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Die 'Flüchtige Moderne' nach 9/11

Title: Die 'Flüchtige Moderne' nach 9/11

Term Paper , 2005 , 29 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christian Jany (Author)

Cultural Studies - Basics and Definitions
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Die Ereignisse des 11. September 2001 stellen unbestreitbar eine historische Zäsur dar. Hierin ereignet sich auf eine bösartige Weise der Übergang vom 20. ins 21. Jahrhundert. Nicht das jähe Platzen der „New-Economy-Bubble“ markierte für die Mehrheit das Ende des vergangenen Jahrhunderts, sondern die Geschehnisse, die Amerikaner unter dem Kürzel „9/11“ zusammenfassen. „Nichts wird mehr sein, wie es war“ – der Weltbevölkerung ist von Anfang an klar, dass die Terroranschläge Veränderungen epochaler Ausmaße zur Folge haben werden. 9/11 ist der Epilog des 20. und Prolog des 21. Jahrhunderts zugleich.
Nun, im Jahr 2005, haben sich die Rauchschwaden ein wenig gelichtet und der Blick fällt auf eine Welt, die im Schatten von 9/11 ihre Triebe ausgebildet hat. Die politische Landkarte geriet innerhalb weniger Jahre völlig durcheinander; alte Bündnisse zerbrachen, Institutionen und Instrumente internationaler Politik durchlaufen rasante Veränderungsprozesse. Die augenscheinlichsten Folgen dieser Prozesse sind zwei Kriege – einer davon unter deutscher Beteiligung – und der anhaltende Kampf gegen den Terrorismus. Die Welt ist im Wandel.
Die politischen Umwälzungen sind allgegenwärtig, doch wie sieht es auf der Ebene des Sozialen respektive der Kultur aus? Haben sich hier am Ende ebenfalls Verwerfungen ergeben, oder im Vokabular des amerikanischen Soziologen Zygmunt Baumann: Findet zu Beginn des 21.Jahrhunderts eine erneute Umbettung der Individuen statt? Und wenn dem so ist, wie sind diese neuen Betten beschaffen?

Wie ist es aktuell um die Flüchtigkeit respektive die Flüssigkeit moderner, gegenwärtiger Kultur bestellt? Finden sich Verfestigungstendenzen? Treffen die Diagnosen Baumanns noch zu, vor dem Hintergrund einer Welt, die sich durch 9/11 veränderte bzw. verändert?
Diesen Fragen werde ich in der vorliegenden Arbeit nachgehen. Ich möchte versuchen, aktuelle Entwicklungen, die sich dem (im besten Falle) scharf beobachtenden Kulturwissenschaftler erschließen, differenziert zu diskutieren; Ausgangspunkt hierbei sind Thesen und Begriffsinstrumentarium, welche Zygmunt Baumann in seiner programmatischen Gegenwartsanalyse 'Flüchtige Moderne' aufzeigt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

PROLOG: EIN SCHRITT VOR, ZWEI ZURÜCK?

I. PRÉCARITÉ EST AUJOURD’HUI

II. EINE FESTE BURG IST UNSER GOTT

III. DER NEUE BIEDERMEIER

IV. AUFERSTANDEN AUS RUINEN

V. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie sich die sozialen und kulturellen Strukturen der durch Zygmunt Baumann charakterisierten „Flüchtigen Moderne“ nach den Ereignissen des 11. September 2001 verändert haben. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob eine neue Tendenz zur Verfestigung gesellschaftlicher Normen und eine verstärkte Sehnsucht nach kollektiver Identität und Sicherheit erkennbar sind.

  • Die Transformation von individueller Unsicherheit zu einem kollektiven Sicherheitsanliegen nach 9/11.
  • Die Renaissance religiöser Identitätsstiftung in den USA als Reaktion auf kulturelle Umwälzungen.
  • Das Fernsehen als Leitmedium und Indikator für eine „neue Ernsthaftigkeit“ und Sehnsucht nach Halt.
  • Der Vergleich aktueller Verfestigungstendenzen mit historischen Restaurationsprozessen (Biedermeier).
  • Die Rolle des Nationalstaats als Garant für Stabilität im Kontext einer globalisierten Welt.

Auszug aus dem Buch

II. Eine feste Burg ist unser Gott

Wenn man über die Bedeutung christlicher Religion in den Vereinigten Staaten diskutieren will, so muss man sich ein wenig von einem europäisch-säkularen (lies: atheistisch-laizistischen) Standpunkt lösen. So zeigen der Prozentsatz an Kirchenmitgliedschaften, die Anzahl von Gottesdienstbesuchenden sowie Umfrageergebnisse zum Verhältnis zur Religion, dass die USA das religiöseste Land der westlichen Industriestaaten sind.

