Der Fokus im Rahmen dieser Arbeit soll auf der Betrüger-Opfer-Kommunikation liegen und diese mithilfe von spieltheoretischen Kommunikationsmodellen besser erklären und aufzeigen, mithilfe welcher Informationen die Täter ihren Betrug perfektionieren und Vorteile gegenüber ihrem Opfer generieren.
Um dies zu bewerkstelligen werden einige Konzepte vorgestellt und miteinander verknüpft. Eingangs wird der "Nigerian Scam" vorgestellt, historisch eingeordnet, erklärt und aufgezeigt unter welchen Bedingungen er lukrativ ist. Hierzu wird ebenfalls kurz der Mechanismus der Selbstselektion durch Änderung der Anreizstruktur diskutiert. Nachdem der Betrug angemessen dargestellt wurde, wird darauffolgenden die spieltheoretische Frage diskutiert, unter welchen Bedingungen ehrliche Kommunikation eine evolutionäre stabile Strategie (ESS) ist und unter welchen Umständen unehrliche oder betrügerische Signale Erfolg versprechen. Hierfür werden die Konzepte des "costly signalling" und "honest signalling" beziehungsweise des "handicap signalling" im Detail besprochen. Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengeführt, mit dem Ziel erklären zu können an welchen Stellen die Internetbetrüger vermeintlich stabile Strategien für ihre Zwecke ausnutzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Nigerian-Scam
3. Kommunikation in der Spieltheorie
4. Synthese
4.1. Die Modifizierung des Opfer-Täter-Verhältnisses und der Signalstärke
4.2. Zwei unterschiedliche Spiele auf dem gleichen Spielfeld
5. Zusammenfassung und weitere Forschung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, den andauernden Erfolg des Vorkassebetrugs (Nigerian Scam) mithilfe spieltheoretischer Kommunikationsmodelle zu analysieren und aufzuzeigen, wie Täter durch gezielte Informationssteuerung und psychologische Manipulation Vorteile gegenüber ihren Opfern generieren.
- Spieltheoretische Analyse von Kommunikationssignalen
- Mechanismen der Selbstselektion bei Betrugsmaschen
- Einfluss psychologischer Prinzipien wie Reziprozität und Autorität
- Die Divergenz von Wahrnehmung und Realität in Betrugsszenarien
- Präventionsansätze aus ökonomischer und verhaltenspsychologischer Sicht
Auszug aus dem Buch
4.2. Zwei unterschiedliche Spiele auf dem gleichen Spielfeld
Zur zentralen Prämisse dieser Arbeit gehört, dass beide – Opfer und Betrüger – ein Signal bzw. Kommunikationsspiel miteinander spielen, in dem sie auf die Signale der Gegenseite strategisch antworten. Des Weiteren unterstellen wir beiden Spielern grundsätzlich rationales Verhalten. Die in 4.1. vorgestellten psychologischen Druckpunkte greifen grundsätzlich bei allen angeschriebenen Personen, allerdings antworten nicht alle angeschriebenen Personen auf eine betrügerische E-Mail. De facto antwortet nur eine absolute Minderheit auf die Impulsnachricht, was auch im Sinne der Initiatoren ist.
Naivität wird hier verstanden, als ein Szenario, in dem zwei Spieler die gleiche Situation wahrnehmen, miteinander kommunizieren können und anschließend unabhängig voneinander strategische Entscheidungen fällen können, wobei der naive Spieler das Spiel als ein kooperatives Spiel versteht, der andere Spieler hingegen nicht (vgl. Howard 1990: 215) – solche Spiele werden in der Literatur unter dem Stichwort der soft games subsumiert, da keine bindenden Versprechungen/Zusagen getroffen werden können. Die Kernfrage ist demnach, wieso einige Spieler einem anderen Spieler vertrauen und andere nicht. Spieltheoretisch ist Vertrauen nichts anderes als die Vorstellungen eines Spielers bezüglich der wahrscheinlichen Handlung eines anderen Spielers; Vorhersagbarkeit und damit Vertrauen kann durch verschiedene Umstände erreicht werden, bspw. ein beidseitiger Vorteil durch eine gemeinsam verfolgte Strategieabfolge (vgl. Cox 2004: 263).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Vorkassebetrugs ein und legt den Fokus auf die spieltheoretische Analyse der Betrüger-Opfer-Kommunikation.
