Otto von Bismarck. Ein Halunke oder der wichtigste Mann Preußens?


Unterrichtsentwurf, 2014

7 Seiten, Note: 2.5

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Großer Unterrichtsentwurf
1.1 Lerngruppenanalyse
1.2 Sachanalyse
1.3 Didaktische – Methodische Analyse
1.4 Lernzielformulierung
1.5 Bibliographie
1.6 Stundenverlauf

1. Großer Unterrichtsentwurf

1.1 Lerngruppenanalyse

Allgemeines. Der Geschichtsunterricht findet im Kurs ... zweimal pro Woche statt, am Montag von ... – ... Uhr und am Donnerstag von ... – ... Uhr. Der Kurs besteht aus ... SuS (... m; ... w). Der Kurs wird regulär von der Fachlehrerin ..., seit 1 Jahr, unterrichtet. Bei der Lerngruppe handelt es sich um einen Grundkurs Geschichte der Q2. Durch das Doppelstundensystem ist die vorliegende Stunde die erste Hälfte einer Doppelstunde. Für die zweite Hälfte wird daher eine handlungsorientierte Aufgabe gestellt, welche die SuS bearbeiten können, während die Nachbesprechung der Unterrichtsstunde erfolgt. Diese handlungsorientierte Aufgabe erfordert zugleich ein Überblicken der kompletten Reihe als auch ein Abwägen von positiven und negativen Aspekten von Bismarcks Politik als auch ein Abwägen von Faktoren, die durch gegenwärtigen Denkmalschutz relevant sind. Somit wird ein großer Teil des Anforderungsbereiches III in die Folgestunde fallen, die somit von den SuS nicht nur als Vertiefung für die vorliegende Stunde, sondern gleichsam als Vertiefung für die ganze Unterrichtsreihe fungiert.

Die Hausaufgabe zur vorliegenden Stunde bereitet auf die Stundenfrage vor. Der Erwartungshorizont besteht bei dieser Aufgabe aus einer Gegenüberstellung von einem ausgeklügelten Bündnissystem, einer langen funktionierenden Sozialgesetzgebung als positive Aspekte und die Bekämpfung von Sozialdemokratie und Zentrum als negative Aspekte. Lehrer-Schüler-Verhältnis.... genießt in der Klasse Anerkennung und Akzeptanz. Sie wird sowohl als Mensch, als Lehrerin und auch als Expertin ihres Faches respektiert. Sie hat die Fähigkeit die Klasse mit Handzeichen zu „steuern“. Es gibt Gesten und Zeichen, die die ganze Klasse versteht und sich danach richtet. Obwohl ich in der Klasse nur kurze Zeit unterrichtet habe, akzeptierten mich die SuS als angehenden Lehrer. Mein Verhältnis zur Klasse charakterisiere ich insgesamt als respektvoll, offen und über weite Strecken als spannungsfrei.

1.2 Sachanalyse

Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vollzog sich in Deutschland ein Wandel in der Gesellschaft, der von verschiedenen Faktoren beeinflusst wurde. Industrialisierung, Wohlstand sowie zwei Weltkriege, welche die politische Staatsmacht ablösten und durch demokratischen Pluralismus ersetzten.1

Dies hatte zur Folge, dass die Familienstruktur temporär beeinflusst und verändert wurde. Das 19. Jahrhundert ist weiterhin gekennzeichnet durch Individualisierung und Emanzipation.2

Gerade die Individualisierung, die sich vorwiegend auf der Grundlage der industriellen Revolution entwickelte, führten zu einem sukzessiven Wandel in der Gesellschaft. Veränderungen fanden beispielsweise im Bereich Familie, Kultur, Lebensform und Arbeitswelt statt. Auf Grund von Untersuchungen zu den Fragen, welche Lebensbereiche sich durch die individuellen Einflüsse weiterentwickelten haben, sowie über den eigentlichen Beginn der Individualisierung, entstand eine kontroverse Debatte zwischen zahlreichen Wissenschaftlern.3 Weiterhin ist diese Epoche durch Individualisierung und Emanzipation gekennzeichnet. Besonders die Individualisierung führte zu einem Wandel in der Gesellschaft. Veränderungen fanden beispielsweise in den Bereichen Familie, Kultur, Lebensform und Arbeitswelt statt. Aus all den eben genannten Punkten entwickelte sich, nach Beck, ein historisch-sozialer Kontinuitätsbruch, ein Wandel im gesellschaftlichen und kulturellen Bereich.4 Die Veränderungsprozesse führten auf politischer Ebene verstärkt zu liberal-nationalen Bestrebungen.5

