Der Prozess der Selbstevaluation - Zentrale Merklmale, Nutzen und Ziele


Seminararbeit, 2002

16 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitorische Bestimmung von Evaluation

2. Selbstevaluation
2.1 Definition
2.2 Quellen der Selbstevaluation
2.3 Zentrale Merkmale der Selbstevaluation:
2.4 Nutzen, Funktionen und Ziele der Selbstevaluation

5. Der Prozess der Selbstevaluation

6. Fazit: Kritische Auseinandersetzung

8. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Forderungen nach Effizienz, Effektivität sowie Qualitätsstandards und -sicherung werden sowohl im Bildungsbereich als auch im allgemeinen sozialen Bereich immer lauter. Hier setzt Evaluation als neues Berufsfeld für Pädagogen an: „Die Evaluation ist ein neues Berufsfeld für den Pädagogen/ die Pädagogin im außerschulischen Erwachsenen- und Weiterbildungsbereich, das nicht nur den Soziologen und Psychologen vorbehalten bleiben sollte“ (Prell, SS 1996 Seminar: Zur Theorie und Methode der Evaluation mit praktischen Beispielen, Gießen). Selbstevaluation als besondere Form der Evaluation geht hier einen Schritt weiter, indem sie die Möglichkeit bietet und quasi dazu auffordert, die eigene Arbeit selbst zu evaluieren:

“Evaluation von Kurseinschätzung ist nicht auf die Kurseinschätzung durch die Teilnehmer beschränkt. Bisher wenig genutzt wird die Einschätzung abgelaufener Kurse durch den Kursleiter-eventuell ergänzend zu den Teilnehmern“ (Reischmann, 17).

In nachfolgender Hausarbeit im Rahmen des Seminars „Evaluation“, soll das Konzept der Selbstevaluation näher erläutert werden. Es stellt sich die Frage, wie sich Selbstevaluation definiert und wie sie sich abgrenzen lässt zu herkömmlichen Evaluationskonzepten. Nachfolgend soll Selbstevaluation als besondere Form der Evaluation dargestellt werden. Dabei wird zunächst Selbstevaluation im Rahmen des Evaluationskonzeptes dargestellt und der Versuch einer Definition unternommen. Nach den Merkmalen der Evaluation wird das derzeit aktuellste Konzept der Selbstevaluation nach König skizziert. In einem abschließenden Fazit erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik.

2. Definitorische Bestimmung von Evaluation

Nach Sage (1988) ist das allgemeine Ziel der Evaluation Konstruktivität, um auf diese Weise den Mitarbeitern der jeweiligen Institution zu helfen ihre menschlichen Ressourcen zu fördern und die Evaluierten zu unterstützen und zu ermutigen. Nach Prell (1995) wird „“Evaluation“ (...) synonym gebraucht für Erfolgskontrolle, Effizienzforschung, --prüfung, Wirksamkeitsanalyse, -kontrolle, Kontrollforschung, Qualitätskontrolle, Bewährungsuntersuchung, Begleitforschung, Produktbewertung. Allgemein bedeutet Evaluation Beurteilung, Bewertung, Abwägen des Nutzens. Sie bezieht sich auf Sachverhalte außerhalb einer Person wie von ihr verursachte und auf sie selbst bezogene“(ebd., 13).

Es zeigt sich in der Literatur zu Evaluation eine große Spannbreite, die bereits durch die verschiedenen Definitionen deutlich wird. Nachfolgend möchte ich einige Zitate wiedergeben um die unterschiedlichen Positionen aufzuzeigen:

Rossi et al. (1988) definiert Evaluation für die Sozialwissenschaften als

„...die Sammlung, Analyse und Interpretation von Informationen über den Bedarf, die Umsetzung und Wirklichkeit von Maßnahmen, welche die Lebensbedingungen und das soziale Umfeld der Menschen verbessern sollen. Dabei beinhaltet sie die systematische Anwendung empirischer Forschungsmethoden zur Bewertung des Konzepts, des Untersuchungsplans, der Implementierung und der Wirksamkeit sozialer Interventionsprogramme“ (Rossi et al., 1988, 1).

