Strukturwandel und Arbeitsmarkt. Produktlebenszyklen, Nachfrage und Beschäftigung


Seminararbeit, 2015

21 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arbeitsmarktmodell strukturellen Wandels

3. Strukturwandel in Anbetracht von Produktlebenszyklen

4. Strukturwandel unter Einbeziehung der Dynamiken der Nachfrage und der Beschäftigung

5. Empirische Evidenz vorgestellter Theorien

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen einer Untersuchung des Zusammenwirkens struktureller Wandel in Bezug auf den Arbeitsmarkt, fokussiert sich diese dokumentaranalytische Arbeit auf die Untersuchung von Einflussfaktoren divergierender, regionaler Beschäftigungsentwicklungen.

In klassischen Arbeitsmarktmodellen wie u.a. von Layard, Nickell und Jackman (1991) werden Differenzen im Beschäftigungsniveau vor allem über die Existenz institutioneller Unterschiede erklärt.1 Diese klassischen Ansätze sind dementsprechend vorranging dazu in der Lage, nationale Differenzen der Beschäftigung herzuleiten, hingegen regionale Unterschiede innerhalb einer Nation, aufgrund zumeist sehr ähnlicher institutioneller Rahmenbedingungen, von diesen Modellen wenig plausibel erfasst werden.2 Nach Südekum (2005: 159f.) treten regionale Ungleichheiten im Beschäftigungsniveau jedoch oftmals in gleicher Höhe auf, wie auf nationaler Ebene. In jüngerer Zeit entstanden neue Theorien, zur Erklärung divergierender, regionaler Entwicklungsprozesse, deren zentrales Hauptaugenmerk jedoch in der Analyse von regionalen Produktivitätsunterschieden liegt.

Hervorzuheben ist der Bereich der neuen ökonomischen Geographie, der sich mit den Auswirkungen von Agglomerations, - Konzentrations,- und Spezialisierungseffekten auf regionale und nationale Ökonomien beschäftigt und dessen Ursprung auf die Arbeit von Krugman (1991) zurückgeführt wird. Bereits Marshall (1890) beschrieb die Vorteile der Entstehung von Ballungsräumen hinsichtlich Unternehmen gleicher oder verwandter Wirtschaftssektoren aufgrund, über Wissenstransfers, zu erzielender Spezialisierungseffekte. Die Alternativhypothese über sogenannte Agglomerationseffekte begründete Jacobs (1969) mittels ihrer Marshall widersprechenden Theorie, dass Innovations- und Produktivitätssteigerungen vor allem der Adoption von Wissen nicht verwandter Wirtschaftssektoren entspringt und daher vorrangig Diversität innerhalb einer Region zu höherem wirtschaftlichem Erfolg beiträgt. Krugman (1991: 5) selbst führt die Verschiedenheit regionaler, ökonomischer Leistungsfähigkeiten mit wesentlicher Gewichtung auf Konzentrationseffekte, die Entstehen wenn ein Großteil der Unternehmen einer Branche sich in einer spezifischen Region konzentriert, zurück.

Im Rahmen dieser Arbeit steht indes viel mehr ein allgemeinerer, auf Neisser (1942) zurückzuführender und von Appelbaum und Schettkat (1993) erstmals formalisierter Ansatz im Fokus, dessen Schwerpunkt in der Erklärung von Differenzen regionaler Beschäftigungsentwicklungen anhand eines Zusammenspiels von strukturellem Wandel, technischem Fortschritt und den Bedingungen der jeweiligen Gütermärkte, in Form der Preiselastizitäten der Nachfrage, analysiert und erklärt.

Zuerst wird dazu die Theorie über den Einfluss der Preiselastizität der Nachfrage, unter fortschreitender technischer Entwicklung, auf die Beschäftigungsentwicklung vorgestellt. Auf Grundlage dessen erfolgt anschließend eine Darstellung der Formalisierung, des von Neisser (1942: 53) aufgestellten Zusammenhangs, in einem makroökonomischen Grundmodell nach Blien und Ludewig (2007: 9f.).

