Gemäßigte Liberale und Radikaldemokraten in Bamberg und Oberfranken in der Revolution von 1848


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1) Wurzeln des fränkischen Liberalismus im Vormärz

2) Aktivitäten der gemäßigten Liberalen und Radikaldemokraten in der ersten Phase der Revolution in Bamberg

3) Vorstellungen und Ziele der gemäßigten Liberalen und der Radikaldemokraten

4) Rolle der Tagespresse zur Durchsetzung politischer Überzeugungen

Schluss

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Die wichtigste Stadt für die Temokratie in Franken ist die Stadt Bamberg. Von den 24 000 Einwohnern derselben sind an die zwei Dritthel revolutionärdemokratisch.“[1]

Diese zeitgenössische Einschätzung der politischen Ansichten der Bamberger ist unabhängig davon, ob sie der Wirklichkeit entsprach, wichtig, weil sie die öffentliche Meinung widerspiegelt. Diese war geprägt davon, dass die Radikaldemokraten das Geschehen in Bamberg und Oberfranken in der ersten Phase der Revolution bestimmten. Noch bis heute gilt Bamberg als radikaldemokratisches Zentrum der Revolution von 1848/ 49.

Verantwortlich für diesen Eindruck der überwiegend radikaldemokratischen Gesinnung der Bevölkerung ist die effektive Öffentlichkeitsarbeit und Propaganda derselben.

Am Beispiel der gemäßigten Liberalen und der Radikaldemokraten in Bamberg und Oberfranken in der ersten Phase der Revolution von 1848/ 49 soll gezeigt werden, wie entscheidend für den Erfolg einer politischen Bewegung ihre Bindung an die Presse sein kann. Vornehmlich soll es dabei um die Funktion der Tagespresse als Sprachrohr der politischen Bewegungen gehen. Verglichen wird das gemäßigt liberal geprägte Bamberger Tagblatt mit dem Fränkischen Merkur als Presseorgan der Radikaldemokraten. Letztere schafften es durch eine enorme Medienpräsenz sich gegen die gemäßigten Liberalen durchzusetzen, diese letztlich von der öffentlichen Bühne zu verdrängen und so das Image der Stadt Bamberg nachhaltig zu prägen.

1) Wurzeln des fränkischen Liberalismus im Vormärz

Der deutsche Liberalismus hat seinen Ursprung in der Zeit vom Wiener Kongress 1814 bis zum Ausbruch der Revolution im März 1848. Ideen der Französischen Revolution von 1789 und die Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen, insbesondere der starken Obrigkeitskontrolle, ließen Forderungen nach politischer Mitbestimmung, und geistiger, politischer und wirtschaftlicher Freiheit des Individuums laut werden. Wie im übrigen Deutschland so fielen auch in Franken die Gedanken des Liberalismus vor allem beim Besitz- und Bildungsbürgertum auf fruchtbaren Boden. Schon im Vormärz fiel Franken durch die besonders rege Aktivität seiner Liberalen auf. Es zeigte sich allerdings auch schon, dass innerhalb der Liberalen zum Teil sehr unterschiedliche Auffassungen von der Verwirklichung der Ziele existierten. Anhand dreier liberaler fränkischer Persönlichkeiten, dem Bamberger Bürgermeister Franz Ludwig von Hornthal, seinem Würzburger Kollegen Wilhelm Joseph Behr und dem aus Hof stammenden Journalisten Johann Georg August Wirth, soll dies kurz verdeutlicht werden.

Von den genannten „Vorkämpfern des Liberalismus“ war Wirth (1798 –1848) mit seiner „republikanischen Staatsauffassung“ der radikalste.[2] Bei seiner Aktivität als Journalist scheute er nicht den Konflikt mit dem Staat und verbrachte so einige Jahre im Gefängnis, weil er 1832 beim Hambacher Fest „zum Kampf gegen die Fürsten aufrief, die er als Verräter und Vernichter des Reiches bezeichnete“.[3]

Der Würzburger Bürgermeister Wilhelm Joseph Behr (1775 –1851) sah zwar in der Republik die ideale Staatsform, „die Vernunft der Zeit riet ihm freilich, eine durch eine Verfassung kontrollierte Monarchie zu fordern“.[4] Genau wie sein Bamberger Kollege war er Abgeordneter im Frankfurter Nationalparlament. Zuvor war er seit den Verfassungsfesten in Hambach und Gaibach in den 1830er Jahren „in eine staatsfeindliche Ecke gedrängt und kriminalisiert“ worden.[5]

