Staatliche Bildungsinvestitionen als Konjunkturindikator

Können staatliche Bildungsausgaben eines Landes als relevanter zukünftiger Konjunkturindikator betrachtet werden?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Theorie
Bildung als wirtschaftliche Investition in Humankapital
Wirtschaftsleistung und -prognose
Bildungsökonomie als Konjunkturindikator
Hypothesen

Empirie
Hypothesen-Tests
Erste Hypothese
Zweite Hypothese
Dritte Hypothese
Vierte Hypothese
Exemplarische Analyse der Situation in Deutschland
Ausgangslage
Aktueller Stand
Prognose

Fazit

Literaturverzeichnis

„Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern. Sie ist der große Motor der persönlichen Entwicklung. Es ist durch Bildung, dass die Tochter eines Bauern Ärztin, der Sohn ein Vorarbeiter im Bergbau, oder der Sohn eines Landarbeiters Präsident einer Nation werden kann.“

Nelson Rolihlahla Mandela

1993, nach der Nominierung für den Nobelpreis

Einleitung

Was ist die thematische Begründung der Forschung?

Nelson Mandela, der erste südafrikanische Präsident, legte mit folgendem Zitat sein Verständnis über die Rolle der Bildung in einer Gesellschaft deutlich dar: „Das größte Problem in der Welt ist Armut in Verbindung mit fehlender Bildung. Wir müssen dafür sorgen, dass Bildung alle erreicht“ (Mandela 1993).

Mandela bezeichnete die Bildung als mächtigste Waffe um die Welt zu verändern (Mandela 1993). Doch welche Auswirkung hat Bildung auf die Armut einer Gesellschaft oder die Wirtschaft einer Nation? Kann Bildung dem Anspruch einer Waffe gegen Armut überhaupt gerecht werden?

Während häufig argumentiert wird, dass sich pädagogische und ökonomische Argumente und Zusammenhänge gegenseitig ausschließen, weil ihre Begrifflichkeiten, Denkansätze und Erfolgsmaßstäbe aus gänzlich unterschiedlichen Referenzsystemen stammen (Hogrebe 2014, S. 2), kann in etlichen empirischen Beispielen aus dem vergangenem Jahrhundert ein signifikanter Einfluss vom Bildungsstand auf die Wirtschaftsleistung festgestellt werden (vergl.Becker und Wößmann 2013, S. 144; vergl. Hogrebe 2014, S. 11). So belegen zahlreiche Analysen, dass es einen kausalen Einfluss der Bildung auf die Industrialisierung in den Anfängen des 20. Jahrhunderts gab (vergl.Becker und Wößmann 2013, S. 149).

Im Anbetracht voranschreitender Globalisierung und Digitalisierung muss nun das Verhältnis zwischen Bildung und Wirtschaft neu betrachtet und bewertet werden. Dabei stellen sich die zentralen Fragen: Ist Bildung die neue zukunftsweisende und marktdominierende Ressource im internationalen Wettbewerb? Und ist die staatliche Investition in Bildung aus wirtschaftlicher Sicht begründbar?

Was ist das Ziel der Hausarbeit?

Das Ziel dieser Arbeit ist einen Überblick zum Verhältnis von Bildung und Wirtschaft zu geben und daraus Schlüsse über die Prognosekraft von Bildungsinvestitionen und -leistungen zu ziehen. Das entwickelte theoretische Konzept und die Prognose wird durch einen exemplarischen empirischen Beleg getestet. Die Arbeit stellt dabei durchgehend den wirtschaftlichen Nutzen und Effekt von Bildung in den Vordergrund. Weitere Aufgaben von Bildungseinrichtungen, wie die Betreuung von Kindern oder den gesellschaftlichen Erziehungsauftrag, werden nur am Rande thematisiert.

Welche Forschungsfrage wird beantwortet?

Um das Verhältnis zwischen Bildung und Wirtschaft empirisch zu analysieren, wird Bildung als unabhängige Konstante und die wirtschaftliche Entwicklung als abhängige Konstante betrachtet. Die beiden Faktoren treffen vor allem bei den staatlichen Ausgaben im Bildungsbereich zusammen. Dies führt zu folgender Forschungsfrage: Können staatliche Bildungsausgaben eines Landes als relevanter zukünftiger Konjunkturindikator betrachtet werden?

