Probleme und Perspektiven des Kakaoanbaus in Westafrika


Seminararbeit, 2006

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Hauptanbaugebiete von Kakao in Westafrika
2.1. Elfenbeinküste
2.2. Ghana
2.3. Kamerun
2.4. Nigeria

3. Herausforderungen für Westafrika
3.1. Ernteverlust durch Schädlinge und Krankheiten
3.2. Ineffiziente landwirtschaftliche Methoden
3.3. Probleme bei der Vermarktung
3.3.1. Kakaobutter-Substitution
3.3.2. Niedrige Preise auf dem Kakaomarkt
3.3.3. Abhängigkeit von den Industrieländern
3.4. Kinderarbeit
3.5. Korruption und Misswirtschaft

4. Perspektiven für Westafrika
4.1. Fair Trade
4.1.1. Bedeutung des fairen Handels für die Produzenten
4.1.2. Kuapa Kokoo – Ein Beispiel für Fairen Handel in Ghana
4.2. Nachhaltige Kakaowirtschaft

5. Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einführung

Kakaobohnen, der Grundbestandteil der weltweit beliebten Schokolade, waren schon bei den Mayas und Azteken und deren Vorfahren, lange vor der Entdeckung durch Kolumbus als Tausch- und Nahrungsmittel hoch geschätzt. Das ursprüngliche Kakaogetränk, welches vom spanischen Eroberer Cortez beim aztekischen Herrscher Montezuma entdeckt und nach Spanien gebracht wurde, war anfänglich gänzlich unbeliebt. Durch den Zusatz von Zucker konnte sich Kakao jedoch im 17. Jahrhundert zu einem Luxusgetränk in ganz Europa entwickeln. Durch die Kolonisation kam es zu einer weltweiten Verbreitung des Kakaobaums. Bereits in den Anfängen der industriellen Schokoladenherstellung kamen die Kakaobohnen vor allem aus den Kolonien Westafrikas. So waren Ghana und Nigeria bis in die siebziger Jahre hinein die Hauptproduzenten von Kakao und hatten einen Anteil von über 50 Prozent an der Weltproduktion. Zwischenzeitlich wurden sie in den achtziger Jahren von Brasilien und der Elfenbeinküste abgelöst. Heute werden jährlich in etwa 3,6 Millionen Tonnen Kakao weltweit produziert. Zwei Drittel davon werden allein in drei Staaten Afrikas, der Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria erzeugt wobei allein die Elfenbeinküste ein Drittel der Weltproduktion leistet.

Die Länder, in denen die meisten Kakaobohnen verarbeitet werden sind die USA, die Niederlande und Deutschland, wobei die Bundesrepublik zugleich der größte Exporteur von Schokolade ist.[1]

Der Kakaobaum ist sehr sensibel und bedarf daher besonderer Pflege. Er wächst nur in feuchttropischen Gebieten, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad Celsius liegen und es viel Niederschlag gibt. Zur Vereinfachung der Ernte muss der Baum häufig gestutzt werden und im Wind- und Sonnenschutz anderer Bäume stehen. Aufgrund des geringen Zwischenraums zwischen den einzelnen Bäumen ist die Gefahr des Befalls durch Schädlinge und Pilzkrankheiten umso höher. Somit besteht die Pflege der Plantagen darin, den Boden sauber zu halten und nötigenfalls Schädlingsbekämpfungen durchzuführen; diese sollte natürlich auf ökologisch sicherem Wege erfolgen.

Die Kakaobohne wächst in 25 Zentimeter langen, bis zu einem Pfund schweren Früchten. Um sie nicht zu beschädigen, müssen diese bei der Ernte vorsichtig von den Blütenständen gelöst werden. Eine schnelle Weiterverarbeitung ist wichtig, um eine Keimung der Früchte vorzubeugen. Im nächsten Schritt werden die Früchte geöffnet und die Kerne herausgelöst. Danach werden die Kerne bei 45 bis 50 Grad drei bis sechs Tage lang fermentiert, wobei die Hülle der Kerne verrottet und sich die ersten Aromastoffe durch Veränderung der Gerbstoffe bilden. Danach werden die fermentierten Bohnen in der Sonne getrocknet, nach ihrer Größe sortiert und für den Transport gepackt. An dieser Stelle endet meistens auch schon die Verarbeitung der Kakaobohnen durch die Produzentenländer. Die Industrieländer übernehmen dann die lukrative Weiterverarbeitung, da Exportzölle für weiterverarbeitete Lebensmittel um ein Vielfaches höher sind als die für Rohstoffe.[2]

Hauptanbaugebiete von Kakao in Westafrika

Für die Staaten Westafrikas ist Kakao von zentraler Bedeutung. Sie erzielen mit Kakao einen Großteil ihrer Deviseneinnahmen. Beispielsweise bringt Kakao für Ghana immer noch über ein Drittel der gesamten Exporteinnahmen, für die Elfenbeinküste 40 Prozent. Aufgrund einer derartigen Abhängigkeit von einem einzigen Rohstoff ist die Volkswirtschaft dieser Länder sehr anfällig.