1.3 Didaktische-Methodische Analyse

Die vorliegende Stunde ist als Abschlussstunde der Unterrichtsreihe über das „Bismarck’sche Zeitalter“ zu kontextualisieren. Die gesetzten Anführungszeichen signalisieren eine eigentliche Abkehr der Geschichtswissenschaft von einer personalisierten Geschichtsauffassung; dieser Abkehr folgt auch Nipperdey er unterstreicht es explizit, obwohl er seine Monographie über die Geschichte Deutschlands mit dem Satz „Am Anfang war Bismarck.“6 beginnen lässt. Vor diesem Hintergrund sollte die hohe Präsenz der Person Bismarcks im schulischen Geschichtsunterricht über die Zeit von 1862 bis 1890 – die sowohl durch den Lehrplan7 als auch durch das schulinterne Curriculum gerechtfertigt wird – kurz erklärt werden. Es wird der Bismarckmythos angesprochen und somit ein didaktischer Bogen zu der Anfangsstunde der Reihe geschlagen, die sich mit Denkmälern, unter anderem dem Bismarckdenkmal in Hamburg beschäftigte. Verständlich wird die Errichtung der zahlreichen Bismarckdenkmäler (insbesondere der Bismarcktürme) nur durch ein Verständnis des Bismarckkultes, der teilweise ins Transzendente überhöht wurde; als Beispiel sei hier der Bismarckturm in Dresden-Cossebaude angeführt, der als Feueraltar konstruiert worden ist.8

Verständlich wird dieser Mythos nur durch die Betrachtung derjenigen Teile der Bevölkerung, die sich durch Bismarcks Politik vertreten sahen. In den vorangegangenen Stunden wurden die innenpolitischen Gegner Bismarcks, die Sozialdemokratie und die Zentrumspartei behandelt, also Bevölkerungsgruppen, die als „Reichsfeinde“ dem Reichskanzler Bismarck gegenüberstanden.

Verallgemeinernd lässt sich das Bürgertum – in weiten Teilen nationalliberal eingestellt und in Wirtschaftsbürgertum, Bildungsbürgertum und Studentenschaft einteilbar – als Befürworter Bismarcks ausmachen. Eine ausführliche Analyse des Bürgertums im 19. Jhd. sowie die Kontroverse, ob das Bürgertum überhaupt eine derart relevante Größe darstellte, dass das lange 19. Jhd. nach dieser Bevölkerungsgruppe benannt wird, würde im Kontext schulischen Unterrichts zu weit führen.9

Daher wird in der vorliegenden Stunde eine exemplarische Auswahl von drei Historikermeinungen verschiedener Zeiten als Quellenmaterial herangezogen und durch zwei ausländische Reaktionen auf Bismarcks Entlassung ergänzt. Überraschenderweise sind diese Reaktionen positiv, obwohl bei Frankreich durch die Abtrennung Elsass-Lothringens 1871 als auch bei Russland durch eine subjektive Benachteiligung auf dem Berliner Kongress einen negativen Tenor der Reaktion zu erwarten gewesen wäre. Bei der Auswahl der Historikertexte wurde versucht, aktuelle Forschungspositionen mit älteren zu verbinden. Auch wenn die neueste Forschungsliteratur nicht verwendet worden ist10, so haben doch mit Nipperdey und Gall historiographische Klassiker Verwendung gefunden, die mit Fug auch heute noch herangezogen werden können. Als Beispiel für eine das Nationale überhöhende Geschichtsschreibung wurde Meyer verwendet, dessen Erstauflage noch in der Zeit des Nationalsozialismus erschienen ist und deutlich der übersteigerten Rezeption der Person Bismarcks als Reichsgründer folgt. Wie Nipperdey und Gall zeichnet auch Schwarzmüller ein ausgewogenes Bild von der politischen Person Bismarck. Angemerkt sei hier, dass die SuS sich die positiven und die negativen Aspekte von Bismarcks Politik aus der ganzen Unterrichtsreihe verdeutlichen müssen, was aus didaktischer Sicht eine zusätzliche Vertiefung darstellt (relative Stabilität des europäischen Friedens, solange das Bündnissystem hielt; Reichsgründung zwar von oben, aber dennoch im Einklang weiter Bevölkerungsschichten; nachhaltige und bis heute existente Sozialgesetzgebung versus Stilisierung von unliebsamen politischen Kräften als Reichsfeinde und somit negative Integration (Hans-Ulrich Wehler) der nicht-katholischen und nichtsozialdemokratischen Bevölkerung; auf lange Sicht kein Erfolg mit dem Sozialistengesetz durch Stärkung der SPD; kein langfristiger Erfolg im Kulturkampf).