Dabei werden auf theoretischer und empirischer Ebene die Verbindungen zwischen staatlichen Bildungsinvestitionen, nationalen Bildungsleistungen und nationalen Wirtschaftsleistungen untersucht.

Welche theoretische Grundlage wird im Theorie-Teil der Arbeit gelegt?

Die Humankapitaltheorie bildet die theoretische Grundlage dieser Arbeit. Als Humankapitaltheorie bezeichnet man Untersuchungen der Ressource Bildung, welche zum Humankapital gezählt wird, unter wirtschaftlichen Aspekten. Insbesondere geht es dabei um die Messung gesamtwirtschaftlicher Auswirkungen einer verbesserten Bildung. Dieser Zusammenhang wird in der Regel über einen Vergleich von Kosten und Nutzen der Bildungsausgaben gemessen.

Von dieser allgemeinen Betrachtung der beiden Faktoren weicht diese Arbeit ab. Der Bildungsbegriff wird hier nicht allein in den kausalen Zusammenhang mit wirtschaftlichem Wachstum gebracht, sondern wird als Grundstein für wirtschaftlichen Wachstum angesehen. Somit wird Bildung als Effekt auf die Wirtschaft (und das Wirtschaftswachstum) betrachtet. Diese, im Kapitel „Theorie“ genauer spezifizierte Betrachtung, erlaubt den Umkehrschluss im Rahmen einer Prognose.

Welche Hypothesen werden getestet?

Es werden in dieser Arbeit folgende Hypothesen theoretisch entwickelt und empirisch getestet:

1. Wenn die PISA-Ergebnisse eines Staates sich verbessern, dann hat dies einen kausalen und signifikanten Effekt zu zukünftigem Wirtschaftswachstum.
2. Wenn sich die staatlichen Ausgaben im Bildungsbereich sich erhöhen, dann hat dies einen kausalen Effekt auf das Bildungs-Outcome.
3. Wenn die staatlichen Bildungsausgaben eines Staates steigen, dann hat dies einen kausalen und signifikanten Effekt auf das zukünftige Wirtschaftswachstum.
4. Wenn staatliche Bildungsausgaben getätigt werden, dann hat dies einen zeitlich verlagerten positiven Effekt auf das wirtschaftliche Wachstum des Landes.

Mit welchen Daten werden die theoretischen Zusammenhänge überprüft?

Der empirische Teil der Arbeit stützt sich auf die PISA-Untersuchungen der vergangenen Jahre. Diese werden als Indikatoren für den Bildungsoutput betrachtet. Das wirtschaftliche Wachstum wird mittels des Indikators des Bruttoinlandsproduktes gemessen.

Wie ist die Arbeit strukturiert und aufgebaut?

Der Theorieteil der Arbeit befasst sich mit der Definition von Bildung, Wirtschaft und weiteren relevanten Begriffen. Dabei liegt der Fokus des Abschnittes auf dem Verhältnis zwischen beiden Faktoren und den jeweiligen Disziplinen. Am Ende des Abschnittes werden die vier Hypothesen der Arbeit hergeleitet.

Der empirische Teil der Arbeit füllt die theoretische Struktur mit Leben und Daten. So werden vorher theoretisch hergeleitete Zusammenhänge bewiesen und neu zusammengeführt. Am Ende des Abschnitts werden die aufgestellten Hypothesen zusammengefasst beantwortet.

Theorie

Was soll in diesem Abschnitt der Arbeit erklärt werden?

Dieser Abschnitt der Arbeit erläutert den Zusammenhang zwischen Bildung und Wirtschaft und strukturiert diesen für eine weitere Analyse. Dazu werden ökonomische, soziologische und pädagogische Ansätze und Theorien verwendet und erklärt.