Auch heute noch decken die westafrikanischen Länder Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun und Nigeria mehr als die Hälfte der weltweiten Kakaoproduktion.[3]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Karte der Weltkakaoproduktion[4]

1.1 Elfenbeinküste

Die Côte d’Ivoire, so die offizielle französische Bezeichnung, wurde in den frühen achtziger Jahren noch als „Wirtschaftswunderland“ oder als „Oase der Stabilität“ bezeichnet. Doch die andauernde ökonomische Krise, die hohe Verschuldung sowie schwere politische Auseinandersetzungen lassen eine solche Charakterisierung für diesen westafrikanischen Staat nicht mehr zu.

Das 322.469 km2 große Staatsgebiet der Elfenbeinküste grenzt im Osten an Ghana, im Norden an Burkina Faso und Mali und im Westen an Guinea und Liberia. Im Süden des Landes gibt es eine 550 km lange Küste am Golf von Guinea.

Die Elfenbeinküste hat ein jährliches Bevölkerungswachstum von 3,5 Prozent, eine der höchsten Raten der Welt. Dies liegt vor allem an der regionalen Anziehungskraft der Wirtschaft des Landes. 1988 waren 28 Prozent der Einwohner Ausländer, vor allem Gast- und Wanderarbeiter aus Burkina Faso, Mali, Guinea und Ghana.

Wichtigstes Standbein der ivorischen Wirtschaft war und ist die Landwirtschaft. Eine besondere Stellung in der Landwirtschaft nimmt dabei die Kakaoproduktion ein.[5] Kakao war lange die Haupteinnahmequelle bei den Exporten (bis zu 40 Prozent der Exporterlöse). Mittlerweile hat die Gewinnung von Erdöl an Bedeutung gewonnen, sodass 2005 der Kakaoanteil an den Exporten gemäß IWF (Internationaler Währungsfond) nur noch 28,4 Prozent betrug. Im selben Jahr wurden 1,35 Millionen Tonnen Kakao produziert, zukünftig erwartet man jedoch einen Rückgang der Produktion aufgrund des niedrigen Preises für Kakao. Dieser führt zu Schmuggel in die Nachbarländer und einem Rückgang der Reinvestitionen in die Plantagen mit der Konsequenz künftigen Qualitäts- und Quantitätsverlusts sowie einer Abkehr vieler Bauern vom Kakaoanbau und einer Hinwendung zur Subsistenzwirtschaft. Weiterhin problematisch sind die Streitigkeiten unter der Mehrzahl der Regulierungs- und Vermarktungsorganisationen im Kakaosektor, der Verfall der Lagerkapazitäten und die Abwanderung von Kakaobauern aufgrund der Bedrohung durch „patriotische“ Milizen und enorme Transportkosten durch Straßensperren bzw. Wegelagerei durch das Militär, der Polizei und durch Milizen.[6]

1.2 Ghana

Ghana ist mit 238.500 km2 nur wenig kleiner als die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien. Die Bevölkerung des Landes wurde 1990 auf 15 Millionen geschätzt, damit gehört es zu den am dichtesten besiedelten Ländern in Westafrika.

Die Vegetation Ghanas ist durch den tropischen Regenwald in unmittelbarer Küstennähe und durch regengrünen Feuchtwald im Ashanti-Hochland bestimmt. Brandrodungen für Kakaopflanzungen und Holzeinschlagungen für den Export haben den Waldbestand jedoch auf über die Hälfte schrumpfen lassen. Die Ashanti-Region mit Kumasi als Zentrum ist das Hauptanbaugebiet für Kakao, der nach wie vor das Rückgrat der Exportökonomie Ghanas bildet.

