Partizipationskultur von Reality-TV bei "Bauer sucht Frau"

Digitale Aufmerksamkeitsökonomie, Homophilie und Moderierbarkeit von visuellen Inhalten


Seminararbeit, 2020

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Zugänge
2.1 Digitale Aufmerksamkeitsökonomie
2.2 Homophilie
2.3 Moderierbarkeit von visuellen Inhalten
2.4 Partizipations- und Rezeptionskultur von Reality Shows

3 Forschungsmethode

4 Kurzbeschreibung von Bauer sucht Frau

5 Der Facebook-Account von Bauer sucht Frau

6 Auswertung der Beiträge auf Facebook
6.1 Inhaltliche Analyse der Facebookbeiträge
6.1.1 Romantische Momente der Serie
6.1.2 Skandalöse Momente der Serie
6.2 Popularität der Beiträge bei den NutzerInnen
6.3 Kommunikationsverhalten unter den NutzerInnen
6.4 Die Reaktionen der SeiteninhaberInnen

7 Fazit

8 Tabellenverzeichnis

Forschungsquellen

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Fernsehen und soziale Medien haben einen enormen Stellenwert in der Populär- und Alltagskultur der modernen Gesellschaft bekommen. Beide bieten den NutzerInnen einen Unterhaltungswert und gleichzeitig eine Grundlage bzw. Möglichkeit, um mit anderen dadurch und darüber zu kommunizieren. Jedenfalls unterteilen sich Fernsehserien in verschiedene Genres - Reality TV ist eines davon. Reality TV ist mittlerweile zu einem unverzichtbaren Bestandteil der heutigen Fernsehkultur geworden (Rychetsky 2013: 20). Dieses Genre soll den RezipientInnen das reale Leben von anderen Personen im Fernsehen präsentieren (Falcoianu 2010: 9). In den meisten Fällen handelt es sich bei den Protagonisten der Serie nicht um Prominente. Mittels Castings werden üblicherweise normale Menschen ausgewählt, die dann die Hauptakteure der jeweiligen Staffel sind und unter anderem die Zielgruppe der Serie repräsentieren (Falcoianu 2010: 13). Nachdem es sich bei den Protagonisten um gewöhnliche Menschen handelt, können sich die RezipientInnen mit ihnen identifizieren. Die Identifikation mit den Charakteren bildet eine Diskussions- und Gesprächsgrundlage mit anderen Interessenten, die oft auf sozialen Medien stattfindet. „Soziale Medien erlauben es Nutzer/innen, Inhalte zu generieren, zu teilen und miteinander zu interagieren.“ (Gerlitz 2017: 235) Mit der Hilfe von sozialen Medien können sich die AnhängerInnen der Serie untereinander austauschen und sich gleichzeitig daran beteiligen. In den meisten Fällen gibt es auf Facebook, Instagram usw. offizielle Fanseiten der Serien, auf denen Bild- und Videoausschnitte der letzten Folgen gepostet werden. Durch die veröffentlichten Beiträge kann ein aktiver Meinungsaustausch aufgrund der Geschehnisse in der Serie stattfinden. Verschiedene Studien haben aufgezeigt, dass Personen mit gleichen Werten und Interessen stärker miteinander interagieren (Fuhse 2010: 84). Dieses Phänomen kann aber ebenfalls bei Meinungsverschiedenheiten beobachtet werden.

Nachdem Serien auf sozialen Medien einen hohen Diskussionsbedarf unter den AnhängerInnen bieten, soll aus diesem Grund folgende Forschungsfrage beantwortet werden: „Inwiefern erzeugen Beiträge von Serien auf sozialen Medien eine Grundlage für neue soziale Beziehungen?“

Des weiteren sollen auch folgende Unterfragen beantwortet werden:

- Inwiefern wird von den SeitenbetreiberInnen auf fragwürdige/beleidigende Kommentare seitens der NutzerInnen reagiert?
- Welche Art von Beiträgen erzielt bei den NutzerInnen die meiste Aufmerksamkeit?
- Inwiefern treten die NutzerInnen aufgrund von Gemeinsamkeiten bzw. Differenzen mit unbekannten Personen in Kontakt?