Die Argumentation, dass sich pädagogische und ökonomische Perspektiven gegenseitig ausschließen, weil ihre Begrifflichkeiten, ihre Denkansätze und Erfolgsmaßstäbe aus gänzlich unterschiedlichen Referenzsystemen stammen (Hogrebe 2014, S. 2), kann nur bei einem sehr kurzfristigem Ansatz auf der Mikroebene zutreffen. Langfristig und auf globaler Ebene sind beide Themenfelder und Disziplinen tief verstrickt. Zum Beispiel muss betrachtet werden, dass das pädagogische Handeln selbst ohne ökonomische Implikationen gar nicht möglich ist (Hogrebe 2014, S. 3). So gibt es durchaus Verbindungslinien zwischen ökonomischen Sachverhalten und pädagogischen Prozessen, die sich nur schwer leugnen lassen. (Hogrebe 2014, S. 3)

Bildung und Ökonomie sind beides Prozesse, die als „inhärente gesellschaftliche Bestandteile in Form einer strukturellen Austauschbeziehung untrennbar ineinander verschränkt“ (S. 14) betrachtet werden müssen.

Bildungsökonomie ist die wissenschaftliche transdisziplinare Disziplin, die die beiden gesellschaftlichen Teilbereiche der Bildung und der Ökonomie miteinander verbindet und dem Verhältnis zwischen Pädagogik und Ökonomie seine wissenschaftliche Verortung gibt (S. 11). Transdisziplinarität beschreibt dabei primär das Verhältnis, das ein Wissenschaftler zu seiner Disziplin oder diese zu sich selbst hat. Transdisziplinare Disziplinen konzentrieren sich auf die Problemlösungskompetenzen (S. 5).

Um dieser fehlenden Verknüpfung zwischen der Gestaltung der ökonomischen Instrumente und der pädagogischen Zielsetzung entgegenwirken zu können, ist zunächst eine grundlegende theoretische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Ökonomie und Pädagogik notwendig (S. 11).

In den folgenden Abschnitten werden zuerst die grundlegenden Begriffe der Arbeit definiert und dann das Verhältnis beider Bereiche diskutiert.

Bildung als wirtschaftliche Investition in Humankapital

Was ist Bildung?

Historisch betrachtet trennte Bildung lange Zeit die Bevölkerung in zwei grundlegende Schichten. Die Kluft zwischen „Gebildeten“ und „Volk“, machte Bildung zu einem begehrtem Gut, da Bildung zu einer Verbesserung des Daseins beitrug. Im Mittelpunkt der von Humboldt, Schiller und Kant geprägten Richtung steht ein ganzheitliches Bildungsverständnis. Dieses soll zur Mündigkeit und Autonomie der Bevölkerung beitragen. Wilhelm von Humboldt befürwortete dabei eine allgemeine Grundbildung der Bevölkerung aus soziologischen und ökonomischen Gründen (Becker und Wößmann 2013, S. 150). In der aktuellen Bildungsdebatte drängt der ökonomisch, technisch und industriell strukturierte Bereiche in den Vordergrund. Seit einigen Jahren verliert das Bildungsbürgertum seinen Monopolanspruch an die Bildung.

Nach Gudjons (vergl. Gudjons 2011) sei Bildung

- die Befähigung zu vernünftiger Selbstbestimmung und Solidaritätsfähigkeit mit anderen,
- die Subjektentwicklung im Medium der Objektivationen bisheriger Kultur,
- und die Gewinnung von Individualität und Gemeinschaftlichkeit.

Daraus schließt sich, dass Bildung immer als ein Selbst- und Weltverhältnis auszulegen ist, das nicht nur rezeptiv, sondern auch verändernd-produktive Teilnahme an der Kultur einschießt.

Das Humboldtsche Bildungsideal

Diese Arbeit bezieht sich auf den ursprünglichen Bildungsbegriff von Wilhelm von Humboldt. Dieser gilt als Urvater des modernen Bildungsbegriffes. Von Humboldt hatte am Anfang des 19. Jahrhundert die wohl weitreichendste Bildungsreform des deutschen Sprachraumes durchgeführt. Er definierte Bildung als „die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen“.

Nach dem Humboldtschen Bildungsideal ist Bildung mehr als die reine Aneignung von Wissen. Die Individualität und Persönlichkeit sowie die Entwicklung von Talenten spiele eine ebenso große Rolle. Bildung sei ein Prozess der Individualisierung, durch den der Mensch seine Persönlichkeit ausbilden (vergl. Maurer 2016).