Im zweiten Abschnitt steht eine Verknüpfung des u.a. auf Schumpeter (1939) zurückführbaren Konstrukts des Produktlebenszyklus mit der zeitlichen Entwicklung der Preiselastizität der Nachfrage, sowie der Spezialisierung von Regionen, im Vordergrund. Dies soll dazu dienen, die Entstehung natürlicher Strukturwandel regionaler und nationaler Arbeitsmärkte zu beschreiben.

Das dritte Kapitel stellt ein, im Vergleich zur formalen Darstellung in Abschnitt zwei dieser Arbeit, weitreichenderes, makroökonomisches Modell nach Blien und Sanner (2006: 4ff.) vor. Dieses beschreibt das, im Kern der vorherigen Analyse unterstellte, Zusammenwirken auf die Beschäftigung einer Industrie innerhalb einer Region, unter zusätzlicher Einbeziehung von möglichen Beeinflussungen anderer Sektoren.

Abschließend wird diese Arbeit einen kleinen Einblick in Forschungen bezüglich des Einflusses der Preiselastizität der Nachfrage unter fortschreitendem technischem und technologischem Wandel auf die Beschäftigungsstrukturen und –Entwicklungen geben, um die empirische Stichhaltigkeit der vorgestellten Modelle und Zusammenhänge zu überprüfen.

2. Arbeitsmarktmodell strukturellen Wandels

In diesem Abschnitt liegt der Schwerpunkt darin, den Zusammenhang von technischem Fortschritt und den Bedingungen der Nachfrage auf den Gütermärkten auf die Strukturen regionaler Beschäftigung herzuleiten. Dazu wird im ersten Schritt die, auf Neisser (1942) zurückzuführende, grundlegende Theorie erläutert und analysiert. Anschließend erfolgt, anhand der Ergebnisse der vorangegangenen Untersuchung, eine formale Darstellung nach Blien und Ludewig (2007: 9f.), in Anlehnung an die Arbeiten von Appelbaum und Schettkat (1993), sowie Möller (2001).

Die vordergründige Voraussetzung zur Analyse eines möglichen Einflusses der Preiselastizität der Nachfrage auf die Beschäftigung, ist die Ablehnung der, in den meisten neoklassischen Modellen getroffenen Annahme, diese sei isoelastisch und fix.3 Die Preiselastizität der Nachfrage definiert sich als das Maß einer prozentualen Änderung der nachgefragten Menge Q eines Gutes, relativ zu einer prozentualen Änderung des Preises P des entsprechenden Gutes:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausgehend von der Definition der Nachfrageelastizität führt eine Senkung des Preises unter elastischen Konditionen ( zu einer überproportional steigenden Nachfrage und folglich zu einem höheren Umsatz ( ). Bei einer unelastischen Nachfrage hingegen bewirkt ein Preisrückgang lediglich einen unterproportionalen Nachfrageanstieg. Dies ist für den Anbieter des Gutes gleichbedeutend einer Umsatzminderung.

Das nachfolgende numerische Beispiel in Tabelle 1 verdeutlicht den Zusammenhang zwischen technischem Fortschritt, der Preiselastizität der Nachfrage und der Beschäftigungsentwicklung.

Tabelle 1: Zusammenhang zwischen technischem Fortschritt, Preiselastizität der Nachfrage und Beschäftigung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Blien, U.; Ludewig, O. (2007): Structural change and unemployment, S.7

Wie bereits Neisser (1942: 53) in seiner Arbeit implizierte, deutet Tabelle 1 eine positive Korrelation zwischen der Entwicklung des Umsatzes und der des Beschäftigungsniveaus an. Außerdem wird ersichtlich, dass technischer Fortschritt zwei gegensätzliche Effekte auf die Umsatzentwicklung und somit die Beschäftigung haben kann.