In den ersten beiden Schritten werden relevante theoretische Zugänge für die Analyse und die Forschungsmethode erläutert. Des weiteren wird das ausgewählte Medienbeispiel und die dazugehörige Facebookseite kurz beschrieben. Abschließend werden die ausgewählten Beiträge anhand ihres Inhalts untersucht und ausgewertet. Hauptaugenmerk bei der Inhaltsanalyse soll vor allem auf die Popularität der Beiträge, das Kommunikationsverhalten unter den NutzerInnen und die Reaktionen der SeiteninhaberInnen auf fragwürdige bzw. beleidigende Kommentare gelegt werden.

2 Theoretische Zugänge

Damit die entwickelten Forschungsfragen beantwortet werden können, ist es im ersten Schritt wichtig auf diverse theoretische Konzepte einzugehen. Damit die gezielte Platzierung der Beiträge auf sozialen Medien verstanden wird, wird zunächst auf das Konzept der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie eingegangen. Oftmals kann man bei Reality TV Shows die Bildung von Lagern beobachten, die auf der Seite eines/einer bestimmten KandidatIn stehen und in manchen Fällen geraten diese Lager miteinander in Konflikt. Aus diesem Grund ist es von Relevanz auf die Homophilie und die Partizipations- und Beteiligungskultur von Reality TV einzugehen. Zudem werden auch die Beiträge auf sozialen Medien und eventuelle Konflikte unter den NutzerInnen analysiert und deswegen soll auch die Moderierbarkeit von visuellen Inhalten kurz erläutert werden.

2.1 Digitale Aufmerksamkeitsökonomie

„In der Aufmerksamkeitsökonomie ist es entscheidend, Aufmerksamkeit zu suchen, zu erhalten und zu schenken.“ (Hasbernik 2006: 36) Beiträge die viel Beachtung bekommen, bleiben in der Regel auch in Erinnerung. Außerdem bedeutet mehr Aufmerksamkeit auch gleichzeitig mehr Macht und Reichweite (Geuter 2015: 2). Damit etwas beispielsweise in sozialen Medien Aufmerksamkeit bekommt, muss es dementsprechend im Newsfeed platziert werden. Aber auch eine attraktive Gestaltung des Beitrages (kurze und prägnante Überschriften, eventuell ein Foto usw.) ist von enormer Bedeutung, damit ein Beitrag Aufmerksamkeit bekommt. Eines der wichtigsten Auswahlkriterien für eine hohe Aufmerksamkeit ist demnach das Interesse der NutzerInnen (Ohls 2012: 87). Die digitale Aufmerksamkeitsökonomie baut mit Hilfe eines Algorithmus auf die Interessen der UserInnen auf. Aufgrund der Reaktionen der NutzerInnen auf Beiträge platziert der sogenannte Algorithmus die Inhalte aufgrund der Vorlieben der/des jeweiligen NutzerIn in ihrem/seinem Newsfeed (Gerlitz 2017: 235). In diesem Sinne hängt die digitale Aufmerksamkeitsökonomie stark mit der Kommerzialisierung zusammen. Durch die Nutzeraktivität können ebenfalls gezielt maßgeschneiderte Inhalte und Werbung platziert werden (Gerlitz/Paßmann 2014: 8). Digitale Reaktionen können außerdem auch viel einfacher aufgezeichnet und weitergegeben werden. Was nachhaltig auch für Serien einen Vorteil mit sich bringt, denn durch das Nutzerverhalten wird den UserInnen auch Werbung für Serien vorgeschlagen, die ihnen eventuell gefallen könnten. Ist das Interesse gegeben, besteht die Möglichkeit, dass diese Serie zukünftig auch angesehen wird. Grundsätzlich besteht im Internet ein stetiger Wettkampf darum, welcher Beitrag von den NutzerInnen die meiste Aufmerksamkeit bekommt (Hasbernik 2006: 37). Dadurch hat das Interesse der RezipientInnen, die Relevanz der Inhalte vollkommen abgelöst (Ohls 2012: 91).

