Vor welchen Hürden steht Österreich, um nachhaltige Entwicklungsziele (SDG12 und 13) bis 2030 erfolgreich in den Staatsapparat zu integrieren?


Bachelorarbeit, 2020

27 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Material und Methoden

3. Resultate
3.1. Sustainable Development Goals
3.1.1. Entstehungsgeschichte der Agenda 2030
3.1.2. Ziel 12 „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen“
3.1.3. Ziel 13 „Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen“
3.2. Globale Zusammenarbeit und Konsequenzen
3.3. Zuständigkeitsbereich der Umsetzung von SDGs in Österreich
3.3.1. Strategien zu Ziel 12 und 13
3.4. Istzustand des Umsetzungsgrades in Zahlen
3.4.1. SDG Indikatoren der Europäischen Union
3.4.2. SDG Indikatoren für Ziel 12
A. Ressourcenproduktivität in Österreich
B. Energieintensität in Österreich
C. Abfallerzeugung und Bewirtschaftung in Österreich
3.4.3. SDG Indikatoren für Ziel 13
A. Klimaschutz in Österreich
B. Maßnahmen gegen die Klimaauswirkungen in Österreich
C. Finanzieller Beitrag Österreichs
3.5. Herausforderungen in der Umsetzung
3.5.1. Wirtschaftlich bzw. politisch motivierte Interessensgruppen und deren Einfluss in die Politik Österreichs

4. Diskussion

5. Schlussfolgerung

6. Abbildungsverzeichnis

7. Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Österreich hat sich verpflichtet die von den Vereinten Nationen ins Leben gerufene Agenda für nachhaltige Entwicklung umzusetzen. Es handelt sich hierbei um einen Aktionsplan, welcher 17 Ziele umfasst und bis 2030 vollständig in den Staatsapparat implementiert werden soll. Angesichts der Komplexität der nationalen und internationalen Problemstellungen, steht die Umsetzung der Agenda 2030 vor großen Hürden. Österreich hat daher Strategien entwickelt, die die ambitionierte Zielsetzung Schritt für Schritt in den Staat einarbeiten soll. Diese Arbeit zeigt den derzeitigen Umsetzungsgrad auf, wobei Ziel 12 und 13 im Mittelpunkt stehen, da sie zu den prägnantesten Zielen des 21. Jahrhunderts zählen. Da eine derzeitige Stagnation in der Umsetzung zu verzeichnen ist, wird zunächst die Einflussnahme von wirtschaftlich bzw. politisch motivierten Interessensgruppen in den staatlichen Entscheidungsapparat untersucht um in weiterer Folge auf mögliche Auswirkungen auf die Umsetzung, schließen zu können. Mittels Initiativen und Methoden anderer Staaten werden Lösungsvorschläge für Österreich erarbeitet. Zudem wird ein Appell an die zukünftige Regierung ausgesprochen.

Schlagworte: Verpflichtung Agenda 2030 zur Umsetzung; komplexe internationale Problemstellung; Stagnation in der Umsetzung; Einflussnahme von wirtschaftlich/politisch motivierten Interessengruppen; Auswirkung auf die Umsetzung

Summary

Austria is committed to implementing the United Nations' Agenda for Sustainable Development. It is a plan of action which includes 17 goals and should be fully implemented into the state’s government by the year 2030. Given the complexity of national and international problems, the implementation of the Agenda 2030 faces major issues. Therefor Austria has developed strategies in order to incorporate the ambitious objectives into the state. This work represents the current level of implementation, mainly focused on goal 12 and 13, as they are among the most concise goals of the 21st century. Because of the current stagnation of implementation, the influence of economically or politically motivated interest groups will be examined carefully, if and respectively how they make an impact on the state decision-making process. Initiatives and methods from other countries will be used to develop solutions and recommendation for Austria. Finally, an appeal for the future government will be spoken.