Zu Beginn einer technischen Neuerung führt der Produktivitätsgewinn zu einem Freisetzungseffekt von Arbeitskräften, da eine bestimmte Menge von Gütern mit geringerem Faktoreinsatz und folglich niedrigerer Arbeitsnachfrage produziert werden kann.4

Auf der anderen Seite tritt ein Kompensationseffekt der technischen Entwicklung auf. Dieser resultiert im Allgemeinen einerseits aus möglichen Produktinnovationen, andererseits aus der Kostenreduktion der bestehenden Produktion durch die entstehenden Produktivitätsgewinne.5 Unter kompetitiven Wettbewerbsbedingungen übermitteln Unternehmen gesunkene Produktionskosten vollständig an die Konsumenten. Der Preisrückgang wiederum erhöht die Güternachfrage und folglich die nach Arbeit zur Mehrproduktion jener Produkte.6

Welcher der beiden Effekte bei einer technischen Neuerung jeweils überwiegt, wird von der (erwarteten) Umsatzentwicklung und folglich unmittelbar von der Preiselastizität der Nachfrage beeinflusst.7

Der folgende Abschnitt beinhaltet die, an Appelbaum und Schettkat (1993, 1999: 389ff.) und Möller (2001) angelehnte, Formalisierung, des unter Zuhilfenahme von Tabelle 1 aufgezeigten Zusammenhangs, in ein, aus Blien und Ludewig (2007: 9f.) entnommenes, makroökonomisches Basismodell.8

Die erste Schematisierung zur Erstellung des Modells, definiert eine Bestimmungsfunktion bezüglich des technischen Fortschrittes mit Hilfe des Parameters der Arbeitsproduktivität π in einem Unternehmen j. Dieser wird aus der Relation zwischen der nachgefragten Menge eines Gutes und dem, des zur Produktion benötigten, Beschäftigungsniveaus L ermittelt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die darauf folgende Gleichung ist eine unternehmensspezifische Preissetzungsfunktion. Der Firma entstehende Lohnkosten , sowie ein Aufschlagssatz , der unter anderem die Kapitalkosten umfasst, ermitteln den Produktpreis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die dritte Modellgleichung bestimmt, mittels einer, negativ zum Produktpreis und positiv zum Einkommensniveau y abhängige Funktion, die Güternachfrage

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Warennachfrage steigt mit sinkendem Produktpreis und wachsendem Einkommen. Die Funktionen 2 bis 4 bringen folgende Wachstumsraten in Bezug auf die jeweiligen Variablen hervor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei die Preiselastizität und die Einkommenselastizität der Nachfrage kennzeichnet. Letztere misst, wie sich die nachgefragte Menge prozentual im Verhältnis zu einer prozentualen Änderung des Einkommens verändert.

Die im Folgenden von Blien und Ludewig (2014: 9) unterstellter Annahme eines konstanten Nullwachstums des Aufschlagssatzes, ermöglicht die nachstehende Definition der Wachstumsrate der Beschäftigung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um die Voraussetzung zu schaffen, die Beschäftigungsstrukturen unterschiedlicher Sektoren innerhalb charakteristischer Territorien differenzieren zu können, ist es notwendig, die, auf Basis der Analyse eines einzelnen Unternehmens hergeleitete Beschäftigungswachstumsrate 5 in der Art zu verallgemeinern, dass sämtliche Unternehmen j in einem bestimmten Wirtschaftszweig i in der als Bezugsgröße dienenden Region r aggregiert werden können.9

Um dies zu ermöglichen, gehen Blien und Ludewig (2014: 9) von der Prämisse aus, dass alle Unternehmen innerhalb ihres spezifischen Sektors identisch sind. Daraus folgt für die Wachstumsrate der Beschäftigung einer Industrie in der relevanten Region

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Technischer Fortschritt wird vom Modell als Hicks-neutral definiert. Das bedeutet, dass Produktivitätszuwächse die Effizienz der Produktionsfaktoren in gleichem Verhältnis erhöht. Somit ist aus der Wachstumsrate der Beschäftigung des Modells, das folgende, grundlegende Theorem (Vgl. Blien, Ludewig 2007: 10), analog zu der Kernaussage Appelbaums und Schettkats (1993), über den Einfluss technischen Fortschrittes auf die Beschäftigungsentwicklung abzuleiten:

Produktivitätssteigerungen innerhalb eines Industriezweiges mit unelastischen Preiselastizitätsbedingungen ( , führen zu einem Beschäftigungsrückgang in diesem Sektor. Hingegen, unter elastischen Preiselastizitätskonditionen ( , bewirkt technischer Fortschritt einen Zuwachs an Beschäftigung.