2.2 Homophilie

„Homophilie, das Prinzip, wonach Ähnlichkeit Verbindungen erzeugt.“ (Chun 2018: 131) Die Theorie der Homophilie bedeutet also, dass Gemeinsamkeiten eine Grundlage für soziale Beziehungen bietet. Durch die ähnlichen Interessen bilden sich eigene Gemeinschaften, da sich Personen mit entsprechenden Neigungen üblicherweise gerne gesellen (Chun 2018: 139). Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich neue Freundschaften bilden. Homophilie besagt nämlich, dass es keine Freundschaften ohne gemeinsame kulturelle Eigenschaften geben kann. „Einander ähnliche Akteure sind mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch in Netzwerken miteinander verbunden.“ (Worschech 2018: 131) In Bezug auf die sozialen Medien bedeutet dies, dass sich NutzerInnen mit ähnlichen Interessen gegebenenfalls auch auf den gleichen Seiten aufhalten und sich an diesen beteiligen. Die gebildeten Gruppen könnten aber durchaus auch problematisch werden. Aufgrund unterschiedlicher Interessen der verschiedenen Gemeinschaften könnten Konflikte mit anderen auftreten, die ihre Ansichten nicht teilen (Chun 2018: 142). Vor allem durch sichtbare Abweichungen kann die Liebe sehr schnell in Hass konvertieren (Chun 2018: 145). Besonders in sozialen Netzwerken kann der schnelle Umschwung von Anerkennung zu Abneigung aufgrund von Meinungsverschiedenheiten beobachtet werden. Zudem kann in manchen Fällen aufgrund der Homophilie eine gegenseitige Meinungsbeeinflussung erfasst werden (Fuhse 2010: 84). Die einzelnen Mitglieder der gebildeten Gemeinschaften bauen sich einen gemeinsamen Wissenstand auf und gleichen dadurch ihre Meinungen an (Fischbach 2019: 397). Demnach wirken sich die Gemeinschaften auch stark auf die Meinungsbildung aus. Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass Homophilie eine Grundlage für Freundschaft und gleichzeitig auch Hass bildet, sowie für die Beeinflussung von Meinungen innerhalb einer Gemeinschaft verantwortlich ist.

2.3 Moderierbarkeit von visuellen Inhalten

Visuelle Inhalte und Ausdrucksformen sind vor allem auf sozialen Medien sehr beliebt geworden - insbesondere in der massenmedialen Kommunikation (Lobinger 2012: 14ff) im Bezug auf Fanseiten von Fernsehserien. Auf solchen Seiten wird nämlich vermehrt auf visuelle Inhalte gesetzt, da diese sich als besonders wirkungsmächtig zeigten (Lobinger 2012: 20). Insbesondere auf emotionaler Ebene können sich die Visualisierungen enorm auf die Menschen auswirken. „Bilder werden anders wahrgenommen und anders eingesetzt als verbale Texte.“ (Lobinger 2012: 23) Seiten von Serien arbeiten deshalb besonders gerne mit Bild- und Videomaterial, da diese besser auf die RezipientInnen einwirken, als Text alleine und deshalb auch mehr Einfluss haben. Außerdem kann aufgrund der Grundlage von visuellen Inhalten auf sozialen Medien, in manchen Fällen das Phänomen von eskalierenden Diskussionen beobachtet werden. Oftmals können sich diese sehr bedrohlich entwickeln, dass sie eine Moderation benötigen. Hier tritt das Konzept der Moderierbarkeit von visuellen Inhalten ein. Dadurch sollen Beiträge gelenkt, gesteuert, gemäßigt und/oder gedämpft werden (Rothöhler 2018: 85). Vor allem die SeitenbetreiberInnen sind dazu angehalten, dieses Konzept anzuwenden. Die Moderation kann verschiedene Formen annehmen. Unangebrachte Inhalte sollen in erster Linie identifiziert werden und können anschließend gelöscht werden und/oder der/die jeweilige NutzerIn wird von der Seite ausgeschlossen (Rothöhler 2018: 85). Aber nicht nur unerwünschte Beiträge sollen moderiert werden, sondern auch unangebrachte Kommentare und eskalierende Diskussionen bedürfen einer solcher Moderation. Wichtig bei der Moderation von Inhalten ist die Neutralität, denn durch eine neutrale Kommunikationsweise können weitgehende Eskalationen ein wenig eingedämmt werden (Rothöhler 2018: 87). Verbale Angriffe seitens der ModeratorInnen können die Situation nämlich wesentlich verschlechtern (Ittel et al. 2014: 282). Wird auf einen solche Situation nicht zufriedenstellend reagiert, kann ein erheblicher Imageschaden entstehen und schlimmsten Falls wenden sich die NutzerInnen von der Seite ab. Aus diesem Grund ist das Konzept der Moderierbarkeit von visuellen Inhalten vor allem auf sozialen Medien von Relevanz, da sie sowohl eskalierende Diskussionen unter den NutzerInnen einschränken soll und die Seite selbst bei richtiger Handhabung des Konzeptes vor etwaigen Imageschäden schützen soll.