Methodisch ist diese Stunde durch die historiographiehistorische Ausrichtung von hoher Bedeutung. Kommen SuS in den meisten Unterrichtsstunden mit Quellentexten oder Historikertexten in Kontakt, so sind bei der rezeptionshistorischen Behandlung Bismarcks die Historikertexte die Quellen. Bei diesem Aspekt kommt die vom Lehrplan geforderte Wissenschaftsorientierung zum Tragen. Stellt Wissenschaftsgeschichte in den meisten universitären Disziplinen eher ein wenig bis gar nicht beachtetes Forschungsfeld dar, so ist gerade die Geschichtswissenschaft aufgefordert, hier andere Schwerpunkte zu setzen. Gerade die der Geschichtswissenschaft eigene Beschäftigung mit der Vergangenheit als Betrachtungsgegenstand legt eine Beschäftigung mit der Historie der eigenen Disziplin nahe. Auch wenn dies selbstverständlich kein Forschungsfeld ist, das im schulischen Geschichtsunterricht eine breite Fläche einnimmt, so ist es doch eine Sensibilisierung der SuS für den Umstand, dass Forschungsergebnisse immer einen Kern an Interpretationsspielraum der zugrundeliegenden Quellen enthalten. Die SuS sollen auch für die Existenz des Wandels von Deutungen im Allgemeinen sensibilisiert werden. Bei dieser Unterrichtsstunde im Speziellen steht der Deutungswandel der Person Bismarcks im Mittelpunkt. Dessen Bild fällt aus Sicht der Katholiken und Sozialdemokraten sicherlich negativ aus, aus Sicht nationalliberaler Deutscher im Kaiserreich und in der Weimarer Republik wurde es ins übersteigert Positive verklärt.

1.4 Lernzielformulierung Stundenziel

Die SuS bewerten Bismarcks politisches Wirken kriteriengeleitet anhand der Nachhaltigkeit seiner Innen- und Außenpolitik.

Teilziele

Die SuS machen sich den Deutungswandel Bismarcks bewusst.

Die SuS vergleichen Bewertungen des politischen Wirkens Bismarcks von Zeitzeugen und Nachgeborenen.

Die SuS lernen Historiographiegeschichte als wichtigen Teil der Geschichtswissenschaft kennen und schulen dadurch ihre Methodenkompetenz.

Die SuS wägen Argumente für und wider die Restaurierung von Bismarckdenkmälern ab und treffen eine Entscheidung.

[...]


1 Vgl.: Bade, Klaus Jürgen: Europa in Bewegung - Migration vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München 2002, S. 85 ff.

2 Vgl.: Beck, Ulrich: Risikogesellschaft - Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt/M. 1986, S. 205 ff.

3 Vgl.: Einen guten Überblick bietet: Kron, Thoma u. a. (Hg.): Individualisierung, Bielefeld 2009.

4 Vgl.: Beck: Risikogesellschaft, S. 206 ff.

5 Vgl.: Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1806 - 1866 - Bürgerwelt und starker Staat, München 1994, S. 30; 34.

6 Vgl.: Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1866-1918. Zweiter Band. Machtstaat vor der Demokratie, München 1998, S.11.

7 Vgl.: Kultusministerium ..., Rahmenrichtlinien Gymnasium Geschichte: Schuljahrgänge 5 – 12.

8 Vgl.: Seele, Sieglinde: Lexikon der Bismarckdenkmäler. Türme, Standbilder, Büsten, Gedenksteine und andere Ehrungen. Eine Bestandsaufnahme in Wort und Bild, Petersberg 2005, S. 111.

9 Vgl.: Blaschke, Olaf: Das 19. Jahrhundert: Ein Zweites Konfessionelles Zeitalter?, 2000, S. 38-75.

10 Vgl.: Gerwarth, Robert: Der Bismarck-Mythos. Die Deutschen und der Eiserne Kanzler, München 2007.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Otto von Bismarck. Ein Halunke oder der wichtigste Mann Preußens?
Note
2.5
Jahr
2014
Seiten
7
Katalognummer
V703207
ISBN (eBook)
9783346209177
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich hierbei um einen Unterrichtsentwurf im Fach Geschichte zur Thematik Bismarcks Mythos.
Schlagworte
Bismarck, Nationalstaat, 19. Jahrundert, Feinde, Preußen
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