Der Philosoph Henning Kössler beschreibt Bildung als den „Erwerb eines Systems moralisch erwünschter Einstellungen durch die Vermittlung und Aneignung von Wissen derart, dass Menschen im Bezugssystem ihrer geschichtlich-gesellschaftlichen Welt wählend, wertend und stellungnehmend ihren Standort definieren, Persönlichkeitsprofil bekommen und Lebens- und Handlungsorientierung gewinnen“ (vergl. Kössler 1989).

Was sind Bildungsausgaben?

Aufbauend auf der gegebenen Definition von Bildung, folgt die Definition von Bildungsausgaben. In dieser Arbeit wird die von der OECD geprägte Definition für Bildungsausgen verwendet. Danach sind Bildungsausgaben „[…] öffentliche oder private Ausgaben für Einrichtungen, die für einzelne Personen Unterrichtsdienstleistungen oder (auch für andere Bildungseinrichtungen) bildungsbezogene Dienstleistungen erbringen.“ (OECD 2017, S. 229)

Die genaue und offizielle Abgrenzung von Bildungsausgaben stellt dennoch ein weiteres Problem dar. Die Grenzbereiche der Definitionen müssen im Einzelfall meist ausgearbeitet werden. Grundlegendes Argument bei der Kategorisierung der Ausgabe, ist das Ziel der Investition. Rechtlich gesehen sind Kindertageseinrichtungen zum Beispiel nicht Teil des Bildungssystems, sondern der Kinder- und Jugendhilfe. Allerdings ist diese Zuordnung aufgrund der zunehmenden Fokussierung auf frühkindliche Bildungsprozesse mittlerweile nicht mehr unumstritten (vergl. Hogrebe 2014, S. 1).

Diese Arbeit bezeichnet somit Investitionen in den Bildungssektor als alle Investitionen zugute der eigentlichen Bildungsdienstleistung. Eigentliche Bildungsdienstleistungen stehen in direktem Zusammenhang mit Unterricht und Bildung an Bildungseinrichtungen. Die entsprechenden Ausgaben umfassen die Gehälter der Lehrenden, den Bau und die Instandhaltung von Gebäuden, Unterrichtsmaterial, Bücher und die Verwaltung der Bildungseinrichtungen. (OECD 2017, S. 216)

K önn e n Bildungsausgaben Bildung steuern oder formen?

Die für diese Arbeit grundsätzliche Annahme, dass Bildungsausgaben Bildung steuern und formen kann, beruht auf einigen Annahmen.

- Staatliche Bildungsinvestitionen können generell Änderungen provozieren.
- Eine Erhöhung der staatlichen Bildungsausgaben erhöht die Flexibilität im Bildungssektor und führt langfristig, durch den internationalen Wettbewerb, zu besseren Schulsystem.
- Eine Senkung der staatlichen Bildungsausgaben, erschwert die Beibehaltung des aktuellen

Bildungsstandards und führt langfristig zu einem schlechteren Bildungssystem. Im gesamten Kontext gibt es dabei einige essentielle Punkte zu beachten:

Es kann beim Betreuungs- und Bildungsauftrag von zwei Faktoren gesprochen werden: Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Betreuungsfunktion) und der Stärkung der Bildung und Entwicklung der Kinder (Bildungsfunktion) (Hogrebe 2014, S. 1). Bei der Erhöhung der Bildungsausgaben kann somit auch die Betreuungsfunktion gestärkt werden und dies Arbeitskräfte freigeben. Dieser Effekt ist teilweise intendiert, wird aufgrund seiner kurzfristigen Wirkung jedoch in dieser Arbeit nicht mit einbezogen.