2.4 Partizipations- und Rezeptionskultur von Reality Shows

Wie auch soziale Medien sind auch Serien von der Aufmerksamkeit der RezipientInnen abhängig (Bock 2013: 13). Ist eine Serie nicht interessant, dann wird sie von den Menschen auch nicht rezipiert. Warum aber jemand eine Serie konsumiert, ist sehr schwierig zu erfassen. Meist setzt sich die Motivation zur Rezeption aus vielen verschiedenen Motiven zusammen (Bock 2013: 83). Bei Reality TV gibt es viele Gründe um eine Serie zu konsumieren. Seien es nun Streitereien unter den KandidatInnen, die Sympathie der TeilnehmerInnen oder einfach nur das Konzept der Serie an sich - die Palette an Anlässen ist vielfältig. Der Hauptgrund für die Beliebtheit dieses Formats ist aber sicherlich der Alltagsbezug mit dem sich die ZuschauerInnen identifizieren können (Falcoianu 2010: 15). Nachdem sich in einer Serie mehrere Charaktere befinden, fällt es den ZuschauerInnen leichter sich mit mindestens einem/einer der ProtagonisteInnen zu assoziieren (Klaus/Lücke 2003: 208). Auch Drama und Emotionen sind ein wesentlicher Faktor für die Rezeptionskultur von Reality TV (Klaus/Lücke 2003: 197). Die Partizipationskultur bei Reality TV ist wesentlich eingeschränkt. Die Fans können nicht direkt an den Inhalten der Serie mitwirken, aber sich an ihnen beteiligen. Das Internet bietet hierbei den richtigen Ort für die Partizipationskultur. Das Internet bzw. die sozialen Medien bieten einen öffentlichen Raum, in dem Menschen miteinander kommunizieren und sich an diversen Inhalten beteiligen können (Biermann et al. 2014: 10). „Je mehr Serientexte und Medienkanäle zur Verfügung stehen, desto vielfältiger und interaktiver werden die Kontexte des Gebrauchs.“ (Pilipets et al. 2017: 142) Einige Reality Shows erfüllen die beiden Kriterien der Interaktivität zur Gänze - die Serien liefern aufgrund ihres Formates eine Vielzahl an Serientexten und gleichzeitig werden von den ProduzentInnen eigene Kanäle für den aktiven Austausch zur Verfügung gestellt. Obwohl die direkte Mitwirkung an den Inhalten der Serie von den ProduzentInnen komplett unterdrückt wird, bieten sie mit den sozialen Medien doch einen gewissen Raum für ihre AnhängerInnen. Vor allem die Rezeptionskultur ist von den Individuen selbst abhängig, während die Partizipationskultur sowohl von den ProduzentInnen als auch den RezipientInnen bestimmt ist. Bei der Rezeptionskultur können die Menschen selbst entscheiden, ob und aus welchen Gründen sie eine Reality Show konsumieren. Bei der Partizipationskultur findet verstärkt ein Wechselspiel statt, denn die ProduzentInnen stellen den AnhängerInnen eine Plattform zur Verfügung, aber gleichzeitig sind sie von der Beteiligung der Fans abhängig.