Für Oberfranken und Bamberg gilt Franz Ludwig von Hornthal (1760 –1833) als der bedeutendste Vertreter des Liberalismus im Vormärz. Vom Bamberger Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal, der als Namenspatron fungierte, gefördert, stieg der konvertierte Sohn eines Hamburger Rabbiners zu einem auch über die Grenzen Bambergs hinaus angesehenen Anwalt auf. Er veröffentlichte etliche politische Druckschriften und Aufsätze - zumeist in preußischen Oppositionsblättern wie dem Rheinischen Merkur.[6] Hornthal war von der Reformfähigkeit der Monarchie überzeugt und trat auch in seiner Funktion als Erster Bürgermeister von Bamberg und dann als Abgeordneter des Obermainkreises, des heutigen Oberfrankens, in der Zweiten Kammer der bayerischen Ständeversammlung für seine Überzeugungen ein. Beim Gaibacher Fest trat Hornthal, „damals durch königliche Maßnahme aus dem Landtag ausgeschlossen“, als Redner auf.[7] Bekannt wurde er vor allem durch seinen Antrag, das Heer auf die Verfassung zu vereidigen; eine Forderung, die auch in den „Bamberger 14 Artikeln“ vom 4. März 1848 wieder auftaucht. Schon in der Anfangszeit des Liberalismus, wie am Beispiel von Wirth, Behr und Hornthal deutlich wurde, gab es innerhalb der liberalen Bewegung nicht zu übersehende Unterschiede. Diese Unterschiede von gemäßigten bis hin zu radikalen Liberalen, die dann in der Revolution von 1848/ 49 aufbrachen, sind schon in der Anfangszeit des fränkischen Liberalismus zu erkennen.

2) Aktivitäten der gemäßigten Liberalen und Radikaldemokraten in der ersten Phase der Revolution in Bamberg

In der Zeit vom März 1848 bis zur Einberufung der Nationalversammlung im April 1848 zeichnete sich die revolutionäre Bewegung in Bamberg durch rege Aktivität aus. Das gemeinsame Handeln der oppositionellen Gruppen kann durchaus als Grund für den Erfolg der Revolution in ihrer ersten Phase angesehen werden. Die Unterschiede zwischen Radikaldemokraten, die auf „eine völlige Veränderung der bestehenden Strukturen hinarbeiteten“ und gemäßigten Liberalen, die „nach einem Arrangement mit den tradierten politischen Kräften strebten“[8], kristallisierten sich erst im Laufe dieser ersten Phase der Revolution so heraus, dass sie zu unvereinbaren Gegensätzen wurden und sich schließlich gegenseitig bekämpften. Aber im März 1848 war man bereit, gemeinsam für Veränderungen an den bestehenden Verhältnissen im Staat einzutreten. So wurde bei den „Kundgebungen der ersten Märzhälfte“ diese Einmütigkeit „bekräftigt und (...) immer wieder beschworen“.[9] Der oberfränkischen Stadt Bamberg verschaffte diese Zusammenarbeit der oppositionellen Gruppierungen einen Ruf als Zentrum der revolutionären Bewegung; so schrieb das Bamberger Tagblatt am 5. März 1848: „Die wichtigste Stadt für die Temokratie in Franken ist die Stadt Bamberg. Von den 24000 Einwohnern derselben sind an die zwei Dritthel revolutionärdemokratisch.“[10] Bamberg strahlte nicht nur nach Oberfranken aus, sondern war bald auch in München, der Hauptstadt des bayerischen Königreichs, mit seinen Forderungen ein Begriff.[11]

Der entscheidende Impuls für die Bamberger Aktivitäten kam von radikaldemokratischen Gruppen, die sich bereits in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts in Bamberg gebildet hatten. In der

