Indische Unternehmen sind zurzeit so stark wie noch nie: Am Morgen des 21. März 2006 erreichte der indische Börsenindex Sensex erstmals in seiner Geschichte die 11.000er Marke. Erst 29 Handelstage zuvor hatte der Sensex die 10.000er Marke erreicht, der Sprung von 9.000 auf 10.000 dauerte hingegen noch 48 Handelstage (vgl. Kumar/Guha 2006, 22). Der Erfolg indischer Unternehmen macht sich auch durch ihre verstärkte internationale Präsenz bemerkbar. Als letztes Unternehmen sorgte das Pharmaunternehmen Dr.Reddy für Aufsehen: Es kaufte den Generikahersteller Betapharm für eine halbe Milliarde Euro (Kuchenbuch 2006, 1). Die Zeiten, in denen indische Unternehmen allenfalls mit Textilien und dem Auslagern von gering qualifizierten Ar-beitsplätze verbunden wurden, sind längst vorbei (Panchak 2006,1).
Diese Arbeit versucht Gründe für den Erfolg der indischen Unternehmen zu finden und diese zu erklären. Das Hauptaugenmerk wird hierbei auf wissensbasierten Dienstleistungsunternehmen liegen. In diesem Bereich sind indische Unternehmen besonders erfolgreich. Dieser Erfolg in sog. „skill-intensive“ Branchen unterscheidet Indien von anderen Schwellen- oder Entwicklungsländern (Kapur/Ramamurti 2001, 1). Um die Erfolgsfaktoren indischer Unternehmen herauszuarbeiten wird wie folgt vorgegangen: In Kapitel 2 werden die hier analysierten Unternehmen kurz vorgestellt. Anschließend werden ihre strukturellen Gemeinsamkeiten herausgearbeitet. In Kapitel 4 werden die Erfolgsfaktoren anhand einer Erweiterung von Porters Diamond abgeleitet. Hierin folgt die Arbeit Kapur und Ramamamurti die den sog. Virtual Diamond bereits auf die indische Softwareindustrie angewandt haben (vgl. Kapur/Ramurti 2001). Zum Schluss werden noch einmal zusammenfassend die Erfolgsfaktoren und ihre Bedeutung für den zukünftigen Erfolg indischer Unternehmen genannt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kurzer Überblick über drei typisch indische international agierende Dienstleistungsunternehmen
2.1 Wipro Limited
2.2 Ranbaxy Laboratories Limited
2.3 Zee Telefilms Limited
3 Strukturelle Gemeinsamkeiten indischer Unternehmen und daraus resultierende Chancen für ihren internationalen Aufstieg
4 Veranschaulichung des Erfolges von indischen, wissensbasierten Unternehmen anhand von Porters Diamond
4.1 Porters Diamond und dessen Weiterentwicklung zum „Virtual Diamond“
4.2 Das Element „Faktorbedingungen“ am Beispiel von Wipro
4.3 Das Element „internationale Nachfragebedingungen“ am Beispiel von Zee Television
4.4 Das Element „verwandte und unterstützende Branchen“ am Beispiel von Ranbaxy, Wipro und Zee
4.5 Das Element „Unternehmensstrategien, Struktur und Konkurrenz“ am Beispiel von Ranbaxy
4.6 Einfluss des Staates auf den Erfolg der einzelnen Unternehmen und die Rolle des Zufalls
5 Die Erfolgsfaktoren und ihr Einfluss auf die zukünftige Entwicklung indischer Dienstleitungsunternehmen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die wesentlichen Erfolgsfaktoren indischer Großunternehmen in wissensbasierten Dienstleistungsbranchen und analysiert, warum diese Firmen im internationalen Wettbewerb eine so starke Marktposition einnehmen konnten. Die Forschungsfrage konzentriert sich dabei auf die strukturellen Gemeinsamkeiten dieser Unternehmen sowie die Anwendung des "Virtual Diamond"-Modells zur Erklärung ihres Erfolgs.
- Strukturelle Analyse erfolgreicher indischer Dienstleistungsunternehmen
- Analyse der Wettbewerbsvorteile mittels Porters Diamond-Modell
- Bedeutung der indischen Diaspora für die internationale Nachfrage
- Rolle staatlicher Rahmenbedingungen und Liberalisierungsprozesse
- Zusammenhang zwischen niedriger Fremdkapitalquote und Unternehmenserfolg
Auszug aus dem Buch
4.1 Porters Diamond und dessen Weiterentwicklung zum „Virtual Diamond“
Porter beschreibt in seinem Buch „The competitive advantage of nations“ wie verschiedene Unternehmenswelten die Strategie und Erfolgschancen einzelner Unternehmen beeinflussen (Porter 1990). Den internationalen Erfolg eines nationalen Industriezweiges definiert Porter als „possessing competitive advantage relative to the best world wide competitors“ (Porter 1990, 25). Als Grundlage dieses „competitive advantage“ dienen vier Haupt- und zwei Nebenelemente. Die Hauptelemente sind „Faktorbedingungen“, „nationale Nachfragebedingungen“, „verwandte und unterstützende Branchen“ und „Unternehmensstrategie, Struktur und Konkurrenz“. „Zufall“ und „Staat“ sind die beiden Nebenelemente. Zusammen bilden sie Porters Diamond (vgl. Porter 2005, 71ff, 124ff).