3 Forschungsmethode

Als Medienbeispiel für die Forschung soll die 16 Staffel des österreichischen Formats von Bauer sucht Frau herangezogen werden. Insbesondere wird hierbei das Hauptaugenmerk auf die dazugehörige Facebookseite gelegt, da sich hier die NutzerInnen auf unterschiedlichste Art und Weise an den Inhalten beteiligen können. Auf der offiziellen Facebookseite werden laufend Fotos und Videoausschnitte der einzelnen KandidatInnen und Hofdamen/-herren veröffentlicht, die unter anderem eine Grundlage für Diskussionen unter den NutzerInnen bietet. Während der Sendung gab es viele romantische Aktionen, aber auch heftige Beleidigungen und die dazugehörigen Ausschnitte wurden natürlich auch auf Facebook gepostet. Damit die entwickelte Forschungsfrage und die Unterfragen beantwortet werden können, sollen jeweils zwei Ausschnitte eines romantischen Moments der Serie und zwei skandalöse Beiträge analysiert werden. Solche Postings lösen bei den NutzerInnen in der Regel einen starken Meinungsaustausch aus. Ausgewählt werden die Beiträge aufgrund ihrer Handlung (Romantik bzw. Skandal) und der Beteiligungszahlen der NutzerInnen. Nach der Auswahl werden die Videoausschnitte bzw. Bilder zuerst auf ihren Inhalt analysiert und anschließend auf die Beteiligungsformen der NutzerInnen. Sollten sich unter den jeweiligen Beiträgen beleidigende bzw. fragwürdige Kommentare befinden, sollen auch die Reaktionen der SeiteninhaberInnen auf diese analysiert werden. Vor allem durch die Analyse der Kommentare soll aufgezeigt werden, ob auch unbekannte Personen miteinander in Kontakt treten und ob dies aufgrund von Gemeinsamkeiten oder Differenzen geschieht.

4 Kurzbeschreibung von Bauer sucht Frau

Bauer sucht Frau ist ein österreichisches Reality TV Format, welches unter das Genre Romantik fällt und seit 2005 auf ATV ausgestrahlt wird. Auch in Deutschland wird diese Serie unter dem gleichen Namen übertragen. Bisher gibt es mit dem Stand von März 2020 insgesamt 16 Staffeln, die wöchentlich ausgestrahlt wurden. Das Konzept von Bauer sucht Frau ist recht einfach: durch die Sendung wird alleinstehenden LandwirtInnen geholfen, die große Liebe zu finden. Bauern und Bäuerinnen aus ganz Österreich bewerben sich bei ATV und werden in einer Mini-Serie vor Beginn der eigentlichen Dreharbeiten im Fernsehen vorgestellt - in der Regel sind dies max. 15 LandwirtInnen. Die interessierten Singles können sich dann bei dem/der jeweiligen Bauer/Bäuerin mittels Brief melden. Anschließend wählen die LandwirtInnen vor laufender Kamera ihre zukünftigen Hofdamen bzw. -herren aus. Üblicherweise werden bis zu drei Damen/Herren ausgewählt, aber es kam schon vor, dass weniger oder auch mehr Singles auf den jeweiligen Hof eingeladen wurden. Die selektierten KandidatInnen werden für ca. eine Woche auf den Bauernhof des/der jeweiligen Bauers/Bäuerin eingeladen. Nach einem Tag entscheidet sich der/die LandwirtIn für eine/n KandidatIn, der/die den Hof verlassen muss. Anschließend kämpfen die übrig gebliebenen Singles um das Herz der/des Bäuerin/Bauers. Nach ein paar weiteren Tagen muss der/die LandwirtIn sich für eine/n weitere/n KandidatIn entscheiden, die den Hof verlassen muss. Die restlichen Tage der sogenannten Hofwoche verbringt der/die Bauer/Bäuerin mit dem/der letzten KandidatIn. Im besten Fall bleiben die beiden ein Paar oder beenden die Beziehung wieder. Was aus den LandwirtInnen und den letzten KandidatInnen geworden ist, erfahren die ZuschauerInnen anschließend bei den Eventfolgen, bei denen alle Bauern/Bäuerinnen und KandidatInnen der jeweiligen Staffel aufeinander treffen. Ziel bei den Eventfolgen ist es auch, die ausgeschiedenen KandidatInnen bzw. LandwirtInnen, die ihr Liebesglück nicht gefunden haben, untereinander zu vermitteln und so neue Liebe zu schaffen.

