt. Transnational bezeichnet einen vertikalen Aufbau mit einer gewissen Durchlässigkeit zwischen den verschiedenen Ebenen. Wohingegen der Begriff multinational nach einem horizontalen Aufbau verlangt und die Gleichwertigkeit der politischen Einheiten betont. Die Durchlässigkeit ist stark eingeschränkt. Aron benutzt beide Begriffe im Sinne von multinational.

Die Staatsbürgerschaft wird von Aron durch den Vergleich der französischen Menschen- und Bürgerrechtserklärung von 1789 und der Erklärung der Verneinten Nationen von 1948 hergeleitet. Trotz der Unterscheide ergibt sich daraus für den Bürger und den Staat ein festes System aus Rechten und Pflichten für beide Seiten.11 So hat der Bürger bestimmte Rechte gegenüber anderen Bürgern und gegenüber dem Staat. Dieser hingegen hat bestimmte Rechte gegenüber den Bürgern und eventuell spezielle Rechte für die außerstaatlichen Aktivitäten.

Zusammenfassung der Kapitel

01 Einleitung: Die Einleitung formuliert die zentrale Fragestellung, ob der Widerspruch zwischen Raymond Arons Ablehnung einer multinationalen Staatsbürgerschaft und der heutigen europäischen Realität durch veränderte historische Rahmenbedingungen oder unterschiedliche Definitionen erklärbar ist.

02 Die Entwicklung der Europäischen Union: Dieses Kapitel zeichnet die historische Evolution der EU von einer auf Kohle und Stahl konzentrierten Wirtschaftsgemeinschaft bis hin zur politischen Union nach der Einheitlichen Europäischen Akte und dem Maastrichter Vertrag nach.

03 Zwischenresümee 1: Es wird reflektiert, dass Aron in den siebziger Jahren aufgrund der rein wirtschaftlichen Ausrichtung der EG und fehlender direkter demokratischer Beteiligungsmöglichkeiten keine Grundlage für eine multinationale Staatsbürgerschaft sah.

04 Das Staatsbürgerschaftsbild: Hier werden Arons klassisches, an den Nationalstaat gebundenes Staatsverständnis und das durch den Maastrichter Vertrag etablierte, ergänzende Konzept der Unionsbürgerschaft detailliert gegenübergestellt.

05 Zwischenresümee 2: Das Kapitel arbeitet heraus, dass Aron Staatsbürgerschaft als exklusives System von Rechten und Pflichten definiert, während die EU bei der Unionsbürgerschaft primär den Aspekt der Rechte betont.

06 Zusammenfassung: Abschließend wird konstatiert, dass Aron mit den Erfahrungen der späteren europäischen Entwicklung vermutlich zu anderen Schlüssen gekommen wäre, auch wenn sein fundamentaler Staatsbürgerschaftsbegriff dadurch möglicherweise nicht grundlegend infrage gestellt worden wäre.

07 Bibliographie: Das Verzeichnis listet die verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Internetquellen auf, die der Untersuchung zugrunde liegen.

Schlüsselwörter

Raymond Aron, Europäische Union, Staatsbürgerschaft, Unionsbürgerschaft, multinationale Staatsbürgerschaft, Nationalstaat, Souveränität, Maastrichter Vertrag, politische Teilhabe, EGKS, Europäische Integration, Menschenrechte, Bürgerrechte, Friedenssicherung, Politikwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Auseinandersetzung von Raymond Aron zur Unmöglichkeit einer multinationalen Staatsbürgerschaft im Vergleich zur faktischen Entstehung der Unionsbürgerschaft in der Europäischen Union.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind die Geschichte der europäischen Integration, die Definition von Staatsbürgerschaft im Kontext des Nationalstaates und die theoretische Analyse von Arons Begriffen zur transnationalen und multinationalen Beteiligung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist herauszufinden, ob Raymond Arons Ablehnung einer multinationalen Staatsbürgerschaft auf die damaligen geschichtlichen Rahmenbedingungen zurückzuführen ist oder ob sein theoretisches Staatsbürgerschaftsverständnis grundlegend mit dem europäischen Modell inkompatibel bleibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, indem sie Arons theoretische Ausführungen aus seinem Aufsatz von 1974 den realen Gegebenheiten der EU-Entwicklung und den rechtlichen Bestimmungen des Maastrichter Vertrags gegenüberstellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der EU-Entwicklung und eine tiefgehende Untersuchung der unterschiedlichen Staatsbürgerschaftsbilder von Aron und den Vätern der europäischen Union.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Raymond Aron, Europäische Union, Unionsbürgerschaft, Nationalstaat, multinationale Staatsbürgerschaft und Souveränität.

Warum hielt Aron eine multinationale Staatsbürgerschaft für unmöglich?

Aron sah im Gewaltmonopol und in der Wehrpflicht, die beide untrennbar an einen souveränen Staat gebunden sind, unverzichtbare Elemente der Staatsbürgerschaft, die in einem multinationalen Gebilde wie der EG seinerzeit nicht existierten.

Wie unterscheidet sich die Unionsbürgerschaft von Arons Konzept?

Während Aron Staatsbürgerschaft als ein umfassendes, exklusives System von Rechten und Pflichten innerhalb eines Nationalstaates versteht, fungiert die Unionsbürgerschaft als eine ergänzende Erweiterung, die vor allem spezifische Rechte (z.B. Niederlassungsfreiheit) gewährt, ohne die nationale Staatsbürgerschaft zu ersetzen.

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Details

Title
Raymond Aron und die europäische Staatsbürgerschaft
College
University of Potsdam
Grade
2,0
Author
Matthias Schönfeld (Author)
Publication Year
2004
Pages
15
Catalog Number
V69710
ISBN (eBook)
9783638621496
ISBN (Book)
9783640325368
Language
German
Tags
Staatsbürgerschaft Politikwissenschaft Raymond Aron Aron Politische Theorie Politische Philosophie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Schönfeld (Author), 2004, Raymond Aron und die europäische Staatsbürgerschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69710
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