Fraglich ist ebenfalls, ob alleine eine Erhöhung der Bildungsausgaben reicht um positive Veränderungen zu erreichen. So argumentiert Hogrebe, dass „lange Zeit vor allem mehr Geld für Bildung gefordert wurde und Forderungskataloge und Programmentwürfe ohne eine ernsthafte Reflexion der Finanzierungsform entwickelt wurden, werden nun bereits seit einigen Jahren verstärkt Positionen vertreten, denen die Erkenntnis zugrunde liegt, dass mehr Ressourcen nicht automatisch ein besseres Bildungssystem hervorbringen“ (S. 4). Dabei steht die Aussage, dass Strukturen verhindern können, dass Bildungsausgaben effizient genutzt werden, nicht grundsätzlich im Gegensatz zu dem Argument, dass erhöhte Bildungsausgaben die Chance eröffnen ein stärkeres Bildungssystem zu etablieren. Aufgrund jedes internen Wettbewerbes einer Regierung beim Haushaltsplan, kann jedoch die Thesis unterstützt werden, dass langfristig und im Allgemeinen zusätzliche Ressourcen effektiv genutzt werden. So kann festgehalten werden, dass der Allokationsmechanismen der Bildungsinvestitionen eine Rolle spielt, jedoch zu kurzfristige Auswirkungen hat um langfristig in Betracht gezogen werden zu müssen. Allokationsinvestitionen bezeichnen soweit die Frage "Wie" die Finanzierung von Einrichtungen des Bildungswesens strukturiert ist (S. 4).

Ähnlich kann auch die Problematik von nicht effizienten Bildungsreformen betrachtet werden. Wenn Maßnahmen nur die Quantität und nicht die Qualität von Bildung fördern, geht diese Arbeit auf Grund des Wettbewerbes im nationalen Haushalt davon aus, dass sich diese Reform langfristig nicht durchsetzt. (vergl. Grubb und Lazerson 2004, S. 169)

Wie kann Bildung gemessen werden?

Ob oder wie Bildung gemessen werden kann, ist in der Wissenschaft genauso umstritten, wie in den aktuellen politischen Debatten. Die bekanntesten und am häufigsten zitierten Datenerhebungen im Bereich der Bildung sind die PISA-Studien.

Die PISA-Studien der OECD sind internationale Schulleistungsuntersuchungen, die seit dem Jahr 2000 in dreijährlichem Turnus in den meisten Mitgliedstaaten der OECD und einer zunehmenden Anzahl von Partnerstaaten durchgeführt werden und die zum Ziel haben, alltags- und berufsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten Fünfzehnjähriger zu messen. (OECD 2018)

Die am häufigsten genannte Kritik an PISA ist die Konzentration der Erhebung auf den Bildungsoutput. In der bildungspolitischen Einordnung verweist die Expertise darauf, dass mit der Einführung von Bildungsstandards die Bildungspolitik in der Qualitätssicherung im Bildungswesen einen weiteren Schritt von der Input- zur Output-Steuerung vollzieht (Online 2005; Nordwest-Zeitung). So ist es teilweise umstritten, ob bei PISA überhaupt die Qualität des Unterrichts misst, oder nur, ob Schüler die ihnen gestellten Aufgaben lösen können (Nordwest-Zeitung).

Das PISA-Studien den Output einer politischen Situation messen, ist für diese Arbeit jedoch irrelevant beziehungsweise förderlich. Dies vereinfacht den Beweis, dass PISA die für die Wirtschaft relevanten Bereiche der Bildung misst. In wie weit sich eine Nation an PISA-Ergebnissen messen sollte, muss dabei von Anderen geklärt werden. Da diese Arbeit jedoch Bildung als Effekt der Wirtschaft definiert und PISA-Ergebnisse den wirtschaftlichen Output der Bildung misst, bietet es sich an PISA-Studien als Indikator dieser Arbeit für die Qualität der Bildung eines Landes zunehmen.

Humankapitaltheorie als theoretische Grundlage

Aus der wirtschaftlichen Fachrichtung entwickelte sich ein in den 60er Jahren eine wissenschaftliche Bewegung, die sich in ausführlichen Veröffentlichungen mit der Humankapitaltheorie befassen. Als Humankapitaltheorie werden Untersuchungen der Ressource Bildung, welche als Humankapital bezeichnet wird, unter wirtschaftlichen Aspekten genannt. Insbesondere geht es dabei um die Messung gesamtwirtschaftlicher Auswirkungen einer verbesserten Bildung. Dieser Zusammenhang wird in der Regel über einen Vergleich von Kosten und Nutzen der Bildungsausgaben gemessen.