5 Der Facebook-Account von Bauer sucht Frau

Der Facebook-Account von Bauer sucht Frau verzeichnet mit dem Stand vom 04. März 2020 168.082 Gefällt mir Angaben, sowie 159.353 Abonnenten. Die Beiträge, die gepostet werden sind sehr vielfältig. Hauptsächlich werden Foto- und Videoausschnitte von den einzelnen Folgen mit zusätzlichen Bildunterschriften der SeiteninhaberInnen veröffentlicht. Die Texte sind bei den Beiträgen sehr kurz gehalten, emotional geschrieben und immer mit Emojis versehen. Die Videoausschnitte der Folgen betragen meist nicht mehr als 20 Sekunden. Oftmals werden Postings veröffentlicht, die auf die Mediathek von ATV verlinken, damit sich die NutzerInnen die kompletten Folgen auch nachträglich anschauen können. Die Fans können sich nur mittels Kommentaren oder visuellen Reaktionen an den jeweiligen Beiträgen beteiligen. Die NutzerInnen können auf der Facebookseite von Bauer sucht Frau keine eigenen Beiträge posten, da die Funktion von der Redaktion abgestellt wurde. Die Fans können sich in diesem Sinne nur an den vorgefertigten Inhalten von ATV beteiligen. Dennoch steht es den NutzerInnen frei, die Facebookseite in Beiträgen auf ihrer eigenen Seite zu markieren, aber diese werden nicht direkt auf der Startseite von Bauer sucht Frau angezeigt. Es existiert aber ein Button namens Community, mit dem Beiträge von NutzerInnen angezeigt werden können, auf dem die Seite von Bauer sucht Frau markiert wurde. So kann die Fangemeinschaft nur bedingt die Inhalte auf Facebook mitgestalten, aber es muss aktiv nach ihnen gesucht werden.

6 Auswertung der Beiträge auf Facebook

In diesem Kapitel werden die ausgewählten Beiträge von Bauer sucht Frau auf ihren Inhalt, ihre Popularität, das Kommunikationsverhalten und Reaktionen von den SeiteninhaberInnen untersucht und ausgewertet. Bei der Auswahl der Beiträge wird das Hauptaugenmerk vor allem auf Videoausschnitte gelegt, da diese die Emotionen und Handlungen besser vermitteln können als simple Bilder. Auch NutzerInnen, die die entsprechende Folge noch nicht gesehen haben, können sich schon vorab eine Meinung über die gezeigte Situation bilden.

6.1 Inhaltliche Analyse der Facebookbeiträge

Bei der inhaltlichen Analyse der Facebookbeiträge wird sich hauptsächlich auf die Handlungen und das Gesprochene in den ausgewählten Videoausschnitten konzentriert. Zusätzlich sollen auch die Emotionen der DarstellerInnen festgehalten werden, da diese wie schon im Kappitel 2.4 erwähnt, unter anderem einen wesentlichen Einfluss auf die Partizipations- und Rezeptionskultur der ZuschauerInnen haben. Ohne diese Faktoren wären die Einschaltquoten der Serie wahrscheinlich nicht so hoch.