Europäer erstaunen immer wieder über den Stellenwert der Religion in Amerika; ein prominentes Beispiel für diese Haltung mag der französische Politiker und Schriftsteller Alexis de Tocqueville sein. In seinem Bericht „Über die Demokratie in Amerika" stellt er fest, dass in den Vereinigten Staaten „die Religion [...] mit allen nationalen Gewohnheiten und mit fast allen vaterländischen Gefühlen" verbunden sei. Es wird daher oft von einer amerikanischen "Zivilreligion" gesprochen, in der die Vorstellung einer "Nation unter Gott" (one nation under God) für viele Bürgerinnen und Bürger identitätsstiftend wirkt.

Aber auch wenn man das Phänomen der „civil religion“ zur Kenntnis nimmt, erstaunt der anhaltende Trend zur „Rechristianisierung“ der amerikanischen Gesellschaft. Denn es handelt sich hier nicht um einige Wenige, sondern um eine Massenbewegung: Einer aktuellen Gallup-Umfrage zufolge bekennen sich 42 Prozent der Amerikaner als Evangelicals oder als "reborn Christians".

Zusammenfassung der Kapitel

PROLOG: EIN SCHRITT VOR, ZWEI ZURÜCK?: Dieses Kapitel führt in die historische Zäsur des 11. Septembers 2001 ein und stellt die zentrale Frage nach möglichen sozialen und kulturellen Umwälzungen in der modernen Gesellschaft.

I. PRÉCARITÉ EST AUJOURD’HUI: Hier wird analysiert, wie die nach Baumann existenzielle Unsicherheit der "Flüchtigen Moderne" durch das kollektive Trauma des Terrors modifiziert wurde und den Wunsch nach Gemeinschaft verstärkt.

II. EINE FESTE BURG IST UNSER GOTT: Das Kapitel untersucht die zunehmende Bedeutung von Religion in den USA als Identitätsanker und Ausdruck einer Suche nach stabileren gesellschaftlichen Werten.

III. DER NEUE BIEDERMEIER: Durch die Analyse des Fernsehens als Leitmedium wird die These aufgestellt, dass auch in Deutschland eine nostalgische Sehnsucht nach konservativen Werten und festen Strukturen vorherrscht.

IV. AUFERSTANDEN AUS RUINEN: Hier steht der Wiederbelebungsversuch des Nationalstaats im Fokus, der in der Debatte um Patriotismus und Leitkultur seine Renaissance als Sicherheitsgarant erlebt.

V. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass die Individuen infolge von 9/11 bereit sind, individuelle Freiheit für kollektive Sicherheit einzutauschen, wobei sich die moderne Gesellschaft wieder einem verfestigteren Pol annähert.

Schlüsselwörter

Flüchtige Moderne, Zygmunt Baumann, 9/11, Vergemeinschaftung, Prekarisierung, Sicherheit, Religion, Patriotismus, Nationalstaat, Biedermeier, Identität, Gesellschaft, Restauration, Individualisierung, Werte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie sich die gesellschaftliche Kultur unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September 2001 verändert hat und ob Baumanns Diagnose der "Flüchtigen Moderne" durch diese Ereignisse modifiziert werden muss.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die Transformation der Unsicherheit, die Renaissance religiöser Bindungen, die mediale Vermittlung konservativer Werte und die Rückbesinnung auf nationale Identität.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu untersuchen, ob nach 9/11 eine "Umbettung" der Individuen stattfindet, die sich in Verfestigungstendenzen des Sozialkörpers und einer Rückkehr zu kollektiven Sicherheiten äußert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, basierend auf dem theoretischen Instrumentarium von Zygmunt Baumann, und ergänzt diese durch aktuelle Medienstudien, Umfragedaten und historischen Vergleich.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Prekarisierung, die Rolle der Religion in den USA, das deutsche Fernsehen als Spiegel kultureller Wenden und die Wiederbelebung des Nationalstaats.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Flüchtige Moderne, Prekarisierung, Vergemeinschaftung, Patriotismus und die durch 9/11 ausgelöste Suche nach kollektiver Sicherheit.

Warum zieht der Autor Parallelen zur Zeit des Biedermeier?

Der Vergleich dient dazu, die aktuelle kulturelle Restauration und den Rückzug ins Private sowie das Bedürfnis nach verbindlichen Normen besser einzuordnen, da beide Epochen eine Abkehr von revolutionären bzw. flüchtigen Zuständen teilen.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Nationalstaats heute?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Staat zwar als kollektives Versprechen für Sicherheit gesucht wird, seine tatsächliche Fähigkeit, diese Gewissheit zu garantieren, angesichts globaler Mächte jedoch begrenzt ist.

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Details

Title
Die 'Flüchtige Moderne' nach 9/11
College
Humboldt-University of Berlin  (Kulturwissenschaftliches Seminar)
Course
Zygmunt Bauman: Flüchtige Moderne
Grade
1,3
Author
Christian Jany (Author)
Publication Year
2005
Pages
29
Catalog Number
V70070
ISBN (eBook)
9783638624145
ISBN (Book)
9783638673976
Language
German
Tags
Flüchtige Moderne Zygmunt Bauman Flüchtige Moderne
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Jany (Author), 2005, Die 'Flüchtige Moderne' nach 9/11, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70070
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