Die Wirtschaft des Landes ist nach wie vor von der Landwirtschaft geprägt. Knapp die Hälfte des Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Sektor, vor allem durch Subsistenzproduktion erwirtschaft. Kakao hat einen Anteil von etwa sieben Prozent am BIP. Der Industrie- und Dienstleistungsanteil hat in der jüngeren Vergangenheit wieder zugenommen. Mit einem Anteil von 40 Prozent ist Kakao der Devisenbringer Nummer eins an den Exporteinnahmen. Aufgrund der landwirtschaftlichen Prägung und der Monokultur Kakao ist die ghanaische Ökonomie extrem verwundbar. Sie ist Abhängig von den Witterungsbedingungen, die nachhaltigen Einfluss auf die Versorgungslage und die Produktion des Hauptexportguts hat. Die Produktion und der schwankende Weltmarktpreis für Kakao bestimmen im Wesentlichen die Devisenerlöse und Budgeteinnahmen des Landes und damit einen Großteil des staatlichen Handlungsspielraums.[7]

1.3 Kamerun

Kamerun hat eine Fläche von 475.000 km2 und zählt 10,5 Millionen Einwohner. Das Land zeichnet sich durch vielfältige Vegetations- und Klimazonen aus. Im äußersten Norden grenzt Kamerun an das Tschadseebecken, dass zunehmende von Desertifikation bedroht ist. Im Süden und Osten des Landes wird das Bild durch Regenwälder bestimmt, an der Atlantikküste sind vorwiegend Mangrovenwälder.

Die Wirtschaft Kameruns ist ebenfalls durch einen starken landwirtschaftlichen Sektor geprägt. In ihm sind zwei Drittel der Arbeitskräfte beschäftigt, er erwirtschaftet die Hälfte der Exporteinnahmen und bildet 15 bis 20 Prozent der Staatseinnahmen. Dabei werden 93 Prozent der Erträge durch kleinbäuerliche Betriebe erbracht. Anfang der 90er Jahre lag der wertmäßige Anteil des Lebensmittelsektors bei ca. 54 Prozent (Exportkulturen 21%, Viehzucht und Fischerei 16%, Forstwirtschaft 9%). Kaffee, Kakao und Baumwolle machen dabei einen Hauptteil der Exportkulturen aus.

Die geringe Produktivität bildet das Hauptproblem der Landwirtschaft Kameruns. Eine Steigerung der Produktion war fast ausschließlich nur durch Flächenausweitungen möglich. Die Gründe hierfür liegen vor allem in der schlechten Landwirtschaftspolitik des Landes. Es wurde weder ein leistungsfähiges System der Agrarberatung und -modernisierung entwickelt, noch hat man in der Investitionspolitik dem kleinbäuerlichen Sektor genügend Aufmerksamkeit gewidmet. Stattdessen konzentrierte der Staat sich auf die Investition in große staatliche und halbstaatliche Plantagenbetriebe, die zum überwiegenden Teil niemals rentabel arbeiteten.[8]

1.4 Nigeria

Die Federal Republic of Nigeria umfasst ein Gebiet von 923.768 km2. Nigeria hat 88,5 Millionen Einwohner und ist damit das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Afrikas. Abuja ist die Hauptstadt Nigerias, während Lagos das Geschäfts- und Wirtschaftszentrum ist.

Trotz struktureller Dominanz des Ölsektors im Staats- und Devisenhaushalt bleibt die Landwirtschaft Lebensgrundlage für die Mehrheit der Bevölkerung. Landflucht und Urbanisierung führten zwar zu einem drastischen Rückgang der Erwerbstätigen in diesem Bereich, doch rund zwei Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung verdienen ihr Geld immer noch direkt oder indirekt im Agrarsektor.

Bis in die 60er Jahr hinein war Nigeria noch führend im Export von Erdnüssen, Palmöl, Kakao, Hölzern und Kautschuk. Doch die geringe Produktivkraftentwicklung in der Landwirtschaft führte dazu, dass der Agrarexportmarkt Mitte der 70er Jahre zusammenbrach

[...]


[1] Vgl. [BIOTHEMEN]

[2] Vgl. [WELT&HANDEL], S. 4

[3] Vgl. [FAIRTRADE], S.95

[4] Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:KakoproduktionWelt.png

[5] Vgl. [NOHLEN], S.192ff.

[6] Vgl. [AUSW_AMT]

[7] Vgl. [NOHLEN], S. 227ff.

[8] Vgl. Ebenda, S. 444ff.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Probleme und Perspektiven des Kakaoanbaus in Westafrika
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Wirtschaftsgeographie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V69846
ISBN (eBook)
9783638607773
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Probleme, Perspektiven, Kakaoanbaus, Westafrika
Arbeit zitieren
Ronny Ibe (Autor), 2006, Probleme und Perspektiven des Kakaoanbaus in Westafrika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69846

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