6.1.1 Romantische Momente der Serie

Simone und Michi waren in der 16. Staffel eines der Pärchen, die auch bis heute zusammen blieben und für zahlreiche romantische Momente in der Serie sorgten. Im Video spazieren die beiden Hand in Hand einen Weg entlang und in kurzen Sequenzen schwärmt der Bauer darüber, dass Simone der Wahnsinn ist und auch überall am Hof mithilft. Am Ende des Videos küssen sich die beiden. Um den Video mehr Emotion zu verleihen, wurde die Szene zusätzlich mit romantischer Musik untermauert. Das Video verzeichnet 451 Kommentare, 280 visuelle Reaktionen und wurde von den NutzerInnen vier Mal geteilt.

Martin Anton möchte seine Auserwählte mit einer Massage beeindrucken, da er der Meinung ist, dass eine Frau auch verwöhnt werden muss. Der Bauer versucht das Bikinioberteil von Nicole zu öffnen, hat aber offensichtlich Probleme mit dem Verschluss. Das Öffnen des Bandes wurde im Video mit sinnlicher Musik unterstrichen, während der Kampf mit dem Verschluss des Oberteils eher mit lustiger Musik betont wurde. Das Video verzeichnet 661 Kommentare, 330 visuelle Reaktionen und wurde von den NutzerInnen 13 Mal geteilt.

6.1.2 Skandalöse Momente der Serie

Peter-Elia sorgte in dieser Staffel für einige Fehltritte. Unter anderem bezeichnete er seine letzte Hofdame Franziska währen eines Candlelight Dinner als Mann in einem Frauenkörper - natürlich auf rein spiritueller Ebene. In diesem Video fordert er seine Begleitung dazu auf, dass sie ihre männlichen Energie genießen und zu ihr stehen soll. Franziska entgegnet, dass sie mit Spiritualität, Engel und Elfen überhaupt nichts anfangen kann. Daraufhin kommt Peter-Elia zum Entschluss, dass sie aneinander vorbei reden. Das Video wurde on den NutzerInnen 1.102 Mal kommentiert, 45 Mal geteilt und verzeichnet 835 visuelle Reaktionen.

Martin Anton sorgte innerhalb der Serie nicht nur für zahlreiche romantische Momente mit Nicole, sondern auch für einige Skandale beim Abschlussevent. Schon zu Beginn des Abschlussevents sind die Nerven von Martin Anton sichtlich angespannt. Er spricht davon, dass etwas zu anstrengend bzw. zu stressig ist und er es nicht mehr verträgt, aus- und durchhält. Martin Anton sagt in dem Videoausschnitt nicht konkret um was oder wen es geht, aber Vermutungen liegen nahe, dass es sich hierbei um Nicole handelt. In der kompletten Folge wird klar, dass es sich bei dieser Aussage wirklich um seine Hofdame handelt. Am Anfang der Staffel war Martin Anton von Nicole noch hin und weg und ein paar Monate später geht sie ihm anscheinend anständig auf die Nerven. Das Video verzeichnet 303 Kommentare, 193 visuelle Reaktionen und wurde 7 Mal geteilt.

6.2 Popularität der Beiträge bei den NutzerInnen

Um die Popularität der Beiträge bei den NutzerInnen zu erheben, werden sämtliche Reaktionen der UserInnen zusammengezählt und mit Hilfe eines Diagramms ausgewertet. Hierbei ist es nicht von Relevanz, ob die Fans den Inhalt der jeweiligen Videos positiv oder negativ bewertet haben. Es geht bei der Erhebung um die generellen Zahlen, da jede Art von Beteiligung ein Interesse am Inhalt der Serie zeigt und diese auch immer populärer werden lässt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Partizipationskultur von Reality-TV bei "Bauer sucht Frau"
Untertitel
Digitale Aufmerksamkeitsökonomie, Homophilie und Moderierbarkeit von visuellen Inhalten
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Medien- und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Observing Networks
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V704486
ISBN (eBook)
9783346193131
ISBN (Buch)
9783346193148
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Facebook, Bauer sucht Frau, soziale Medien, Videoanalyse, Partizipationskultur, Reality-TV, Rezeptionskultur
Arbeit zitieren
Michelle Kölbl (Autor), 2020, Partizipationskultur von Reality-TV bei "Bauer sucht Frau", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/704486

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