Keywords: committed to implementing; implementation Agenda 2030 faces major issues; influence of economically or politically motivated interest groups

1. Einleitung

Die sogenannte Agenda 2030 „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“, wurde im September 2015 im Rahmen der siebzigsten Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York verabschiedet (Bundeskanzleramt Österreich, 2017). Bei diesem international beschlossenen Programm handelt es sich um konrete Zielsetzungen und deren Ausgestaltung, um die komplexen und globalen Herausforderungen, mit denen die Menschheit im 21. Jahrhundert konfrontiert ist, zu bewältigen. Dazu gehören die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs), die neben der Bekämpfung von Hunger und Armut sowie der Forderung nach Bildung und Gesundheit für alle auch ein menschenwürdiges Leben innerhalb der planetaren Grenzen garantieren sollen (Reif & Gehenzig, 2017). Dieser zukunftsweisende Aktionsplan wurde von 193 Staaten unterzeichnet, um eine nachhaltigere und gerechtere Welt zu schaffen. Die formulierten Ziele sollen von den Mitgliedsstaaten bis einschließlich 2030 mit eigens ausgearbeiteten Methoden umgesetzt werden. Auch eine österreichische Delegation unter der Leitung des damaligen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer wohnte diesen Verhandlungen bei. Fischer verkündete, dass Österreich sich bereit erkläre, die Umsetzung der Agenda auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene bis zum Jahr 2030 voran zu treiben und konkrete Schritte zur Verwirklichung der Entwicklungsziele sowohl im In- als auch im Ausland zu setzen (Bundeskanzleramt Österreich, 2017).

Bei dieser Agenda handelt es sich um einen extrem breitgefächerten Aktionsplan, welcher sämtliche Themenfelder behandelt, die in einem Staatsapparat von Bedeutung sind. Angesichts der Komplexität der nationalen und internationalen Problemstellungen, stößt die Agenda 2030 in vielen Staaten auf Unverständlichkeit, welche sich folglich auch in Desinteresse ausdrückt. Auch in Österreich stieß die Einarbeitung und die Umsetzung der SDGs in die staatliche Entscheidungsfindung auf Gleichgültigkeit und mangelndes Bewusstsein für die Dringlichkeit dieser Thematik seitens der Politik und der Öffentlichkeit. So nahm weder in vergangenen Wahlkämpfen noch in politischen Entscheidungen die Umsetzung aller SDGs einen großen Stellenwert ein. Um dem entgegenzuwirken bedarf es einer sozial-ökonomischen Transformation unserer Gesellschaft sowie eines engen Zusammenspiels zwischen Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit (Görg, 2017).

Die vereinten Nationen sind sich bewusst, dass massive Interessenskonflikte seitens Vertretern aus sozialen, wirtschaftlichen und politischen Themenfeldern auftreten werden. Daher nimmt die frühzeitige Erkennung von potenziellen Konfliktfeldern eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung der Agenda 2030 ein, zumal nicht immer von einer „Win-Win-Lösung“ bei strittigen Themenfeldern ausgegangen werden kann (Görg, 2017).

Ausgehend von der Aussage Fischers und den bereits verfassten Berichten seitens der Bundesministerien wird sich diese Arbeit einerseits mit den Strategien befassen, die zur Implementierung der SDGs in Österreich erarbeitet wurden, andererseits wird der derzeitige Umsetzungsgrad ermittelt. Im Speziellen wird auf SDG 12 (Verantwortungsvolle/r Konsum- und Produktionsmuster) sowie auf SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) eingegangen. Diese Ziele nehmen eine essenzielle Rolle in einem wirtschaftlich aktiven Staat ein, da viele Interessensgruppen aus dem sozialen, dem ökologischen und dem ökonomischen Sektor aufeinandertreffen und die Entscheidungsfindung beeinflussen. Es wird ein erstes Resümee für Österreich erstellt um den momentanen Istzustand zu erfassen. Diese Arbeit befasst sich auch mit den verschiedenen Aspekten und Organen, die bei dem multidimensionalen Mechanismus der staatlichen Entscheidungsfindung mitwirken. Dabei nehmen die Interessen und Bedürfnisse der einzelnen Interessensgruppen (Stakeholder) eine zentrale Rolle ein.

Forschungsfrage:

Welche nationalen Strategien verfolgt Österreich zur Implementierung von SDG 12 und 13 und inwiefern wurden diese bereits integriert und tatsächlich umgesetzt?

Welche Interessensgruppen in Österreich beeinflussen den Staatshaushalt konkret und inwieweit nehmen sie Einfluss auf die Umsetzung von SDG 12 und 13?