Bamberger Harmoniegesellschaft, dem „Bamberger Bürgerverein“ und dem „Jungen Deutschland“, einer Gruppe, die sich im Gasthaus „Mondschein“ in der Sandstraße traf, versammelten sich Teile des Bildungsbürgertums, um „Bamberg für eine künftige demokratische Erhebung vorzubereiten“.[12] Sie gruppierten sich um die Advokaten Titus und Prell, den Arzt Dr. Heinkelmann und den Zeitungsredakteur Karl Heger, und spielten in der Revolution von 1848/9 in Bamberg eine nicht unwichtige Rolle. Angeregt durch die Ereignisse in Frankreich im Februar 1848 beschloss die oben genannte Gruppe um Nikolaus Titus, einen „Ausschuß zur vollständigen Verwirklichung der Volksrechte“ zu gründen und als dieser eine „erste Bamberger Volksversammlung“ für den 4. März 1848 zu organisieren.[13]

Zu dieser „ersten Bamberger Volksversammlung“ am 4. März 1848 im Schießhaus am Schönleinsplatz, die unter der Leitung des Advokaten Titus und seiner Komitee-Kollegen Morgenstern, Heger, Ultsch und Schruck stattfand, war der Andrang so groß, dass man aus Platzgründen ins städtische Theater ausweichen musste. Während dieser Volksversammlung wurden die später als „14 Bamberger Artikel“ bekannt gewordenen Forderungen verlesen und als Adresse der Einwohnerschaft Bambergs an den Stadtmagistrat verabschiedet und unterzeichnet.

[...]


[1] Bamberger Tagblatt, Nr. 65 vom 5.3. 1848, zitiert nach Kestler, Stefan (1998): Das Jahr 1848 in Bamberg. Personen – Mächte – Ereignisse. In: Frankenland. Zeitschrift für fränkische Kulturpflege. 50. Jahrgang, Heft 3, Würzburg, S.156 – 160, hier S. 156.

[2] Wirz, Ulrich (1998): Der deutsche Liberalismus und seine fränkischen Vorkämpfer. Resümee. In: Frankenland. Zeitschrift für Fränkische Landeskunde und Kulturpflege. 50. Jahrgang, Heft 3, Würzburg, S. 139 – 141, hier S. 141.

[3] Ibidem.

[4] Ibidem.

[5] Ibidem.

[6] Wirz, Ulrich (1999): Franz Ludwig von Hornthal. In: Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.): Die Einheits- und Freiheitsbewegung und die Revolution von 1848/49 in Franken. Kolloquiumsbericht. Augsburg, S. 80 – 86, hier S. 80f.

[7] Herrmann, Erwin (1980): Liberale Bewegungen im frühen 19. Jahrhundert in Oberfranken. In: Historischen Verein für Oberfranken (Hg.): Archiv für Oberfranken 60. Band. Bayreuth , S. 151 – 185, hier S. 168.

[8] Kestler, Stefan (1998), S. 156.

[9] Zimmermann, Ludwig (1951): Die Einheits- und Freiheitsbewegung und die Revolution von 1848 in Franken. Würzburg, S. 246.

[10] Zitiert nach Kestler (1998), S. 156.

[11] Tapken, Kai Uwe (1998): Bamberg und das Militär im Zeichen der deutschen Revolution von 1848/9. In: Dippold/Wirz (Hg.): Revolution von 1848/49 in Franken. Bayreuth, S. 271.

[12] Krauss, Georg (1981): Die Oberfränkische Geschichte. Hof, S.143 zitiert nach Kestler (1998), S.156.

[13] Kestler, Stefan/Tapken, Kai Uwe (1998): Bamberg und die Revolution von 1848/49. Begleitband zur Ausstellung „Bamberg und die Revolution von 1848/48“ vom 28. April bis 12. Juni 1998 im Stadtarchiv Bamberg. Bamberg, S.25.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Gemäßigte Liberale und Radikaldemokraten in Bamberg und Oberfranken in der Revolution von 1848
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften/Journalistik)
Veranstaltung
HS: Revolution 1848 in Bamberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
20
Katalognummer
V69947
ISBN (eBook)
9783638623926
ISBN (Buch)
9783638754552
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gemäßigte, Liberale, Radikaldemokraten, Bamberg, Oberfranken, Revolution, Bamberg
Arbeit zitieren
M.A. Stephanie Günther (Autor:in), 2004, Gemäßigte Liberale und Radikaldemokraten in Bamberg und Oberfranken in der Revolution von 1848, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/69947

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