Der Begriff Manier hat seinen Ursprung in der französischen Sprache. Im Spätmittelalter wurde mit Manier die erlernbare Qualifikation eines Künstlers bezeichnet. Diese Qualifikation setzte kein künstlerisches Talent voraus, sondern jeder konnte sich Manier durch fortwährendes Üben aneignen. Gegenwärtig wird der Begriff Manier häufig im Sinne des Begriffes ‚Stil’ verwendet Die Bezeichnung Stil benennt die Individualität und die Eigenart einer menschlichen Leistung. Ursprünglich gab es eine Trennung beider Begriffe. Der Begriff Stil wurde hauptsächlich in und für die Literatur verwendet, während Manier aus der Kunst hervorging. Der Künstler und Autor Cennino Cennini war einer der ersten, der den Maniera-Begriff in der Kunst etablierte.
In der folgenden Arbeit beginne ich mit einer kurzen Biographie des Autors und lasse einige Fakten über sein Buch Libro dell’ arte einfliesen. Danach werde ich die Ausbildung des Redners und die des Künstlers nach Cennini gegenüberstellen und mit einem Absatz über die Besonderheit von Cennino Cenninis Kunstauffassung enden.
Inhaltsverzeichnis
1 Der Manier-Begriff
2 Biographie
3 Die Rhetorikausbildung und die Künstlerausbildung im Vergleich
4 Der alte und neue Manier-Begriff bei Cennino Cennini
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Verwendung des Manier-Begriffs bei Cennino Cennini und stellt diesen in einen rhetorischen Kontext zur Ausbildung von Künstlern im Vergleich zur antiken Rednerausbildung.
- Etymologie und historischer Wandel des Manier-Begriffs
- Biographische Hintergründe zu Cennino Cennini und seinem Werk Libro dell’ arte
- Vergleich der Lehrmethoden von Künstlern und Rednern (Imitatio, Exercitatio)
- Die Rolle der Natur als Vorbild in der Kunstauffassung
- Neuinterpretation des Manier-Begriffs als Weg zur Individualität (aria)
Auszug aus dem Buch
3 Die Rhetorikausbildung und die Künstlerausbildung im Vergleich
Das Besondere an Cenninis Werk ist die genaue Beschreibung der Künstlerausbildung. Er gibt genaue Anweisungen, was ein Lehrling zu tun hat, um die ‚Kunst der Kunst’ zu erlernen. Betrachtet man diese Anweisungen und beschäftigt sich gleichzeitig mit der antiken Rednerausbildung, so gibt es einige Gemeinsamkeiten. Ein Künstler war zu Cenninis Zeit nichts anderes als ein gewöhnlicher Handwerker. Die Tätigkeit genoss im Gegensatz zum Beruf des Redners kein besonderes Ansehen und wurde auch nicht an speziell eingerichteten Lehrinstituten vermittelt. Die erste Kunsthochschule bzw. Akademie wurde erst 1563 durch Giorgio Vasari in Florenz gegründet und der Künstler als Schöpfer und Interpret wurde erst im 18. Jahrhundert definiert, während die Rhetorikausbildung bis in die antike zurückreicht und die Grundlage für viele Berufe bildete.
Cennino Cennini empfiehlt jedem Schüler zu beginn der Ausbildung einem Vorbild nachzueifern. Cennino Cennini vertritt die Ansicht, dass es unmöglich ist, täglich einen großen Künstler zu kopieren, ohne durch das Kopieren selbst etwas zu lernen. Er kommt sogar zu dem Schluss, dass dies „wider der Natur [sei], wenn die du [der Schüler] in seine Manier und seinen Luftkreis (aria) nicht miteinbezogen würdest (…)“. Cennini setzt aber voraus, dass der Schüler nur einem Idol nacheifert, denn sonst würde der Lernende weder im kopieren des einen noch im kopieren des anderen richtig gut werden. Konzentriert er sich aber nur auf ein Idol, so ist es laut Cennini eine, von Natur gegebene Selbstverständlichkeit, dass der Schüler davon lernt und seine eigenen Werke hochwertig werden, da er beim kopieren seines Idols ausführlich gelernt hat, was erstklassig ist und daher auch selbst nur erstklassige Werke produzieren kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Manier-Begriff: Einführung in die etymologische Herkunft des Begriffs Manier und dessen Abgrenzung vom modernen Stilbegriff.
2 Biographie: Überblick über das Leben von Cennino Cennini und die Bedeutung seines Werkes Libro dell’ arte als kunsttheoretische Schrift.
3 Die Rhetorikausbildung und die Künstlerausbildung im Vergleich: Analyse der Parallelen zwischen der Ausbildung von Rednern und Künstlern, insbesondere hinsichtlich der Nachahmung von Vorbildern.
4 Der alte und neue Manier-Begriff bei Cennino Cennini: Untersuchung, wie Cennini die traditionelle Manier-Auffassung durch das Konzept der Individualität weiterentwickelt.
Schlüsselwörter
Manier, Stil, Cennino Cennini, Libro dell’ arte, Künstlerausbildung, Rhetorikausbildung, Imitatio, Exercitatio, aria, Mittelalter, Renaissance, Individualstil, Kunsttheorie, Handwerk, Naturnachahmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Bedeutung des Manier-Begriffs bei Cennino Cennini und vergleicht die damalige Künstlerausbildung mit antiken rhetorischen Traditionen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Begriffsgeschichte der Manier, biographische Details zu Cennino Cennini, die kunsttheoretische Ausbildung und der Vergleich zwischen Künstler- und Rednerausbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Cennini den Manier-Begriff neu definierte und als Brücke zwischen handwerklicher Tradition und einem individuellen Künstlerbild nutzte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, indem sie kunsttheoretische Anweisungen von Cennini mit antiken rhetorischen Texten, etwa von Quintilian, in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der biographischen Einordnung Cenninis, der Bedeutung von Imitatio und Exercitatio und der spezifischen Rolle des Künstlers als Individuum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Manier, Imitatio, Künstlerausbildung, aria und Cennino Cennini charakterisiert.
Wie unterschied sich die Ausbildung eines Künstlers zu Cenninis Zeit von heute?
Zu Cenninis Zeit war der Künstler ein Handwerker, der durch Meisterlehre und Kopieren lernte, statt in institutionalisierten Akademien, die erst viel später entstanden.
Welche Bedeutung misst Cennini dem Kopieren von Vorbildern bei?
Cennini betont die Wichtigkeit, sich einem Idol anzuschließen, um dessen spezifische „Manier“ und „aria“ zu erlernen, warnt jedoch davor, zwischen verschiedenen Meistern zu springen.
Warum war Cenninis Ansatz revolutionär?
Cenninis Konzept war revolutionär, da er den Künstler über das bloße Handwerk hinaus als Individuum sah, das durch die Natur und spezifische Übung zur Meisterschaft gelangt.
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- Manuela Walter (Author), 2005, Der Manier-Begriff in Cennino Cenninis Libro dell' arte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70149