2. Material und Methoden

Um für diese Arbeit geeignete Literatur und Quellen zu erhalten wurden mittels Gruppentreffen, Literatursuche und Datenbankrecherche Informationen gewonnen. Die verwendeten Datenbanken waren SpringerLink, BOKU LitSearch und Google Scholar. Da das untersuchte Themengebiet noch recht jung ist, wurde speziellen Wert auf die Aktualität der, zur Bearbeitung herangezogene Literatur, gelegt. Um innerhalb des Themengebietes zu detaillierten Informationen zu kommen wurde des Weiteren ausgewählte Literatur Seitens der Beratungslehrer zur Verfügung gestellt. Aus der ermittelten Fachliteratur, der Literatur die zur Verfügung gestellt wurde und der intensiven Recherche der Arbeitsgruppe konnten die zentralen Fakten für diese Arbeit erhoben werden.

Zum derzeitigen Zeitpunkt lässt sich sagen, dass es sowohl keinem UN-Mitgliedstaat als auch andrem Staat gelungen ist, alle 17 Ziele erfolgreich in den Staatsapparat einzuarbeiten.

3. Resultate

3.1. Sustainable Development Goals

In diesem Kapitel wird kurz auf die Entstehung der Agenda 2030 und die Institutionen, die bei der Entscheidungsfindung mitwirkten, eingegangen. Insbesondere werden SDG 12 und 13, die für das weitere Verständnis unerlässlich sind, inhaltlich erläutert.

3.1.1. Entstehungsgeschichte der Agenda 2030

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ist ein Aktionsplan für Mensch und Planet, für Wohlstand, Frieden und Freiheit (Vereinte Nationen, 2015). Den Grundstein für dieses Entwicklungsprogramm setzten die Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs), die im Jahr 2000 erstmals von Vertretern der Vereinten Nationen, der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des Entwicklungsausschusses der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) formuliert wurden (Vereinte Nationen, 2015). Der damalige UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon spielte eine überaus wichtige Rolle bei der Ausarbeitung dieser acht Ziele, deren Schwerpunkt auf der Bekämpfung der Weltarmut lag. Die 2012 in Rio de Janeiro abgehaltene Rio+20 Konferenz über nachhaltige Entwicklung initiierte einen umfassenden zwischenstaatlichen Prozess, um eine Reihe von Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs) vorzubereiten (United Nations, 2012). Auf Basis der Millenniumserklärung und der Rio+20 Konferenz wurden auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung 2015 einstimmig die 17 Ziele mit ihren 169 Unterzielen der Agenda 2030 vereinbart. Seitdem ist die Agenda 2030 ein Entwurf zur Verwirklichung einer Welt der Nachhaltigkeit, in der alle Menschen am Wohlstand teilhaben und auf einem gesunden Planeten ein produktives, lebendiges und friedliches Leben führen können (Vereinte Nationen, 2019).

Das Grundkonzept für nachhaltige Entwicklung baut auf fünf Säulen auf, die gemeinsam von Staats- und Regierungschefs sowie von hohen Vertretern der 189 Mitgliedsstaaten deklariert wurden. Sie lassen sich in die Themenblöcke Mensch, Planet, Wohlstand, Frieden und Partnerschaft unterteilen. Der Kerngedanke ist, dass jeder Mensch unseres Planeten das Recht auf eine freie und gerechte Entfaltung hat, die im Einklang mit einer gesunden und nachhaltig genutzten Natur steht. Jedes Individium soll ein von Wohlstand und Frieden geprägtes Leben genießen können, welches sich in Harmonie mit wirtschaftlichem, sozialem und technischem Fortschritt, sowie einer globalen Partnerschaft der Menschen, befindet (Vereinte Nationen, 2015).