Im Wörterbuch der Pädagogik wird der Schwerpunkt der Evaluation vor allem auf Bildungsmaßnahmen gelegt. : „Gewinnung, Auswertung, Beurteilung und Interpretation von Informationen über die Wirkung von Lernprozessen, pädagogischen Maßnahmen, Schulversuchen und Curriculumprojekten. Die E. kann auch von einem Lehrer zur Überprüfung der Wirkungen seiner Lehrtätigkeit auf die Lernprozesse der Schüler in einfacher Weise durchgeführt werden, sie muß aber bei hochprofessionellen und methodologisch schwierigen Verfahren in großen Forschungsprojekten Aufgabe hauptberuflicher Evaluatoren sein.“ (Schaub & Zenke 1995, 132)

Wulf (1987) definiert dahingegen Evaluation in einem Satz als: „(...) the systematic investigation of the worth or merit of some object.“ (Wulf, 1987, 127).

„In der betrieblichen Personal- und Bildungsarbeit versteht man allgemein unter Evaluation die systematische Erhebung von Daten mit Hilfe geeigneter Messinstrumente einschließlich der Bewertung von Maßnahmen, Programmen, Projekten u.ä.“ So Freimuth & Hoets (1998) zur Definition der Evaluation (in: Greif & Kurtz,1998, 211). Sie schreiben weiter, dass das vorrangige Ziel der Evaluation nicht in der Erkenntnis als solches ist, sondern die Verbesserung des praktischen Handelns. Die Spannbreite zwischen den verschiedenen Definitionen von Evaluation entsteht zum einen durch die unterschiedlichen Auffassungen der jeweiligen Autoren bezüglich Ziel und Aufgabe der Evaluation, zum anderen durch die unterschiedlichen Ausgangspositionen (Evaluation im Rahmen der Sozialen Arbeit, Evaluation in Rahmen betrieblichen Personal- und Bildungsarbeit usw.), wodurch die Aufgabe der Evaluation und damit auch ihre Definition entsprechend des Hintergrundes der Autoren spezifiziert wurde. In allen Definitionen tauchen jedoch eine der folgenden drei allgemeinen Aufgaben der Evaluation auf:

- Sammlung von Informationen über Voraussetzung, Umsetzung und Wirkung von Maßnahmen,
- Analyse der gesammelten Information,
- Interpretation der gewonnenen Ergebnisse.

Grundsätzlich lassen sich folgende Unterscheidungen aufzeigen:

1. Geschlossenen vs. offenen Evaluation:

Bei der geschlossenen Evaluation legen alle Verfahrensfragen und Methoden gleich zu Beginn fest. Bei der offenen Evaluation werden nur grobe Vorgaben gemacht.

2. Summative vs. formative Evaluation:

Summative Evaluation ist zusammenfassende Evaluation (Bewertung, Ergebnis von Maßnahmen), während formative Evaluation Verläufe und Prozesse untersucht.

Bezogen auf den Unterricht beschreibt Schwarzer (1979) die Begriffe der fomativen (1) und summativen (2) Evaluation wie folgt:

(1) formative Evaluation

Formative Evaluation beschreibt die Bewertungs- und Beurteilungsfähigkeit im Lehr-Lernprozess. Sie findet im Gegensatz zur summativen Evaluation punktuell nach der Beendigung einer Lehr- Lernsequenz statt. Durch das Sammeln von diagnostischen Informationen gibt die formative Evaluation ein ständiges Feedback über den eigentlichen Stand des Unterrichtsprozesses.

(2) summative Evaluation

Die summative Evaluation ist ein unverzichtbarer Bestandteil für einen gut organisierten Unterricht. Wesentliche Kriterien sind die Reflexion des Lehrers über seine pädagogischen Maßnahmen, die Beziehung zwischen Verhalten des Lehrers und situativen Merkmalen (Lernbedingungen) sowie die Veranschaulichung der vielen Faktoren, die am Unterricht mitwirken (vgl. ebd., 110ff).

