Alles wofür wir hart arbeiten, sei es Geld, Macht oder Ruhm, ist unbeständig, da es die Ewigkeit auf Erden nicht gibt. Der Tod gehört zum menschlichen Leben und niemand weiß, wann er uns ereilt. Dies liegt nicht in unserer Hand, sondern allein in der des Allmächtigen oder des Schicksals.
Geht man nun davon aus, dass dieses Problem nur in unserer Gesellschaft zeitgemäß ist, so liegt ein Irrtum vor. Das Anliegen dieser Arbeit ist es, der Frage nachzugehen, wie frühere Generationen mit diesem Thema umgingen. Exemplarisch soll dies an einem lyrischen Werk der Barockzeit erarbeitet werden.
Der Vanitas Gedanke, also die Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, war eines der bedeutendsten Motive der Barockliteratur und prägt vor allem die Dichtung des wohl bekanntesten Lyrikers jener Epoche: Andreas Gryphius.
Es werden die erste und zweite Fassung seines Gedichts „Vanitas, vanitatum et omnia vanitas. Es ist alles gantz eytel.“ herangezogen, untersucht und verglichen. Zwischen beiden Ausgaben liegen fast 30 Jahre. Warum eine Überarbeitung erfolgte und ob das Sonett dadurch seinen ursprünglichen Sinn verlor, wird durch einen Vergleich deutlich werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einflüsse auf die Lyrik Gryphius’
2.1. Literaturhistorische Einordnung
2.2. Biographie
2.3. Der Vanitas Gedanke
3. Analyse von „Vanitas, vanitatum et omnia vanitas. Es ist alles gantz eytel.“ und „Es ist alles Eitel.“
3.1. Die Zahlenkomposition in den Lissaer Sonetten
3.2. Formale Aspekte
3.3. Inhaltliche Aspekte
3.4. Gegenüberstellung der Fassungen
3.5. Sinnbilder der Vanitas und ihr biblischer Ursprung
4. Zusammenfassende Betrachtung
5. Quellenverzeichnis
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur
5.3. Bibel
5.4. Internetquellen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, das Barock-Motiv der Vergänglichkeit (Vanitas) anhand des Sonetts „Vanitas, vanitatum et omnia vanitas“ von Andreas Gryphius zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die komparative Analyse der zwei unterschiedlichen Fassungen des Gedichts, um den Einfluss historischer Umstände sowie die poetologischen Vorgaben von Martin Opitz auf den Entwicklungsprozess des Autors nachzuvollziehen.
- Biografische Prägung durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges und persönliche Schicksalsschläge.
- Analyse der formalen Struktur und der Zahlenkomposition innerhalb der Lissaer Sonette.
- Vergleich der Erstfassung mit der Ausgabe letzter Hand hinsichtlich Sprache und Metrik.
- Untersuchung der biblisch inspirierten Sinnbilder der Vergänglichkeit.
- Diskussion der Intention des Dichters zwischen persönlicher Klage und religiöser Mahnung.
Auszug aus dem Buch
3.2. Formale Aspekte
Formal weist das Gedicht selbstredend die typischen Merkmale eines Sonetts auf. Es ist in vier Strophen und vierzehn Verse gegliedert. Die ersten zwei stellen jeweils Quartette dar und die letzten beiden Terzette. Das Reimschema der Quartette ist a-b-b-a a-b-b-a und somit ein umarmender Reim. In den Terzetten verwendet Gryphius einen Schweifreim mit dem Muster c-c-d und e-e-d. Sowohl seine a- als auch seine d-Reime enden mit einer weiblichen Kadenz, wohingegen die anderen männlich sind. Der Rhythmus ist ein sechshebiger Jambus mit Mittelzäsur nach der dritten Hebung, so dass hier ein so genannter Alexandriner vorliegt.
Da Gryphius versucht in möglichst kurzer Form viel zu sagen, kam es bei ihm oft zu Wortkürzungen, so genannten Apokopen oder Synkopen. So beginnt die erste Fassung von „Vanitas, vanitatum et omnia vanitas. Es ist alles gantz eytel.“ mit „ich seh’ wohin ich seh“. Wieso er dies in seiner zweiten Fassung änderte, wird im späteren Verlauf der Arbeit deutlich. Gryphius verfährt in seinem formalen Aufbau genau nach den Anweisungen Opitz’. (Vgl. Szyrocki 1959. S. 91)
Typische Merkmale der Barocklyrik, wie die Antithese, und weitere formale Merkmale, werden im folgenden Punkt unter Einbezug des Inhaltes erklärt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die allgemeine Aktualität des Vergänglichkeitsgedankens und führt in das Leben sowie das Werk von Andreas Gryphius ein.
2. Einflüsse auf die Lyrik Gryphius’: Dieses Kapitel verortet die Entstehung der Dichtung im Kontext des Dreißigjährigen Krieges, beleuchtet die Biografie des Autors und definiert den zentralen Vanitas-Begriff.
3. Analyse von „Vanitas, vanitatum et omnia vanitas. Es ist alles gantz eytel.“ und „Es ist alles Eitel.“: Hier erfolgt die detaillierte Untersuchung des Sonetts anhand seiner numerischen Struktur, formaler Merkmale, inhaltlicher Antithesen sowie eines Vergleichs beider Fassungen und der verwendeten biblischen Bildsprache.
4. Zusammenfassende Betrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont den Einfluss von Martin Opitz sowie die existenzielle Tiefe des Werks.
5. Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie der biblischen und digitalen Quellen.
Schlüsselwörter
Andreas Gryphius, Barock, Vanitas, Vergänglichkeit, Lissaer Sonette, Martin Opitz, Sonett, Dreißigjähriger Krieg, Memento Mori, Metaphorik, Literaturgeschichte, Lyrik, Barockliteratur, Zahlenkomposition, Biblische Bildsprache
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Vanitas-Motiv in der Lyrik von Andreas Gryphius, speziell am Beispiel seines berühmten Sonetts über die Nichtigkeit alles Irdischen.
Welche Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der literaturgeschichtlichen Einordnung, der Biografie des Autors und der poetologischen Analyse eines zentralen barocken Gedichts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Entstehungsprozess und die inhaltliche sowie formale Überarbeitung des Gedichts zu verstehen, insbesondere vor dem Hintergrund historischer Krisenzeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird ein interpretatorischer Ansatz gewählt, der formale Textanalyse mit literaturgeschichtlicher Kontextualisierung und vergleichender Fassungsanalyse kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Zahlenkomposition, eine formal-ästhetische Analyse, eine Gegenüberstellung zweier Fassungen und eine Interpretation biblischer Bildmotive.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff „Vanitas“ sind Begriffe wie Barock, Epochenmerkmale, Metaphorik und der Einfluss von Martin Opitz maßgeblich.
Warum war die Biografie von Andreas Gryphius für die Analyse so wichtig?
Die Arbeit argumentiert, dass der „Schwermut“ in Gryphius’ Dichtung direkt aus seinen traumatischen Erlebnissen während des Dreißigjährigen Krieges resultiert.
Wie unterscheidet sich die erste Fassung des Gedichts von der zweiten Fassung?
Die zweite Fassung zeigt eine stärkere Anpassung an die metrischen Regeln von Martin Opitz und eine Tendenz zur Objektivierung durch den Austausch der Ich-Form.
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- Yvonne Rollesbroich (Author), 2007, Andreas Gryphius. Der Vanitas-Gedanke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70239