Theodore Schultz wird als einer der Gründer der Humankapitaltheorie angesehen. Weitere wichtige Arbeiten stammen u. a. von Gary Becker und Robert Solow. So dient das mathematische neoklassische Wachstumsmodell, das Solow-Modell, vielen modernen Erklärungen als Grundlage und stammt aus der Humankapitaltheorie. Es postuliert, dass die einzige langfristig relevante Einflussgröße auf das Wachstum einer Volkswirtschaft der technische Fortschritt sei. Dieser wiederum drückt sich aus in einer höheren Arbeitsproduktivität, welche vor allem durch eine bessere Bildung erreicht werden kann.

Weitere wissenschaftliche Arbeiten, die im Bezug der Humankapitaltheorie standen, erlangten Ruhm und wurden mit dem Nobelpreis ausgezeichnet (Tinbergen 1969, Friedman 1976, Schultz 1979, Solow 1987, Becker 1992 und Heckman 2000). Eine der wichtige Fragestellungen der Humankapitaltheorie ist, ob Bildung oder die auch durch Bildung hervorgerufene kognitive Kompetenz relevant für Wirtschaftswachstum ist.

Humankapital wird somit als personengebundene Wissensbestandteile in den Köpfen der Menschen betrachtet (Jaeger 2004, S. 1).

Was ist der Wert von Humankapital in der Zukunft (in Bezug auf Globalisierung und Digitalisierung)?

Der Wert von Humankapital (bzw. Bildung) hat seit dem 18. Jahrhundert stetig zugenommen. Je mehr sich die Wirtschaft und Gesellschaft weiterentwickelte, desto wichtiger wurde das persönliche Humankapital (Becker und Wößmann 2013, S. 149). Dies wurde vor allem durch Spezialisierung von Arbeit, Industrialisierung von Produkten und eine voranschreitende Mechanisierung unterstützt.

Als Investition in den Bestand an Wissen und Kompetenzen der Bevölkerung ist Bildung eine zentrale Quelle von wissensbasiertem Wachstum. In der dynamischen Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts kann eine Nation langfristig überhaupt nur durch besseres Wissen bestehen. Schon um einen hohen Lebensstandard in Betracht des globalen Niedriglohnwettbewerbs zu halten, muss sich ein Land durch besseres Wissen und bessere Kompetenzen abheben. Um bei der dynamischen Entwicklung vorne dabei zu sein, gibt es keine andere Alternative, als den Weg höherer Kompetenzen und ständig neuer Ideen zu gehen (S. 165). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der schon wichtige Faktor Humankapital in Zukunft eine wesentlich stärkere Rolle und Auswirkung haben wird.

Wie ist das Verhältnis zwischen Bildung und Ökonomie?

Bereits Adam Smith untersuchte den direkten Zusammenhang zwischen der Ausbildung und der Leistungsfähigkeit von Arbeitskräften.

“Education helped to increase the productive capacity of workers in the same way as the purchase of new machinery or other forms of physical capital increased the productive capacity of a factory or other enterprise.” (Psacharopoulos 1987).

Im Allgemeinen haben sich drei Betrachtungsweisen bei dem Verhältnis zwischen Pädagogik und Ökonomie im Lauf herauskristallisiert (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A bbildung 2: Das theoretische Verhältnis von Bildung und Ökonomie.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Staatliche Bildungsinvestitionen als Konjunkturindikator
Untertitel
Können staatliche Bildungsausgaben eines Landes als relevanter zukünftiger Konjunkturindikator betrachtet werden?
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V704231
ISBN (eBook)
9783346187581
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Konjunkturindikator, staatliche Bildungsausgaben, Bildungsinvestitionen, Verhältnis zwischen Bildung und Wirtschaft, empirische Arbeit, empirische Analyse
Arbeit zitieren
Ben Kohz (Autor), 2018, Staatliche Bildungsinvestitionen als Konjunkturindikator, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/704231

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Staatliche Bildungsinvestitionen als Konjunkturindikator



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden