Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Frauen auf Kreuzzügen ist ein recht junger Forschungsbereich. Veröffentlichungen gibt es vermehrt seit den 1990er Jahren, wobei der Anteil der franko- und besonders der anglophonen Publikationen markant ist. Die wenigen Monographien aus diesem Bereich – im Fokus zwei deutschsprachige Dissertationen – sind daher das Thema dieser Arbeit, eben weil sie in Umfang und Schwerpunkt Grundlagen darstellen, also wegweisend und wegbereitend auf nachfolgende Untersuchungen wirken und ältere Arbeiten bestätigen, relativieren oder negieren können. Dass sie sich in vielen Punkten unterscheiden – sei es in Bezug auf die verwendeten Quellen, sei es in stilistischer und sprachlicher Form, sei es in einer einzigartigen Gewichtung von Facetten und Fragestellungen – mag nicht überraschen, da dies in Hinblick auf den individuellen Arbeitsschwerpunkt des Autors unvermeidlich und natürlich ist. Differenzierte Schlüsse und Thesen bieten einen dankbaren Nährboden für Diskussionen und sind daher für einen Vergleich im Rahmen dieser Arbeit interessant. Sie veranschaulichen und verorten potenzielle Problematiken innerhalb der Thematik. Aufschlussreich sind freilich auch die Gleichheiten. Die Frage, ob die AutorInnen zu ähnlichen oder gar identischen Ergebnissen kommen, ist wichtig. Sie ermöglicht weitere Rückschlüsse und untermauert die Wahrhaftigkeit der Aussagen. Die Monographien von DERNBECHER und GELDSETZER werden auf ihren unterschiedlichen Charakter hin untersucht, indem jede Publikation anhand auffälliger Merkmale vorgestellt wird. Abschließend sollen in einem engen Rahmen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beleuchtet werden. In Anbetracht des geringen Umfangs dieser Arbeit rückt dabei der Aspekt der Motivation in den Mittelpunkt, also die Frage, warum weibliche Teilnehmerinnen zu einem Kreuzzug aufbrachen. Die Fragestellungen und Schlussbetrachtungen beider Arbeiten bilden dabei einen sinnvollen Schlusspunkt. Nicht zuletzt ermöglicht der Vergleich der Monographien – unter Berücksichtigung weiterer Fachaufsätze und Sammelwerke zu diesem Thema – einen Blick in die aktuelle Frauen- und Geschlechterforschung .
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Literaturbericht
2.1 Dernbecher
2.2 Geldsetzer
2.3 Andere
3 Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen wissenschaftlichen Literaturbericht über die Rolle von Frauen während der Kreuzzüge zu erstellen. Dabei werden zentrale deutschsprachige Monographien sowie ergänzende Fachaufsätze vergleichend analysiert, um den Forschungsstand, methodische Ansätze und die unterschiedlichen Schwerpunkte der Autoren zur Motivation und Lebenswelt der weiblichen Teilnehmer zu bewerten.
- Vergleichende Analyse der Dissertationen von Dernbecher und Geldsetzer
- Diskussion der Motivation von Frauen für die Teilnahme an Kreuzzügen
- Kritische Würdigung der Quellenlage und historiographischer Darstellungen
- Einordnung der Gender-Forschung in den Kontext der Kreuzzugshistorie
- Untersuchung der Relevanz sozialer Schichten für das Schicksal von Frauen
Auszug aus dem Buch
2.1 Dernbecher
Die Publikation 'Deum et virum suum diligens. Zur Rolle und Bedeutung der Frau im Umfeld der Kreuzzüge' basiert auf Christine DERNBECHERS Dissertation, die an der Universität des Saarlandes im Wintersemester 2001/2002 angenommen worden ist. Die Autorin strukturiert ihren Text wie folgt dreierlei: Teil 1 'Vorbemerkungen', Teil 2 'Die zuhausebleibenden Frauen der Kreuzfahrer', Teil 3 'Frauen in den Kreuzfahrerheeren'. Besonders ausführlich fragt die Autorin im dritten Kapitel nach Motivation und Aufgaben der Frauen, danach ob sie gekämpft haben und beleuchtet 'Sexuelle Aspekte' und die Gefangenschaft fränkischer Frauen.