3. Vergleichende vs. nicht vergleichende Evaluation

Vergleichende Evaluation meint die Bewertung durch direkten Vergleich mit anderen Maßnahmen. Bei der Nicht-vergleichenden Evaluation werden von außen Bewertungsmaßstäbe festgelegt.

4. Input-vs. Outputevaluation:

Inputevaluation ist die Bewertung der eingesetzten Ressourcen und Outputevaluation die Bewertung der Wirkung auf Menschen bzw. deren soziales Umfeld.

5. Makro vs. Mikroevaluation

Makroevaluation meint die Bewertung des Gesamtprogramms. Mikroevaluation ist die Bewertung eines Teilaspekts von Maßnahmen.

6. Externe Evaluation vs. Interne Evaluation

Während externe Evaluation die Bewertung von außen meint, womit externe Evaluation immer Fremdevaluation ist, versucht bei der internen Evaluation eine Einrichtung sich selbst als Ganzes oder nur in Teilbereichen zu bewerten. Die interne Evaluation lässt sich unterscheiden in Hinblick auf den zu bewertenden Gegenstand:

a) Fremdevaluation:

Gegenstand der Bewertung ist das berufliche Handeln anderer Fachkräfte.

b) Selbstevaluation:

Gegenstand der Bewertung ist die eigene berufliche alltägliche Arbeit (vgl. König, 2000).

3. Selbstevaluation

3.1 Definition

Bei der Thematik der Selbstevaluation geht es um den Versuch der Beantwortung der im Zitat gestellten Fragen:

„Leiste ich gute Arbeit? Könnte ich anders mehr erreichen? Habe ich mich richtig verhalten? Das sind Fragen, die bei der Selbstevaluation zentral sind.(...). Im Gegensatz zur Fremdevaluation durch Außenstehende, meist Sozialwissenschaftler, ist es bei der Selbstevaluation der Sozialarbeiter, der als „Forscher“ in eigener Sache den Verlauf und die Ergebnisse seines beruflichen Handelns untersucht.“ (Heiner, 1988, 7)

Prell (1995) simplifiziert Selbstevaluation durch den Vergleich mit dem Spiegelbild der eigenen Arbeit: „Alltägliche Evaluationshandlungen sind in erster Linie Selbstevaluation. (...) Selbstevaluation verlangt Selbstwahrnehmung bzw. – aufmerksamkeit, eine Zentrierung auf das Selbst. Prototypisch ist der „Blick auf einen Spiegel“ oder die Konfrontation mit einem „Spiegel“.(...) Das Selbst soll sein Spiegelbild mit einem Idealbild vergleichen; die Differenz von Ist- und Sollwert unterliegt einer jeweils subjektiven Bewertung“(ebd., 5). König (2000) definiert wie folgt: „Selbstevaluation meint die Beschreibung und Bewertung von Ausschnitten des eigenen alltäglichen beruflichen Handelns und seinen Auswirkungen nach selbst bestimmten Kriterien.“ (ebd., 30). Aus diesem Zitat lassen sich vier Schwerpunkte der Selbstevaluation herauskristallisieren:

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Prozess der Selbstevaluation - Zentrale Merklmale, Nutzen und Ziele
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Andragogik)
Veranstaltung
Seminar: Evaluation in der Erwachsenenbildung
Note
3
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V6982
ISBN (eBook)
9783638144070
ISBN (Buch)
9783638777285
Dateigröße
952 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prozess, Selbstevaluation, Zentrale, Merklmale, Nutzen, Ziele, Seminar, Evaluation, Erwachsenenbildung
Arbeit zitieren
Dipl. Päd., Andragogin Cornelia Leistner (Autor), 2002, Der Prozess der Selbstevaluation - Zentrale Merklmale, Nutzen und Ziele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6982

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