Der jährlich in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung und dem Sustainable Development Solutions Network erarbeiteten Sustainable Development Report, ist einer der renommiertesten Berichterstattungen für den Fortschritt der Umsetzung der SDGs weltweit. In diesem Bericht wird ein Ranking für die 193 UN-Mitgliedsstaaten erstellt, um den Fortschritt der jeweiligen Staaten transparent und ersichtlich der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Wirft man einen Blick auf Österreich so wird deutlich, dass die sozialistisch geprägte Politik der letzten Jahre hervorragende Arbeit geleistet hat. So wurden einige der 17 Nachhaltigkeitsziele bereits im Vorfeld erreicht. Daher belegt Österreich hinter Dänemark, Schweden, Finnland und Frankreich zu Recht den fünften Platz im Ranking. Jedoch sollte man nicht außer Acht lassen, dass Österreich durch die Jahre lange Sozialpolitik einige Ziele bereits erfüllen konnte ohne die Vorgaben der Jahre später entwickelten Agenda gekannt zu haben. Daher wäre es ein Fehler, wenn sich Österreich nun auf diesen Lorbeeren ausruht, wohingegen speziell Ziel 12 und Ziel 13 die wohl bedeutendsten Ziele des 21. Jahrhunderts darstellen und ihre Umsetzung über das menschliche Bestehen auf der Erde entscheidend sein wird (Bertelsmann Stiftung and Sustainable Development Solutions Network, 2019).

3.1.2. Ziel 12 „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen“

Mit dem wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt der letzten 100 Jahre ist eine Umweltzerstörung einhergegangen, die genau jene Systeme gefährdet, die das Leben auf der Erde überhaupt erst ermöglichen. Weltweit erhöht sich Jahr für Jahr der Einsatz natürlicher Ressourcen für Wirtschaftstätigkeiten derart, dass derzeit nicht von einer Entkopplung des Ressourceneinsatzes, bei steigendem technologischem Fortschritt, ausgegangen werden kann (Vereinte Nationen, 2019). Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden in Ziel 12 Maßnahmen genannt, die für eine nachhaltige und effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen ausschlaggebend sind. Zentrale Themen wie die Nahrungsmittelverschwendung, das Abfallaufkommen und das Bewusstsein für eine nachhaltige und schonende Bewirtschaftung stellen die Eckpfeiler der acht Unterziele, die wie folgt lauten, dar:

12.1 Den Zehnjahres-Programmrahmen für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster umsetzen, wobei alle Länder, an der Spitze die entwickelten Länder, Maßnahmen ergreifen, unter Berücksichtigung des Entwicklungsstands und der Kapazitäten der Entwicklungsländer.
12.2 Bis 2030 die nachhaltige Bewirtschaftung und effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen erreichen.
12.3 Bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene halbieren und die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Nahrungsmittelverluste einschließlich Nachernteverlusten verringern.
12.4 Bis 2020 einen umweltverträglichen Umgang mit Chemikalien und allen Abfällen während ihres gesamten Lebenszyklus in Übereinstimmung mit den vereinbarten internationalen Rahmenregelungen erreichen und ihre Freisetzung in Luft, Wasser und Boden erheblich verringern, um ihre nachteiligen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auf ein Mindestmaß zu beschränken.
12.5 Bis 2030 das Abfallaufkommen durch Vermeidung, Verminderung, Wiederverwertung und Wiederverwendung deutlich verringern.
12.6 Die Unternehmen, insbesondere große und transnationale Unternehmen, dazu ermutigen, nachhaltige Verfahren einzuführen und in ihre Berichterstattung Nachhaltigkeitsinformationen aufzunehmen.
12.7 In der öffentlichen Beschaffung nachhaltige Verfahren fördern, im Einklang mit den nationalen Politiken und Prioritäten.
12.8 Bis 2030 sicherstellen, dass die Menschen überall über einschlägige Informationen und das Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung und eine Lebensweise in Harmonie mit der Natur verfügen.

Die Vereinten Nationen verweisen ebenfalls auf Entwicklungsländer, welche mit den wissenschaftlichen und technologischen Kapazitäten der entwickelten Länder unterstützt werden sollen, um nachhaltigen Konsum und dessen Produktionsmuster voranzutreiben. Ebenso soll ein nachhaltiger Tourismus, der neue Arbeitsplatze schafft und die Kultur sowie mit ihr lokal produzierte Produkte gefördert, angestrebt und ausgebaut werden. Des Weiteren wird gezielt auf die ineffiziente Subventionierung fossiler Brennstoffe eingegangen, die zu verschwenderischem Verbrauch innerhalb der Bevölkerung führt (Vereinte Nationen, 2015).