2. Der Nigerian-Scam: Dieses Kapitel ordnet den Nigerian Scam historisch ein, erläutert dessen ökonomische Funktionsweise und beschreibt den Mechanismus der Selbstselektion.
3. Kommunikation in der Spieltheorie: Es werden die theoretischen Grundlagen der Signaltheorie nach Michael Spence sowie Konzepte des ehrlichen und kostspieligen Signalisierens diskutiert.
4. Synthese: Die Synthese verknüpft psychologische Aspekte wie das Autoritätsprinzip mit dem Sir Philip Sidney Game, um die Manipulation des Opfer-Täter-Verhältnisses zu erklären.
4.1. Die Modifizierung des Opfer-Täter-Verhältnisses und der Signalstärke: Dieser Unterpunkt analysiert, wie Betrüger durch vorgetäuschte Gemeinsamkeiten (In-Group-Membership) und Leidensgeschichten die psychologischen Bedingungen für eine erfolgreiche Manipulation schaffen.
4.2. Zwei unterschiedliche Spiele auf dem gleichen Spielfeld: Dieser Abschnitt untersucht die kognitiven Missverständnisse, die dazu führen, dass ein nicht-kooperatives Spiel von Opfern fälschlicherweise als kooperativ wahrgenommen wird.
5. Zusammenfassung und weitere Forschung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Intuition und Rationalität zusammen und diskutiert mögliche präventive Maßnahmen gegen Online-Betrug.
Schlüsselwörter
Nigerian Scam, Vorkassebetrug, Spieltheorie, Signalling Game, Sir Philip Sidney Game, Selbstselektion, Reziprozität, Sunken Cost Fallacy, Psychologie, Kommunikation, Social Engineering, Nash-Gleichgewicht, Strategische Kommunikation, Betrugsprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Nigerian Scam (Vorkassebetrug) aus einer spieltheoretischen Perspektive, um zu erklären, warum diese Betrugsmasche trotz ihrer Bekanntheit weiterhin lukrativ und erfolgreich bleibt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die spieltheoretische Signalmodellierung, verhaltensökonomische Aspekte wie Reziprozität und Selbstselektion sowie die psychologische Manipulation durch soziale Faktoren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Kommunikation zwischen Betrügern und Opfern mithilfe spieltheoretischer Modelle zu dekonstruieren und aufzuzeigen, wie Täter Informationen nutzen, um Vorteile zu generieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der spieltheoretische Konzepte (wie das Sir Philip Sidney Game und das Nash-Gleichgewicht) mit Erkenntnissen aus der Verhaltens- und Wirtschaftspsychologie kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung des Betrugs, stellt die theoretischen Rahmenbedingungen der spieltheoretischen Kommunikation vor und führt eine Synthese zwischen psychologischen Druckpunkten und spieltheoretischen Variablen durch.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Nigerian Scam, Signalling Game, Selbstselektion, Reziprozität und die Trennung zwischen intuitiven (Humans) und rationalen (Econs) Denkprozessen.
Wie erzeugen Betrüger beim Nigerian Scam ein vorgetäuschtes Vertrauensverhältnis?
Betrüger nutzen das Prinzip der Reziprozität aus, indem sie einen unaufgeforderten Vertrauensvorschuss oder kleine "Geschenke" (in Form von Informationen oder Versprechen) geben, die das Opfer zur Erwiderung verpflichten sollen.
Welche Rolle spielt die sogenannte "Sunken Cost Fallacy" im Nigerian Scam?
Sie beschreibt die psychologische Tendenz der Opfer, bei fortgeschrittenem Betrug weitere Ressourcen in das "Verlustgeschäft" zu investieren, um eine Fehlentscheidung nicht eingestehen zu müssen.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Humans" und "Econs" wichtig für das Verständnis des Betrugs?
Die Unterscheidung verdeutlicht, dass Betrüger beide Denksysteme ansprechen: Das intuitive System der "Humans" durch Emotionen und das regelbasierte System der "Econs" durch die Simulation eines scheinbar rationalen, kooperativen Spiels.
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- Till Neuhaus (Autor), 2018, Eine spieltheoretisch-psychologische Aufarbeitung des Nigerian Scam, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/704196