Gleich zu Beginn nennt DERNBECHER Zwei Gründe, warum die Kreuzzugsforschung das Thema Frauen bislang kaum behandelt habe. Zum einen versucht sie ein Desinteresse der modernen Geschichtswissenschaft mittels eines Rückgriffs auf die patriarchale Tradition des Mittelalters zu begründen, also Ereignisse aus der Vergangenheit mit jenen der Moderne zu verknüpfen, was in diesem Fall äußerst kritisch betrachtet werden muss. Vor dem Hintergrund, dass die Kreuzzüge „zum großen Teil militärische Unternehmungen [...] in dieser von Männern dominierten Welt des Krieges [...]“ gewesen seien, seien Frauen von den heutigen Historikern kaum wahrgenommen worden. Auch ihr Hinweis auf die heutzutage nicht selbstverständliche Zulassung von Frauen zum Wehrdienst stärkt dieses Argument keineswegs. Ausbleibendes Forschungsinteresse des 20. und 21. Jahrhunderts mit der Mentalität respektive der Gesellschaftsstruktur des Mittelalters zu belegen ist meines Erachtens äußerst fragwürdig.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das junge Forschungsfeld der Frauengeschichte im Kontext der Kreuzzüge ein und begründet den Fokus auf die beiden zentralen deutschsprachigen Dissertationen von Dernbecher und Geldsetzer.
2 Literaturbericht: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Analyse und kritische Bewertung der untersuchten Fachliteratur, wobei die methodischen Ansätze, die Quellenkritik und die spezifischen Thesen der einzelnen Autoren gegenübergestellt werden.
3 Resümee: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse des Literaturberichts zusammen, verdeutlicht die Heterogenität des Forschungsfeldes und plädiert für einen stärkeren interdisziplinären Dialog sowie eine methodisch präzisere Auseinandersetzung mit der Quellenlage.
Schlüsselwörter
Frauen, Kreuzzüge, Literaturbericht, Mittelalter, Geschlechterforschung, Motivation, Quellenkritik, Sozialgeschichte, Dernbecher, Geldsetzer, Kreuzfahrerheer, Gender, Historiographie, Frauenrolle, Mittelalterliche Quellen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen Literaturbericht, der den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand zur Rolle und Bedeutung von Frauen bei den Kreuzzügen kritisch beleuchtet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Analyse der Motivation von Frauen zur Kreuzzugsteilnahme, die Auswertung zeitgenössischer Quellen und die Einordnung der Thematik in die Geschlechterforschung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die zentralen Monographien von Dernbecher und Geldsetzer zu vergleichen, ihre Stärken und Schwächen aufzuzeigen und ein repräsentatives Bild der Forschung zu zeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt eine komparative Methode, bei der sie Publikationen anhand definierter Merkmale, Quellennachweise und des wissenschaftlichen Sprachduktus analysiert und bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Dernbecher, Geldsetzer sowie weiterer einschlägiger Literatur und Essays, um Unterschiede in der Herangehensweise und Ergebnisbewertung aufzudecken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Frauenrolle, Kreuzzüge, Geschlechterforschung, Quellenkritik und Sozialgeschichte.
Wie bewertet die Autorin die Arbeit von Christine Dernbecher?
Die Arbeit von Dernbecher wird für ihre thematische Breite gelobt, jedoch kritisch hinsichtlich ihres oft spekulativen oder wertenden Sprachduktus und fehlender formaler Präzision bei Belegen hinterfragt.
Welcher Ansatz zeichnet Sabine Geldsetzer besonders aus?
Geldsetzer überzeugt durch eine systematische Definition von Frauentypen und eine methodisch fundierte Rekonstruktion der Lebensumstände, wobei sie das Geschlecht als Kategorie in den soziologischen Kontext einbettet.
- Quote paper
- Kristine Greßhöner (Author), 2006, Frauen auf Kreuzzügen - Literaturbericht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/70255