Bereits der 2007 veröffentlichte nationale Bericht zur Umsetzung der EU-Strategien für nachhaltige Entwicklung legte den Schwerpunkt auf die Bewusstseinsbildung für nachhaltigen Konsum (Wegscheider-Pichler, 2014). Laut Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) bilden nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster die Schnittstelle zwischen Produkten, dem Handel und den Konsumenten in Österreich. Der nachhaltigen Sortimentspolitik wird daher eine große Hebelwirkung zugesprochen. Mittels den in Punkt 3.3.1 folgenden Strategien und den vom BMNT ins Leben gerufenen Initiativen zu „Nachhaltiger Konsum“, möchte Österreich hierbei Methoden schaffen, um das Bewusstsein für das Angebot nachhaltig produzierter Produkte zu schärfen (Bundeskanzleramt Österreich, 2017).

3.1.3. Ziel 13 „Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen“

Aufgrund der anhaltend steigenden Treibhausgaskonzentration schreitet der Klimawandel mit seinen weltweit sichtbaren Auswirkungen viel schneller voran als bisher angenommen. Die globale Mitteltemperatur lag 2018 bei etwa einem Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau. Historisch gesehen waren die letzten vier Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen (Vereinte Nationen, 2019). Der Klimawandel ist eines der, wenn nicht genau das bestimmende Thema der Menschheit im 21. Jahrhundert. Zahlreiche Städte und Länder, darunter auch Österreich, haben im Jahr 2019 den Klimanotstand ausgerufen (Fridays For Future Wien, 2019). Im 13. Ziel der Agenda 2030 werden daher drei Unterziele definiert, um den bereits irreparablen Auswirkungen vorzubeugen, dem andauernden Temperaturanstieg entgegenzuwirken und diesen bis auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken (Vereinte Nationen, 2015). Die drei Unterziele lauten wie folgt:

13.1 Die Widerstandskraft und die Anpassungsfähigkeit gegenüber klimabedingten Gefahren und Naturkatastrophen in allen Ländern stärken.
13.2 Klimaschutzmaßnahmen in die nationalen Politiken, Strategien und Planungen einbeziehen.
13.3 Die Aufklärung und Sensibilisierung sowie die personellen und institutionellen Kapazitäten im Bereich der Abschwächung des Klimawandels, der Klimaanpassung, der Reduzierung der Klimaauswirkungen sowie der Frühwarnung verbessern.

Auch in Ziel 13 appellieren die Vereinten Nationen an die Industriestaaten ihr wissenschaftliches und technisches „Know-How“ für Entwicklungsländer bereitzustellen und mittels Fördergeldern sinnvolle Klimaschutzmaßnahmen für sich selbst und für andere Staaten voranzutreiben (Vereinte Nationen, 2015).

Da sich Österreich verpflichtet hat die Agenda 2030 und die dazugehörenden SDGs in den Staatsapparat bis 2030 einzuarbeiten und umzusetzen, zählt die Erstellung einer aktuellen und zielführenden Klimaschutzstrategie ebenfalls zu den Aufgaben Österreichs. Um dieser Verbindlichkeit nachzukommen hat Österreich nationale Strategien, Programme und Initiativen gestartet, welche im Punkt 3.3.1 genauer erläutert werden.

3.2. Globale Zusammenarbeit und Konsequenzen

Da die Agenda 2030 und die dazugehörigen SDGs lediglich als Ratgeber für eine nachhaltige Entwicklung fungieren, ist es somit jedem Mitgliedsstaat selbst überlassen inwieweit und mit welcher Effizienz die vorgegebenen Ziele in die staatliche Entscheidungsfindung miteinwirken und tatsächlich umgesetzt werden. Zuversichtlich stimmen natürlich die Unterstützungsbekenntnisse der Mitgliedstaaten und der Widerhall von Presse und diversen internationelen Organisationen. Allerdings bleibt die Tatsache der mangelnden Konsequenzen bei Nichteinhaltung, Nichterfüllung bzw. Nichtförderung problematisch (Welthungerhilfe, 2019).