Die Einkommenselastizität der Nachfrage stellt einen weiteren, signifikanten Einflussfaktor für die Beschäftigungsentwicklung dar. Liegt ein normales Gut ( vor, erzeugt ein Anstieg des Einkommens eine wachsende Güternachfrage. Dies wiederum resultiert in einer höheren Nachfrage nach Arbeit. Eine Einkommenserhöhung kann folglich einen vorangegangen Freisetzungseffektes der technologischen Entwicklung abschwächen oder kompensieren.

3. Strukturwandel in Anbetracht von Produktlebenszyklen

Das in Kapitel zwei vorangegangene Modell ermöglicht vor allem eine Erklärung von Unterschieden regionaler Arbeitsmarktstrukturen anhand ökonomischer Effekte räumlicher Differenzierung.

In diesem Abschnitt wird das Hauptaugenmerk auf der zusätzlich signifikanten zeitlichen Dimension spezifizierter Produktion, zur Erklärung regionalökonomischer Auf- und Abschwünge, liegen. Dabei wird aufgezeigt, dass die Preiselastizität der Nachfrage im Zeitverlauf nicht konstant ist.

Zu diesem Zweck erfolgt eine Betrachtung der auf Ideen Schumpeters (1939) zurückzuführender und u.a. Appelbaum und Schettkat (1993) vertretener These über Produktlebenszyklen. Diese besagt, dass ein Produkt während seiner „Lebensdauer“ von der Entwicklung der Markttauglichkeit bis zum möglichen Marktaustritt unterschiedliche Phasen durchläuft.10 Die Entscheidung einer letztlichen Produktelimination wegen Kriterien der Unwirtschaftlichkeit, wie beispielsweise im Falle der VHS-Kassetten aufgrund der Entwicklung des DVD-Formats, ist keine Zwingende.11 Abbildung 1 beschreibt den idealtypischen Werdegang eines Produktes während seines Lebenszyklus.

Abbildung 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Blien, U.; Ludewig, O. (2007): Structural change and unemployment, S.8

[...]


1 Vgl. Blien, U.; Ludewig, O. (2007): Structural change and unemployment, S.1

2 Vgl. Ebd.

3 Vgl. Blien, U. (2010): Arbeitsmarkteffekte von technischem Fortschritt und strukturellem Wandel, S.7

4 Vgl. Brauer, U.; Friedrich, H. (1985): Arbeitslosigkeit – Dimension, Ursachen, Bewältigungsstrategien, S.60

5 Vgl. Ebd.

6 Vgl. Ebd.

7 Vgl. Tabelle 1

8 Die im Nachfolgenden für das gesamte Modell verwendeten Notationen, Gleichungen, Herleitungen und Erklärungen sind der Arbeit von Blien, U. und Ludewig, O. (2007): Structural Change and unemployment, S.9f. entnommen

9 Zu beachten ist hierbei, dass sich die Preiselastizität der Nachfrage für ein einzelnes Unternehmen von der einer gesamten, in vollständigem Wettbewerb stehenden Industrie unterscheidet. (Vgl. Blien, U.; Ludewig, O. (2007): Structural change and unemployment, S.9f.)

10 Vgl. Kampmann, R.; Walter, J. (2010): Mikroökonomie – Markt Wirtschaftsordnung, Wettbewerb, S.156f.

11 Vgl. Fischer, M. (2001): Produktlebenszyklus und Wettbewerbsdynamik, S.11

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Strukturwandel und Arbeitsmarkt. Produktlebenszyklen, Nachfrage und Beschäftigung
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V703209
ISBN (eBook)
9783346202871
ISBN (Buch)
9783346202888
Sprache
Deutsch
Schlagworte
arbeitsmarkt, beschäftigung, nachfrage, produktlebenszyklen, strukturwandel
Arbeit zitieren
Tobias Flöter (Autor), 2015, Strukturwandel und Arbeitsmarkt. Produktlebenszyklen, Nachfrage und Beschäftigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/703209

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