Folgen spezifischer Differenzkonstruktionen


Essay, 2006

5 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Essay zum Themenblock IV: „Folgen spezifischer Differenzkonstruktionen“

Eine große Fundamentalismusstudie der American Academy of Sciences hat den Fundamentalismus als eine universale Reaktionsweise auf die Herausforderungen der Globalisierung aufgespürt. Danach handelt es sich im Fundamentalismus um eine energische Selbstvergewisserung der eigenen Identität gegenüber einem als bedrohlich wahrgenommenen Ansturm von „Fremden“. Dabei ist der Fundamentalismus in der Funktion für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Stabilisierung von Individuen mit dem Ethnizismus, Rassismus und Nationalismus vergleichbar. Der Fundamentalismus wählt lediglich ein anderes Medium der Identität.[1] Der Fundamentalismus ist zudem eine Reaktionsweise auf die Entwurzelung, die die Globalisierungsprozesse gegenüber Randschichten bewirken.[2] Das Individuum, das nach Slavoj Žižek von Natur aus entwurzelt und dadurch multikulturalistisch ist, verlor diesen Status indem es sich mit seinem sozialen Umfeld organisierte. Demzufolge werden heute Individuen in den historisch orientierten Sozialwissenschaften universalistisch unterschieden. Während genetisch kategorisch von der „Rasse“ gesprochen wird, werden Bevölkerungsgruppierungen soziopolitisch in „Nationen“ untergliedert. In der „Kategorie des Kulturellen“ wird von einer ethnischen Gruppe gesprochen.[3]

Die Thematik dieses Essays, verlangt die Folgen spezifischer Differenzkonstruktionen zu analysieren. Zur Verdeutlichung ist es zu Beginn notwendig, einige der oben genannten Begrifflichkeiten näher zu definieren, um mich danach mit einigen der genannten Funktionen auseinandersetzen zu können. Als Grundlage für die Diskussion „Folgen spezifischer Differenzkonstruktionen“ dient mir dafür die taguieffische Gegenüberstellung von dem universalistischen Ansatz (jede Kultur sollte aufgeklärte „westliche“ Werte übernehmen) und dem relativistischen Ansatz (jede Kultur sollte individuelle Werte beibehalten).[4] Der Multikulturalismus, nach Žižek eine verleugnete, verkehrte, selbstreferentielle Form des Rassismus (ein Rassismus der Abstand hält), soll mir hier als „Nahtstelle“ zwischen beiden Ansätzen dienen. Zudem ist zu Beginn eine Klärung des Begriffes „Rassismus“ erforderlich. Eine anschließende Analyse meines zweites Essays: „Zur Konstruktion von „Wir“ - Gruppen – Islam(ismus) als Gemeinschaftsideologie“ soll die Schwierigkeiten darstellen, mit denen der Multikulturalismus konfrontiert ist. Dadurch möchte ich die Frage klären, ob der Multikulturalismus (wenn auch unbeabsichtigt) zu einer Triebfeder der Formung des Fundamentalismus als Gesellschaftsordnung in Reaktion auf den Globalisierungsprozess wurde?

[...]


[1] Müller, Harald: Supermacht in der Sackgasse? – Die Weltordnung nach dem 11. September. in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): S. 71

[2] ebd. S. 69

[3] vgl. Balibar, Etienne / Wallerstein, Immanuel: Rasse, Klasse, Nation. Ambivalente Identitäten. Kap. 4

[4] vgl. Taguieff, Pierre – Andre: Die Metharmorphosen des Rassismus und die Krise des Antirassismus, in: Bielefeld, Ulrich: Das Eigene und des Fremde. Neuer Rassismus in der alten Welt?. S. 221 - 268

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Folgen spezifischer Differenzkonstruktionen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Wie wird man fremd? Konstruktion des Eigenen und des Fremden.
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
5
Katalognummer
V70204
ISBN (eBook)
9783638615136
Dateigröße
362 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Folgen, Differenzkonstruktionen, Konstruktion, Eigenen, Fremden
Arbeit zitieren
Christian Müller-Thomas (Autor), 2006, Folgen spezifischer Differenzkonstruktionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70204

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