Zur Bewältigung der genannten globalen Problemstellungen bedarf es Ansätzen, deren Ursprung sich auf regionaler Ebene befindet und auf nationaler- sowie über internationale zwischenstaatliche Kooperationen fortgeführt werden (Vereinte Nationen, 2015). Nur die Übernahme einer solchen Verantwortung, welche von allen beteiligten Akteuren und Organen anerkannt und verinnerlicht wird, hat das Potenzial zu einer langfristigen Lösung zu führen. Um mangelnden Konsequenzen entgegenzuwirken wurden daher Theorien entwickelt, die unter dem zentralen Begriff „Global Governance“ zusammengefasst werden. Diese Theorien versuchen eine funktionierende internationale Kooperation im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit zu definieren. Es wird versucht Akteure, welche bereits involviert sind oder künftig einbezogen werden, zu deklarieren und welche Mechanismen und Strategien erarbeitet werden müssen, um die gesetzten Ziele letztlich zu erreichen. (Blickling, 2016). Global Governance Theorien bringen das theoretische Werkzeug mit, um sich der Bearbeitung komplexer und global auftretender Probleme auf konzeptueller Ebene zu stellen. Um eine derartige internationale Zusammenarbeit zu bewerkstelligen, nimmt die Ausarbeitung konkreter Maßnahmen auf regionaler und nationaler Ebene eine extrem wichtige Rolle ein, da eine nachhaltige Kooperation unter Staaten auf eine funktionierende soziale, ökonomische und ökologische Entwicklung aufbaut (Burger, et al., 2017).

3.3. Zuständigkeitsbereich der Umsetzung von SDGs in Österreich

In Österreich sind die Bundesministerien dafür zuständig Strategien, Programme und Aktionspläne zu erstellen, um die Agenda 2030 in den Staatsapparat zu integrieren. Dabei sollen einerseits alle Kooperationspartner auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene, andererseits die Wirtschaft, die Wissenschaft, die Sozialpartner und die Zivilgesellschaft einbezogen werden. Die Koordination obliegt dem Bundeskanzleramt (Demokratiewebstatt, 2017), wobei die Umsetzung durch alle Bundesministerien in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich erfolgt. Diese Strategie wird auch als Mainstream-Ansatz bezeichnet. Es hat sich jedoch in der Vergangenheit gezeigt, dass dies zu einer Fragmentierung des Umsetzungsprozesses führt und folglich eine zentrale und kohärente Steuerung fehlt (Rechnungshof Österreich, 2018).

3.3.1. Strategien zu Ziel 12 und 13

Die Zuständigkeit zur Umsetzung von SDG12 und SDG13 lag beim Bundesministerium für Land- und Fortwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) sowie beim Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT). Durch den Umstand, dass sowohl das BMLFUW als auch das BMVIT demselben Zuständigkeitsbereich zugewiesen worden sind, bot sich eine interministerielle Zusammenarbeit an. Die Angelegenheiten der ökologischen Nachhaltigkeit waren bis 7. Jänner 2018 im Bundesministerium für Land– und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft angesiedelt. Mit Inkrafttreten der Bundesministeriengesetz–Novelle 2017 ressortierten diese Angelegenheiten zum Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus.

Das BMLFUW berücksichtigte jene nachhaltigen Entwicklungsziele in seinen Strategien, Programmen und Initiativen mit überwiegend ökologischem, natur– und kulturräumlichem Bezug (Rechnungshof Österreich, 2018). Es wurden insgesamt 25 verschiedene Programme, Strategien und Initiativen für die Zielerreichung von SDG 12 sowie 15 Vorschläge für SDG 13 angeführt (Stickler & Pock, 2017). Der Richtigkeit halber muss jedoch gesagt werden, dass einige Punkte, sowohl bei Ziel 12 als auch bei Ziel 13 angeführt wurden, weswegen die Zahl der verschiedenen Ausarbeitungen auf 36 sinkt. Zur Veranschaulichung dienen insbesondere die folgenden Beispiele: „Österreichisches Programm für ländliche Entwicklung 2014 – 2020“, die „Waldstrategie 2020+“ und die „Österreichische Strategie zur Anpassung an den Klimawandel“ (Stickler & Pock, 2017).

Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie berücksichtigte die nachhaltigen Entwicklungsziele in seinen Strategien, Programmen und Initiativen, insbesondere in den Bereichen der umweltverträglichen Mobilität, der Luftfahrt und der Energieforschung sowie der allgemeinen Infrastruktur. Hier können als Beispiele etwa das „Nationale Verkehrssicherheitsprogramm 2011–2020“ der „Umsetzungsplan Elektromobilität“ oder die „Energie–, Forschungs– und Innovationsstrategie“, angeführt werden (Wasner, et al., 2018).

