Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit folgender Fragestellung: "Wie wird der Wert der Ehe als Institution um 1950 im Vergleich zu den Jahren nach 1970 negativ beeinflusst?"
Die Wahl des Zeitraumes begründet sich darin, dass zwischen 1950 und den Jahren nach 1970 einige starke Veränderungen die Gesellschaft neu geprägt haben, wie zum Beispiel neue Sozialgesetze, der Wirtschaftsboom, das Anstreben von Gleichberechtigung und Ähnliches.
Eine mögliche These lautet: Die veränderten Rollenerwartungen an die Frau führen dazu, dass sie unabhängiger von einem Ehemann ist und deshalb ihre eigenen Interessen verfolgen kann. Eine Frau übernimmt nicht mehr nur die Rolle der Ehefrau, Mutter und Haushälterin, sondern auch die einer eigenständigen Arbeitnehmerin. Hieraus kann man schließen, dass die Ehe als Institution an Stellenwert verliert. Der Begriff der Institution wird in dieser Arbeit vorausgesetzt.
Inhaltsverzeichnis
I. Analyse
- Einleitung
- Hauptteil
1. Der Begriff der sozialen Rolle nach Popitz
2. Der Rollenwandel der Frau
3. Die Frau unter Betrachtung des theoretischen Rahmens
- Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wertverlust der Ehe als Institution im Zeitraum von 1950 bis in die Zeit nach 1970, wobei der Fokus insbesondere auf dem Zusammenhang mit den veränderten Rollenerwartungen an die Frau liegt.
- Soziologische Grundlagen der Rollentheorie nach Heinrich Popitz
- Historische Entwicklung des Rollenbildes der Frau in Deutschland
- Veränderungen im Familienbild und der gesellschaftlichen Erwartungshaltung
- Konfliktfelder zwischen Erwerbstätigkeit und traditioneller Mutterrolle
- Statistische Einordnung von Eheschließungen und gesellschaftlichem Wandel
Auszug aus dem Buch
1. Der Begriff der sozialen Rolle nach Popitz
Der Begriff der sozialen Rolle ist laut Popitz auf ein bestimmtes Verhältnis von sozialer Normierung und sozialer Differenzierung zurückzuführen.
Soziale Normierung meint hier, dass Verhaltensmäßigkeiten verallgemeinert und als Verhaltensregeln vorausgesetzt werden. Popitz unterscheidet zwischen allgemeingültigen Normen und Normen, welche nur für ausgewählte Gruppen gelten und durch die sogenannte „Normfächerung“(Popitz 2006, S. 123) einen fließenden Übergang erhalten.
Die soziale Differenzierung beschreibt dagegen die Unterschiede in Verhaltensmäßigkeiten bestimmter Gruppierungen. Das Zuordnen der Verhaltensbesonderheiten zu bestimmten Klassen bezeichnet Popitz als „positionelle Verfestigung“ (Popitz 2006, S.123). Wird in einer Klasse eine soziale Postion zeitweise nicht besetzt, entsteht das Wissen einer Vakanz. Es ist also wahrnehmbar, dass eine Position besetzt werden sollte.
Popitz betont dabei, dass nicht die kombinierten Eigenschaften von einem Individuum eine Rolle bilden, sondern dass ein Bündel solcher Erwartungen eine Rolle formt und durch ein Individuum besetzt werden muss. Zudem darf eine Position nicht nur von einem einzigen Individuum ausgeführt werden: „Erst mit der Entindividualisierung der Normen bilden sich Rollennormen“(Popitz 2006, S.126). Auch nicht als soziale Rolle bezeichnet werden können soziale Verhaltenstypen, Gruppen-Figuren und Individualitätsmuster, sowie Vergesellschaftlichungen, da es hier an normativer Verhaltensdifferenzierung fehlt. Mit diesen Begrifflichkeiten grenzt Popitz den Rollenbegriff ein.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Analyse: Einleitende Darlegung der Problemstellung und der wissenschaftlichen Relevanz des Themas im soziologischen Kontext.
- Einleitung: Herleitung der Fragestellung anhand statistischer Daten zum Rückgang der Eheschließungen und Formulierung der zentralen These zum Rollenwandel der Frau.
- Hauptteil: Theoretische Fundierung und Anwendung der Erkenntnisse auf das historische und aktuelle Bild der Frau.
1. Der Begriff der sozialen Rolle nach Popitz: Detaillierte Erläuterung der soziologischen Rollentheorie als analytisches Instrument zur Untersuchung gesellschaftlicher Handlungszusammenhänge.
2. Der Rollenwandel der Frau: Analyse der gesellschaftlichen Transformation von der traditionellen Hausfrau und Mutter hin zur modernen, erwerbstätigen Frau.
3. Die Frau unter Betrachtung des theoretischen Rahmens: Anwendung der Erkenntnisse von Popitz zur Einordnung der historischen und gegenwärtigen Erwartungshaltungen an Frauen.
- Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse und Bestätigung der Hypothese, dass die Institution Ehe an Bedeutung verloren hat, während die Familie als Wert bestehen bleibt.
Schlüsselwörter
Soziologie, Rollentheorie, Heinrich Popitz, Ehe, Institution, Rollenwandel, Frau, Erwartungshaltung, Sozialisation, Familie, Erwerbstätigkeit, Normierung, Differenzierung, Interrollenkonflikt, Wertverlust
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Untersuchung des Wertverlustes der Ehe als Institution im zeitlichen Vergleich zwischen 1950 und der Zeit nach 1970.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die soziologische Rollentheorie, der historische Rollenwandel der Frau in der deutschen Gesellschaft sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Modernisierung auf traditionelle Institutionen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage untersucht, wie der Wert der Ehe als Institution um 1950 im Vergleich zu den Jahren nach 1970 durch die veränderten Rollenerwartungen an die Frau beeinflusst wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch geleitete Analyse, basierend auf der Rollentheorie nach Heinrich Popitz, um historische und soziologische Daten zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung nach Popitz, die Darstellung des historischen Rollenwandels der Frau und die theoretische Reflexion dieser Entwicklungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziologie, Rollentheorie, Ehe, Rollenwandel, Frau, Institution und Interrollenkonflikt.
Warum spielt der Begriff der "positionellen Verfestigung" eine Rolle?
Dieser Begriff nach Popitz verdeutlicht, wie Verhaltensbesonderheiten bestimmten Klassen zugeordnet werden, was für das Verständnis der starren Rollenerwartungen um 1950 essenziell ist.
Führt der Wandel zur Auflösung der Familie?
Nein, die Autorin kommt zu dem Schluss, dass zwar die Institution Ehe als weniger wertvoll wahrgenommen wird, die Familie an sich für die Individuen jedoch weiterhin erstrebenswert bleibt.
Was versteht man unter dem Interrollenkonflikt der Frau?
Dies beschreibt den Zwiespalt der modernen Frau zwischen den Erwartungen als Familienbeschützerin und den Anforderungen als selbstständige Arbeitnehmerin.
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- Theresa G. (Author), 2019, Der Wertverlust der Ehe als Institution im Zusammenhang mit der veränderten Rollenerwartung an die Frau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/703989