Nach Porters müssten alle vier Elemente national verfügbar sein damit ein Konkurrenzvorteil entsteht (Porter 1990, 71). In Indien sind drei der vier Element verfügbar, allerdings fehlt die nationale Nachfrage. In Anlehnung an Kapur und Ramurti geht diese Arbeit davon aus, dass in der globalisierten Welt fehlende nationale Nachfrage durch internationale Nachfrage ersetzt werden kann, sofern das Haupthandelsgut Wissen oder Information ist (vgl. Kapur/Ramurti 2001, 21). Dieses kann, dank der heutigen Informationstechnologie, innerhalb kurzer Zeit auf der gesamten Welt verfügbar gemacht werden. Aus diesem Grund ist eine physische Nähe der einzelnen Wertschöpfungsstufen hier nicht mehr nötig. Die Digitalisierung der Handelsgüter ermöglicht somit eine co-connection, statt der bisher notwendigen co-location. Durch die co-connection ist es nun auch möglich die gesamte Welt als Absatzmarkt zu betrachten (vgl. Kapur/Ramurti 2001, 25-26). Ein weiterer Grund für die erweiterte Nachfrage ist die indische Diaspora. Aufgrund der indischen Diaspora besitzt die indische Wirtschaft exelente Verbindungen in die internationalen Absatzmärkte. Dieser neue, so genannte Virtual Diamond ist in Abbildung 1 zu sehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den wachsenden internationalen Erfolg indischer Unternehmen und definiert das Ziel, die Erfolgsfaktoren wissensbasierter Dienstleister anhand des "Virtual Diamond"-Modells zu untersuchen.
2 Kurzer Überblick über drei typisch indische international agierende Dienstleistungsunternehmen: Dieses Kapitel stellt mit Wipro, Ranbaxy und Zee Telefilms drei prominente indische Unternehmen vor, die als Basis für die weitere Analyse dienen.
3 Strukturelle Gemeinsamkeiten indischer Unternehmen und daraus resultierende Chancen für ihren internationalen Aufstieg: Hier werden globale Organisationsmodelle und Finanzierungsstrategien (insbesondere die niedrige Fremdkapitalquote) als strukturelle Erfolgsmerkmale identifiziert.
4 Veranschaulichung des Erfolges von indischen, wissensbasierten Unternehmen anhand von Porters Diamond: In diesem Hauptteil wird das Portersche Diamond-Modell durch den "Virtual Diamond" erweitert, um den Einfluss von Faktorbedingungen, internationaler Nachfrage, Clustern und staatlichen Rahmenbedingungen auf die Unternehmen zu beleuchten.
5 Die Erfolgsfaktoren und ihr Einfluss auf die zukünftige Entwicklung indischer Dienstleitungsunternehmen: Das Fazit fasst die identifizierten Erfolgsfaktoren zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten sowie bestehende Risiken für den indischen Dienstleistungssektor.
Schlüsselwörter
Indien, Dienstleistungssektor, Virtual Diamond, Wettbewerbsvorteil, Wipro, Ranbaxy, Zee Telefilms, Faktorbedingungen, internationale Nachfrage, indische Diaspora, Globalisierung, Outsourcing, Wissensbasierte Unternehmen, Marktentwicklung, Wirtschaftsstruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Erfolgsfaktoren von international tätigen indischen Großunternehmen, die primär im wissensbasierten Dienstleistungssektor operieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Unternehmensstruktur, Finanzierungsstrategien, der Einfluss der indischen Diaspora auf die Nachfrage sowie die Rolle des indischen Staates bei der Wirtschaftsliberalisierung.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu erklären, wie und warum indische Unternehmen trotz fehlender klassischer nationaler Nachfrage nachhaltige internationale Wettbewerbsvorteile erzielen konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt als theoretische Grundlage das Diamond-Modell nach Michael Porter und erweitert dieses zum "Virtual Diamond", um den Besonderheiten einer digitalisierten, globalen Wirtschaft gerecht zu werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Anwendung der Diamond-Elemente auf spezifische Branchenbeispiele (IT, Pharma, Medien) und diskutiert den Einfluss staatlicher Fördermaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Indien, Dienstleistungssektor, Virtual Diamond, Wettbewerbsvorteil und die indische Diaspora.
Warum spielt die Diaspora eine so entscheidende Rolle für indische Unternehmen?
Die indische Diaspora fungiert als Brücke zu internationalen Märkten und ermöglicht den Unternehmen den Zugang zu ausländischen Kunden, was die fehlende nationale Nachfrage kompensiert.
Welche Rolle spielt die Fremdkapitalquote für den Erfolg?
Entgegen westlicher Theorien zeigen erfolgreiche indische Unternehmen oft eine niedrige Fremdkapitalquote, was ihnen eine größere strategische Unabhängigkeit und finanzielle Disziplin ermöglichte.
- Quote paper
- Christian Dufft (Author), 2006, Struktur und Erfolgsfaktoren international tätiger indischer Grßunternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70034