Sowohl das BMLFUW als auch das BMVIT erarbeiteten eine Reihe von Methoden, welche sich mit Ziel 12 als auch mit Ziel 13 überschneiden. Jedoch hat der Großteil dieser Maßnahmen keine explizite Verbindung zu den angeführten Zielen der Agenda 2030 (Rechnungshof Österreich, 2018).

3.4. Istzustand des Umsetzungsgrades in Zahlen

In diesem Kapitel wird mit Hilfe der Daten, die von Statistik Austria, Eurostat sowie des Umweltbundesamtes, zur Verfügung gestellt worden sind, gezielt auf die Veränderung des Konsumverhaltens, des Abfallaufkommens sowie der Treibhausgasentwicklung in Österreich von 2008 bis 2018 eingegangen. Anschließend wird ein Resümee für Österreich gezogen und der momentane Istzustand aufgezeigt.

3.4.1. SDG Indikatoren der Europäischen Union

Um den Fortschritt der Umsetzung der Zielerreichung jedes UN-Staates exakt erfassen zu können, wurde von der Europäischen Union das sogenannten „EU-SDG-Indikatorset“ entwickelt. Hierbei wurde mit führenden Experten und Interessensgruppen in den jeweiligen Bereichen eine Art Bewertungsskala für die einzelnen Ziele erarbeitet. Diese Bewertungsskala ermöglicht eine einheitliche Beurteilung der einzelnen Länder hinsichtlich des Fortschritts bei der Umsetzung der SDGs. Das Set umfasst 100 Indikatoren und ist nach den 17 SDGs strukturiert wobei es sich auf Aspekte, die aus der Perspektive der EU interessant sind, konzentriert (Publications Office of the European Union, 2019). Um den Fortschritt der Umsetzung genau analysieren zu können, werden hauptsächlich jene Indikatoren, die relevant für die Zielerreichung sind, bewertet. Sie bauen auf den in der Agenda 2030 definierten Unterpunkten auf, wodurch der Bezug zur Agenda 2030 hergestellt wird. Da dieses Schema auch von einflussreichen NGOs herangezogen wird und eine bewährte Bewertungsmethode darstellt, wird es im Folgenden auch dieser Arbeit zugrunde gelegt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Vor welchen Hürden steht Österreich, um nachhaltige Entwicklungsziele (SDG12 und 13) bis 2030 erfolgreich in den Staatsapparat zu integrieren?
Hochschule
Universität für Bodenkultur Wien  (Department für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo))
Veranstaltung
Nachhaltige Entwicklung Grundlagen und Umsetzung
Note
1
Autor
Jahr
2020
Seiten
27
Katalognummer
V703048
ISBN (eBook)
9783346306210
ISBN (Buch)
9783346306227
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wie wirken politisch bzw. wirtschaftlich engagierte Interessensgruppen in die Entscheidungsfindung Österreichs mit ein? Da das Thema SDGs (Sustainable Development Goals) noch recht neu ist und die erste genaue Bilanz für alle UNO Staaten erst 2030 gezogen werden kann, möchte ich in meiner Arbeit bereits jetzt schon ein erstes Resümee ziehen. Im Spezielleren möchte ich Österreich durchleuchten und die nationalen Strategien, die das Land verfolgt unter die Lupe nehmen und den derzeitigen Umsetzungsgrad ermitteln.
Schlagworte
Agenda 2030, komplexe internationale Problemstellung, Stagnation in der Umsetzung, Einflussnahme von wirtschaftlich/politisch motivierten Interessengruppen, Auswirkung auf die Umsetzung
Arbeit zitieren
Thomas Stüttler (Autor:in), 2020, Vor welchen Hürden steht Österreich, um nachhaltige Entwicklungsziele (SDG12 und 13) bis 2030 erfolgreich in den Staatsapparat zu integrieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/703048

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Vor welchen Hürden steht Österreich, um nachhaltige Entwicklungsziele (SDG12 und 13) bis 2030 erfolgreich in den Staatsapparat zu integrieren?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden